Mit blasphemischer Chuzpe nach Garmisch-Partenkirchen

Wespenalarm!
Morgens um 9!
Ein in Schutznetze eingehüllter Beamter kam mir auf dem Ammeruferweg fuchtelnd entgegen und bat mich, einen großen Umweg zu machen.
Sie würden gerade das Nest aggressiver Wespen ausheben. Es sei zu gefährlich weiter zu gehen.
Ein einheimischer Radler und Grantler protestierte. Das sei doch alles Unfug. Die Ammer flösse durch ein Naturschutzgebiet. Wie könne man da Wespen töten. Der Radler radelte weiter und ich machte einen Umweg.
Ich hatte anscheinend zuviel Respekt vor der wilden Natur!

eingefasst

eingefasst

Mein Weg heute: von Unterammergau nach Garmisch-Partenkirchen. Etwa 21 km.

GPS-180-Unterammergau

GPS-Gesamtstrecke bis 180

Trotz Umweg: Oberammergau war schnell erreicht.
Durch die Passionsspiele weltberühmt, ist es in Wahrheit ein eher langweiliger Ort.
Wäre da nicht der bayerische Sinn für Theatralik und barocke Bühnenbilder.

Kaum ein Haus ohne Giebelkreuz.

Grüß Gott

Grüß Gott

Kaum eine Fassade ohne ausschweifende Bemalung.

Giebel-Kunst

Giebel-Kunst

Ich fragte mich, in welche Inszenierung ich da geraten und welche Rolle mir zugedacht war?

Triptichon

Triptichon

Die Jesus Passion als Comic-Strip, Golgotha in die Ammergauer Alpen verlegt. Buben, die vor dem Gekreuzigten Schuhplattler tanzen. Die Monte Pythons hatten bei weitem nicht so viel Phantasie und blasphemische Chuzpe wie bayerische Lüftlmaler und Holzschnitzer.

Nirgendwo feiert sich das bajuwarische Klischee dermaßen ungeniert wie auf diesem Streckenabschnitt meiner Tour.

Gar lustig sind die ...Buam

Gar lustig sind die …Buam

Die Ammer jetzt rauer, nur manchmal hob sich der Nebelschleier und ich konnte ahnen, dass ich durch Gebirge wanderte.

Bach oder Fluss?

Bach oder Fluss?

Akt II der Inszenierung begann: Kloster Ettal. Eine mächtige Benediktiner-Abtei. Kein Ort der Stille. Japaner und vor allem Chinesen bevölkerten das Areal. Klar gibt es eine berühmte Basilika. Klar ist es ein Wallfahrtsort. Aber was suchen all die Menschenmassen selbst im Nebel hier?

Es ist das Gesamtkunstwerk bayerischer Mönche! Zum Kloster gehören große Bierschenken, Klosterbrauereien, Destillerien und eine Vielzahl von Souvenirläden. Vorgeführt wird das bajuwarische Lebensgefühl und die bayerische Sicht auf die Welt.

Gran Dios

Gran Dios

Ich sah mir die Basilika an.

Zangengriff

Zangengriff

Erst jetzt, als ich beim Anblick der Kuppelfresken das Wort „grandios“ murmelte, fiel mir etwas auf.
Ich musste verdammt alt werden, um so etwas Simples und Naheliegendes zu bemerken, dass „grandios“ nichts anderes bedeutet als „Großer Gott“ („Gran Dios“). Hijo, warum lauf ich nur so verblödet in der Welt herum.

Hinter dem Kloster folgte der Wanderweg einem alten Saumpfad, dem Kienbergweg. Schon im 14. Jahrhundert eine wichtige, aber auf diesem Abschnitt gefürchtete Handelsverbindung zwischen Venedig und Augsburg. Ein gefährlicher Pfad noch heute. Breit und gut begehbar ist er nur am Anfang. Danach wird er eng, steinig, steil und rutschig.

Go down

Go down

Teil III der Inszenierung: der Kreuzweg.

Obwohl hier sicher keine Rentner, nicht einmal im Senioren-Sommer, auch keine Japaner und Chinesen den Hang hinunter rutschen: Es war eine schlichte, aber beeindruckende Via Dolorosa. Ausdruck von Volksfrömmigkeit, die nicht auf das große Publikum zielt.
Aber eine Landschaft, ein versteckter Winkel ohne eine Inflation religiöser Symbole: in Bayern kaum erlebt.

Wieviele Kreuze verträgt eine Landschaft?

Wieviele Kreuze verträgt eine Landschaft?

Auf halber Strecke ins Tal: ein alter Grabstein.

„Hier starb
mitten in seiner rastlosen Tätigkeit
am 15. August 1875
Herr Franz Xaver Hauser
Steinmetzmeister aus München
geboren am 15. April 1812
Zu Binswang in Tirol.

Er wurde duch das Umstürzen
der zur Oberammergauer Kreuzigungs
Gruppe gehörigen Johanes Figur
deren Transport er leitete
getötet.“

Pech gehabt

Pech gehabt

Am Ende des Kreuzweges das Loisach-Tal.
Ich konnte die Feld-, Weg- und Fluss-Kreuze nicht mehr zählen, an denen ich heute vorbei gewandert war.

