Farbkleckse für schwangere Schafe – bis nach Friedrichskoog

Wer buddelt da am Wattenloch ?

Wer buddelt da im Nationalpark Wattenmeer?
Vor allem nach was? Nach Bernstein? Resten versunkener Städte? Scherben? Vergrabenen Piratenschätzen? Wattwürmern?

Später fragte ich in Kneipen nach, niemand konnte mir das erklären.

Geht hier im Nationalpark alles mit rechten Dingen zu?

Ich war um halb neun aufgebrochen, mein Tagesziel: Friedrichskoog. 29 km entfernt.

GPS-Gesamtstrecke bis 098

Die Sonne tanzte den Schleiertanz, versteckte ihren Körper hinter sieben Dunst-Schichten. Tauchte den Horizont in ein glimmriges, milchiges Weiß, wusch die Farben der Salzwiesen aus.

Ins Meer gerammt

Auf dem Deich und auf dem platten Land das Übliche: Schafe, Schafe, Schafe.
Auf dem Deich zu laufen, hieß durch Schafskot waten.
(Deichwege sollten in Güllewege umbenannt werden.)

Ich näherte mich einem Hof. Zwei Schäfer (Vater und Sohn) ließen mich freundlich fotografieren. „Wenn Du es nicht der Bild-Zeitung steckst!“
Ganz habe ich nicht begriffen, was sie damit meinten. Vielleicht, weil sie den Tieren irgendetwas Geheimnisvolles spritzten?
Die Medikamentenkiste neben dem Pferch war jedenfalls war prall gefüllt.

Landapotheke

Während der Jüngere den Schafen die Nadel in die Wolle hieb, sprudelten die Worte nur so aus ihm heraus:
Die Wildgänse seien schuld. Sie würden Krankheitskeime heranschleppen, niemand würde den Schäfern den Schaden ersetzen. Er müsse seine Herde entwurmen, impfen. Parasiten und Keime überall. Jedes Jahr müsse er für Zehntausende Euro Medikamente kaufen. Naturschutz würde schrecklich übertrieben.

Seine Schafe, sagte der Jüngere, bevorzugten langhalmiges Gras.
„Das wächst direkt am Meer. Aber alles, was 150 Meter vom Dammkamm entfernt sprießt, liegt bereits im Nationalpark. Also darf ich meine Schafe da nicht hintreiben. Doch da sitzen stattdessen tausende Wildgänse und fressen alles kahl.“
Dabei würden Wildgänse eher kürzere Halme bevorzugen, also die Deiche, auf denen seine Schafe grasten.
Die Naturschützer würden vergessen, dass ihnen, den Schäfern, noch vor wenigen Jahrzehnten dieses Land im Nationalpark gehört habe. Der Nationalpark habe nicht nur Glück gebracht.

Der Vater stimmte in das Klagelied ein. Das zumindest entnahm ich der schnarrenden Satzmelodie. Der Herr wütete in Plattdeutsch – ich verstand natürlich nichts.

Papa immer kritisch

Dann fragte ich den Jüngeren das, was ich immer schon über Schafe wissen wollte:

Wieso hatten fast alle Schafe Farbmarkierungen auf dem Hinterteil? Markierten die Schäfer so ihre Herden?

  • Nein! Die Farbe markiert in erster Linie ein geschwängertes Schaf! Die Böcke bekommen eine Art Stempel um den Bauch gebunden. Springen sie auf ein Schaf auf, hinterlassen sie einen Farbklecks: Der Bauer kann so kontrollieren, welche Tiere trächtig sind.

An was verdient er mehr, an der Wolle oder am Fleisch?

  • Ein Schaf trägt drei bis vier Kilo Wolle. Für das Kilo bekommt er gegenwärtig ca. 60 Cent. Als pro Tier etwa 2, max 3 Euro. Allein der Scherer verlangt bereits 2 Euro pro Schur. Also gibt es an der Wolle nichts zu verdienen.

Wer kauft die Schafe? In den Restaurants unterwegs gab es kaum Lammfleisch?

  • Die meisten Tiere gehen in die großen Städte, nach Dortmund, Köln, Berlin. Dort, wo viele Muslime wohnen. Verkaufssaison für Schäfer sind der Ramadan und das islamische Opferfest.

Auf dem weiteren Weg: deutlich mehr Wildgänse(?) als Schafe.

Schwarm sitzt, Schwarm fliegt

Gegen 16 Uhr 30 erreichte ich Friedrichskoog-Spitze. Ein bekannter Ferien-Retortenort, der ausgestorben schien.
Der starke Wind hatte wohl den letzten Besucher aus den Straßen gefegt.

Am Horizont eine Öl-Bohrinsel.

Ölrausch

Die Sonne hatte ihren Schleiertanz beendet und versank rot-golden.

Goldrausch

Hunger: Schweinemedaillon im Speckmantel mit Bohnen.
Ein bisschen zu heftig angebraten,sonst aber wirklich gut. Auch die extra servierte Soße. Das Ganze mit Suppe und Nachspeise. 16,50 Euro. Sehr ordentlich!

