Wo Blinde Farben sehen, kann auch Kurort sein

Goch. Wunderlicher Ort!

Empor !

Empor !

Heiliger Pater Arnold Janssen: Er hat in den beiden letzten Jahrhunderten einen Lahmen zum Wanderer gemacht und einen Blinden das Farben Fernsehen beigebracht.
Die Kirche hat die Wunder archiviert. Archive irren nie.

Sollte überhaupt nicht jeder Wallfahrtsort automatisch von der zivilen Verwaltung zum Kurort ernannt werden? Hier werden sie geheilt!

Bad Goch!

Immerhin gibt es hier ja bereits eine Marienwasser-Straße.

Seitwärts

Seitwärts

Erschlösse ein Marienwasser-Mineralbad der Gemeinde nicht neue Einnahmequellen?
(Oma verzeih mir!)

Ich verließ den Kurt-Ort gegen 11 Uhr.

13 Kilometer lagen vor mir – bis zum eigentlichen Zentrum des rheinischen Wunderglaubens: Kevelaer. Einer der berühmtesten Wallfahrtsorte Deutschlands.

GPS-127-Goch

GPS-Gesamtstrecke bis 127

Unterwegs: die Landschaft wie seit Tagen. Felder (frühlingsgrün) und ab und zu ein paar Bauernhöfe.

Grenzland

Grenzland

Schöne Schlösser/Burgen verstecken sich im Münsterland.

Burg aufm Horizont

Burg macht sich breit

Der Wohlstand wird über den Ackerbau erarbeitet.

Himmel Horizont Nochmal!

Himmel Horizont Nochmal!

Manchmal stinkt‘s. (Ich sag’s immer wieder: Raps muffelt!)

Raps Horizont

Raps Horizont

Der Frühling hatte sich endlich durchgesetzt! Ein mit weißen Jungfrauen-Blüten geschmückter Weg!
(Sollte ich den Gochern nicht ein neues Straßenschild vorschlagen: „Reinheitsweg“?)

Grün-Weißer-Horizont

Grün-Weißer-Horizont

Ich guckte soviel nach oben und in den Himmel, dass ich beinahe nicht mitbekam, dass ich bereits Kevelaer betreten hatte.
Kirchturmspitzen mischten sich mit Baumkronen.

Empor II

Empor II

Just gestern, am Tag der Arbeit, hatte der Weihbischof die Pilgersaison in Kevelaer eröffnet.

Horizont Wimpel

Horizont Wimpel

Selbst asiatische und lateinamerikanische Fluglinien öffneten schon am gleichen Tag ihre Jumbo-Türen und entließen ganze Herden heilsüchtiger Menschen in das deutsche Heiligtum.

Asiatischer Horizont

Asiatischer Horizont

O Lord! Wie Stille ergreifen kann!

Vollverschleiert

Vollverschleiert

O Lord! Wie tief eine Empfindung ist!

Once upon a  time

Once upon a time

O Lord! Light his fire!

Once upon a time II

Once upon a time II

Die Beatnix Generation war nie hier.
(Ein bisschen Peyote und sie hätten auch an diesem Ort ihre Erscheinungen gefeiert!)

Once upon a time III

Once upon a time III

Meine Großmutter (die ich sehr verehre) pilgerte einst nach Kevelaer (in den 70ern?). Sie kaufte sich in den zahllosen Devotionalien-Läden ein Büchlein mit Heiligenlegenden.
Sie lebte mit den Madonnen, Engeln, Heiligen und Ätherischen Wesen. Sie glaubte an Gott und den Teufel und daran, dass die Erde eine Scheibe ist. Und sie war eine klasse Frau! In der Nazi Zeit schickte sie ihre Kinder demonstrativ in die Messe statt zur Hitlerjugend. Sie spielte sonntags früh in der Kirche mit dem Harmonium gegen die Gotteslästerer an und riskierte Gefängnis. Sie zwang 1963 ihren Mann (meinen Opa) im dann Freien West-Deutschland einen Fernseher zu kaufen, um dem Begräbnis von Papst Johannes XXIII. beizuwohnen. Sie war immer monarchistisch, ultramontan, superkatholisch und prinzipenstark.
Sie hätte mir meinen Spott nie verziehen. (Oder nur ein bisschen.)