Platzhalter

Platzhalter

Nach 6 Stunden Garmisch-Partenkirchen erreicht.

Ludwigstrasse

Ludwigstrasse

Die Geschichte fing wieder von vorne an: Hausmalereien, Kreuze, Passionswege, Bajuwaren-Kitsch.

Augen Blick

Augen Blick

Ich hatte genug.
Ich setzte mich in ein Lokal und schloss die Augen. Ich wollte keine Dirndl, keinen Janker, Gambsbart, keine Lederhose oder Tracht, keine nach Luft schnappende Touristen und eigentlich überhaupt nichts mehr sehen. Ich war erschöpft.

Hunger: Ochsenbäckchen mit Kohlrabi und Semmelknödeln. 14 Euro. Naja.

T180-Essen-01

Unterkunft: 68 Euro (mit Frühstück).

Mit William Christ beschwingt nach Ter Apel

„Ruiten A Kanaal Ost II“ sollte mir den Weg weisen.
Das hatte ich am Abend zuvor über Google Maps ausgeschnapst.

Kanal voll

Kanal voll

Ich konnte nicht erkennen, ob irgendetwas den Kanaal Ost II bewegte, außer der Wind, der die Wasseroberfläche aufraute. Das Kanalwasser stand ansonsten still, floss mir weder davon noch entgegen. Brackwasser.

Um halb zehn hatte ich das Hotel verlassen und folgte dem Gewässer. Fast die gesamten 24 km bis zum Dorf Ter Apel.

GPS-116-Bourtange

GPS-Gesamtstrecke bis 115

Am Kanalrand ein kilometerlanger Schattenspender: Ein Trampelpfad gesäumt von Baumpalisaden.

Schattenhüpfen

Schattenhüpfen

Es war wie immer: Am Beginn einer neuen Etappe fehlt mir noch der Rhythmus. Die Gedanken schwirrten, pulsten und surrten in meinem Kopf. Der entleerte sich einfach nicht. Da half auch die Monotonie der niederländischen Landschaft nicht.

Aus dem Bild gerutscht

Aus dem Bild gerutscht

Ausgedehnte Felder mit Kanal. Kanal mit ausgedehnten Feldern. Und stets ein Gehöft in Blickweite.
Ich fragte mich, ob es einen Punkt in den Niederlanden gab, von dem aus man kein Haus sehen und keine Straße hören konnte? Eindeutig übervölkert das Land.

Ich konzentrierte mich auf die Details. Ganz selten eine Blume am Wegrand (alles weggespritzt).
Ganz im Gegensatz zu den Vorgärten. Blütenreiche.

In einem Bündel Osterglocken entdeckte ich einen kleinen Jungen.
Seinen Namen wollte ich wissen?
„William Christ!“

Williams Christ Rosen (auch Osterglocken genannt)

Williams Christ Rosen (auch Osterglocken genannt)

Warum er denn in mittelalterlichen Klamotten herumliefe?
Du hast mich doch gestern in Bourtange gesehen. Ich gehöre zur Historien-Schauspielertruppe.
Was er dann hier wolle?
Ich habe auf dich gewartet. Ich kann für dich übersetzen„.

Ich hatte mir vom Hotel eine Tageszeitung mitgenommen, in der Hoffnung, dass das Niederländisch irgendwie zu entziffern wäre. Ich hatte falsch gelegen. Kaum ein gedrucktes Wort verstand ich.
Ich nahm den Kleinen dankbar mit.

Unterwegs das immer gleiche Bild: Kanal mit Feldern. Felder mit Kanal.
Nur ab und zu ein Blickfang: Angler.

Schirmbewehrt

Schirmbewehrt

Mit Schirm und Schürze

Mit Schirm und Schürze

FrischFischFürDenAbend

FrischFischFürDenAbend

Gegen 15 Uhr 30 erreichte ich Ter Apel. Eigentlich ein Dorf. Aber mit ein paar schönen (und alten) Villen.

Nicht Unnützes drumrum

Nicht Unnützes drumrum

Viel drumrum

Viel drumrum

Einen Dorfkern gibt es nicht. Die Hauptstraße mit gesichtslosen Geschäftsfassaden zieht sich (einem Straßendorf ähnelnd) entlang des Kanalufers.

Liebloses Arrangement

Liebloses Arrangement

Ich setzte mich erst einmal auf eine Uferbank und las mit Hilfe meines kleinen Freundes die Tageszeitung. Der Hauptartikel ging um die Krönungsvorbereitungen Prinz Willem Alexanders und um allerlei Krönungs-Tand für die Souvenirläden. Beliebtestes Motiv: Der trinkfreudige Königsanwärter (von seinen Landsleuten Prinz Pils genannt) zusammen mit seiner glückstrunkenen (aber nie torkelnden) Prinzgemahlin um die Wette strahlend.

William Christ  übersetzt  Prinz Pils

William Christ übersetzt Prinz Pils

Immerhin gab es in Ter Apel ein nettes schön eingerichtetes Hotel.