Unterkunft: 70 Euro (mit Frühstück).

Götter ist das schön! Der Dammweg nach Hohenwutzen!

30 Grad! In Tropenkleidung unterwegs! 4. Mai!

So far away so close to home

Mein Tagesziel: Hohenwutzen. 29 km entfernt. Immer auf dem Damm entlang. Gegen 9 Uhr aufgebrochen.

(Was für ein Ortsname: Hohenwutzen!
„Wutz“ bedeutet im Pfälzischen „Sau“ – auch im Märkischen? Also ein Dorf, das die „Hohe Sau“ ehrt? Bin ja schließlich gestern auch schon durch „Kuhbrücke“ gelaufen.)

Auf polnischer Seite geschützte Auenlandschaft, auf deutscher ebenfalls.

Natur als Gemälde

Zwei Nationen im ökologischen Gleichschritt. Ein gemeinsamer Nationalpark? Grenzüberschreitend? Zweinationenpark? Das wäre europäisch!

Die Tiere sind jedenfalls den Menschen schon voraus. Haben sich hüben und drüben heimisch gemacht.

Je länger der Tag, umso unfassbarer (für einen Städter!) war, was mir im Oderbruch vor die Kameraflinte kam. Auch wenn meine Optik nicht für Tierfotografie ausgelegt ist, habe ich einfach den Auslöser gedrückt. Erst mit Verzögerung begriff ich, dass ich nicht im Zoo war, sondern den Viechern in freier Wildbahn unglaublich nah kam.

Was für ein Lippenstiftrot, selbst die Fußnägel im gleichen Ton! Ist das eine Störchin ?

Störche sind einfach schöne Vögel. Sie staksen auch nicht, sie flanieren stolz. Ihr Flug ist atemberaubend.

Anmutiger als der lauernde, gleichförmige und bedrohliche Schatten werfende Flug der Greifvögel.

Ein Fischadler erschrak sich vor mir und flüchtete aus einem Baum, an dem ich kurz Rast machen wollte.
Die Kamera konnte ich gerade noch hochreißen. Schon war er weg.

Habe einigen Einheimischen später das Foto gezeigt. Sie versicherten mir, dass ich tatsächlich einen Fischadler auf Zelluloid (klingt komisch im digitalen Zeitalter) gebannt hätte. Dann wollten sie wissen, ob ich auch den Seeadler gesehen hätte, den größten Greifvogel Europas. Ich musste passen. Selbst wenn, ich hätte ihn nicht erkannt.

Isses nun ein Fischadler ?

Kiebitze schossen pfeilschnell an mir vorbei.

bulletproof

Und Schwärme von Schwänen. Schwanschwärme. Schwanschwemme. Wie jetzt?

Schwäne ohne Wagnermusik geht überhaupt nicht

Nicht nur in der Luft ging’s zu wie in einem Taubenschlag. Auch am Boden.

Hätt' ich heute Abend gern' auf der Speisekarte!

Götter, hätt‘ ich nur ’ne Flinte statt ’ner Spiegelreflex, ich hätt‘ mir um mein Abendessen keine Sorgen machen müssen.

Mit Thymian und Knoblauch ? Oder doch eher klassisch ?

Dann gab es ja auch noch den Mikrobereich. Den ich nur in einer Laufpause wahrnehme, wenn ich meine müden Füße im Gras ausstrecke.

69er Stellung ?

Ob die beiden Schmetterlinge eine Kamasutra-Stellung ausprobierten?

Welch schöner Politik freier Tag, dachte (und genoss) ich – bis ich ein paar Fischer traf.

Ich such' nach dem Wort: Prollige Lusuxusfischer? (Bin noch nicht zufrieden.)

Eigentlich sah ich die fishermen fast in jeder Flussbiegung. Egal, ob auf polnischer oder brandenburgischer Seite. Wo es ein wenig seicht und sandig wurde, saßen sie, meist in Tarnuniform. (Muss das Belegfoto unbedingt noch nachliefern!) Ich fragte einen, was die militärische Tarnung sollte, die Fische würden ja schließlich nicht zurückschießen? Er verstand den Witz nicht so richtig und meinte nur, dass sie eben nicht von „außen“ erkannt werden könnten (Polizei? FischScheinÜberPrüfer?)
Und dann legte er richtig los.

1) Dass seit der Wende alles bürokratischer geworden sei. Jetzt müssten sie fürs Angeln überall bezahlen – Lizenzen kaufen und so weiter.

2) Dass die Wessis überhaupt keine Ahnung hätten, wie paradiesisch es hier sei. Und auch schon gewesen war. „Alles eine Familie“!

3) Dass es viele gute Dinge gab in der DDR.

4) Dass die Polen – na ja (auf einmal wurde er vorsichtig) – eben so seien wie sie seien. (Welchen Reim soll ich mir darauf machen?)

5) Und überhaupt!

Jetzt hatte ich ihn doch noch einmal getroffen: Den Jammerossi! Ich hatte ihn schon lange vermisst.