Once in al lifetime

Once in al lifetime

Ich hatte Hunger:
Große Spargelportion (Mailänder Art: mit Parmesan überbacken und mit rohem Schinken).
Sehr gut. 14,80 Euro.

T127-Essen-01

Unterkunft: 55 Euro (mit Frühstück).

Schmierbauch Knut verweigert mir das Gespräch und schnarcht sich durch bis Peenemünde

Schon früh am Morgen war die Spätsommersonne erstaunlich kraftvoll. Die Planken der Zinnowitzer Seebrücke bereits gut aufgeheizt.

Prächtige Bäderarchitektur

Mir brannten noch die Oberschenkel von der gestrigen Wanderung. Ich konnte es heute langsam angehen lassen.

Aufbruch 9 Uhr 30, Ziel: Peenemünde am äußersten Westzipfel Usedoms. Kaum 15 km Weg, überwiegend am Strand entlang.

GPS-Gesamtstrecke bis 066

Die Badestrände nicht mehr so überfüllt. Diese Ecke der Insel nicht so überlaufen. Dennoch, allein mit mir war ich selten.

Famiienurlaub

Die Ostsee erstaunlich flach, die Badenden standen manchmal noch hundert Meter vom Ufer entfernt kaum knöcheltief im Wasser.

Flachgewässer

Knut hatte sich in seine selbstgebaute Sandburg gelegt und ließ sich den Bierbauch rot braten. Er roch nach Bier, schnarchte. Und schlief noch, als ich ihn einpackte und einfach mitnahm. Ich weiß selbst nicht warum, vielleicht hatte ich Lust zu reden. Je mehr Menschen unterwegs waren, umso schwerer fiel es mir, mit jemandem ins Gespräch zu kommen.

Prachtvoller Wanst

Gegen Mittag wurde mir die Hitze zuviel und ich suchte Schatten im Wald.

Flucht in den Schatten

Vorbei an einer kleiner Ferienhaussiedlung in Karlshagen im traditionellen Stil. Reetgedeckte Dächer.

Reetidyll

Reetidyll dicht an dicht

Auf dem Weg nach Peenemünde alle 100 Meter ein Warnschild: „Munitionsbelastetes Gebiet. Lebensgefahr“.

Nicht Ost-Zone, sondern Sperr-Zone

Ich fragte Knut, ob er wisse, welche Munition da herumlag und von wem die tödliche Hinterlassenschaft stammte?
Seine Antwort: schnarchen. Er schlief weiter seinen Rausch aus.

Offenbar war das Gelände von den Briten 1943 großflächig mit einem Bombenteppich ausgelegt worden (wie niedlich das klingt, muss mal bei OBI nachfragen, ob es dort auch Bombenteppiche im Angebot gibt).

Die Angriffe galten den Peenemünder Raketenforschern und Bombenbauern. Unter dem Waldboden soll es noch von Phosphorgranaten wimmeln.

Peenemünde selbst ist nur eine Ansammlung weniger schmuckloser Häuser samt einem kleineren Hafen. Dominiert von einem alten Sowjet-U-Boot, das hier wie ein gestrandeter Wal auf die Ausschlachtung wartet.

Russische Hinterlassenschaft

Die Russen sind mittlerweile weg. Die Bildzeitung hat sie 1989 vertrieben!

BRD Hinterlassenschaft

BILD als „täglicher Bedarf“? Hat es dafür die Wende gebraucht?

Am Hafen ein paar Souvenirshops und mittenmang immer wieder Broschüren über „Wernher von Braun“. Es überraschte mich doch, dass er immer noch als „Vater der modernen Raumfahrt“ gilt. Selbst hier in Peenemünde, wo die Einwohner es besser wissen müssten.

Immer noch Held und nicht Teufel

Wernher von Braun war ein Mann, der die Bombe liebte.

