Über Wein- und Ländergrenzen nach Nittel an der Mosel

Irgendwo muss die Mentalitätsgrenze gewesen sein. Ich hatte sie überschritten, ohne es zu merken.

Wirte, Bedienungen, Hotelangestellte, Brotverkäufer, Menschen, mit denen ich auf der Straße quatschte, waren auf einmal aufgeschlossen, gesellig und feierlaunig. Ich erfuhr kleine Dramen über verlorene Eheringe und späte Autofahrten, die an Laternenpfählen endeten. Nichts Bedeutendes. Aber irgendwo auf meiner Wanderung hatte es plötzlich einen Offenheits-Sprung gegeben.

Erst beim Verlassen Triers dämmerte es mir: Ich hatte die Bitburger Berge verlassen. Ich war vom herben Pilsland ins liebliche Rieslingtal hinabgestiegen.

Die Alkoholart hatte ich gewechselt und damit die Stimmung!

Mosel here I am!

Braun wie der Mississippi

Braun wie der Mississippi

Okay. Es war trüb, die Mosel dreckigbraun aber mit geschwollener und breiter Brust.
Es regnete, als ich um 10 Uhr Trier verließ.
Just zu dieser Stunde öffnete das Marx-Geburtshaus-Museum und draußen standen bereits Gruppen von Chinesen, denen es eine Pflicht schien, in ihren 10-Days-Europe-Urlauben den eigentlichen Gründer ihres kommunistischkapitalistischichweißnichtwas Staates zu ehren.
(Was für ein komplizierter Satz – aber so sind Chinesen!)

Ich hatte beschlossen, das Scheißwetter zu ignorieren und marschierte beschwingt die Mosel entlang. Mein Ziel: das Weindorf Nittel. 26 km entfernt.

GPS-144-Trier

GPS-Gesamtstrecke bis 144

Trier boomt seit ein paar Jahren: Chinesen, Niederländer, Luxemburger sowieso, Belgier und auch noch ich waren übers Pfingstwochenende in die Stadt eingefallen. Aber noch mehr als Touristen gab es Schwäne.

Ab dem Stadtrand nistete alle paar hundert Meter ein Schwanenpaar direkt am Ufer-Fahrradweg der Mosel.

Straßenschwäne

Straßenschwäne

Nicht mal die Tiere sind im Rieslingland scheu!

Mama mit Tochter?/Sohn?

Mama mit Tochter?/Sohn?

In Wasserbillig wechselte ich von Deutschland nach Luxemburg zurück. Die Mosel war von nun an die gemeinsame Grenze.

Flussdorf

Flussdorf

Eigentlich müsste das luxemburgische Dorf nicht Wasserbillig, sondern Benzinbillig heißen. Selten habe ich so viel Tanktourismus gesehen. Diesel und Benzin bis zu 30 Cent billiger als in Deutschland. Auf einigen Hundert Metern zählte ich beinahe ein Dutzend Tankstellen.

Spritdorf

Spritdorf

Irgendwann wieder nach Deutschland gehüpft (gebrückt). Zuvor hatte ich noch schell einen Espresso in einem luxemburgischen Brückencafé getrunken und einige Worte mit dem Wirt gewechselt.
Die Grenze existiert eigentlich nicht. Weder sprachlich noch kulturell.

Grenzen sind etwas für Nostalgiker.

East goes West

East goes West

Ich durchwanderte die ersten Weinberge. Herrliche Landschaft!

WeinWanderWeg

WeinWanderWeg

Die Mosel drehte vergnügt eine Schleife und wies die Sonne an, mein Tagesziel lieblich auszuleuchten: das Weindorf Nittel.
(Links am Bildrand!)

Flussbogen

Flussbogen

Ich quartierte mich im Weinbetrieb Apel ein. Die meisten Winzer im Ort buhlen mit Direktverkauf, Pension und einer Besenwirtschaft um Kunden.
Welch ein Glück, nun alles an einem Ort zu haben. Alles inklusive!

Die Kommunikations-Stube bereits um 18 Uhr rappelvoll.

Durst:
1 Glas Elbling (Kabinett trocken). Seltene weiße Rebsorte: 3,80 Euro (0,2l). Guter Schoppenwein.
1 Glas Auxerrois (trocken). Auch eher seltene weiße Sorte: 3,80 Euro (0,2l). Spritzig, dezente Säure, angenehm.
1 Glas Blauer Burgunder (Barrique). 5,50 Euro (0,2l). Roch intensiv, der erste Schluck mundete gut, dann aber flachte der Wein ab und wurde breit. Keine Finesse.

T144-Wein-01

Hunger: Frischer Spargel mit Sauce Hollandaise, pikantem Winzersteak auf Rebholz gegrillt und Petersilienkartoffeln. (17,80 Euro.) Sehr würziges Fleisch, wenn auch zu lange gegrillt.

T144-Essen-01

Unterkunft: 49 Euro (mit Frühstück).

Ins Himmelbett nach Kronenburg

Kein Fotografierwetter als ich Hellenthal verließ. Diesig und veschmiert die Sicht.

Entweder das Kaff liegt tief unten oder ich war schon in kurzer Zeit ziemlich hoch oben.