Es war nicht mehr weit zu meinem Zielort.
Das Laufen tat mir mittlerweile weh. Bei irgendeinem fotoshooting mit vorbeifliegendem Vogel hatte ich mir das Knie verdreht.

Ich schaffte es aber noch bis Hohenwutzen.
(Muss unbedingt mal googlen, woher dieser Name kommt!)

Gegen 17 Uhr bekam ich mein erstes Berliner Kindl für 3,50 Euro. (Es gibt einfach keine regionalen Brauereien in diesem Landstrich, wie schade.)

Hunger: Heringsplatte mit Bratkartoffeln. (Rollmops, Brathering, Rotweinheringsfilet). 13,90 Euro.
Preis reichlich übertrieben. Aber die Heringe waren gut. Die Bratkartoffeln allerdings zu fettig (fast triefend).

Unterkunft: 50 Euro (mit Frühstück).

(Jungs (und Mädels) – der Osten ist teuer!)

Von Fritzens (Junior) Bunga Bunga Burg bis zur (lebenden) Toten Stadt Sebnitz

Was für eine atemberaubende Sicht auf die Elb-Schleife und welch eine Riesen-Enttäuschung! Diesig! Ich wartete zwei Stunden, doch die Sicht klärte sich nicht! Im Gegenteil.

Ich, in einer der schönsten Gegenden meiner Wanderung (wenn nicht Deutschlands), und nun das!

Ein braun-verwaschenes-Unfoto!
Und die vielen schönen Tafelberge im Hintergrund: Unsichtbar!

Fischauge war wachsam aber trübe

Was scherte mich die Geschichte der Burg, auf der ich ausharrte. Nicht Einzigartigkeit, Pest-Kasematten, Verteidigungslinien, Besitzer-Wechsel reizten meine Aufmerksamkeit: Ich wollte wie ein kleiner zorniger Junge mein Foto! Meine Trophäe!

Nada!

Einzig Fritz (Junior) gelang es, meine eingetrübte Stimmung etwas aufzuheitern, als er mich frech ansprach.
Ob ich wirklich nicht hören wollte, welch frivole Spielchen er in dem Barock-Türmchen hinter ihm getrieben hätte?
Früher, als das noch nicht Bunga Bunga genannt wurde

Welche Trophäe hält er in seinen Händen ?

Er erzählte von Miedern, Leibchen, Liebestötern, Fesselspielen, kitzelndem Perückenpuder und aphrodisierendem französischen Parfum, von transparenten weißen Körpern und erotisch aufgemalten Muttermalen. Fritz Junior schwelgte.
Ich fragte ihn, ob seine heimlichen Burgfräuleins nur aufstiegswillige Noblessen oder auch Landpomeranzen gewesen seien, fesche Mädchen aus Böhmen. Und wer ihm überhaupt all die schuldigen und unschuldigen Seelen zugeführt habe? Gab es damals schon einen grenzüberschreitenden Prostitutionsring?

Bei diesem Wort zuckte Fritz Junior zusammen. Er entschuldigte sich, dass er nun doch etwas anderes zu tun hätte und schickte sich an zu gehen. Nur eine neugierige Frage, die ihn offensichtlich quälte, hielt ihn von seinem Vorsatz zurück. Er wollte wissen, ob er sich verhört habe, dass aus meinem Rucksack schöne wohlgeformte junge Frauenstimmen zu vernehmen seien.

Ich packte den Lüstling, steckte ihn zu meiner Entourage und setzte meine Wanderung fort.

12 Uhr Mittags war es mittlerweile geworden und ich hatte noch 20 Kilometer bis Sebnitz vor mir. Durch den Nationalpark Sächsische Schweiz.

GPS-Gesamtstrecke bis 043

Und wieder übermannte mich der Zorn. Ich lief durch Caspar David Friedrich Landschaften, hatte die Mond-Malereien, das weiche Licht, das sich durch die Tannen bricht, die Tafelberge, Sandstein-Minarette und Herkulessäulen, die dunklen Kamine und verwitterten Schluchten vor Augen – und bekam den Dunst nicht los.

Wie Blei drückte er auf die Landschaft.

Fotos, die ich schoss, waren reine Frust-Bilder. Mein rechter Zeigefinger betätigte selbständig den Auslöser.

Taugt nicht mal für einen Scherenschnitt

Wie schön hätte das werden können, das erste zarte Grün!

Caspar David hat das besser gemalt !

Und wie zum Hohn brach sich am späten Nachmittag die Sonne Bahn (kurz zumindest), als ich den Nationalpark schon hinter mitgelassen hatte.

Bunte Republik

Früher, ich will damit sagen, als ich jung war, vor 30 Jahren: Also früher, da waren in Deutschland alle Häuser weiß und die Dächer entweder ziegelsteinrot oder pechschwarz.
Jetzt fiel mir auf, dass nicht nur hier in Sachsen, auch in der Oberpfalz, die ich zuvor durchwandert hatte, die Fassaden kunterbunt angemalt sind.