Er leitete hier die Heeresversuchsanstalt. Er war ein Pionier der Raketentechnik und stellte sein Können in den Dienst der Nazis. Er ließ von tausenden KZ-Arbeitern die ersten Cruise Missiles der Geschichte herstellen. Dann auch noch die V2 Rakete. London und Antwerpen wurden von den „German Wunderwaffen“ teilweise in Schutt und Asche gebombt.

In Peenemünde erinnert nicht viel an die Untaten des deutschen Jekyll und Hyde.
Am Ortseingang ein zerfallenes Gebäude, in dem Braun einst flüssigen Sauerstoff für seine Raketen fertigen ließ. Hunderte vo Zwangsarbeiter wurden bei der teilweise in unterirdische Stollen verlegten Rüstungsproduktion zu Tode gequält.

Gewünschter Zerfall

Eigentlich skandalös, dass in Peenemünde nicht großflächig eine Mahnstätte eingerichtet wird. Stattdessen ein paar „verdruckste“ Erinnerungsstücke auf dem Gelände des technischen Museums.

Die V2-Rakete ragt in den Himmel als pure Touristenattraktion.

Vorläufer der Mondrakete und Englandbomber

Solche Raketen wurden am Ende des Krieges auf England abgeschossen.

Todesengel

Laut Hinweisschild ist diese leichtbekleidete Dame Teil der Originalbemalung der Rakete.
Wurde der orangene Engel ebenfalls auf London losgeschossen?
Perfide, perfide.

Fliegende Bombe

Höllenhund nannten die Nazis diesen ersten Marshflugkörper der Geschichte. Ein weiteres „Kunststück“ aus der Hand Wernher von Brauns.

Ich hatte dringenden Gesprächsbedarf, aber Knut hatte es sich auf der Abschußrampe der V1 bequem gemacht und sonnte sich immer noch laut schnarchend.

Bombenbauch

Ihn interessierten diese „ollen Kamellen“ einfach nicht. Ich war wütend. Beinahe hätte ich die Rampe aktiviert und Knut in den Orcus befördert. Aber nicht einmal in der Hölle wäre er aufgewacht.

Als ich 13 Jahre alt war, noch im gleichen Monat der ersten Mondlandung, schrieb ich einen Autogrammwunsch an die amerikanische Weltraumbehörde NASA. Ich wollte unbedingt die Unterschrift eines gewissen Wernher von Braun. Er wurde damals verehrt als Begründer der bemannten Raumfahrt. Er hatte für die Amis die Saturn-Rakete entwickelt.

Nazi geht zur NASA

12 Monate später hatte ich das Autogramm

Erst Jahre später wurde mir klar, dass ich einen Massenmörder um ein Autogramm gebeten hatte.
Von Braun war der typische opportunistische „deutsche Wissenschaftler“, der den Bund mit dem Teufel eingegangen war und selbst zum Teufel mutierte. Erst im Dienst für die Nazis, dann im Dienst für die USA.

Peenemünde ein Ort zum Gruseln.

Hunger: Flunderfilet Finkenwerder Art. 11,50 Euro.

Ich hätte den Rat Heraklits befolgen sollen: Verspeiß nicht zweimal das gleiche Essen.
Wie grauenhaft die Panade (feucht und penetrant), triefend die Speckstippen, ersoffen die Bratkartoffeln.
Welch ein Unterschied zur gestrigen Scholle auf Finkenwerder Art. Der Koch gehört entlassen!

Unterkunft zudem total überteuert.
O Peenemünde!

Die DreiNamensHex fliegt mit mir nach Mitterfirmiansreut

War zeitig aufgebrochen. Gegen halb acht. Schlechtes Wetter war angekündigt und ich wollte ein paar Kilometer machen. Besser laufen, als in einer Stube herum hocken. Ich wusste noch nicht, dass es ein verdammt langer Tag, ein Auf und Ab in den Bergen werden sollte. Bis auf 1.050 Meter gings zeitweilig hoch und gleich wieder rasant bergab. Am Schluss verrückte 37 km bis Mitterfirmiansreut. Die Grenze mit Österreich verlief irgendwo in den Wäldern, ich muste mich stellenweise deutlich von ihr entfernen, um auf gangbaren Wegen zu gehen.