Durst: Hertog Jan Pils. Süffig, aber ohne Nachhall. (Relativ junge niederländische Brauerei.)

T116-Essen-01

Hunger:
Safransuppe mit geräuchertem Fisch (gut) und Kalbslende mit Pilzsauce und Bratkartoffeln (ohne Pfiff).

T116-Essen-02a

William Christ wollte lediglich ein wenig Olivenöl, um sein Brot zu tunken.

T116-William-Christ-04

Unterkunft: 57 Euro.

Pause in Büsum

Krabben-Kutter

Krabbenkutter im Hafen, Fischräuchereien, kleine Werft, ein netter Museumshafen mit altem Leuchtturm. Büsum hat alle Ingredienzien für ein interessantes Leben.

Leuchtturm aufm Altenteil

Und doch schlägt die Kleinstadt kein wirkliches Kapital aus ihrer fantastischen Lage an der Nordsee.
Liebloses Zentrum im gesichtslosen Fussgängermeilenstil. Billigste Souvenirshops, Fresstempel, Fischbrötchendiscounter.

Ein Rätsel, warum die vielen Besucher nicht mehr Qualität einfordern.

In unzähligen Restaurants, in Straßen und Gassen: grausame Spießigkeit. (Ich überlegte, wie ich das fotografieren könnte, ohne die Personen zu denunzieren. Mir gelang es nicht.)

Mittagshunger: Büsumer Fischterrine. 8,90 Euro.
Extrem sämig. Fische total verkocht. Ohne Salz. Grottenschlecht.

Abendhunger: Fasanenbrust. 12,90 Euro.
Hat mich mit dem Tag einigermaßen versöhnt.
Sehr schmackhaft, feine Sauce, klasse Zwiebelchen.

Und eine überaus nette und kompetente Bedienung.

Übernachtung: 41,50 Euro (mit Frühstück).

Aus Schnaps ist der eine Pol und aus Grog der andere. „Moin Moin!“

Endlich mal wieder ein richtiges Dorf mit einem schönen Marktplatz!
Garding liegt nur einen Katzensprung vom Meer und der Nordsee-Top-Adresse Sankt Peter Ording entfernt, aber Touristen machen (zusammen mit der Landesstraße) einen großen Bogen um den Ort.
Zum Glück.

Authentisch geblieben

Mir war gar nicht klar, wie sehr hier im Norden die Kartoffel geehrt wird (ich dachte immer, wir Pfälzer bewohnen das wichtigste Grumbeerland!).

Kartoffel-Land

Bäuerlich langsam altern die Menschen hier.

Stammtisch im Freien

Garding behauptet ein Kleinstädtchen zu sein. Isses aber nicht. Ein Dorf durch und durch. Die engen Straßen gewienert (gibt es hier auch Kehrwochen?).

Sauber

Heute hatte ich mir Zeit gelassen. Mein Tagesziel Sankt-Peter-Ording war 14 Kilometer nah. Eine Sache von höchstens 3 Stunden. Um 10 Uhr verabschiedete ich mich vom Hotelwirt. Ein älterer Herr im reifen Pensionsalter, der morgens in einem Nebenraum weiteren Dorf-Pensionären das Frühstück servierte und kräftig mitschnackte. (Ich war übrigens der einzige Hotelgast gewesen.)

GPS-Gesamtstrecke bis 095

Unterwegs – entlang dem Fahrradweg, entlang der Hauptstraße – wie auf eine Schnur gereiht: Auto nach Auto, das Kurs auf Sankt-Peter-Ording nahm.

Als Fußgänger hatte ich immerhin Muse, an einer imposanten Dorfkirche am Wegrand zu verweilen.

Gewaltige Dorfkirche

Um 1 Uhr eine kleine Pension in Sankt-Peter-Ording gefunden. Gepäck abgeladen und sofort Richtung Meer aufgebrochen.

Unter Wasser

Lange Holzstege führen auf den (bei Ebbe) noch längeren Strand.

Steg ins Meer

Gewitter kämpfte gegen Sonne. Noch stand es unentschieden.

Uferlos

Über dem Meer ergossen sich bereits himmlische Wasserfälle.
Fußaufwärts hatte ich es aber noch trocken.

Gewitter, das bedrohlich nah kommt

Die Nordsee zog sich immer weiter gen England zurück. So schnell konnte ich gar nicht zum Wasser-Horizont laufen, wie er zurückwich.

Vorsicht! Welch urdeutscher Ausruf!

An der Trennlinie zwischen Nass und Trocken (im norddeutschen Waterkant genannt), suchten Bestiefelte Kinder Muscheln und Krebse.

Strandkrebse

Auch ich bückte mich ab und an, fand aber nur ein seltsames Trinkerpaar, das mir mit einem schnapsigen Atem ein „Moin Moin“ entgegen schleuderte.

Was sie hier machten, fragte ich.
Siehst du doch – Muscheln sammeln!
Sie zeigten auf ihr Fischernetz und rülpsten beide auf.
Pole – nannte sich der eine.
Und Pole hieß auch der andere.

