Durch den Seniorensommer nach Bad Säckingen

Weil am Rhein ist eine eigenartig unwirtliche Stadt. Das Zentrum wie ein lang gezogenes Straßendorf mit Einkaufszentren.
Die Restaurant-Dichte ist erstaunlich, aber es gibt fast ausschließlich Imbiss-Fast-Food. Türkisch, Chinesisch, Italienisch (alles zum Mitnehmen). Dazu eine Auswahl an 1 Euro Läden.

Viele Migrationshintergrund-Gesichter in den Straßen.
Viele Arbeiter-Gesichter. Gesichter, die andeuten, dass die Menschen nur kurz hierher kommen wollten und dann doch geblieben sind. Seit Jahrzehnten schon.
Sie haben Weil zur Grenzstadt gemacht. Unfreiwillig Deutschgewordene. Bald wohl die einzigen Sprecher des lokalen Dialektes. Herrlich ihr Badisch! Sie beherrschen selbst den kehligen Krachlaut der Schweizer.

Vom Zentrum Weils zur eidgenössischen Grenze ist es ein Katzensprung.

Seit die Schweizer ebenfalls Schengener geworden sind, gehören auch Zollhäuser zu den Immobilienleerständen.

Nutzlos

Nutzlos

Um 8 Uhr den Rucksack geschultert. 33 km lang war die Tagesetappe. Das Ziel: Bad Säckingen.

GPS-167-Weil

GPS-Gesamtstrecke bis 167

Der Grenzverlauf in der Weiler Gegend ist reichlich zickzackig.

Schon bald verließ ich wieder die Schweiz. Das letzte Haus vor der Grenze in Riehen: ein Museum, von dem ich bislang noch nichts gehört hatte.
Eigentlich eine Gedenkstätte. Für Juden, die vor den Nazis in die Schweiz geflüchtet und von dort wieder nach Hitler-Deutschland zurückgeschickt worden waren.

Sehr spät bekennt sich die Schweiz zu ihrer Schuld am Tod von jüdischen Bürgern.

Sinnvoll

Sinnvoll

Das Museum hatte so früh am Morgen noch nicht geöffnet. Schade. Ich zog weiter Richtung Rhein.

Die Landschaft wurde hügelig. Basel und Weil verschmolzen aus der Ferne zu einer Stadt.

Nah und Fern

Nah und Fern

Obwohl nur 500 m hoch, fühlte ich mich manchmal wie auf Almen.

Der Berg ruft

Der Berg ruft

Der Schwarzwald ächzte unter der Last der Gewitterwolken.

Schwarzer Wald

Schwarzer Wald

Wieder im Tal, machte ich eine kurze Pause im Garten des Beuggener Wasser-Schlosses.

Sinksicher

Unsinkbar

Im Dorf Schilder vor Bäckerläden, die ich nicht verstand.
Was um Himmelswillen sind Waie? Oder Ziebele?

Ist das Alemannisch?

Ich versteh kein Ausländisch

Ich versteh kein Ausländisch

Auf dem Weg zum Rhein ein außergewöhnliches Kriegsdenkmal.
Aus dem Jahr 1815!

Martialisch

Martialisch

„Hier ruhen 3000 tapfere österreichische Krieger der Schwarzenbergischen Armee, zusammen mit Bayern, Sachsen, Preussen, Württembergern. Welche nach ruhmvollen Kämpfen in den Befreiungskriegen 1813-1815 im K.K. Feldspital Beuggen an ihren Wunden und am Nervenfieber den Heldentod starben.
Wer so wie wir den grossen Schwur gelöst! Wer so für Gott und Vaterland gefallen, der lebt im Herzen seines Volkes fort.“

Grenzgebiet! Und die Narben werden sichtbar! Auch hier an der Grenze mit der Schweiz.

Der Rhein trennt (und vereint) beide Nationen.

Uferbebauung

Uferbebauung

Endlich hatte ich wieder den Grenzfluss erreicht.
Ein Süßwasserkapitän steuerte sein Ausflugsboot genau auf der Grenzlinie.

Grenzdampfer

Grenzdampfer

Bis hierhin war der Rhein beidseitig dicht bebaut. Hinter Rheinfelden dann immer wieder kurze Naturufer-Einsprengsel.

Klein der Weg, groß der Fluss

Klein der Weg, groß der Fluss

Der Fluss wurde richtig schön.
Schwäne haben ihn kolonialisiert und Mensch und Schiff vertrieben.

Schwanengesang 1

Schwanengesang 1

Schwanengesang 2

Schwanengesang 2

Schwanengesang 4

Schwanengesang 3

Schwanengesang 4

Schwanengesang 4

Abgekämpft und reichlich durstig erreichte ich um halb sieben Bad Säckingen.