Down under

Down under

Ich hätte einen Höhenmesser brauchen können, um herauszufinden, wie viele Meter ich mich nach oben oder unten, aber nicht nach vorne vorarbeitete.

Die Strecke sollte mich beträchtlich Auf und Ab gehen lassen bis zu meinem Ziel: Kronenburg. 22 km entfernt. Um 9 Uhr war ich aufgebrochen.

GPS-137-Hellenthal

GPS-Gesamtstrecke bis 137

Typische Eifellandschaft: Weiden, Wiesen, Wald und ein paar Gehöfte auf einer Kuppe.

On Top

On Top

Der Frühling streifte die Hocheifel dieses Jahr sehr spät. Die Bäume arbeiteten noch am Maiausschlag und begrünten sich nur langsam.

Pastellnuancen

Pastellnuancen

Jeder 3. oder 4. Bauernhof hatte eine kleine Koppel mit Ponys oder Pferden.
(Muss hier jede Tochter ein Reitpferd haben?)

Elegante Kopfhaltung

Elegante Kopfhaltung

Mein Handynavi schleuste mich auf Wanderwegen durch die Täler und Berge, konnte aber nicht verhindern, dass ich mich mehrmals fürchterlich verlief. Einmal ging ich einige Kilometer einfach im Kreis. Das andere Mal musste ich den gleichen Weg wieder zurücklaufen. Das dritte Mal befahl mir das Navi durch feuchte Wiesen zu stapfen bis mir das Wasser fast aus den Schuhen lief. (Wer sagt eigentlich, dass Goretex kein Wasser durchlässt?!)

Nasses Grün

Nasses Grün

Zwischendurch das übliche Eifelwetter: Es regnete.

Die Dörfer massiv, die Kirchen schlicht.

Nasses Weiss

Nasses Weiss

Wenn die Sonne kam, wurde es richtig schön.

Nachzügler

Nachzügler

Gerade hatte ich seinen Garten fotografiert, da sprach er mich auch schon an: Clas.
Die 70 Jahre konnte ich ihm nicht ansehen.

Clas war Niederländer und hatte sich vor zwei Jahren das Anwesen (zusammen mit seiner Frau) als Alterssitz gekauft.
Die ganze Welt hatte er gesehen. Als Bauingenieur hatte er die Aufschüttung der Palminsel in Dubai beaufsichtigt und die Stranderweiterung auf Sylt.
Den schönsten Platz um noch älter zu werden fand er hier: in der Eifel.
Außerdem – so sagte er – seien die Häuser einfach viel billiger als in den Niederlanden.

Eifelholländer

Eifelholländer

Clas mochte die verschlossenen Eifeler. Er war zu Beginn von Dorf-Tür zu Dorf-Tür gezogen und hatte sich vorgestellt. Auf dem letzten Weihnachtsmarkt hatte er den Nachbarn kostenlos ihre silbernen Eheringe poliert und aufgemöbelt. Das habe ihm die Herzen geöffnet, lachte Clas.
Silber schmieden und bearbeiten sei sein Hobby.

„Außerdem: Die Deutschen räumen dir den Schnee auf der Straße vor dem Haus weg, ohne dass du bezahlen musst“.
Auch ein Argument, hier zu wohnen.

Ich verabschiedete mich und folgte gehorsam meinem Navi, das mich jetzt durch eine Spargel-Landschaft lotste.

Windspargel

Windspargel

Kein Eifelblick ohne einen Windspargel am Horizont.

Ich war froh, als ich Kronenburg erreichte.

Keinem einzigen Menschen begegnete ich im alten Dorfzentrum.

Mauern ohne Menschen

Mauern ohne Bewohner

Am Ende meines Weges: ein Burghotel mit einem freien Einzelzimmer und einem Gourmet-Restaurant.

Und: mein erstes Himmelbett!

T137-Kronenburg-02-imp

Fensterblick!

eyes wide open

eyes wide open

Hunger.
Vorspeise: Wachtelbrüstchen an Spargelrisotto, Baconchips und Möhrenstroh. (Ausgesprochen fein.)

T137-Essen-01

Hauptspeise: Lammcarré mit Kräutern der Provence an Rotweinjus, Kartoffel-Rosmarin-Gratin, gegrillter Eifler Ziegenkäse, mediterranes Gemüse. (Extrem zart und saftig das Lamm. Jus sehr gut. Der Rest war Firlefanz.)

T137-Essen-02

Unterkunft: 90 Euro (ohne Frühstück).

Muttertagsmänner stillen meinen Durst auf dem Weg nach Hellenthal

Ich konnte es nicht lassen. Beim Verlassen Monschaus musste ich noch einmal den Auslöser drücken.

Grandioses Fachwerk

Grandioses Fachwerk

Um 9 Uhr 30 dem Städtchen endgültig den Rücken zugekehrt. Über Wanderwege wollte ich nach Kronenburg, sollte unterwegs aber merken, dass das kaum zu schaffen war. Also änderte ich mein Tagesziel: Jetzt war es Hellenthal, mit Wanderumwegen ca. 25 km weit weg.