GPS-Gesamtstrecke bis 011

Die Sonne hatte früh am Morgen noch Kraft, die dicken dunklen Wolken zu durchbrechen. Ich fotografierte ein Vogelhäuschen, da ich eine Bewegung bemerkt und eine Kohlmeise darin vermutet hatte. Zu meiner Überraschung fand ich aber eine Hexe! Sie hatte sich im Guckloch des Verschlages mit ihrem Besen verheddert und steckte fest.

Hexenhaus lässt die Hex nicht raus

Ich befreite sie, dachte sie würde sofort auf ihrem Besen „wegreiten“. Aber sie blieb bei mir. Ich wusste nicht, dass Hexen dankbar sein können.

Ich fragte sie nach ihrer Herkunft. Sie sagte, sie wohne normalerweise am Rachel-See, weiter oben im Grenzgebiet zwischen Bayerischem und Böhmischem Wald. (Dorthin will ich auch noch wandern.) Ich fragte sie nach ihrem Namen, aber sie schwieg. Wir bewegten uns im Dreiländereck von Deutschland-Österreich-Tschechien. So beschloss ich, sie die Dreinamenshex zu nennen.

Hexe KittiKattiKatharina

Zu Beginn schritt ich kilometerlange Loipen ab. Normalerweise wird jeder sofort standrechtlich erschossen (oder wenigstens von Jägern aus Versehen), wer diese Heiligtümer des Wintersports mit simplen Wanderstiefeln entweiht. Alle Hundert Meter Verbotsschilder für Fußgänger. Aber es gab eh niemanden, der jetzt sportelte, die Saison beginnt erst in etwa einer Woche. Trotzdem lief ich mit einem schlechten Gewissen die Loipe entlang. Ich bin zu deutsch – ich beachte normalerweise Gesetze. Ich beeilte mich besonders, schnell weiter zu kommen.

Loipe nach Haidmühle

Loipe als Hohle Gasse

KittiKattiKatharina war unterwegs etwas unruhig geworden, hatte irgendeine Fährte aufgenommen und führte mich schließlich zu einer Froststelle, in der wieder einmal einer dieser tollpatschigen Nikoläuse festgefroren saß.

Hexe entdeckt Bofrost Nikolaus

Ich befreite auch ihn (hatte gerade meinen großzügigen Tag) und beschloß, ihn endlich in meine Familie aufzunehmen. Mein Rucksack wurde schwerer und schwerer.

So wie der Tagesverlauf. Geplant war eine Etappe von etwa 20 km. Bis Haidmühle etwa.

Verregnete Ankunft in Haidmühle

Doch dort: Wind, extremer Regen und jede Pension ZU! Die Saison beginnt erst Weihnachten.

Ich lief also weitere 5, 6 Kilometer bis Bischofsreut. Das gleiche Spiel. ALLES ZU!!
Weiter nach Philippsreut. Erneut ALLES ZU!!! Ich klingelte in einer Pension, ein Großmütterchen mit reichlich gebeugtem Kreuz öffnete die Tür, bedauerte dass sie Betriebsferien machten und sagte mir, dass möglicherweise in Mittefirmiansreut noch ein Familienhotel offen hätte. Weitermarsch (noch einmal 5 km) in der Nacht bei Schneeregen und dichtem Nebel.

Irgendwann (gegen 18 Uhr 30 (stockfinster!!!!)) hielt ein gnädiger Autofahrer, bei dem ich mich erkundigte, wo denn GottVerdammtNochmal eine Unterkunft zu finden sei. Der freundliche ältere Niederbayer lotste mich GottSeiGedankt zum einzig offenen Gasthaus im weitläufigen Dorf-Labyrinth und verabredete sich gleich mit mir um 20 Uhr auf ein Bier.

Das Gasthaus war ein Hundehotel, genauer gesagt: ein Familienhotel, in dem Hunde willkommen waren. Sie waren die ersten die mich rudelweise empfingen. Gewöhnungsbedürftig.