Die längste überdachte Holzbrücke Europas überspannt den Rhein nach Stein in der Schweiz.

bridge over water

bridge over water

Über die Brücke kamen auch diese wilden Kerle und machten mir gleich Probleme.
Gerade hatte ich dieses Foto geschossen, kam ihr Anführer auf mich zu und belehrte mich über das Presserecht. Kein Foto ohne Einwilligung!
Aber er ließ mir einen Ausweg: Mit einem „kleinen“ Beitrag könnte ich das Copyright am Foto erwerben.

I'm a hobo

I’m a hobo

Ich kaufte mich mit einer Spende und später mit einer Runde Bier frei und die Gesellen ließen mich noch zwei weitere Schnappschüsse machen.

Me hobo too

Me hobo too

Mindestens – so erklärten mit die jungen Dachdecker – drei Jahre und 1 Tag müsse man auf die Walz. Wenigstens einen Tag länger als die Ausbildung dauere. Das sei Tradition.

  • Auch Frauen zögen immer häufiger mit. Unterwegs hätten sie Schäferinnen, Kirchenmalerinnen, Steinmetze getroffen.
  • Die meisten seien mittlerweile weltweit auf der Walz. Ein Flugticket lasse man sich vom Arbeitgeber statt Lohn bezahlen.
  • Geschlafen hätten sie letzte Nacht im Eingang eines Supermarktes. Nicht immer finde man Meister oder Menschen, die einem Unterschlupf böten. Geld hätten sie eigentlich nie.
  • Dass Dachdecker und andere Berufsgruppen auf die Walz gingen, hinge damit zusammen, dass früher die Meister nicht genügend Arbeit für ihre Lehrlinge hatten und diese daraufhin in der Region herumschickten. Daraus sei diese Wanderbewegung entstanden.

Während wir uns unterhielten, kritzelten einige etwas in sehr dicke Tagebücher.
Wanderbuch“ stand auf den Klappen. Ich fragte, ob ich mir eines einmal anschauen könnte. Sie waren entsetzt. Das ist das Heiligste was sie hatten und das Intimste.
In den Wanderbüchern führen sie die Zeugnisse, Empfehlungen, Widmungen ihrer vielen Arbeitgeber mit. Auf den Buchseiten verewigen sie aber auch ihre Liebschaften, ihren Kummer und ihre Dummheiten.

Als ich mich von der Gruppe verabschiedete, bekam ich gerade noch mit, wie zwei miteinander ernsthaft verhandelten und dann etwas tauschten: eine fast leere Zahnpastatube gegen einen großen Wamsknopf.

Über das Gespräch mit den bunten Vögeln hatte ich fast vergessen, mir eine Unterkunft zu besorgen. Als ich von Hotel zu Hotel zog, wurde mir klar, dass diese Stadt völlig überbucht war.
Mit viel Glück fand ich doch noch ein freies Zimmer. Ich fragte den Portier was denn heute los sei?
„Wieso heute?“ antwortete er. Die Schul-Ferien seien zwar vorbei, aber jetzt habe eine andere Saison begonnen: der Seniorensommer!

Durst. Eines meiner Lieblingsbiere: Tannenzäpfle der Rothausbrauerei Freiburg. Nur Klasse!

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Hunger: Gebratene Forelle mit Couscous- und Kartoffelsalat. 12 Euro. Naja!

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Unterkunft: 69 Euro (mit Frühstück).

Die Westgrenze geschafft!

Schon gestern hatte ich mich ein wenig gewundert, aber heute morgen erst wurde es mir richtig bewusst: Auf dem Rhein fuhren keine Schiffe, keine Kähne und Touristendampfer mehr.

Ausgetrocknet

Ausgetrocknet

Wie leergepumpt das Flussbett.

Um 9 Uhr war ich in Neuenburg losmarschiert. 34 km hatte ich vor mir. Immer den Rhein entlang bis ins Dreiländereck Frankreich, Schweiz und Deutschland.

GPS-165-Neuenburg

GPS-Gesamtstrecke bis 165

Nur einmal verließ ich kurz den Fluss, um mir das Kurbad Bad Bellingen anzuschauen.
Ein schrecklich biederer Ort, der zudem von der nahen A5 mit einem höllischen Hintergrundrauschen akustisch vermüllt ist.

Selbst die beiden Fontänen im kleinen Kurpark vermochten das Autobahn-Rauschen nicht zu übertönen. (Aber vielleicht hat man sich hier ja eh auf Gehörgeschädigte spezialisiert.)

Doppelt langweilig

Doppelt langweilig

Im Park sah ich den kleinen Nico wie er hinter einer Holzskulptur hervorlugte.
Er gab mir ein Zeichen, fragte, wohin ich mit meinem schweren Gepäck ginge.
Nach Basel in die Schweiz, antwortete ich ihm.
Nico wollte mit. Seine Eltern, die ein Eislokal betrieben, hatten ihn wie eine Schaufensterpuppe in eine Schwarzwälder Tracht gesteckt. Jeder Kurgast, der vorbeikam, streichelte die Wangen des Jungen. Der fand das ekelig und wollte nur noch weg, am besten in eine Stadt.