Häsuer in Mexikanisch Blau, in Christopher-Street-Gay Pink, in Zitronengelb, Holländer-Orange, Katholisch-Purpur und Evangelisch-Lila. Die Republik wird immer bunter!
(Die Leute reisen offenbar viel und weit und bringen Farben mit!)

Spät, noch schimmerte der Himmel ein wenig blau, fand ich ein Hotel am Marktplatz in Sebnitz. Eine Große Kreisstadt. Ich hatte mich gewundert, dass die Straßen menschenleer waren, als ich ankam. Und als ich das Abendbrot verschlang, war immer noch niemand zu sehen: draußen nicht.

Blaue Stunde ohne Menschen

Und drinnen genauso wenig. Niemand! Um es noch einmal deutlich auszusprechen: niemand!

Dass es mal jemand glaubt!

Ich fühlte mich wie in einer Totenstadt.

Durst: zur Abwechslung einen Wein. Ein Dornfelder aus der Pfalz. Wenigstens war er trocken! Was besseres kann ich leider nicht von ihm sagen. Nur: Fritz Junior störte das überhaupt nicht. Er wollte mir von seinen netten Erlebnissen in meinem Rucksack erzählen, von böhmischen Mädchen in Trachten und seltsamen russischen Puddings. Ich ließ ihn. Er war sichtlich angetrunken, plumpste kichernd in die Karaffe!

Hunger: Steak mit Kräuterbutter und Bratkartoffeln. War gut, aber völlig überteuert.

Unterkunft: 65 Euro (mit Frühstück).

Wilderei und Walhall beschäftigen mich bis Frauenau

Tag 17 meiner Wanderung. Schneeregen. Wieder einmal. Nach den gestrigen Strapazen hatte ich mir einen einfachen Weg ausgesucht. Größtenteils durch den Wald, aber mehr oder weniger der Landstraße ST2132 folgend, ohne größere Steigungen. Ich wollte nach Frauenau, um dort das Glasmuseum zu besuchen. Etwa 16 km Gehweg.

GPS-Gesamtstrecke bis 017

Die Strecke war nicht sehr abwechslungsreich. Ich lief außerhalb des Nationalparks. Der Unterschied war auffallend: Kein Windbruch, kaum kranke Bäume, gepflegter Wald.

Wie aus dem Ei gepellter Wald

Erst jetzt verstand ich, was ich manchmal als Andeutungen in Gesprächen gehört hatte: Dass es in der örtlichen Bevölkerung immer noch starke Vorbehalte gegen das Nationalpark-Projekt gibt. Nicht nur, dass viele Holzfäller und Sägewerksbetreiber ihre einstige Lebensgrundlage verloren haben. Für Naturliebhaber sieht dort der Wald einfach krank und kaputt aus.

Stimmt ja auch, aber die Philosophie ist, die Natur sich selbst zu überlassen. Sie wird den Borkenkäfer irgendwann zum Normalparasiten machen, der nicht weiter wehtut, vielleicht sogar nützt.

Im übrigen Wald, außerhalb des Nationalparks, werden vom Borkenkäfer befallene Bäume gefällt und samt Rinde „entsorgt“, um die Baumplantagen „sauber“ zu halten.

Apropos Natur sich selbst überlassen. Gestern, beim Abstieg vom Rachelsee, war mir ein Jeep mit Anhänger aufgefallen, auf dem zwei erlegte Rothirsche transportiert wurden. Wenn ich’s recht sah, gehörte das Auto der Nationalparkverwaltung. Im Nationalpark gilt striktes Schießverbot. Wie kann es also sein, dass Hirsche erlegt werden?

Ich habe ein paar Leute angespochen und es scheint so zu sein, dass Rothirsche sowieso von den Jägern sofort geschossen werden, wenn sie auch nur einen Zentimeter die Nationalparksgrenze übertreten. Angeblich weil sie zu großen Schaden durch Verbiss anrichten. (Oder ist es wegen der Trophäen/Geweihe?) Aber auch im Nationalpark selbst werden, so das Geraune, Rothirsche „angefüttert“ und immer wieder in ein Gatter gelockt, um sie dort zu schießen. Wohl um den Bestand zu dezimieren. Wenn das stimmt, führt sich der Nationalpark selbst ad absurdum.

Und noch ein Gerücht ist Besorgnis erregend. Wie es aussieht, gibt es mehr Luchse im Park als offiziell statistisch ausgewiesen werden. Eigentlich ist der Park mit Luchsen „gesättigt“. Diese Raubtiere brauchen ein großes Revier und verspeisen pro Woche mindestens ein Reh. Ist der Park „voll“, ziehen die „neuen“ Luchse weiter in andere Gebiete. Dort werden sie aber plötzlich nie mehr von irgendeinem Jäger gesehen (und gemeldet). Die Vermutung liegt mehr als nahe, dass diese schönen Wildkatzen, die die Nationalparksgrenzen verlassen, ebenfalls abgeschossen werden. Erstens weil sie für den Jäger eine Konkurrenz sind (sie dezimieren den Reh-Bestand). Zweitens, weil auch sie eine begehrte (illegale) Trophäe sind. Mit anderen Worten, es wird kräftig gewildert in und um den Bayerischen Wald. Ein Skandal.