GPS-136-Monschau

GPS-Gesamtstrecke bis 136

Ein steiler Pfad quälte sich das Rur-Ufer in den Wald hoch.

Junggrün die dominierende Farbe

Junggrün die dominierende Farbe

Der Regen hatte mich in der Früh aufgeweckt und Regenschauer begleiteten mich den ganzen Tag. Aber sie stimulierten den Wald noch intensiver nach Moos, Kompost, Rinde und Holz zu riechen. Auch die Farben klarer und nicht morgenmüde – so wie ich.

Was wäre, wenn Bäume keine Wurzeln hätten?

Was wäre, wenn Bäume keine Wurzeln hätten?

Steinwurzeln

Steinwurzeln

Ich musste mich konzentrieren. Der schmale Pfad war rutschig.

Eifelsteig

Eifelsteig

Einige Zeit folgte ich dem Eifelsteig, einer schönen Route um das Mittelgebirge zu erkunden.
Immer wieder kleine Felsformationen. Und immer wieder minutenkurze Sonnendurchbrüche.

Markant

Markant

Nach einer Stunde Höhenwanderung stieg ich ins Tal ab, um dem Perlenbach zu folgen, der kurz vor Monschau zu einem langgezogenen See gestaut ist.

Indian Sumer im Frühling

Indian Sumer im Frühling

Statt steinig und glitschig war der Weg jetzt sumpfig und morastig.
Der Bach lärmte und ließ Vogelstimmen kaum eine Chance.

Bäche sind laut

Bäche sind laut

Für Stunden das gleiche Panorama: rechts Bach, links Wald mit zum Teil steilen Hängen.
Viele Wege kreuzten sich und ich hatte Mühe, Kurs zu halten. Hier unten im Tal hatte ich keine Telefonverbindung mehr und mein Handy-Navi war nutzlos geworden.
Wegschilder gaben mir meist mehr Rätsel auf, als dass sie mich orientierten.
Ohne gutes Kartenmaterial war es schwierig.

Ich hatte mittlerweile meinen Wasservorrat geleert und seit dem Morgen nichts mehr gegessen.
Eine Waldkneipe gab es hier nirgends.

Ich war so sehr damit beschäftigt, mich im Wegenetz zurechtzufinden und meinen leeren Magen mit ein paar TicTacs zu beruhigen, dass ich eigentlich an nichts dachte. Nur: Hoffentlich ist es nicht mehr zu weit!

Plötzlich hörte ich Männerstimmen.

Eine Gruppe älterer Herren hatte sich vor einer Schutzhütte versammelt. Neben der Hütte eine große Pferdekutsche mit 2 angespannten Brauereigäulen. Im Wagen war Platz für mindestens 12 Personen. Ich zählte 6 Kisten Bier und sah jede Menge Essbares.

Muttertagsmänner

Muttertagsmänner

Ich näherte mich der Gruppe und bat um ein Bier.
Es war kein Problem.

Die Herren feierten „Muttertag“. Der Chef der Truppe erklärte mir: Sie seien Aachener Jecken und seien diesen Rosenmontag als Mamis verkleidet im Zug gelaufen. Das gäbe ihnen jetzt das Recht auch den Muttertag anständig zu begehen.
Sie luden mich noch zu einer Portion Gulasch ein, was ich aber dankend ablehnte. Ich wollte nicht unverschämt sein. Außerdem hätte mich ein voller Bauch ziemlich gehmüde gemacht.

Ich zog weiter. Ziemlich dicht an der belgischen Grenze (unsichtbar) entlang, bis ich wieder eine lange Talsperre erreichte. Die Oleftalsperre.

Wie so heißt das Talsperre und nicht Flusssperre?

Wie so heißt das Talsperre und nicht Flusssperre?

6 km fehlten noch bis Hellenthal, am Fuß des sehr hohen Wehrs.

Auf der anderen Seite

Auf der anderen Seite

Um halb 5 eine offene Pension gefunden. Ich war der einzige Gast.

Hunger: Spargel mit Hühnchenbrust und einer Orangen-Hollandaise. (Gut bürgerlich, fantasielos). 14,50 Euro.

T136-Essen-01

Unterkunft: 28 Euro (ohne Frühstück).

Wo Blinde Farben sehen, kann auch Kurort sein

Goch. Wunderlicher Ort!

Empor !

Empor !

Heiliger Pater Arnold Janssen: Er hat in den beiden letzten Jahrhunderten einen Lahmen zum Wanderer gemacht und einen Blinden das Farben Fernsehen beigebracht.
Die Kirche hat die Wunder archiviert. Archive irren nie.

Sollte überhaupt nicht jeder Wallfahrtsort automatisch von der zivilen Verwaltung zum Kurort ernannt werden? Hier werden sie geheilt!

Bad Goch!

Immerhin gibt es hier ja bereits eine Marienwasser-Straße.

Seitwärts

Seitwärts

Erschlösse ein Marienwasser-Mineralbad der Gemeinde nicht neue Einnahmequellen?
(Oma verzeih mir!)

Ich verließ den Kurt-Ort gegen 11 Uhr.