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Ich setzte ihn auf meinen Rucksack und wanderte zum Rhein zurück.

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Der Uferweg schnurstracks. Und akkurat gemäht.

Roll on

Roll on

Die A5 war unser ständiger Nachbar, der uns mal sehr und mal weniger laut begleitete. Die Autobahn hatte man nahe an den Rhein heran gebaut.
Östlich von ihr begann das Markgräflerland. Eine weitere gute Weingegend in Südbaden.

Könnte schön sein

Könnte schön sein

Bisweilen wurde ich gezwungen, kleine Umwege zu gehen. Die Regionalregierung ließ auf dieser Strecke riesige Rückhaltebecken graben, um Stauraum für Hochwasser zu haben.
Schutzmaßnahmen.

Rückhalt

Rückhalt

Dabei bot der Fluss hier ein jämmerliches Bild. Kaum Wasser.

Vom Fluss zum Bach

Vom Fluss zum Bach

An der Isteiner Schwelle der Rhein mehr Kiesgrube als Fluss.

On the banks of the Rhine

On the banks of the Rhine

Der Rhein glich immer mehr einem Alpenbach mit einigen Stromschnellen. Wildromantisch!
Aber ich fragte mich, ob ich vielleicht einem Seitenarm folgte? Das konnte nicht der stolze deutsche Fluss sein.

Wildwasser

Wildwasser

Schließlich kam des Rätsels Lösung. Unterwegs füllte ein Schild
1) meine Bildungslücke und informierte mich,
2) dass der Elsässische Große Kanal etwas nördlich von Weil beginnt und bis Breisach praktisch sämtliches Rheinwasser schluckt. Mithin fahren die Schiffe auch auf dem Kanal und nicht auf dem Rhein!

Das Ganze ging zurück auf den Versailler Vertrag, mit dem Frankreich sich damals das Recht erzwang, mit dem Rhein machen zu dürfen, was die Grande Nation wollte. Wohl auch um Deutschland zu demütigen, wurde der Grand Canal D’Alsace gebaut samt Wasserkraftwerken und Schleusen. Aus dem Rhein wurde auf der Strecke von Weil bis Breisach
a) ein beklagenswertes Rinnsal und
b) auf fast schon mephistophelische Weise aus dem deutschen Groß-Mythos die Luft (respektive das Wasser) rausgelassen.

Wenig später auch der Missetäter: ein Wehr.
Der Rhein wird hier aufgestaut und der Großteil des Wasser westlich des Wehrs in den Seitenarmkanal geleitet.

Flussteiler

Flussteiler

Die wenigen Kilometer bis Weil strömte Vater Rhein mir wieder in seiner vollen Pracht entgegen.

In alter Stärke

In alter Stärke

Eigentlich hatte ich mir für diese Etappe vorgenommen, noch einmal über das Zusammenleben von Deutschen und Franzosen nachzudenken. Morgen würde ich ja die gemeinsame Grenze verlassen.
Aber ob Lothringen oder jetzt das Elsass: Die 515 Kilometer gemeinsame Grenze hatte ich oft genug überhaupt nicht mehr wahrgenommen.
Ressentiments schon gleich gar nicht.

Der Wehrmachts-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der am Stadteingang von Weil noch steht, wirkte wie ein Relikt aus uralten Zeiten.

Bunker besiegt von Natur

Bunker besiegt von Natur

Unvorstellbar, dass es zwischen Deutschen und Franzosen noch einmal zum Krieg kommen wird.

Müde, aber beschwingt, lief ich die letzten zwei drei Kilometer durch das Weiler Hafengebiet.

Hafen-City

Hafen-City

Bis ich das Dreiländereck erreichte.

Diese Brücke führt von Deutschland nach Frankreich. Hinter ihr wartet die Schweiz auf meinen Besuch.

Nationen überspannt Überspannte Nationen

Nationen überspannend

Nach dem Osten (1492 km) und Norden (1183 km), hatte ich nun auch die Westgrenze Deutschlands abgelaufen. 1234 km!

GPS-Gesamtstrecke

3.909 Kilometer sind das bisher insgesamt.

Übermorgen wird meine letzte Etappe beginnen. Die Querung der Südgrenze.

Unterkunft in Weil: 65 Euro (mit Frühstück).
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Der Horizontdurchbruch bei Neuenburg am Rhein

Trüb der Morgenhimmel über Breisach.

Himmelspforte

Himmelspforte

Nass das Städtchen zu Füßen des Münsters.

Aufgetürmt

Aufgetürmt

Eifrig kauften die Bewohner den kleinen Markt leer. Um schnell in ihre warmen Stuben zurückzukehren. Der Herbst drohte mächtig.

Zupackende Hände

Zupackende Hände

Ich hatte lange geschlafen, brach erst um 10 Uhr auf. Ins 29 km entfernte Neuenburg am Rhein.