Das Hotel bot lediglich Halbpension an, Überraschungsgäste waren eigentlich nicht vorgesehen. Trotzdem wurde ich freundlich aufgenommen und hatte so immerhin die erste Halbpension meines Lebens gebucht. Schlafen mit Abendessen und Frühstück inklusive.

Schlag acht Uhr stand dann mein freundlicher Helfer in der Wohnstube (die hatte das Hundehotel auch!).

Er war Rechtsanwalt, der sowohl in Tschechien als auch in Bayern zugelassen war. Wir plauderten eine Zeit lang über die Nachbarschaftsverhältisse im Dreiländereck. Nach seiner Erfahrung kommen zur Zeit immer mehr Tschechen nach Niederbayern, um business zu machen. Zeitarbeitsfirmen, Autozulieferer und vor allem auch Fremdenverkehr. Sogar einige Gastronomieunternehmen, Hotels und Restaurants seien mittlerweile von Tschechen aufgekauft. Geld sei offenbar vorhanden. Und viele Tschechen kämen auf die niederbayerische Seite, um Urlaub zu machen. Skifahren, Langlauf oder Wandern im Sommer. Außerdem zahlten Tschechen zuverlässiger als seine niederbayerischen Landsleute. Europa wachse sichtlich zusammen.

Zu den Mentalitätsunterschieden befragt, meinte mein heißerkakautrinkender Gast: Tschechen seien Slawen und nie so direkt wie die Deutschen. Direktheit würde sie verletzten. Ihr Stolz sei sehr schnell zu kränken. Nur wer das verstehe, könne ins Geschäft mit ihnen kommen. So gesehen seien die Österreicher mehr Slawen als Deutsche. Auch bei ihnen gäbe es einen spürbar überhöhten Patriotismus; Österreicher seien schnell verletzbar und nie so brutal direkt wie die Deutschen.

Zu guter Letzt kam mein DreiländerExperte noch auf sein Lieblingsthema: Die Logen. Er war davon überzeugt, dass die Welt von geheimen Mächten regiert würde. Von Logen. Schröder (Gazprom), Berlusconi (Medienmogul) – nur zwei Beispiele von Logenmitgliedern, die einen Auftrag zu erfüllen hätten: Die Welt ins Chaos zu stürzen, damit am Ende der Logen-Chef sich als eigentlicher Weltenlenker offenbaren könne. Fast alle wichtigen Orden hätten die Teufelsanbetung als Grundlage. Denn es ginge darum, Gott den Alleinvertretungsanspruch auf Weltherrschaft und damit auf Allmacht zu entreißen. Gott stürze man mit dem Teufel.

Langsam (auch meinem Bierkonsum geschuldet) konnte ich den Argumenten meines DreiländerNiederbayern nicht mehr folgen. Er zählte mir immer mehr verschiedene Logen und Logenmitglieder auf. Auf meinen Einwand, dass, wenn es so viele unterschiedliche Logen gäbe, die allesamt auf die Alleinherrschaft der Welt abzielten, es doch nach Mafia-Manier Revier-Kämpfe untereinander geben müsste – also Morde,Totschlag, Massaker – blieb ihm für Sekunden die Spucke und das Argument weg, dann kam er aber auf den Hexenorden. Und hier war der Punkt, wo ich schließlich aufgab. Ich verabschiedete mich. Und bemerkte, dass KittiKattiKatharina, die ich dazu befragen wollte, längst im Delirium lag.

KittiKattiKatharina übt sich als Schnapsdrossel

Durst: Helles von der Brauerei Lang-Bräu (Freyung im Bayerischen Wald). War nix besonderes. 2,50 Euro.

Hunger:
Champignonschnitzel mit hausgemachten Spätzle. (Preis: Halbpension.)

Essen wie aus der deutschen Pampa/Pampe

(Hier zeigte sich das ganze Desaster deutscher Halbpensionsküche: Ein einziger geschmackloser Mehlbrei. Ich war allerdings zu dankbar, überhaupt eine Unterkunft gefunden zu haben, um mich zu beschweren. Außerdem war der Wirt/Koch überaus nett.)