13 Kilometer lagen vor mir – bis zum eigentlichen Zentrum des rheinischen Wunderglaubens: Kevelaer. Einer der berühmtesten Wallfahrtsorte Deutschlands.

GPS-127-Goch

GPS-Gesamtstrecke bis 127

Unterwegs: die Landschaft wie seit Tagen. Felder (frühlingsgrün) und ab und zu ein paar Bauernhöfe.

Grenzland

Grenzland

Schöne Schlösser/Burgen verstecken sich im Münsterland.

Burg aufm Horizont

Burg macht sich breit

Der Wohlstand wird über den Ackerbau erarbeitet.

Himmel Horizont Nochmal!

Himmel Horizont Nochmal!

Manchmal stinkt‘s. (Ich sag’s immer wieder: Raps muffelt!)

Raps Horizont

Raps Horizont

Der Frühling hatte sich endlich durchgesetzt! Ein mit weißen Jungfrauen-Blüten geschmückter Weg!
(Sollte ich den Gochern nicht ein neues Straßenschild vorschlagen: „Reinheitsweg“?)

Grün-Weißer-Horizont

Grün-Weißer-Horizont

Ich guckte soviel nach oben und in den Himmel, dass ich beinahe nicht mitbekam, dass ich bereits Kevelaer betreten hatte.
Kirchturmspitzen mischten sich mit Baumkronen.

Empor II

Empor II

Just gestern, am Tag der Arbeit, hatte der Weihbischof die Pilgersaison in Kevelaer eröffnet.

Horizont Wimpel

Horizont Wimpel

Selbst asiatische und lateinamerikanische Fluglinien öffneten schon am gleichen Tag ihre Jumbo-Türen und entließen ganze Herden heilsüchtiger Menschen in das deutsche Heiligtum.

Asiatischer Horizont

Asiatischer Horizont

O Lord! Wie Stille ergreifen kann!

Vollverschleiert

Vollverschleiert

O Lord! Wie tief eine Empfindung ist!

Once upon a  time

Once upon a time

O Lord! Light his fire!

Once upon a time II

Once upon a time II

Die Beatnix Generation war nie hier.
(Ein bisschen Peyote und sie hätten auch an diesem Ort ihre Erscheinungen gefeiert!)

Once upon a time III

Once upon a time III

Meine Großmutter (die ich sehr verehre) pilgerte einst nach Kevelaer (in den 70ern?). Sie kaufte sich in den zahllosen Devotionalien-Läden ein Büchlein mit Heiligenlegenden.
Sie lebte mit den Madonnen, Engeln, Heiligen und Ätherischen Wesen. Sie glaubte an Gott und den Teufel und daran, dass die Erde eine Scheibe ist. Und sie war eine klasse Frau! In der Nazi Zeit schickte sie ihre Kinder demonstrativ in die Messe statt zur Hitlerjugend. Sie spielte sonntags früh in der Kirche mit dem Harmonium gegen die Gotteslästerer an und riskierte Gefängnis. Sie zwang 1963 ihren Mann (meinen Opa) im dann Freien West-Deutschland einen Fernseher zu kaufen, um dem Begräbnis von Papst Johannes XXIII. beizuwohnen. Sie war immer monarchistisch, ultramontan, superkatholisch und prinzipenstark.
Sie hätte mir meinen Spott nie verziehen. (Oder nur ein bisschen.)

Once in al lifetime

Once in al lifetime

Ich hatte Hunger:
Große Spargelportion (Mailänder Art: mit Parmesan überbacken und mit rohem Schinken).
Sehr gut. 14,80 Euro.

T127-Essen-01

Unterkunft: 55 Euro (mit Frühstück).

Blind durch Wolkenberge bis nach Gronau

Nada-Nichts-Nothing-Rien-Nulla

Nada-Nichts-Nothing-Rien-Nulla

Ja genau! Suchbild mit Sonne.
Nur einmal habe ich sie kurz erwischt, gleich duckte sie sich wieder hinter Wolkenbergen weg.
Ob Wolken sich höher auftürmen können als der Mount Everest?
Dicker jedenfalls konnte die Wolkendecke nicht sein. Es wurde dunkel am helllichten Tag.

Auch die Sonnen in den Feldern ließen den Kopf hängen.

Ain't no sunshine when I'm gone

Ain’t no sunshine when I’m gone

Kein schöner Tag heute. Schon beim Verlassen des Hotels, gegen halb neun, fielen die ersten Regentropfen.

Wie würde das erst bis Gronau werden? Immerhin 29 km entfernt.

GPS-120-Nordhorn

GPS-Gesamtstrecke bis 120

Es wurde grauenhaft. Stunden über Stunden nur Wasser von oben, manchmal so reichlich, dass der Tropfenschleier auf meiner Brille überhaupt nicht mehr riss.

Ich durchlief blind die Grafschaft Bentheim und bekam von der Landschaft praktisch nichts mit.

Kurz vor Gronau plötzlich ein bisschen Licht. Und mitten drin ein Grenzstein, der das Dreiländereck markierte. Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und die Niederlande stießen hier aneinander.

Show me the way to ....

Show me the way to ….