Beim weiteren VormichHingehenundNachdenken fragte ich mich, warum es keinen Horst Stern mehr im Fernsehen gibt, diesen begnadeten Polemiker und Filmemacher, der sich in „Sterns Stunde“ genau um diese Skandalthemen gekümmert hat. Stattdessen die immer gleichen HochglanzNatur-AlleWeltistHeilundSchön-Filme in ARD und ZDF.

Ordentlicher Wald

Auf meinem Weg kreuzte ich nur zwei Ortschaften. U.a. den Weiler Klingenbrunn. Nicht zum ersten Mal fiel mir mitten in einem Dorfzentrum – an sehr prominenter Stelle – ein Heldendenkmal auf. Für die gefallenen Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkrieges.

Merkwürdige Verehrung

Für was wird hier gedankt? Dass die Soldaten für Hitler gefallen sind? (Für den Ruhme Deutschlands bestimmt nicht.) Wer weiß, ob sich unter den namentlich in Stein Gemeißelten nicht auch Schwer-Verbrecher befinden, SS-Schergen?

Ist im Bayerischen Wald die Diskussion über die Gedenkkultur völlig vorbeigegangen, die in den 60er und 70er Jahren solche „Denk“male in Frage stellten? Haben nicht die Wehrmachtssoldaten erst die Massenverbrechen im Dritten Reich möglich gemacht (um eine alte Blümsche These wieder aufzunehmen).

Stattdessen in so manch einem Dorf ein gespenstisches Walhall.

Walhall in vielen Ortschaften

Nach gut 5 Stunden Wanderung gegen 14 Uhr 30 schließlich in Frauenau angekommen.

Es erübrigt sich von selbst, zu erwähnen, dass das Glasmuseum, das ich besuchen wollte, zu war (keine Saison), so gut wie keim Laden geöffnet hatte und ich nur mit Schwierigkeiten ein offenes Hotel fand. (Ist eben keine Saison.)

Durst: Leider nur schlechtes Innstadt Helles (2,50 Euro).

Hunger: Die Speisekarte gab nicht wesentlich mehr her als ein Wiener Schnitzel mit Pommes (Das Hotel hatte gerade den ersten Tag wieder geöffnet, die Küche war noch nicht richtig angelaufen). Panade labbrig. Hatte aber Hunger und hab alles verputzt: 8,50 Euro.

Unterkunft: 38 Euro (mit Frühstück und grauenhafter Kaffee-Brühe).

Regina und KittiKattiKatharina streiten fast bis zum Rachelsee

Regina rief nach mir, gleich zu Beginn meines Wandertages. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, bis zum sagenumwobenen Rachelsee zu wandern und den schlechten Wegbedingungen zu trotzen. Um halb neun zog ich los und kaum aus Spiegelau heraus und im Wald angekommen, tauchte Regina auf.

Engel mit Zipfelmütze = Wicht

Für mich war sie ein Engel mit Nikolausmütze, Regina aber widersprach: Sie sei ein Wicht! Und dieser Wald gehöre ihr und ihren Wichtl-Geschwistern. Na gut, ich nahm sie mit. Der Rachelsee lag ungefähr 3 1/2 Wanderstunden entfernt.

GPS-Gesamtstrecke bis 016

Schon zu Beginn des Aufstieges gab es kleinere Schwierigkeiten. Mein Fotoapparat funktionierte kaum, ständig beschlug das Objektivglas, der Auslöser streikte etliche Male. Dann lagen umgefallene Stämme auf dem Weg, der Schnee wurde tiefer und ich musste Umwege suchen. Schließlich tauchte KittiKattiKatharina auf.

KittiKattiKatharina verteidigt ihr Revier

Ab jetzt gab es richtig Knatsch. Die Hex‘ machte dem Wichtl das Revier streitig.

Unstrittig sind die beiden populärsten Figuren der Region die Lusen-Hexe (am Berg Lusen) und die Wecklin-Hexe. Letztere soll ihr Unwesen rund um den Rachelsee treiben.

Aber schon beim Wort „Unwesen“ fiel mir K.K.K. ins Wort. Das sei kapitaler Unsinn.

Es sei richtig, dass es am Rachelsee immer wieder Tote gegeben habe, Ertrunkene und nie wieder Aufgetauchte. Einfältige Bauern machten dafür die Hexe Wecklin verantwortlich, die ihre Opfer erst in den See locke und dann nach unten in ihr Reich zöge. Aber es sei doch auffallend, dass ausschließlich Männer ersöffen, besser gesagt: nie wieder auftauchten. Das belege doch, dass eifersüchtige Frauen solche Legenden erfänden, um zu kaschieren, dass sie manchmal auf Nimmerwiedersehen verlassen würden. Einfach so. Diese Frauen seien Hexen. Wahre Hexen aber seien friedliebende Wesen, so wie sie selbst auch.
Sprach’s und zoffte sich wieder mit Regina, die darauf beharrte, weiter zu ziehen, trotz aller Schwierigkeiten. K.K.K. meinte, der Weg sei zu gefährlich.