Meine Rasselbande kurz vor dem Einschlafen

Unterkunft (inklusive Schnitzel und Frühstück (also Halbpension)): 60 Euro.

Glücksgefühl beim Verlassen von Gottsdorf

Glücksgefühl am Morgen. Schnee lag noch. Tolle Wetterstimmung beim Verlassen von Gottsdorf.

Gottsdorf in der Früh

Gottsdorf immer noch früh

Einsame Sträßchen, praktisch kein Verkehr. Immer wieder Grenzschilder: Österreich eine gute Spuckentfernung weg.

Grenze verläuft durch Innenhöfe von Bauernhöfen

Eher einfache Route heute: Von Gottsdorf (mit ein paar Umwegen) nach Wegscheid. Maximal 18 Kilometer. Keine schwierigen Höhenunterschiede.

GPS-Gesamtstrecke bis 009

Niemand zu sehen, nicht auf den Straßen, nicht in den Dörfern. (Was machen eigentlich Bauern im Winter? Euro-Subventions-Richtlinien studieren, am warmen Herd?). Immerhin rauchten fast alle Schornsteine. Es wird viel Holz verfeuert. Angenehmer Geruch nach Lagerfeuer.

Meine einzigen Begleiter: Wegkreuze.

Treue Begleiter: Wegkreuze

Und immer noch ein Glücksgefühl, das ich mir nicht erklären konnte. Es hing wohl mit der Natur zusammen. Sie war nicht grandios. Doch zauberhaft still und anmutig (gar nicht wuchtig, wie ich für den Bayerischen Wald vermutet hätte).

Glück ist ein merkwürdiges Gefühl. Jedenfalls mehr als purer Endorphin-Ausstoß.

Ich weiß, das viele dazu neigen, angesichts eines überwältigenden Naturerlebnisses den Schöpfer zu bemühen und die Nichtigkeit des eigenen kleinen Wesens zu betonen. Und aus einem Glücksgefühl, aus einer Naturüberwältigung, gleich einen Gottesbeweis zu machen. Wieder so ein kultureller Reflex, der sich automatisch zwischen den Synapsen ereignet. 2000 Jahre Christentum haben den meisten von uns den Horror Vacui eingebleut. Die Angst vor dem absoluten Nichts. Nur weil wir den Abgrund des Nichts sehen, sollen wir an Gott glauben. Alles definiert sich demzufolge über sein Gegenteil, nichts existiert ohne sein Antonym. Das hat aber einen Haken. So würde Gott auch nur existieren, wenn es ebenfalls einen Teufel gäbe. Hat also Gott den Teufel geschaffen, um sich selbst zu erzeugen?
Wer den Teufel abschafft, vernichtet Gott?

Komisch, über was ich so nachdenke, wenn ich ständig an irgendwelchen Kruzifixen vorbeimarschiere und an seltsamen Nikolaus-Leichen.
Dieser Himmels-Postbote war offensichtlich erfroren: Wiederbelebung zwecklos. Schokolade auch nicht mehr genießbar.

Irgendetwas stimmt mit der Ausrüstung der Nikoläuse nicht

Danach ein plötzlicher Wetterumschwung. Mehr SchneeRegen als Schnee. Wind. Graupel. Ungemütlich. Wegscheid war allerdings nah. Und ein Landgasthof. Ankunft 15 Uhr 30. Pressspan-Möbel im 60er Jahre Stil. Rustikal-Charme. Knorriger (aber dennoch überaus freundlicher) Wirt. Zwei ältere Bauern am Stammtisch, die auch wieder über die ertrunkenen Angler diskutierten. Konnten aber auch nicht klären, warum sie nicht schwimmen konnten.

Durst: Innsstadt Helles. 2,20 Euro.

Hunger: Wildschweinbraten mit Knödel. Standard (Mehlschwitze ist hier wohl auch Standard). 10,80 Euro.

Mehlschwitze ist Saucen-Standard

Unterkunft: 25 Euro (mit Frühstück). Klasse Preis.