Gegen 15 Uhr war ich im Zentrum Gronaus.
Ich beeilte mich, ein Hotel zu finden (schwierig). Der Himmel hatte wieder alle Schleusen geöffnet. Durchnässte mich bis auf die Knochen.

Zwei Stunden brauchte ich, um über der Zimmerheizung die Klamotten (auch die im Rucksack) zu trocknen. Erst dann konnte ich ins ans Hotel angeschlossene Restaurant gehen.
(„ins ans“ – gute Kombination.)

Hunger: Meerbarbe mit Spargel und Risotto. Gut (wenn auch der Spargel etwas holzig war). Leicht überteuert.

T120-Essen-01

(Schöne) Unterkunft: 57 Euro.

Emmas Tanten kehren im Kleinlader nach Löcknitz zurück

Von mir unbemerkt, habe ich irgendwo auf meiner heutigen Tour Brandenburg verlassen und Vorpommern betreten.
Die Ostsee zum Riechen nah.

Auf den Wegen lagen ab und zu zerbrochene Schalen von Miesmuscheln. (Ob See-Möwen sie heruntergespuckt hatten? Oder Enten, die sie ja angeblich in Flussmündungen auch als Delikatesse verspeisen?)

Kirchen am Wegrand mit aufgesetzten Holztürmchen.

Imposante Bauwerke

Um 9 Uhr war ich in Penkun aufgebrochen.

Penkun hatte nichts zu bieten außer einer guten Apotheke (Eisspray für mein Knie und Voltaren).
Ich bewegte mich schnurstracks Richtung Norden. Den Oder-Neiße Fahrradweg hatte ich verlassen und schlug mich, schmalen Straßen folgend, durchs flache Land (stimmt gar nicht – es wurde langsam wellig!).
Ca. 21 km bis Löcknitz.

GPS-Gesamtstrecke bis 061

Die Dörfer immer kleiner und verlassener. Aber stets proper aufgeräumt, die Vorgärten wie aus dem Zwergenparadies, der Mini-Rasen völlig Unkraut frei.
Wer Stille sucht zum Sterben, sollte sich hier einquartieren. (Nur jäten, das muss jeder, in jedem Alter!)

Typisches Vorpommern Dorf: Still, leise, ruhig

Wenn einmal Verkehr, dann Fahrradfahrer. Aber nicht die High-Speed-Rennfahrer-Touristen, sondern Omis und Opis. Ziemlich sicher unterwegs zu ihrem Mittagstisch.

Großmutter hat immer Vorfahrt

Noch immer (oder wieder?) gab es in manchen Ortschaften Gaststätten, die einen Mittagstisch anboten.
Ein Minimenü für 4 Euro. Kein Wirtshausbesucher, keine Wirtin unter 60.

Alten- und Puppenstube

In dieser Stube gehörten nicht nur die (imitierten) Hummel-Figuren zum Inventar, sondern auch die Gäste. Witzige Alte, die sich gegenseitig mit Späßen aufzogen.
Jureks (schätzungsweise 70) Tischgenossin (schätzungsweise 75) wollte ihrer Freundin (ähnliches Alter) etwas heimlich zuflüstern, was Jurek aber ärgerte. Er riet seiner Tischgenossin: „Geh doch gleich in den Sarg, da hört dich niemand!“

Das Dörfchen Glasow war Bäcker, Metzger und Tante Emma frei. Nichts gab es, außer einem kleinen überdachten Rastplatz. So sonnenbeschirmt, wartete ein älterer Herr, mir freundlich und interessiert zulächelnd.

Warten auf Godot (den Bäcker, Fleischer und Gemüsehändler)

Vor seiner Pensionierung war er Schweinehirt. Jetzt lebte er allein und gelassen in den Tag hinein. Er sprach zufrieden. Er erklärte mir, dass er jeden Freitag um die Mittagszeit auf dieser Bank saß und wartete. Auf Tante Emmas rollenden Kaufladen. Bald würden auch noch ein paar in die Jahre gekommene Damen mitwarten.

Das rollende Einkaufszentrum

Gegen 1 Uhr rollte dann ein Konvoi von 3 Kleinlastern an. Ein Bäcker, ein Metzger und ein Obst- und Gemüsehändler. Eine halbe Stunde Aufenthalt und dann würde der Versorgungskonvoi zur nächsten stillen Ortschaft aufbrechen.

Fleischer und Altenflüsterer

Ich fragte den jungen Fleischermeister, ob sich das für ihn rentieren würde? „Klar“! war seine Antwort. Die Herrschaften würden sehr viel kaufen – für die ganze Woche. Das Geschäft laufe hervorragend. Ein netter junger Mann, der auch gerne den sich wiederholenden Geschichten seiner Kundschaft zuhörte. Die Käufer mochten ihren Altenflüsterer.

Polen lag nicht weit weg, aber doch war überhaupt nichts von einem Grenzland zu spüren. Die Menschen lebten eingesponnen ihn ihren kleinen Welten. Was über dem nächsten Hügel lag, interessierte die meisten eher wenig.

Die Landschaft nun nicht mehr rapsgelb, eher weizen- und roggengrün.