Pole hat sich verirrt

Plötzlich prasselte Regen auf uns herunter, ich schnappte die beiden Pole und hastete ins nächste Strandlokal, das auf hohen dicken Stelzen thronte.

Grog für alle!“ schrie Pole.
Grog für alle!“ schrie der zweite Pole.
Ich bestellte auch einen für mich.

Pole im Groghimmel

Ich nutzte die Gelegenheit und fragte die beiden, ob sie vielleicht aus einem der zahlreichen Souvenirshops in Sankt-Peter-Ording stammten. Ob sie wüssten, warum es an der gesamten Ostsee- und Nordseeküste immer den gleichen Kitsch zu kaufen gäbe: Kapitäne mit oder ohne Pfeife, mit oder ohne Steuerrad, Piraten in allen Variationen, angeheiterte Matrosen.
Was für ein Klischee zeichnete da die Souvenir-Industrie von den kühlen Norddeutschen, wollte ich wissen.

Schnaps!“ grölte Pole.
Und bevor der zweite einstimmte, packte ich das Paar, packte es in meinen Rucksack und lief wieder nach draußen. Der Regen hatte aufgehört.

Natur malt

Ich wusste nicht wohin ich rennen sollte. Die Nordsee: Ein einziger Motiv-Shop, in dem wunderbare Fotos kostenlos verschleudert wurden. Ein Marketing-Gag!

Natur hört nicht auf zu malen

Risenstelzen

I’m impressed

Eine gefühlte Ewigkeit kämpfte der Horizont mit der Sonne, bis er sie verschlang. Schlagartig wurde es dunkel. Die Silhouette von Sankt-Peter-Ording lud nicht wirklich zur Rückkehr ein.

Berufsverbot für Architekte!

Verlassen die Straßen, kaum besucht die Restaurants (Wo aßen all die Touristen, die sich heute hierher bewegt hatten?).

Der Strand grandios, das so berühmte Sankt-Peter-Ording allerdings ein Ausbund an Hässlichkeit.

Hunger: Fangfrische Nordseescholle Büsumer Art (gebraten mit Krabben). Dazu Salzkartoffeln und Salat.
17,90 Euro.

Die Scholle war nie im Leben frisch, total wässrig (gerade aufgetaut). Fad im Geschmack. Überteuert. Ich hätte mich beschweren sollen (tat es aber nicht).

Berufsverbot für Köche!

Unterkunft: 44 Euro (mit Frühstück und sehr netter unterkühlter norddeutscher Pensionswirtin!).

Marie unternimmt mit mir einen Marathon bis Vseruby

Mal wieder früh aufgebrochen. Halb neun. Die Sonne konnte sich nicht entscheiden Licht oder Schatten zu schicken. Zelezna Ruda im Tiefschlaf. Die Berge eingeschneit. Der Schnee allerdings nass. Er lastete bleischwer auf den Feldern und auch auf mir. Seltsam, dass ein Landschaftseindruck sofort auf‘s Gemüt schlägt. Sehen die Augen vielleicht gar nicht, sondern fühlen?

Die ersten zwei Stunden ging es nur bergauf. Immer der Straße folgend (auf denen nur wenige Autos fuhren). Bis auf einen Pass in etwa 1.150m Höhe.

Behmischer Wald so scheen wie Bairischer Wald

Ab dann führte der Weg steil bergab.

Von nun an ging’s bergab

Eigentlich hatte ich mir zum Ziel gesetzt, etwa bis Mittag zu wandern und mir dann eine Herberge zu suchen. Aber der Tag wurde zunehmend schöner, das Marschieren fiel mir ausgesprochen leicht und ich lief einfach drauf los, bis es plötzlich keine Unterkünfte mehr gab (weil kein Touristengebiet) und sich die Tour zur bisher längsten meiner Grenzwanderung auswuchs. Am Ende (sich quälend hinziehende) 41 km bis Vseruby.

GPS-Gesamtstrecke bis 020

Das Tal tief eingeschnitten. Auf niederen 550 m praktisch kein Schnee mehr. Kahle Felder. Sonst nichts. Aber schöne weite Blicke.

Farben am grauen Tag

Und Gartenzwerg-Idylle. Eigenartig, dass es offenbar nichts Europäischeres gibt als Gartenzwerge. Auf all meinen Wegen (Österreich, Bayern, Tschechien) sind sie mir bisher begegnet. Europa als Zwergenvereinigung.

Wo die ganzen Zwerge nur geboren werden ?

Die Weiler unterwegs winzig. Ein paar Höfe. In einem dieser Dörfchen: Ein fast verschämtes Gedenken an das Leid, das die Deutschen im Zweiten Weltkrieg über Böhmen gebracht hatten.

Verschämtes Gedenken

Welch ein Kontrast zum großspurigen, triumphalistischen „Helden“-Gedenken in vielen Ortschaften des Bayerischen Waldes. Dort: Immer noch feinst gepflegteste Kriegs-Denkmal-Anlagen. Hier: Trauriges und verschämtes Vergessen des eigenen Leids. Vergessen die Opfer.