GPS-164-Breisach

GPS-Gesamtstrecke bis 164

Bevor ich losging, stärkte ich mich in einem Café mit einer Schwarzwälder Kirschtorte. Serviert von einem bezaubernden Schwarzwaldmädel. Ich fragte sie nach ihrem Namen. Sie stellte sich mit „Fräulein Himmelsbach“ vor.
„Schöner Name“, log ich.
„Himmelsbach heißen fast alle im Schwarzwald“, entgegnete sie spitz.

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Heute im Café, gestern im Restaurant: Überall tragen die Bedienungen wieder Tracht.
Die Bayern vermarkten sich seit jeher genial – mit Dirndl und Lederhosen. Die Schwarzwälder sind dabei, im Vermarktungswettbewerb mächtig aufzuholen: Bollenhut, Trachtenschürze, Schwarzwälder Kirsch und Kuckucksuhr.

Ich zog los und hatte Glück. Die Wolkendecke riss immer wieder mal auf. Ließ einen silbrigen Schimmer Licht durch.

Kraftvoll

Kraftvoll

Ich nahm mir Zeit nichts zu tun. Dem Rhein nachzuschauen.

Nah fokussieren

Nah fokussieren

Wildwuchs am Ufer.

Uferbewuchs

Uferbewuchs

Meist war das Ufer so dicht bewachsen, dass der Fluss hinter Bäumen, Gebüsch und Gestrüpp gänzlich verschwand.

Wege mit Grünstich

Wege mit Grünstich

Der Dammweg krümmte sich nur manchmal, führte meist geradeaus, Kilometer für Kilometer, durchbrach irgendwann den Horizont und ließ mich nach 8 Stunden Wanderung in Neuenburg ankommen. Ich hatte mich müde und in eine dämmrige Stimmung gelaufen.

Durst: Lasser Pils. Hopfiger Geschmack. 3,30 Euro (0,4l). Gut. Privatbrauerei aus Lörrach. Seit 1850.

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Hunger:
Flädlesuppe. 3,50 Euro. So lala.

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Forelle in Butter gebraten, mit Mandeln. Fett – sowohl Fisch als auch die Butter. Zu fett. Schade. 19,50 Euro. Überteuert.

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Ich verließ das Traditions-Gasthaus und sucht mir am Abend in Neuenburg eine nette Kneipe.
Und traf Fräulein Himmelsbach wieder. Morgens jobte sie einem Café in Breisach. Abends kellnerte sie ihrem Heimatstädtchen Neuenburg.

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Sie empfahl mir einige lokale Weine. Aus dem Markgräflerland. Es wurde ein langer und redseliger Abend.

Unterkunft: 56 Euro (mit Frühstück).

Durchs reblausgrüne Schwarzwaldvorland nach Scherzheim

Wie jede Etappe fing auch diese mit dem Entgiften an.
Tag-Bewusstsein entgiften. In den Rhythmus finden. Arbeit wegschieben, Probleme gleich mit.

Es gelang nicht wirklich.
Es gelingt eigentlich nie am ersten Tag einer längeren Tour!

Auch wenn die Landschaft mir mit schönen Panoramen half.

Green Green Home

Green Green Home

Baden-Baden mündet an den Rändern immer ins Reblausgrün.

Ich war um halb zehn aufgebrochen. Die Kurstadt befand sich zu der Zeit noch im Vollschlaf. 22 km lagen vor mir bis nach Scherzheim, nahe am Rhein.

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GPS-Gesamtstrecke bis 157

Eigentlich wollte ich über die Yburg ins Rheintal wandern, um ein wenig Schwarzwald zu schnuppern. Ich irrte mich aber im Weg und mäanderte rasch ins Rebland.

Hatte schon am Morgen Lust auf einen Riesling!

Vinothek!

Vinothek!

Manche Höfe boten ihre Ernte (frisch oder eingemacht) am Straßenrand feil.

Don't shake my peaches

Don’t shake my peaches

Es war Samstag. Die Geschäfte schlossen früh. Doch es reichte ein Griff, um sich unterwegs den Magen voll zu schlagen.
(Wobei: Äpfel sättigen nicht! Saure schon gleich gar nicht!)

Mundraub

Mundraub

Das Rheintal ist eine Hochgeschwindigkeits-Trasse.

On a train, on a train, on a train

On a train, on a train, on a train

Mein Hirn arbeitete dagegen so langsam, dass ich bisweilen dachte, es sei in der Lage auf 0 Bit/Sekunde herunterzufahren.
(Ist das der intellektuelle Tod? Kurz vor dem klinischen?)

Die Dörfer auffallend sauber gekehrt, manchmal sogar ein wenig schmuck.

Ein anderes Gesicht im Spiegel

Schau nicht in den Spiegel, du siehst immer einen anderen!

Und dieser Heiland hing mal nicht an einem klobigen Holzkreuz, sondern klebte an einer Hauswand.