K.K.K. drangsaliert Regina mit einem geheimnisvollen Wedel

Je höher wir drei kamen, umso beschwerlicher wurde es vor allem für mich. Bei jedem Schritt sank ich 15 bis 20 cm ein. Die Oberschenkel schmerzten heftig.

Macht müde wie Wasser treten

Dann tauchte mitten auf dem Weg ein Verbotsschild auf. Weitergehen strikt untersagt:

K.K.K. gibt sich ahnungslos

Also suchte ich wieder einen Umweg. Ich wollte nicht aufgeben, auch wenn K.K.K. ganz offensichtlich verhindern wollte, dass wir ans Ziel kämen. Eine Zeitlang durchschritten wir traumhaft schöne Bach-Wald-Landschaften.

Ins Märchenhafte verhexte Landschaft

Nüchtern betrachtet sah es so aus!

Nach einer halben Stunde schönen Wanderns: das nächste schier unüberwindliche Hindernis. Windbruch, der den gesamten Weg unpassierbar machte. Dabei lag der Berg Rachel so greifbar nah. Und an seinem Fuß der verhexte See.

Sieht aus wie kurz nach Fukushima

Eine weitere halbe Stunde fehlte nur noch bis zu meinem Ziel. Und doch gescheitert! Ich kehrte um. (Konnte Reginas Tränen kullern und K.K.K.’s stumme Freudengesänge hören.) Irgendwann im Sommer werde ich für einen Tag wiederkommen und dann den Rachelsee erwandern. Ohne Wichte und Hexen im Gepäck! Beim Abstieg endlich meine erste Begegnung mit lebenden Menschen. Ein Studentenpaar machte sich an einer Fotofalle zu schaffen. Florian zog die SD-Speicherkarten aus dem Gerät und prüfte anschließend, ob Luchse hier vorbei gewandert waren. Florian arbeitet als Praktikant im Luchs-Projekt des Nationalparks. Ein Vertreter der Generation Praktikant. Schlecht entlohnt, aber mit viel Engagement.

Generation Praktikant zählt Luchse

Wir verabredeten uns für ein Bier am späten Abend. Das fantastische Aldersbacher – wie am gestrigen Abend und genauso gut. Zuvor hatte ich bereits – es musste sein! – den Klassiker gegessen: Leberkäs mit Spiegelei und Bratkartoffeln. Kann man nicht viel falsch machen, um so weniger, wenn der Leberkäs aus der eigenen Metzgerei kommt. Nach 7 Stunden Wandern, z.T. im Tiefschnee, und 14 km Wegstrecke war ich ausgehungert wie ein Luchs. 6,50 Euro.

Musste mal sein!

Unterkunft: 22 Euro. Für meine Gäste musste ich nicht extra zahlen, auch wenn sie mehr Seife verbrauchten als normal üblich.

Hab langsam Schwierigkeiten, mir all die Namen der Schlafenden zu merken!

Muck will nicht nur bis Neuschönau mit mir wandern

Tag 13 meiner Wanderung.

Habe mich längst daran gewöhnt, unterwegs niemanden zu treffen, mit keiner Seele zu sprechen. Genieße es sogar. Die Zeit ist einfach nicht danach: Zu nasskalt, zu unfreundlich. Deutschland im Winter eben. Abends mit ein paar Stammtischbrüdern das Immergleiche bequatschen ist okay. Wenngleich komischerweise nie über Politik gesprochen wird. Finanzkrise weit weg.  Da, wo ich gerade herumtappe, sind die Menschen mit sich eins. Obwohl gar nicht so weit entfernt von der Tschechischen Grenze, spüre ich überhaupt nichts von einer anderen „Färbung“ in der Mentalität. Alles ist echt niederbayerisch, langsam, verdruckst, ehrlich. Wenn ich mal auf einer Straße laufen muss, sehe ich nie tschechische Kennzeichen. Deutscher/Deutsche Mann/Frau ist hier unter sich – und wartet auf Weihnachten und auf die Touristen. Ich empfinde keine Heile Welt, sehe, dass hart gearbeitet wird (besser: höre, wenn abends in der Wirtschaft über das tägliche Geschäft gesprochen wird: Preise für den Ster Holz, den Quadratmeter Fliesen, den Reifenwechsel, den Hektar Land, sogar für die Weihnachtsgans). Frauen kommen nur in die Wirtschaft mit Familie oder in (Weihnachtsfeier-)Gruppen. Die meisten singen dann (Kirchenchöre scheinen hier das Nonplusultra der Unterhaltung zu sein). Die niederbayerische Kneipe ist männlich und ziemlich dickbäuchig.

Apropos Bauch: Meinen Wampenansatz hab‘ ich längst verloren. Der Körper weiß, woher er die Energie nehmen muss und saugt mir das Fett von den unteren Rippen. Gut so. Noch eine Woche mehr und ich hab mein altes Kampfgewicht wieder!