Die Deutschen werden gebraucht. Die tschechische Wirtschaft boomt, aber sie hängt symbiotisch von der deutschen ab. Die Nachbarn bringen das Geld. Auch in kleine Grenzdörfer.

Wieder eines dieser Lust-Häuser mitten in der böhmischen Pampa.

House of the rising sun

House of the fallen girls

Das Grenzgebiet gleicht einem großen Service-Gelände für Verdruckste, die sich Zuhause schämen und hier gutbayerisch und hemmungslos die Sau rauslassen.

Marie, die mich in einem Asia-Shop angesprochen und die ich einfach mitgenommen hatte, hatte ich vorsorglich die Augen verbunden. Wollte sie nicht allzu sehr schocken. Sie hatte mit ihrem Leiergesang auch etwas von der Heilsarmee.

House of hope

In jedem bayerischen Souvenirshop findet man traditionelle Figürchen wie den Sepp mit Sepplhut, die Resi als Oktoberfestbedienung mit einem halben Dutzend Maß Bier usw.. Diese Souvenirs sind (nicht nur für Touristen) so etwas wie Charakterbilder des Deutschen. (Auch wenn diese Figuren manchmal wie Karikaturen wirken.) Auf tschechischer Seite nichts dergleichen. Nur internationaler Kitsch-Klimbim (in Asien gefertigt). Bin noch nicht schlau geworden, über was sich in dieser Gegend Tradition und Selbstverständnis manifestiert (außer über das allgegenwärtige „Pilsner Urquell“).

Noch ein Unterschied. Die Wegkreuze. Es gibt sie auch im vorwiegend atheistischen Tschechien. Aber in jämmerlichem Zustand. Seit Jahrzehnten offenbar nicht mehr gepflegt.

Wegkreuz

Die Nacht kam schneller als erwartet. Plötzlich ein langer gemeiner Anstieg, der mir die Luft nahm.

Gemeiner Anstieg

Wetterleuchten in der Ferne um das Arber-Massiv auf deutscher Seite.

Tag lehnt sich gegen Nacht auf!

Hier erst wurde mir klar, dass ich nun den Bayerischen bzw. Böhmischen Wald endgültig überwunden und den (beginnenden) Winter bezwungen hatte. Ich näherte mich dem Ende meiner ersten großen Etappe. Auch wenn das Tagesziel, Vseruby, immer noch weit entfernt lag. Anstrengende zweieinhalb Stunden weg.

Tag verliert gegen Nacht

In schwärzester Dunkelheit kam ich dort gegen 18 Uhr 30 an.
Durst: Ein sehr gutes Budweiser! (Das Echte !) Erfrischend. 1,50 Euro.

Und noch eins!

Hunger: Teufelsklaue (Schweinegeschnetzeltes mit sehr scharfer Sauce und Bratkartoffeln). Fantastischer Geschmack. Gut gewürzt. Große Portion. 5,50 Euro.

Unterkunft: 22 Euro (mit Riesen-Frühstück). Was hatte ich ein Glück, mitten in der Nacht eine einzig verfügbare Herberge gefunden zu haben. Und noch so eine gute!

Nicht schon wieder: Auch Leopold will mit bis nach Obernzell!

Erster Nieseltag. Luft dauernass. Halb neun losgegangen. Froh, dass ich mal einen Tag wandern konnte, ohne einen neuen Begleiter. Meine Familie hatte ich in einem speziellen Fach im Rucksack verpackt. Die Quälgeister hatten es kommod. Ich hatte (endlich) meine Ruhe.

Wollte nicht zu weit gehen, knapp 17 km bis Obernzell an der Donau.

GPS-Gesamtstrecke bis 007

Der Weg entlang der schönen grauen Donau eher langweilig. Direkt neben einer Bundesstraße. Aber immerhin am Ufer entlang. Ab und zu tuckerte ein Frachter vorbei.

Donau Uferstraße

Donau-Verkehr

Unterwegs: Häuser wie eine Warnung: „Wenn du weitergehst, mach dich auf härtere Zeiten als bisher gefasst!“ Private Trutzburgen, in denen Menschen mit Panzerhäuten leben mussten, die sich maximal via Satelittenschüssel am sozialen Leben beteiligen. Selbst der Wind fühlte sich hier kälter an.

Trutzburgen mit Sat-Empfang

Kann wohnen schöner sein ?

Die Sonne brach noch einmal minutenkurz durch die Wolken. Eine Wegkreuzung und plötzlich stand Leopold da mit seiner Kuh. Ich wollte ihm ausweichen, er sah aus wie deppert: Mitten im Winter mit kurzen Lederhosen, Sepplhut und Kalb(?). Ich hatte allerdings Mitleid, half ihm über die Straße und das interpretierte er als Einladung mit mir zu ziehen.

Leopold will eigentlich Anzüge mit Krawatte tragen.