Er weiß den Weg

Er weiß den Weg

Es war der erste Tag einer mehrwöchigen Etappe (hoffentlich). Ich merkte, dass ich noch nicht geübt war. Meine Beinmuskeln schmerzten früh, meine Füße liefen noch nicht automatisch. Ich beeilte mich, ein Gasthaus zu finden.

Kleider machen Junge Leute

Kleider machen Junge Leute

Gegen halb vier erreichte ich Scherzheim.

Durst: Hefeweizen. Süffig, leicht würzig. 3 Euro. Brauerei Wagner.
Sie gehört zur Kronenbrauerei. Ein privates regionales Unternehmen, das 1847 gegründet wurde. Dessen Pils schmeckt leider überhaupt nicht.

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Hunger: Gesottenes Rinderbugblatt mit Meerrettich. 11,20 Euro. Ausgesprochen saftiges Fleisch, gut gewürzt. Solide Hausmannskost.

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Unterkunft: 45 Euro.

In die Chlorophyllhölle Baden-Baden

straight, todo derecho, grad aus

straight, todo derecho, grad aus

Viel Abwechslung bietet der Rhein auf dieser Strecke nicht. Ab und zu ein Last- oder Container-Schiff.

Trotzdem genoss ich den Spaziergang entlang des Ufers. Ich hörte die Kähne hinter mir, wie sie sich gegen die starke Strömung an mich heranarbeiteten. Ich schlenderte mehr, als dass ich lief. Vielleicht 4 Kilometer die Stunde. Die beladenen Schiffe brauchten erstaunlich lang, um mich einzuholen. Ich schätzte, dass sie vielleicht 6 km/h schnell (oder besser langsam) waren.

Es hatte etwas Kontemplatives, Einlullendes sich dem Rhythmus des Rheins anzupassen.

Ich hatte es nicht eilig. Die 20 km bis Baden-Baden waren einfach zu gehen. Um 11 Uhr morgens war ich aufgebrochen.

GPS-156-Plittersdorf

GPS-Gesamtstrecke bis 156

Altrheinarme und Minihäfen durchbrachen bisweilen die Monotonie.

Auf Abruf

Auf Abruf

Waren keine Boote unterwegs, dann immerhin Schwäne. Der Nachwuchs wurde in Formationsschwimmen geschult.

Schwanflotte

Schwanflotte

Früher – so lernte ich von einer Schautafel – früher tummelten sich in den Auen zahlreiche Aalfischer.
Die genaue Bezeichnung: „Aalschokkerfischer“.
Schokker sind Fischereisegelschiffe.
Irgendwann sind die Aale abgewandert. 1989 gab der letzte Fischer auf und ließ sein Boot hier zurück.

Aal und Aalfischer ausgestorben

Aal und Aalfischer ausgestorben

An der Iffezheimer Schleuse bog ich ab.

Schleuse ohne Schleuser

Schleuse ohne Schleuser

Ich verließ den Rhein und die Rheinfräuleins unter den Brücken.

Blonde Frau Schau mich an

Blonde Frau Schau mich an

Noch immer durchschaue ich nicht die Codes der Graffiti.
Auch unter den Rheinbrücken wurde viel gekritzelt.
Vielleicht werden zukünftige Archäologen diese modernen Hieroglyphen entschlüsseln.
Aber wahrscheinlicher ist, dass sie gar keine Codes sind, sondern einfach nur fingerprints der jeweiligen Sprayer. Erkennungsmarken. Oder allenfalls Strichcodes, die mit einem App lesbar sind: Künstlername, Entstehung, Verfallsdatum.

Ich suchte mir in Iffezheim ein Lokal. Der Ort extrem langweilig. (Die berühmte Pferderennbahn etwas außerhalb).

Witzig aber das Pissoir.

Abfalltrennung

Abfalltrennung

Nach einem kurzen Schauer brannte jetzt am frühen Nachmittag die Sonne wieder sommerlich unerbittlich. Nur manchmal von schnell durchziehenden Wolken verdeckt.

Der Schwarzwald am Dunsthorizont.

In the heat of the day

In the heat of the day

Die Rheintalorte, die ich durchlief, funktional, sauber, aufgeräumt, ohne Charme.

Kein Vergleich mit Baden-Baden, das ich gegen 16 Uhr erreichte. Das Kurstädtchen in einem Seitental der Oos liegt atemberaubend schön in einem grünen Meer. Man atmet Chlorophyll und nicht Sauerstoff.

Chlorophyllhölle

Chlorophyllhölle

Über 10 Jahre habe ich einst hier gelebt und gearbeitet.
Ich hielt mich nicht lange in den Straßen auf, ich besuchte Freunde.

Flair

Flair

Trabi-Toni gibt mir in Seiffen eine Deutschstunde

Nach der anstrengenden gestrigen Tour habe ich’s heute langsam angehen lassen. In den Morgen reingebummelt. Gut gefrühstückt in meinem schönen Hotel.

Mehr Soli für solche Fassaden !