Grün als Flächenfarbe ist eher langwelig

Wer aufmerksam schaut, sieht die Kirchturmspitze am Horizont. Das nächste verschlafene Nest nicht mehr weit.

Gegen 16 Uhr 30 erreichte ich Löcknitz. Es fing an zu regnen und ich verließ das Hotel (am See) nicht mehr.

Durst: das übliche Radeberger Bier.

Hunger: Schnitzel mit Spargel. In Ordnung. Mit 13,90 Euro aber ziemlich überteuert.

Unterkunft: 55 Euro (mit Frühstück).

Durch die Büscherie bis Penkun

Sonnengelb, Rapsgelb, Gelb!
Welch eine Farbe!

Alle Wege führen zum Horizont

„Blame it on a simple twist of fate“.
Hier könnte sich das für mich ereignen: ein Sekundentod der Gedanken und eine 180-Grad Wende (egal zu was) -angesichts des optischen overkills.

Landart (Gottseidank muss das Däniken nicht mehr interpretieren)

O Lord – ich mag Gelb eigentlich nicht besonders (und schon gar nicht das muffelnde Rapsgelb). Aber das hier war göttlich. Wie gerne hätte ich hier den Sonnenuntergang abgewartet. Ich darf mir gar nicht vorstellen, wie das hätte aussehen können: der untergehende orangene Ball in einem solchen Feld.
Aber ich – wie ein neoliberales Arschloch getrieben von irgendetwas – setzte meine Wanderung einfach fort.

Weiß zürnt Blau zürnt Gelb

Wie hätte ich empfunden angesichts eines RiesenRotenMohnFeldes? Einer BlauBlühendenKornblumenWiese? Eines endlos WeitenWeißMargeritenAckers?
Bewirkt Gelb etwas anderes? Aber was?

Breite deine Arme aus und sing‘ Halleluja!

Jedenfalls passt hier draußen nur Miles-Davisens Cool Jazz. Nix sonst.
Doch was würde ich drinnen in solch einem Häuschen hören? Mit all der übermächtigen Natur, die dich hier nur duldet? (Haitianische Trommeln? Karibische Maracas? Bayerische Ratschen? Jedenfalls jedes Instrument, das Lärm macht! Da bin ich mir sicher!)

Beschützte Behausung

Lärm macht auch so ein Instrument: ein RiesenWindRad. Es brummt konstant gegen die gelbe Optik an!

Gelbe Windkraft (oder witchcraft ?)

Und was sonst noch geschah:

Bin zur selben Uhrzeit aufgebrochen wie fast immer. Gegen 9 Uhr.
Habe mich ein wenig in Gartz umgesehen, um dann gegen 10 tatsächlich loszulaufen.
Eigentlich hatte ich vor ins polnische Szczecin (Stettin) zu wandern. 38 lange Kilometer weg. Ich merkte jedoch schnell, dass mein lädiertes linkes Knie eine so intensive Wanderung nicht mitmachen würde. Also änderte ich den Plan und beschloss in Mescherin, auf deutscher Seite weiter zu gehen. Ziel: Penkun ca. 23 km entfernt.

GPS-Gesamtstrecke bis 060

Unmerklich entfernte ich mich von der Oder, die jetzt auch nicht mehr Grenzfluss war, sondern auf polnischer Seite dem Meer entgegenfloss.

Ich konnte mich noch nicht einmal anständig von ihr verabschieden.

Wenn ich einmal nicht Rapsfelder sah, dann seltsame Kirchen mit Windrad als Turmkreuz:

Windschnittige Kirche

Auf den Straßen immer wieder Nattern (Ringelnatter? Schlingnatter?), die sich sonnten und warteten, überfahren zu werden.

ungiftig

Unterwegs Winzdörfer: Brandenburgische Pampa. In einem fand ich gegen Mittag ein offenes Lokal (selten genug!). Eine Landfleischerei mit angeschlossener Kantine für Arbeiter und Schornsteinfeger. (Der saß tatsächlich schwarz verrußt auf einem Stuhl mit Spezialkissen!) Ein Neugierer wollte wissen, warum ich durch die „Büscherie“ laufen würde und wohin überhaupt.
Ich erklärte es ihm und konzentrierte mich auf mein Essen.
Der Mittagstisch 3,50 Euro!! Sülze mit Bratkartoffeln (hausgemacht! Klasse!).

Gegen 17 Uhr 30 erreichte ich Penkun. Ein schöner Ort mit Schlösschen.

Wäe‘ so gern‘ mal Schlossherr

Und sogar mit einer Art Zentrum. Jedenfalls, in der Nähe der Kirche entdeckte ich ein überaus nettes und gutes Wirtshaus. Die Wirtin sehr besorgt um mich, versorgte mich mit allerhand Eiswürfel und Zeugs, um mein Knie zu kühlen, gab mir später ein Gefrieraggregat, um die Behandlung fortzusetzen. Wollte mich überreden, zum Arzt zu gehen. Ich hab‘ mich herzlich bedankt.

Durst: 1 Flasche Pfälzer St. Laurent (klasse Burgunder-Traube!).

Hunger: Spargelzeit! Also Zanderfilet mit Spargel (13,90 Euro). Sehr fein zubereitet!