Ich fragte ihn nach seinem komischen Outfit, direkt wie aus einem Souvenirladen aus der nahen Stadt Passau. Leopold erwies sich als pfiffiges Bürschchen. Damit verdiene er sich ein paar Euros. Die Amerikaner wollten das so, sie zahlten auch gut für ein Foto. Eigentlich würde er lieber in einem Anzug herumlaufen wie ein Rechtsanwalt, ein Professor oder ein Banker. Aber er brauche Geld und mit seiner Tracht ließe sich doch einiges verdienen.

Ich fragte ihn, warum er überhaupt arbeite, warum er nicht zur Schule ginge und was seine Eltern dazu sagten.

Leopold erklärte mir dann das Übliche. Vater Bauer, der über „Bauer sucht Frau“ eine Maid gefunden hatte, die sich gut bezahlt schwängern ließ, nach der Geburt Fersengeld gab und zur nächsten Show pilgerte. Der Vater jetzt Alkoholiker, Assi-Poldi, der ihn schlug. Also sei er selbst abgehauen und habe sich im „Tourismus/Souvenirhandel“ selbständig gemacht. Sein Traum sei Arzt, Apotheker, Professor – auf jeden Fall irgendwas mit Anzug zu werden.

O.k.

Wieder ein Problem am Hals. Die Familie wuchs.

Obernzell kündigte sich mit den ersten Häusern an. So verlassen wie die ganze Dorfstraße.

Glanz vergangener (Geschäfts-)Jahre

Das Dörfchen hatte mal goldene Zeiten erlebt. Hier legten bis vor 200 Jahren die Donauschiffe aus dem Süden der K. und K. Zeit an. Hier stiegen die Passagiere auf Kutschen um. Goldene Epoche. „Es iss vorbeii, ois vorbei“ (Copyright Wolfgang Ambros).

Ich fand ein wunderbares ehemaliges K. und K. Hotel. Alte Post. Einstige KutschenumstiegsStation. Jetzt von zwei älteren Damen betrieben. Liebevoll konserviert. War der einzige Gast (für Leopold musste ich nicht extra zahlen, für die Kuh (Kalb?) auch nicht).

Im Dorf gibt es etwa ein halbes Dutzend Kneipen. Bis auf eine alle zu. Es war Montag und zudem keine Saison. (Saison ist Sommer, wenn tausende Fahrradfahrer über den internationalen Fernweg nach Süden rauschen.)

Mit Bier zieht man Kinder groß!

Durst:
Helles, Innstadt Brauerei (Passau) 2,40 Euro. Allerwelts-Helles, aber billig.

Ich war früh in Obernzell angekommen (so gegen 15 Uhr) und hatte Stunden damit verbracht, eine offene Gaststätte zu finden. Entsprechend groß war der Durst. Drei weitere Halbverdurstete im Gasthof. Sprachen die ganze Zeit über drei Angler, die gestern auf einem nahen Weiher in einem Boot bei etwas Wind verunglückt und zwei davon ersoffen waren. (Können Angler eigentlich nicht schwimmen?)

Der Hungrige verschlingt alles

Hunger: Waidlertopf mit Stockpilzen (Reh-, Hirsch- und Wildschweinfleisch mit Knödeln, Preiselbeeren und Gemüse), 11,60 Euro. Fürchterliche Mehlsauce. Fleischsorten waren nicht unterscheidbar. Aber egal. Riesenhunger und sonst gab es nichts im Dorf. Bin zufrieden in mein Privathotel getapert.

Brauch bald ein Doppelbett für meine Familie

Unterkunft: 40 Euro (mit Frühstück und Gespräch mit zwei herrlichen älteren Damen, die aus München stammten, das Hotel aber seit Jahrzehnten(?) managten).

Pause in Passau

Ruhetag.

Wunden heilen, Blog schreiben, bisschen Füße vertreten.

Drei Flüsse umfließen die Stadt. Inn (gekommen), Donau (werd ich noch gehen) und Ilz (werd ich passieren).

Twins

Am heiligen Sonntag hatten die Souvenir-Läden offen. Rund um den Dom. Bajuwaren-Kitsch für die Welt. Gemischt mit Wehrmachtsromantik. Andernorts würde man so etwas unter’m Thekentisch verkaufen. In Passau geht das ganz offen.

Da steht er in der Mitte

Sieht aus wie ein finaler Schuss

Hat sich wohl doch nicht so viel geändert seit den Tagen des „Schrecklichen Mädchens“, das als Schülerin in Passau über die braune Vergangenheit recherchieren wollte und (ich erinnere mich nicht mehr genau) aus der Stadt gemobbt wurde.

Aber Gott sei Dank gibt es ja noch deutsche Engelchen!

Freibier für alle

und Charivaris für Frauen

Ach ja,

Durst hatte ich dann doch:

Arcobräu Urfaß Helles  (2,60). Hansi konnte gar nicht genug davon in sich hinein schütten. Nutzte seine Flöte als Strohhalm. War ganz schön bedudelt.

Danach: Zwickl Bier auch von Arcobräu (2,80 Euro). Zwickl ist ein naturtrübes Bier. Nochmal besser als das normale Helle. Erfrischend auch der letzte Tropfen im Glas.