Saiger-Hütte heißt das Prachtstück. „Saiger“ ist Bergmanns-Welsch. Bedeutet „senkrecht“. Hier wurden seit dem 16. Jahrhundert Münzen für die sächsischen Potentaten geprägt.

Die heutige Strecke war ein Kinderspiel. Ich ging um 10 Uhr los und wollte „nur“ nach Seiffen, dem berühmtesten Spielzeug-Ort Deutschlands. Damit mir nicht langweilig wurde, schlug ich noch ein paar kleine Haken, sonst wäre ich schon vor dem Mittagessen angekommen. Insgesamt 14 Kilometer (mit Schleife).

GPS-Gesamtstrecke bis 038

Der Morgen in den Bergen noch frisch, aber nicht mehr so gruselig kalt wie die Tage zuvor. Angenehmes Laufen durch eine erwachende schöne Mittelgebirgslandschaft. Wald, dunkler Wald und nur höchst selten Ausblicke.

Skipisten machen den Blick frei.

An einer Waldwegkreuzung dann einer, den ich schon lange unterwegs erwartet hatte: ein Nussknacker.

VoPo macht nur auf "grimmig"!

Er und seine Kollegen von der Nussknacker-Polizei kontrollierten um Seiffen herum die Waldwege. In Seiffen werden die bekanntesten Nussknackerfiguren der Welt geschnitzt und gedrechselt. Die Nussknackerpolizei achtet streng darauf, daß keine geheimen Zeichnungen und Pläne aus der Gegend herausgeschmuggelt werden.
„VoPo“ (so nannte ich den Kleinen) steckte ich aus reinem Sammlerinteresse in den Rucksack (er wehrte sich heftig, strampelte!) zu meinen anderen Begleitern und marschierte weiter.

Unterwegs schöne Nahsichten auf die umliegenden Dörfer.

Neuhausen.

Panoramablick

Neuhausen mit Schlösschen.

Schon immer suchten sich Grafen und Mönche die schönsten Standorte

Kurz vor Seiffen sah ich einen Herrn im Blaumann, der einen kahlen Stamm eines Tannenbaumes an sein Auto heranschleppte. Ich näherte mich und fragte, was er denn da mache. Er erklärte mir, dass er nicht weit weg von der Stelle hier wohne und den Stamm mit dem Auto in seinen Hof ziehen wolle. Dort wolle er den Baum aufrichten und schmücken. Es sei ja bald Ostern. Und er habe Zeit. Er sei eben „Vollrentner“, 61 Jahre alt und zuvor Automechaniker gewesen.

Ich vergaß ihn nach seinem Namen zu fragen. Oder er ist mir entfallen. (Eine meiner ärgerlichsten Krankheiten: Ich höre bei der Begrüßung einen Namen und schon ist er weg!)

Jedenfalls habe ich mir später in mein Notizblock notiert: „Verquatscht mit Toni“. Und da er einen alten Trabi fuhr, nannte ich ihn forthin „Trabi-Toni“ (Er wird mir meine Phantasie hoffentlich verzeihen!)

Trabi-Tonis Stolz

Trabi-Toni erklärte mir kurz (1 Stunde) und unsortiert die Welt, wie er sie sah.

  • Früher, das heißt vor der Wende, war in Seiffen die Hölle los gewesen. Das ganze Jahr über. Die VEBs (Volkseigenen Betriebe) schickten stets ganze Belegschaften hierher: „Für billig“. Auch für genug Bier war gesorgt. Heute ist alles wie ausgestorben. Mit Ausnahme von Dezember und Januar. Dann kommen sogar Amerikaner hierher, um sich Nussknacker, Räuchermännchen, Engelchen und Schwibbögen zu kaufen. Wenn nicht gerade Weihnachten ist, also der Rest des Jahres: Tote Hose. Die Restaurants zu teuer für die Einheimischen. Die sowieso nicht gerne weggingen. Also gab es nichts zu tun, keine Unterhaltung.
  • Hier gibt es immer noch einige Jammerer, die glauben sie müssten nörgeln, weil sie sich noch keinen Mercedes kaufen konnten. Ostgehälter und so. Sie tun so, als könnten sie sich nicht mehr erinnern, dass es früher kaum etwas gab. Und schon Eines gar nicht: Freiheit. Gauck ist genau der richtige Präsident. Der wird auch die daran erinnern, was sie gewonnen haben! Sie können reisen und reden wiese wollen.
  • Die Seiffener haben doch immer hinterm Mond gewohnt. Meine Eltern hatten schon 1961 Westfernsehen, heimlich. Der einzige im Ort. Ich habe als Junge Cassius Clay boxen gesehen, und sonst niemand im Dorf. Die wussten noch nicht einmal, dass der boxte. Ich habe immer schön den Fernseher leise gedreht, dass niemand etwas mitbekam. Es gab ja überall Spitzel.
  • Ich war nie im Gefängnis. Ich gehörte nicht zur Opposition. Aber ich habe mir meine Stasi Akte besorgt. Ich weiß, „wer mir was antun wollte„.