Unterkunft: 40 Euro (mit Frühstück).

Ich hätte besser einen Pausentag genommen, statt nach Schwedt zu hinken

Trüber Tag. Fast Temperatursturz. Musste sehr früh meine Regenjacke überziehen, kaum hatte ich gegen 9 Uhr Hohenwutzen hinter mir gelassen.
Ich wollte auf jeden Fall bis Schwedt kommen. Im Herzen des Oderbruchs.

GPS-Gesamtstrecke bis 058

Eigentlich war die Strecke nicht länger als ca 28 km. Wenn ich mich nicht dauernd verlaufen hätte.
So wie hier in Hohensaaten. Einfach gegen eine Wasserwand gelaufen. Plötzlich hörte der Weg auf.

Verloren in diesem Kanallabyrinth

Es kreuzten Kanäle, Seitenarme, tote Arme, Pfuhl und Binnenseen und weiß der Teufel was noch. Ich verlor mehr als einmal die Orientierung. Mein Handy hatte auch den Geist aufgegeben. Den Navi konnte ich nicht befragen. Am Ende lief ich also rund 34 km mit all den Umwegen. Es tut weh, umkehren und wieder von vorne beginnen zu müssen. Auch diese Dammstraße mit 50er Jahre Sozialwohnungen endete im Nichts.

Spießige Gepflegtheit

Schließlich hatte ich mir (so sind diese Murphy-Tage) auch noch das linke Knie verdreht, dass ich wie ein alter buckliger Mann humpelte.
Ich hätte besser einen Pausen-Tag eingelegt.

Die Kamera packte ich kaum aus. Wie verschwunden die Vögel, Rehe, Schmetterlinge. Als dösten sie in ihren Verstecken und warteten auf sonnigere Zeiten.

Ich vermisste jetzt meine kleinen Begleiter, die mir so oft geholfen hatten oder mit denen ich zumindest unterwegs ein wenig plaudern konnte.

Es gab hier einfach keine Gnome, Hexen, Ritter, Knirpse, Druiden oder sonstwelche dienstbaren Geister. Ich durchlief eine Gegend, die aufregend schön war, die aber offensichtlich keine Mythen beherbergte oder zumindest sie mir nicht erzählte. Kein Souvenirladen, der irgendeine kleine Figur feilbot, selbst auf den Polenmärkten kein Kleinkitsch. (Nur große kilogrammschwere Gartenzwerge).
Ich dachte kurz, dass es vielleicht eine Gegend sei ohne eigene Identität, diese sei mit den Vertriebenen vertrieben worden. Aber das konnte es nicht sein. Irgendetwas blieb mir hier verborgen, ohne dass ich es benennen konnte.

Gottseidank traf ich eine witzige Gruppe von birdspottern, die mit Fahrrädern unterwegs waren. Berliner Vogelliebhaber, die sich das Wochenende über von einem ortskundigen Ornithologen durch die Moorlandschaft des Oderbruchs führen ließen. Der Vogelkundler zeigte ihnen einen Horst, in dem ein Seeadlerpärchen gerade ihren Nachwuchs fütterte. Eine Dame lieh mir unaufgefordert ihr Fernglas und ich konnte das Spektakel beobachten. Sensationell! (Für Fotos viel zu weit weg!)

Immer weiter zogen wir in den Sumpf. Das Wasser auf den Wegen im Nasspolder tiefer und tiefer.

Fröhliche Berlinerinnen

Auch ich zog meine Schuhe aus, trennte meine unteren Hosenbeine ab und nahm ein Moorbad. (Blutegel gab es zuhauf. Sie fanden aber keinen Gefallen an meinen Spargelbeinen).

Moorpackung gratis

Schafe schauten interessiert zu.

Sie wunderten sich über mich

Es wurde kalt und ich legte mir wieder meine Beinschoner an.
So verdreckt hätte ich als kleiner Junge nicht nach Hause kommen dürfen!

Ob Rei in der Tube das rauskriegt ?

Gegen 18 Uhr endlich in Schwedt eingelaufen. Platt, eingesaut, nach Moor stinkend und mit unbändigem Durst und Hunger.

Durst: Radeberger Pils (3,50 Euro).

Hunger: Spargelsuppe und danach Schnitzel mit Spargel. (15 Euro.) Beides war sehr gut. Zu Schnitzel und Spargel wurde, höchst ungewöhnlich, ein sanfter Meerrettich (rot gefärbt) serviert. Passte aber.

Unterkunft (mit Frühstück – aber ohne eigenes Bad) 34 Euro.

(Ich war dabei.) Im Polenfeldzug nach Kostrzyn nad Odrą (Küstrin)

3 Frauen und 1 Männerkopf

Schon morgens Temperaturen über 20 Grad. Das Anfang Mai!
Ich hatte zuviel Wolle auf dem Kopf, die musste weg. Also ab nach Slubice auf der anderen Seite der Oder.

