Der Himmel ist für Pfälzer keine Grenze

Welch Riesen-Monument in einem Kleinstädtchen.

Konkurrenzlos

Konkurrenzlos

Den Toten der Kriege gewidmet, die mit den Deutschen geführt wurden. Erst 1870/71, dann 1914 und schließlich 1939.
In 70 Jahren 3 Verwüstungskriege. Und jetzt bald 7 Jahrzehnte in Freundschaft.
Wie hat sich dieses Europa gewandelt!

Um 9 Uhr in Sarreguemines losgewandert. Das Ziel: Hornbach in der Pfalz. 30 km zu laufen.

GPS-151-Sarreguemines

GPS-Gesamtstrecke bis 151

In Frauenberg von Frankreich nach Deutschland gewechselt. Aber eigentlich spürte ich den Grenzübertritt nicht.

Wo Frau? Wo Berg ?

Wo Frau? Wo Berg ?

Ländlich lieblich die Gegend jetzt. Zu ersten Mal seit langem wieder ein Sonnentag.

I look forward to ...

I look forward to …

Ich lief gemächlich. Hatte Muse nachzudenken.

Über 800 Kilometer war ich bisher entlang der Westgrenze Deutschlands gewandert. Hatte in alle Nachbarländer hineingeschnuppert. Im Gegensatz zur Ostgrenze war dies keine Kulturgrenze. Auch keine Sprachgrenze.
Für mich war es überraschend, wie breitflächig das Deutsche in die Nachbarregionen hinüberschwappte. Sei es Belgien, Luxemburg oder jetzt sogar Lothringen.

Ich fragte mich, warum es keine französischen Sprachinseln in Deutschland gab.
Klar, seit der napoleonischen Zeit haben sich einzelne französische Wörter im Deutschen behauptet. Vor allem in der Pfalz.
Noch immer reden dort die Menschen von Chaussee, Trottoir, Portemonnaie, Chaiselongue, wenn sie Straße, Gehsteig, Geldbeutel und Sofa meinen. „Retour gehen“ wird genauso selbstverständlich benutzt wie die Ortsbeschreibung „vis a vis“. Jemand ist „malade“ (krank) oder macht „Visematente“ (Blödsinn – von „visite ma tente“): Das ist Umgangssprache.
Mein Großvater hieß Johann, wurde aber von der ganzen Familie nur Jean gerufen.
Und trotzdem, ich kenne keinen Ort, keine Region, in der sich ein französischer Dialekt als Ganzes in Deutschland erhalten hat. Umgekehrt sehr wohl.

Im Moment fiel mir nur die dänische Minderheit im Norden Deutschlands ein, die sich ihre Sprache mit über die Grenze genommen hat.

Aber was bedeutete das, dass das Deutsche so in die Nachbarländer hinüberreichte. Drückte sich da noch irgendetwas Imperiales aus? Oder ist das einfach die 70jährige Freiheit und Friedfertigkeit entlang der Westgrenze? Während an der Ostgrenze durch Krieg und Vertreibung kulturell und sprachlich ein eisernen Vorhang aufgebaut worden war?

Ich fand im Moment keine Antwort.

Noch immer bewegte ich mich im Saarland. Wenn auch die Landschaft schon sehr der Pfalz glich.
Nicht umsonst nannte sich die Gegend verwaltungstechnisch „Saarpfalz-Kreis“.

Roll on

Roll on

Holzfäller zogen schwere Baumstämme mit kräftigen Pferden aus dem Wald.

Heißer Kaltblütler

Heißer Kaltblütler

In einem Dorf stand ein einzigartiges Wegkreuz: Errichtet, um Gott zu bitten, die Cholera am Ort vorbeizuleiten.
1854!

Kein Amtsarzt konnte helfen

Kein Amtsarzt konnte helfen

Endlich die Pfalz erreicht! Mein Navi zeigte die Grenze vom Saarland in meine Heimat an. Ich blieb andächtig stehen und saugte Pfälzer Luft ein. Selbstverständlich ist sie frischer als irgendwo sonst.

It's here

It’s here

Der Himmel ist für Pfälzer keine Grenze.

Home sweet home

Home sweet home

Nach 8 Stunden, in denen es quer durch sumpfige Wiesen und matschige Wälder und manchmal auch entlang kaum befahrener Landstraßen ging, erreichte ich das erste pfälzische Dorf: Hornbach.

Bedeutung sieht man nicht

Bedeutung sieht man nicht

Erst am Abend las ich mir im Internet an, dass dies ein äußerst geschichtsträchtiger Ort ist. 741 (!) gründete ein Pirminius das Kloster Hornach, das im Mittelalter einen herausragenden kulturellen Einfluss auf Lothringen hatte.
Durch Reformation und Säkularisierung bedeutungslos geworden, wurde es schließlich aufgelöst.
In den Abteiruinen hat sich heute ein Hotel breitgemacht.

Blue sky

Blue sky

Hornbach an zwei drei Stellen herausgeputzt.

Dorf One

Dorf One

Man kann die alte Bedeutung des Winzortes mit Stadtrechten erahnen.

Dorf Two

Dorf Two

Aber nicht zu übersehen ist auch der heutige Zerfall. Nur von der Vergangenheit lässt sich schlecht leben.