Hier unterbrach ich Trabi-Toni. Ich erzählte ihm, wie mein Vater mich als Bub manchmal im Auto durch unser Pfälzer Dorf gefahren und auf Leute in der Straße gezeigt hatte: Das war ein Nazi-Bonze, sage mein Vater, und heute ist er immer noch ein Bonze. Das war ein NSDAP-Mitglied, ein glühender Hitler-Anhänger, kein Mitläufer und heute ist er wieder Parteifunktionär. Mein Vater packte damals eine heilige Wut. Ich fragte Trabi-Toni, ob ihn, wenn er durch Seiffen laufe, nicht auch manchmal der Zorn übermanne. Er veneinte.

  • Der Westen hat nach dem Krieg die Leute für Zwei Mark Fuchzig entnazifierzt. Im Schnellverfahren. Aber immerhin hat der Westen sich mit den Kerlen befasst. Hier ist Schweigen. Nicht mal die Jugend fragt nach, was denn passiert sei – in der DDR. Die Jugend ist ja sowieso nach der Wende direkt in den Westen gegangen. Hier sagen viele Leute: „Schwamm drüber“. „War ja nicht so schlimm“. Das ärgert mich. Was mich noch mehr aufregt, sind die PDS-Bonzen, die heute immer noch das große Wort schwingen. Die haben ihr Geld sicher. Dafür hat der Schalk-Golodkowski gesorgt. In der Schweiz liegen Gelder, Fonds und so ein Zeug, da kriegen die alten Kader heute noch ihre Ausschüttungen. Die fahren alle große Autos.
  • Ich fahre manchmal in den Schwarzwald oder nach Bayern. Schön dort. Und in jedem Gasthaus gibt es einen Stammtisch. Da setzen sich die Leute zusammen. Und hier? Geh doch mal in eine Wirtschaft. Wenn keine Touristen da sind: leer!

Ich ließ Toni weiterwursteln und ging nach Seiffen.

Am Stadtrand die von Trabi-Toni angesprochenen ehemaligen VEB-Wohnheime?

Seiffen mit Fünfziger-Jahre Wohnungsbau-Revival.

Hat was Muffiges

Seiffens schöner Ortskern:

Fast jedes Haus ein Verkaufsraum für Erzgebirgisches Kunsthandwerk.

Die Schnitzkunst war früher so etwas wie die Rentenversorgung der Bergleute. Da viele sehr jung sehr krank wurden und nicht mehr untertage arbeiten konnten, brachten sie ihre Familien mit Schnitzereien durch. Schnell bekam das Handwerk Weltruhm. Auch heute ist es eines der wichtigsten Wirtschaftszweige der gesamten Region.

Hunger: Brust und Keule vom Landhuhn mit Kartoffelstamp an Vanille-Chili Jus mit glacierten Zwiebeln.
Hochtrabende Beschreibung für eine kulinarische Katastrophe. Geschmackloses ausgetrocknetes Huhn. Kartoffelbrei fast ungenießbar.
Und dafür 12 Euro. Eine Frechheit.

Sogar VoPo beschwerte sich, dass er nichts zu „knacken“ hätte. Die Bohnen völlig verkocht!

Unterkunft: 40 Euro (mit Frühstück).

Der Platz wird knapp!

Hosenlatztiroler Karl geht nur mit Keuschheitsgürtel nach Zelezna Ruda

Karl nannte ich ihn. Weiß nicht warum. Er sah auch nicht aus wie ein Bayer. Der Tracht nach zu urteilen (aber da kenne ich mich nicht wirklich aus), konnte er aus dem Schwarzwald stammen oder auch aus Tirol. Und Tiroler, die Lederhosen tragen, heißen nun mal Hosenlatztiroler.

Karl hat sich schick gemacht für die tschechischen Mädels

Auf die andere Seite zu gehen, war weniger als ein Katzensprung. Zelezna Ruda wird auch „Böhmisches Eisenstein“ genannt und liegt rund 3 1/2 km Fußweg von „Bayerisch Eisenstein“ entfernt. Eine Stunde gemütliches Schlurfen.

GPS-Gesamtstrecke bis 019

Der Grenzbahnhof: Ein bisschen wie ein Museum. Auf deutscher Seite: Ausrangierte Nostalgie-Waggons.

Nostalgie in Betrieb

Auf tschechischer Seite: Alte Loks noch in Betrieb.

Deutsch-Tschechische Grenze

Dass hier einmal der eiserne Vorhang herunter gelassen war, kann man kaum noch glauben. Ein kurzer Schritt und schon ist man „drüben“. Klasse dieses Europa.