10 Minuten saß ich auf dem Stuhl, es ging zack zack. Meine Friseurin beherrschte das deutsche Haar-Vokabular aus dem ff: Kürzer, Ausdünnen, mit Maschine, mit Schere, Waschen, Föhnen, Gel, trocken, nass, glatt, kraus, Koteletten, rasieren. Auch die Zahlen („5 Euro!“) beherrschte sie perfekt. Und vor allem akzentfrei.

Erst als ich sie ein wenig über Polen ausfragen wollte, bemerkte ich, dass sie überhaupt kein Deutsch verstand.

Sie besaß eine praktische Intelligenz, sich das schnell anzueignen, was sie zur Ausübung ihres Handwerks brauchte. Im Übrigen sprachen die deutschen Frankfurt-Oder-Nachbarn ja auch kein polnisch.

Bis Ende des Zweiten Weltkrieges war Slubice nichts anderes als eine Gartenvorstadt von Frankfurt (Oder).

Drüben liegt Frankfurt (Oder) - Mit Brücke zum Billig-Paradies

Nach dem Krieg wurde sie zur selbständigen polnischen Kleinstadt. Heute ist Slubice wieder eine Vorstadt von Frankfurt (Oder). Quirlig, jung.

Slubices kleines Zentrum

Ab morgens 8 Uhr fallen die Deutschen ein. Alle zuerst zu den Friseurinnen. So wie ich.

Immerhin bekam ich aus meiner Haar-Domina heraus, dass in dem Städtchen (das kaum mehr als 15 Tausend Bürger beherbergte), 80 Friseurinnen eine Lizenz besaßen.

3 Frauen und 1 Charakterkopf

(Komisch: Gerade habe ich in meinen Laptop „Friseuse“ eingetippt, schon verbessert er meine Eingabe zu „Friseurin“. Sitzt in meinem Computer eine Sprachpolizei? – Ich muss ihn mal aufschrauben.)

Egal, ich war morgens um 8 Uhr aus meinem Hotel in Frankfurt (Oder) aufgebrochen. Mein Tagesziel: Kostrzyn nad Odrą, das frühere Küstrin. Ca. 35 km.

GPS-Gesamtstrecke bis 055

Gestern Abend noch hatte ich mich mit einem Frankfurter unterhalten, der mir hinschnodderte, dass er seine deutschen Freunde, die ihn besuchten, immer auf den „Polenfeldzug“ schicke. Damit spielte er auf die polnischen Schnäppchenmärkte in Slubice oder Kostrzyn nad Odrą an.

In Slubice begriff ich erst richtig, was er meinte. Schon früh Hunderte von Deutschen in den Geschäften. Neben 80 Friseurinnen gab es mindestens genauso viele Spargelverkäufer (2 Euro das Kilo Gemüse), deutlich mehr Zigarettenläden (halber Preis), Dutzende von Apotheken (billige Generika), zahlreiche Tankstellen (Benzin 20 Cent weniger als in Deutschland), zahllose Alkoholläden und natürlich den „Polenmarkt“ am Stadtrand mit spottbilligen Textilien und Schuhen.

Slubice war alles andere als heruntergekommen, das Wohlstandsgefälle zu Frankfurt (Oder) dennoch jederzeit spürbar.

Kinosterben - Deutsche sprechen halt kein polnisch

Platte kann bunt sein

Polen sind Fenstergucker.
(Vielleicht sollte ich präzisieren : Slubicer sind Fenstergucker).
Keine Straße, kein Haus, aus dem nicht Jung/Alt das Geschehen unten auf der Gasse verfolgte.

was sie wohl über mich denken ?

Er war einfach nur cool.

Gegen 10 verließ ich endlich Slubice und folgte dem Oderdamm.
Ab und zu ein Schiffchen.

Träge Fluss und Boot

Hin und wieder ein deutsches Dörfchen auf der Westseite.

Lebus

Dann in sengender Hitze laufen und laufen. Nach einigen Stunden schmerzten mich die Füße. Ich roch förmlich wie sie schwitzten – dachte ich zumindest, bis ich gewahr wurde, dass ich Rapsfeldern entlang lief. Und nichts stinkt schrecklicher nach Käsfüßen als blühender Raps.

Mal sollte mal Uli Wickert fragen nach welchem Käse Raps muffelt!

Ich war mittlerweile von der Oder abgekommen und durchlief auf Landstraßen die polnische Provinz.

Unterwegs eine Erdölförderanlage. (Gibt tatsächlich Erdöl im Oderbruch!)

Seltsamerweise geruchsfrei !

Ankunft in Kostrzyn nad Odrą (Küstrin) gegen 18 Uhr.

Durst: Żywiec Bier (1,70 Euro).

Sehr gutes polnisches Bier. Leicht bitter. Lang anhaltender Nachgeschmack. Deutlich besser als das „Lech“-Bier, das ich später probierte.

Hunger: Hering nach kaschubischer Art mit Saurer Sahne. (3,50 Euro.)

Um es vorsichtig auszudrücken: Der Hering war nicht mehr der jüngste. Außerdem hab ich nicht ganz verstanden, was daran kaschubisch war. Meine Oma (Pfalz!) bereitete das früher genauso zu – nur mit deutlich säuerlicheren Äpfeln. Gibt dem Gericht eine feineren Akzent!

Unterkunft: 37 Euro.