Arcobräu gibt es seit 1567. War gräfliche Brauerei.

Hunger: Deftiger Lammbraten in Knoblauch-Rosmarin Sauce mit  Petersilienkartoffeln (11,20 Euro). Klasse gutbürgerliches Essen.

Ein namenloses Wesen begleitet mich nach Aigen

Immerhin ein Warn-Stein!

Warnstein in Braunau

Hier, in diesem Haus hinter dem Stein, wurde nicht der Nationalsozialismus geboren, aber der größte Verbrecher der Neuzeit.

Das Geburtshaus des Großen Diktators scheint weitgehend unbehaust zu sein.
(Wer könnte mit so einem Gespenst zusammen wohnen?)

Die Braunauer tun mir leid. So wie ein Dachauer immer wird begründen müssen, wie er in seiner Stadt mit solch einer Vergangenheit wohnen kann, so werden auch die Braunauer den Spuk niemals los.

Ich fand keinen einzigen Souvenir-Laden in der Stadt. Welches Andenken will man auch hier verkaufen? An was soll man sich hier gern erinnern?

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so gruselig fühlen würde. Tut mir leid Braunauer, der Abstecher über die Grenze war eine schlechte Idee. Ich will schnell wieder zurück auf die andere Seite.

Auf dem Weg zurück passierte ich noch in Braunau einen Mini-Weihnachtsmarkt. Ein Engerl zwinkerte mir zu, signalisierte, dass er auch schnell weg möchte. Ich nahm in mit. Weil er ein sympathischer österreichischer (rot-weißer / oder besser rosa-weißer) Seraph war.

Namenloser Cherub

Namenlos, bei diesem Namen beließ ich es gleich. Ich gebe zu, ich war froh, dass das Engerl in einem Glashaus gefangen war.

Es bestand also keine Gefahr, dass er entfleuchen und irgendeinen Unsinn wie Loisl anstellen konnte. Bei den Österreichern weiß man ja nie.
Und zudem: Er führte ein wenig Schnee mit! Während es draußen so um die 6 bis 8 Grad PLUS waren. Kälte, Schnee, Winter – vielleicht im Himmel. Auf Erden aber nicht.

Seltsame Jahreszeit.

Blühende Landschaften im Dezember:

Winterblüte

Braunau lag rasch hinter uns. Auch wenn Namenlos mich ein wenig aufgehalten hatte und ich erst gegen halb neun loskam, hatten wir doch das Ziel bis am Abend in Aigen am Inn zu sein. Schätzungsweise 27 Kilometer.

GPS-Gesamtstrecke bis 003

Noch auf der österreichischen Seite: wunderschöne Innlandschaften, Auen, Schilf. Die Route folgt einem internationalen Fern-Rad-Weg.

Inn Idylle

Schlösschen Hagenau

Acker und Au

Bei Frauenstein bringt mich Namenlos zurück nach Bayern. Empfangen von einem Wegkreuz. Eines von vielen auf meinem Weg.

Ziemlich katholische Gegend

Sumpf. Kaum begehbare Wege die ersten zwei Kilometer.

Auenwald am Inn

Schmaler Trampelpfad ins Nichts

Schatten und Original:

Ich, der Schatten

Ich, das Original

Wie viele Kilometer ich dann geradeaus auf dem Damm gehen mußte, erinnere ich nicht mehr. Nur noch daran, wie unendlich anstrengend es ist, sich auf den „rechten“ Weg zu begeben. Wenn das Ziel immer gleich entfernt bleibt, der Horizont sich keinen Millimeter nähert, unendlich unendlich bedeutet. Wieviel motivierender ist es, wenn man Haken schlagen, Umwege laufen kann. Ich glaube, daß die Geometrie irrt, wenn sie behauptet, die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten sei die Gerade. In der Landschaft stimmt das nicht. Der schnellste Weg führt über Umwege. Davon gab es reichlich. So blieb mir nichts anderes übrig, als den Blick nur nicht nach vorn zu richten, sondern ständig meinen Füßen zuzuschauen, wie sie sich selbständig bewegten, einen Schritt vor den andern setzten. Die Gedanken richteten sich nach diesem Rhythmus, ein Gedankensplitter folgte dem andern.

Aber ich will nicht jammern: Stille, nur leichtes Windrauschen, ab und zu das heißere Gekrächze eines Raben oder das Geschnatter einiger Donau-Enten (schmeckt eigentlich Wildenten-Fleisch? Mit Orangensauce?). Ganz nebenbei: Ich bin ornithologisch und – was Natur anbelangt – sprachlich ungebildet. Schnattern eigentlich Enten oder schnattern Gänse oder beide? Krächzen Raben und was machen dann Krähen? Oder Schwäne, Graureiher gar? Es gibt Sprachen, für die noch kein Wörterbuch geschrieben wurde.

Weg in die Unendlichkeit

Links und Rechts Augenweiden

Ankunft in Aigen mit „night falls“.