Ich war vor rund 40 Jahren das erste und einzige Mal in der damaligen Tschechoslowakei. Ich gestehe, dass ich auch über das neue, moderne europäische Tschechien erschreckend wenig weiß. Mein nicht ganz vorurteilsfreies Basis(halb)Wissen: Roma-Diskriminierung, Rechtsextreme in Parlament und Verwaltung, ein einigermaßen skurriler Präsident (Klaus), der ab und zu beim Kugelschreiber-Klauen erwischt wird (kein Witz – es gibt Youtube-Videos!) und der längste Rotstrich der Welt entlang der deutschen/tschechischen Grenze.

Aus letzterem Grund war mein Klaus gekommen. Ich hatte ihn aber gewarnt, er solle sich benehmen!

Nach der Grenze zuerst ein Schild mit deutsch-tschechischem Sprachkurs!

Praktisches Wörterbuch für unterwegs

Dann gleich in voller Größe die Einstimmung für diesen Samstag.

100 Meter auf tschechische Gebiet

Ich machte mir Sorgen um Karl.

Das Dörfchen Zelezna Ruda deutlich belebter als sein bayerisches Pendant.
Cafés waren geöffnet, an jeder Ecke ein Spielkasino und überall Asia-Läden als kleine wilde Straßenmärkte. Und wie immer, egal wo auf der Welt, kaum ist der Fotoapparat gezückt, verschwinden die asiatischen Verkäufer als seien sie nur Schatten, die sich im Licht sofort auflösen. Die (AllerWeltsSehrBillig)Ware scheint wohl nicht ganz legal zu sein. (Weiter drin immer Zigaretten und Alkohol!)

Eigentlich waren hier 4 - 5 Vietnamesen (?), als ich die Kamera zückte

Zweitausend Einwohner bevölkern das Grenzstädtchen und, soweit ich gezählt habe, mindestens ein halbes Dutzend Puffs.

Erwerbszweig Tourismus

Ich fragte Karl wie viele Synonyme er für „Huren“ kenne.
Nutte, Prostituierte, Strichmädchen, Damen des horizontalen Gewerbes, Flittchen, leichtes Mädchen: Es sprudelte nur so aus ihm heraus.
Ich fragte ihn dann, wie viele Bezeichnungen er für „Freier“ kenne.
Schweigen.

Wir brachen das Gespräch ab.

Die Nacht graute. Frühe Ausgehzeit. Karl und ich beschlossen, einige der Etablissements zu besuchen. Aber zur Sicherheit band ich Karl einen rot-weißen (Tiroler !!!!) Keuschheitsgürtel um. Sein Protest nutzte nichts! Hinten zugeschweißt!

Unglücklicher Karl

Der Abend verlief wie so viele solcher Abende verlaufen. Warten, dass etwas geschieht.

Karl wurde immer unruhiger. Die Mädchen boten sich an. Die Hälfte von ihnen kamen aus der Ukraine. Ein Viertel irgendwo aus dem ferneren Osten und das andere Viertel aus Pilsen. Ungewöhnlich viele hatten schon einmal in Deutschland gearbeitet: München, Nürnberg, Stuttgart, Köln. Aber die Konkurrenz dort war zu stark, immer mehr jüngere zogen nach. Die, die in diesen Clubs waren, waren wieder zurück gezogen. Sie wurden älter. Hatten Kinder zu versorgen.

Die Freier: Ausschließlich Deutsche. Einige ältere Herren. Manch kleine Jugendgruppe, die mal schnell den Trip über die (nicht vorhandene) Grenze gemacht hatte. Diskos und Clubs gab es in ihren gottesfürchtigen niederbayerischen Dörfern ja nicht. Nur Tankstellen (selten) zum Vor- und Ausglühen.

Erst fiel der Eiserne Vorhang und dann die deutsche Hose!

Später in der Nacht wechselten Karl (frustriert) und ich in die einzige offene Kneipe, die
a) kein Casino und
b) kein Striplokal war.
Hier saßen nur Einheimische. Und nur tschechische Jugendliche und so gut wie nur Jungs.
Karl fiel auf, dass sie körperbetonter waren als seine deutschen Freunde. Ständig drückten sie sich an die Brust, küssten sich auf die Backe, kippten einen unbekannten Schnaps und lachten und grölten.
Manchmal warfen sich zwei von ihnen zwischen den Tischen mit dem Rücken auf den Boden und versuchten sich in Fußhakeln. Was in Bayern Armdrücken ist, ist in Zelezna Ruda anscheinend Beindrücken. Die Haxn werden ineinander verhakt und dann versucht einer des anderen Extremität auf den Boden zu drücken. Gegröle, Geschrei, noch ein Schnaps und noch ein Backenkuss mit einem Klitschko-Lächeln.

Durst: Pilsener Urquell (scheint landesweit Identitäts-stiftend zu sein). Gezapft. Süffig. 1,50 Euro.

Hunger: 1/4 gebratene Ente mit Knödelvariation (meinen ersten Brotknödel gegessen) und Rot- und Weißkraut. Gut. 6,50 Euro.

Unterkunft: 24 Euro (inkl. Frühstück – Rührei mit Speck).