Das geht umso schneller, je mehr ich Wanderwege laufe, die entgegen den Verheißungen der Prospekte nicht Winter-geräumt sind. Schön, in zugeschneiter Natur zu laufen, aber auch heftig anstrengend.

Blauer Weihnachtsmann stapft durch den Wald

Seit Tagen das gleiche Bild:  Stämme im Schneenebeldunst samt Nieselregenschleier. Laufe durchschnittlich auf einer Höhe zwischen 800 und 900 Metern.

Ein Wald ist eine Ansammlung von Holz

Ich hatte mir wieder eine etwas kürzere Tour ausgesucht. Von Mauth nach Neuschönau. Eigentlich nur um die 12 km. Ich legte aber noch einen drauf. Das Seltsame ist mittlerweile: Unter 20 km fühle ich mich unterfordert. Eigentlich bescheuert, aber mein Körper will einfach weitergehen. Ich habe nie etwas zum Kauen dabei, manchmal vermisse ich etwas Wasser. Aber in der Regel frühstücke ich sehr gut und nehme erst am Abend wieder Nahrung und Flüssigkeit auf. Hab mich so programmiert.

GPS-Gesamtstrecke bis 013

Unterwegs im Weißflimmern (hab‘ dummerweise keine Sonnenbrille dabei und manchmal das Gefühl, ich würde schneeblind), sah ich erneut etwas Rotes, halb Erfrorenes. Natürlich dachte ich wieder an einen Nikolaus (Nikolaus-Leichen pflastern meinen Weg). War aber nicht. Er war ebenfalls rot und weiß, aber ein Nussknacker. Ein klassischer. Steckte in einem zugeschneiten Ameisenhügel fest. Er schaute dämlich drein (vielleicht schlurften ja gerade Ameisenweibchen an seinen Sohlen und sie brannten ihm ein wenig).

Zur Abwechslung mal kein erfrorener Nikolaus

Gut. Auch ihn befreite ich. Allerdings wollte ich wissen, was er hier treibe. Schließlich käme er doch aus dem Erzgebirge. Er widersprach heftig. ER sei das Original und die Nussknacker aus dem Erzgebirge nur billige Kopien. Die dortigen Schnitzer seien allerdings geschäftstüchtiger gewesen. Sie hätten schon im 19. Jahrhundert erkannt, dass mit geschnitzten Spielzeugen und Nussknackerfiguren gute Taler zu verdienen waren. Aber geboren sei er hier. Im Bayerischen Wald. Er habe gehört, dass ich Richtung Norden wandere und er würde sich mir gerne anschließen. Er möchte endlich diese Plagiatoren kennenlernen. Wie er denn heiße, wollte ich wissen. „Muck“ sagte er sehr bestimmt.

Okay. Meine Familie wuchs mit jedem Tag.

Im Wald: Wenn ich zurück blickte, sah ich meine Fußstapfen. Wenn ich nach vorn schaute, sah ich Wild-Stapfen (Fährten). Hier muss ein reger Nacht-Verkehr herrschen.

Wär ich Lederstrumpf

könnt ich Fährten lesen

O James Fennimore, was hätt‘ ich dich jetzt gerne im Gepäck. Wie bewundere ich dich!

Allmählich näherte ich mich meinem Ziel: dem Dörfchen Neuschönau. Die Wege wurden einfacher, manche waren sogar zertrampelt (trotzdem niemandem begegnet – scheinen Geister gewesen zu sein).

In Dorfnähe wurde der Weg einfacher

Es war so um die Mittagszeit, vielleicht halb eins. Aber dann stiefelte ich zufällig bei dem Freigehege des Nationalparks vorbei. Eine Art Zoo in natürlicher Umgebung. Ich wollte endlich mal ein wildes (gefangenes) Tier fotografieren. Und folgte dem Rund-Spaziergang – 7 km. Hatte jedoch nicht viel Glück. Bekam z.B. den Luchs nur von weitem zu sehen.

Noch zu weit entfernt (selbst für ein 400er Tele)

Ich beschloss, am nächsten Tag eine Wanderpause einzulegen und wieder zu kommen. Gegen vier Uhr suchte ich mir eine Unterkunft. Das Gasthaus war weihnachtlich geschmückt. Komischerweise hatte ich bisher (in diesem so katholischen Landstrich) kaum etwas von der Adventszeit mitbekommen. Hier brannten die Kerzen und Kränze und auch beinahe mein kleiner Muck.

Ich befreite ihn aus dieser misslichen Situation. Kühlte seinen Kopf mit etwas Bierschaum.

Durst: Hacklberg Helles (2,60 Euro).

Hunger: Rehkeule in Wildrahmsauce mit Speck-Rosenkohl und Kroketten. Sehr gut (wenn auch offensichtlich aus der Mikrowelle). Besonders gelungen der Rosenkohl, bissfest, guter Geschmack, Speck richtig dosiert. 12 Euro.

Unterkunft: 35 Euro.