Nette kleine Pension in einem alten Bauernhof. Die Gaststätte füllte sich ab 18 Uhr rasch. Kaum Einheimische. Fast nur Kurgäste. Aus dem 10 Kilometer entfernten Bad Füssing. Der Gasthof war anscheinend berühmt für seine Speisekarte und für zünftige Unterhaltung. Unter den Gästen alles, was einem Pathologen Spaß macht: Fußkranke, Athrotische, Halb-Gelähmte, Schüttelgelähmte, Sprachgelähmte, Krankhaftlacher, Fangoanwender, Berufspensionäre mit eingewickeltem Dackel, alles, nur keine Kassenpatienten. Eine Gaststätte als Sanatorium. Die Gespräche kreisten nicht um Gott und die Welt, sondern ausschließlich um Tod und Kur. Schließlich kam auch noch der ehemalige Pfarrer aus Bad Füssing, der in dieser Gaststätte seinen Lebensabend verbringt und kein Wort spricht. Er ist ja auch nicht mehr im Innen-Dienst.

Ab 19 Uhr dann Volksmusik. Sympathische Dorfband. Schien ein Familienunternehmen zu sein.  Bayerische Gassenhauer. Holzfällerbub’n und so weiter. Der ältere Musikant benutzte ein Rhythmus-Instrument, das ich nicht kenne. Eine Art Ratsche? Schnarre?

Durst: Wolferstetter Helles (Traditionsbrauerei aus Vilshofen). Sehr schmackhaft, mit schön dezenter Würze. 2,80 Euro.

Auch Namenlos ruft Halleluja beim ersten Bier

Hunger: Gitti’s Bras’l in der Rain / Schwein’s und Surbrat’l mit Semmel- und Kartoffelknödel, dazu Sauerkraut (9,80 Euro). So war’s im Original geschrieben. Und es schmeckte fantastisch. Auf den Punkt gewürzt! Kompliment.

(Surbaten, das hab ich nun gelernt, ist leicht gepökeltes Fleisch.)

Saftig

Müde und kaputt um 23 Uhr schlafen gelegt. Es war gut, dass Namenlos in seiner Glasglocke blieb. Der österreichische Engel konnte so die kleinen Gemeinheiten des bayerischen Kollegen Loisl gut ignorieren, dem es langsam auf den (Heiligen) Geist ging, ständig die Gosch verbunden zu haben. Er krächzte etwas wie ein heißerer Rabe (?? krächzt der ??).

Familienbett

Unterkunft: 38 Euro ( mit Frühstück).

Resi wandert von Laufen nach Tittmoning

Resi, so hat sie der Verkäufer am Münchner Hauptbahnhof genannt. Das meist verkaufte Souvenir. So wie sich die Touristenwelt eben eine Miss Germany vorstellt. Stramm, fesch, falsch-blond, offenherzig und immer mit einem halben Dutzend Maß Bier an der Brust.

Ich hab Resi mitgenommen auf meine Wanderung. An der Länderbrücke in Laufen hat sie sich erst einmal hingefletzt. Herbstnebel. Von der Brücke war kaum was zu sehen, von Österreich, das auf der anderen Seite beginnt, noch viel weniger.

Resi auf der „Länderbrücke“ in Laufen

Um ein Uhr wollte sie dann die Tour beginnen, an der Salzach entlang bis nach Tittmoning. Angeblich soll man unterwegs die Alpen sehen, sogar den Schicksalsberg: den Watzmann. Heute lag aber alles im Nebel. Also: Keine Alpensicht, aber wenigstens hatte Resi die Berge mit ins Tal gebracht.

Die erste Etappe war dann doch länger als gedacht.

Deutsch-Österreichische Grenze. Wasser, Nebel, Grau in allen Abstufungen, so gut wie keine Menschen. Nur zwei Österreicher, (einer) mit Sepplhut und Angel bis an die Knie im Wasser.

Nebel

Dunst

Wasser

Über die matschigen Felder legte sich die Nacht und unterm nebel-schummrigen Sternenhimmel, der bald von tiefer Dunkelheit geschluckt wurde, wurde Resi immer mürrischer und wortkarger. Verfluchte die Wanderung.

Ich

Um halb acht endlich Ankunft im Zentrum von Tittmoning. Nach rund 25 km.

Hunger: Haxe vom Spanferkel (super knusprige Kruste) mit Semmelknödel und (in Essig ersoffenem) gemischtem Salat:
8,50 Euro.

Resi hat Hunger

Durst: Helles (ein bißchen wässrig, schnell lasch) von der Brauerei Schönram. Wurde in Gläsern der Fötzinger Brauerei serviert. Leichter Etikettenschwindel.
2,70 Euro die Halbe.

Resi war zu müde, um nach der Vesper noch mit Leuten zu reden. Die Kneipen waren allerdings auch leer. Resi spürte sowieso sämtliche Knochen, die Zehen hatte sie schon nach ein paar Stunden wund gelaufen, die Oberschenkel ein einziger Muskelkater. Sie wollte um elf Uhr schlafen gehen.

Resi im Bett

Unterkunft:
37 Euro das Fremdenzimmer am Stadtplatz.