Nachtruhe (ist eigentlich ein Euphemismus: Die Rasselbande hält mich ganz schön lange wach).

Zum „Gans Ausspielen“ nach Mauth

Der Wetterbericht hatte zum wiederholten Mal Schneeregen angekündigt. Wieder kein Fototag. Darauf war ich eingestellt, als ich um 9 Uhr aufbrach. Schneeregen gab es tatsächlich und das im doppelten Sinn, natürlich und künstlich – sozusagen.

Oberhalb von Mitterfirmiansreut (was für ein Name) baut ein privater Förderverein eine Schneekirche.  Zum Gedenken an das legendäre Original, die die frommen Bauern vor genau hundert Jahren aus Eisblöcken konstruiert hatten –  als Protest gegen den verbonzten Pfarrer, der sich im harten Winter selten hatte blicken lassen.

Die immer noch frommen – aber nicht mehr so armen – Mitterfirmiansreuter investieren 160.000 Euro in diese vergängliche Konstruktion.

Rohbau der Schneekirche in Mitterfirmiansreut

Das Holzgerüst steht schon, seit gestern schieben Schneeraupen immer mehr Schnee an die Baustelle.

Schneeraupen schieben das Baumaterial herbei

Mit einer Schneefräse wird der verklumpte und vereiste Schnee dann pulverisiert und auf die Holzkonstruktion gesprüht.

Schneefräsen schleudern den Schnee auf den Rohbau

Etwa eine Woche lang wird so in Mitterfirmiansreut  ein künstlicher Schneeregen niedergehen. Bis Kirchturm und Halle vollständig umschlossen sind.

Ist alles schließlich vereist, wird der Holzkern entfernt und die Schneekirche wird selbsttragend sein – bis zur ersten Frühlingssonne.

Mein Weg heute: von Mitterfirmiansreut bis Mauth. Dort beginnt der Nationalpark Bayerischer Wald.  Mit Auto wären das etwa 8 – 9 Kilometer. Gewandert bis ich allerdings rund 16 Kilometer.

GPS-Gesamtstrecke bis 012
Die Wanderwege im Wald fast unpassierbar. Bei jedem Schritt sackte man zwanzig, dreißig Zentimeter ein. Anstrengend.

Winter im Bayerischen Wald

So lief ich meist auf noch nicht gespurten Skiloipen, die einen besseren Halt gaben, mich allerdings auch häufig im Kreis führten.

Mühsame Wege

Mit jeder weiteren Stunde versuppte die Sicht.

Milchige Sicht

Zum ersten Mal auf meiner Tour dachte ich an gar nichts. Die Landschaft auf dem ganzen Weg weißgrau tapeziert. Es war still, kein Vogelgezwitscher, kein Warnruf irgendeines Tieres, nur ab und zu das Fallgeräusch eines besonders dicken SchneeRegenTropfens auf meinen Rucksack.

Gegen 14 Uhr 30 kam ich in Mauth an. Immerhin hatte dort ein Gasthaus offen. Auf mein Zimmer musste ich allerdings mehr als eine Stunde warten. Die Wirtin war einerseits mit Kochen für eine Abendveranstaltung (Weihnachtsfeier des Gesangvereins) beschäftigt und andererseits reichlich wortkarg.

Bier: LangBräu. Schon wiederholt getrunken, scheint in dieser Region weitverbreitet.

Essen: 1/4 Gans mit selbstgmachtem Kartoffelknödel und Blaukraut. Sensationell !! (15 Euro.)

(Irgendwie hatte sich meine Dreinamenshex KittiKattiKatharina schnell noch etwas von dem Gänsefett unter der knusprigen Haut gesichert. Zu was auch immer sie das noch brauchen würde.)

Dass ich Gans aß, war purer Zufall. Ich hatte meine Wirtin gefragt, was es denn am Abend zu Essen gäbe. Ihre mundfaule Antwort: Wiener Schnitzel mit Pommes. Ich erwiderte, dass ich aber gesehen hätte wie sie gerade einige Gänse zubereitet habe. Sie meinte, die seien reserviert für die „geschlossene“ Abendgesellschaft im Nebenzimmer. In der Vorweihnachtszeit spiele die das traditionelle „Gans Ausspielen“. (Dahinter verbirgt sich, dass 4 Kartenspieler (Schafkopf oder Watten) um die Gans spielen. Das ganze Feder-Vieh kostet 60 Euro. Der Gewinner (oder das Gewinnerpaar)  darf umsonst schlemmen.)  Die Wirtin fand offenbar Gefallen an meiner Hartnäckigkeit und versprach, mir ausnahmsweise ein Viertel einer Gans zurückzuhalten.

Und sie schmeckte köstlich. Knusprig die Haut, fast leicht das Fleisch, auf den Punkt gewürzt. Klasse die Soße, gut entfettet (ohne Mehlverdicker!!! endlich!!!). Die selbst gemachten Knödel ein Gedicht.

Am Schluss hab ich sogar die Knochen abgeknabbert und abgelutscht und mich gründlich überfressen.

Unterkunft: 34 Euro.