Dorf Three

Dorf Three

Hunger: Gepökelte Jungschweinebäckchen auf Linsengemüse mit Rotweinessig und Frühlingslauch. (16 Euro.)
Köstlich. Das Linsengemüse hervorragend und dezent gewürzt.

T151-Essen-01

Dazu eine Auswahl meiner Pfälzer Lieblingsweine (von Knipser über Becker bis Rebholz).
Das war kein guter Abend für mein Sparbuch.

Unterkunft: teuer.

Pause in Saarbrücken

Nichts ist einfacher, als mit Saarländern ins Gespräch zu kommen.

Alles, was ich über sie gelesen habe, stimmt. Sie sind gesellig, offen, trinkfreudig, gehen gerne aus, kennen sich anscheinend alle, scheinen untereinander verschwägert.

Niemand scheut sich, breitestes Platt zu schwätzen.
Nur der Satzbau ist gewöhnungsbedürftig: („Isch hätt könne länger bleiwe“).

Ob es eine (lafontainsche) Untiefe, gar ein Geheimnis im saarländischen Charakter gibt?

O troubadour

O troubadour

Jedenfalls: Die Stadt war am Wochenende voller Franzosen und Luxemburger.
Saarbrücken ist tatsächlich eine Brückenstadt! Kulturbrückenstadt.

Chanson mit Tango verquirlt: herrlich melancholische Klänge.

Chercher Marlène

Chercher Marlène

Hunger: Sardinenfilets in Oliven und Kräutern gebraten. (Fein). 14,90 Euro.

T149-Essen-01

Mit lothringischem Kir euphorisiert, packe ich es bis Bouzonville

Wauw! Welch ein Empfang durch die Grande Nation.

echtes fake

echtes fake

Noch keinen Schritt nach Frankreich gesetzt und schon stand ich vor dem Eiffelturm. Pfiffige Marketingfachleute hatten eine Kopie des Stahlwerks direkt auf die Grenze zu Lothringen gesetzt. Nur einige Meter hoch. Aber mit pefekter Illusion.

T146-Lothringischer Eiffelturm-02-imp

Um halb 10 das Hotel verlassen, mein Ziel war eigentlich, ein bisschen durch Lothringen zu stolpern und an Frankreich zu schnuppern, aber wieder auf deutsches Gebiet zu wechseln. Es kam anders. Ich lief völlig euphorisiert bis Bouzonville. 30 km weit.

GPS-146-Schengen

GPS-Gesamtstrecke bis 146

Schilder wiesen mich darauf hin, dass ich mich erneut auf dem Jakobsweg bewegte. Sierck-les-Bains an der lothringischen Mosel ist ein Pilger-Stopp.

schokoladenbraun aber keine Schokoladenseite

schokoladenbraun aber keine Schokoladenseite

In dem Städtchen traf ich zwei entnervte Deutsche auf Pilgerreise nach Santiago de Compostela, die den tagelangen Dauer-Regen nicht mehr abkonnten und ans Aufgeben dachten.

Dabei hatte es der Wettergott heute gut mit uns gemeint. Kaum ein Tropfen, sogar ab und zu ein Sonnenstrahl.

Sierck war so wie ich mir lothringische Dörfer vorgestellt hatte: graubraun, ein wenig ungepflegt, urwüchsig, massiv, sogar ein bisschen trist.

gedrängt

gedrängt

Ich hatte zudem erwartet, eine eindeutige Sprachgrenze zu übertreten. Dass ich ab jetzt französisch würde sprechen müssen, das ich aber so gut wie nicht beherrsche.

Weit gefehlt. Schon als ich einen Espresso im ersten Café Siercks zu mir nahm, philosophierte eine gut gelaunte Wirtin mit mir in Deutsch übers Sauwetter: „Katastrophe!“ (Wie bezaubernd betont!)
Ich fragte die Dame, ob noch viele Lothringer Deutsch reden würden, ich hätte das Gegenteil gelesen.
Sie meinte, fast alle älteren Leute entlang der Grenze würden Lothringer Platt sprechen, ihre Generation der 50jährigen nur noch zum Teil.

Sierck war einst Sitz der lothringischen Herzöge. Mit Genießerblick überwachten sie von ihrer Burg aus den Moselverkehr.

at it's best

at it’s best

Das lothringische Grenzgebiet ist hügelig. Ständig wechselt Auf mit Ab. Doch immer hatte ich das Gefühl, mich in einer weiten, großzügigen Landschaft zu bewegen.
Auch wenn die Dörfer so angelegt waren, als würden sie an Hängen, in Mulden und Tälern Schutz suchen.

Fremden gegenüber machen sie sich größer und wuchtiger als sie sind.

Breitseite

Breitseite

Schon im ersten Dorf blieb ich hängen. Ich hörte Stimmen aus einer Gastwirtschaft und trat ein.
Ich bestellte mir zunächst ein Elsässer Bier. Dann sah ich, was der Wirt für seine Gäste mixte und bestellte es ebenfalls.

„Lothringischer Kir“ nannte er das Getränk!

Savoir vivre

Savoir vivre

Absolut köstlich. Ein kräftiger Schuss Mirabellenlikör, dazu Elsässer Crémant und eine lothringische eingelegte Mirabelle.

T146-Lothringischer Kir-01

Ich radebrechte erst ein bisschen Französisch, bis der Wirt Mitleid mit mir bekam und mich auf Deutsch ansprach.
Von ihm hörte ich die gleiche Geschichte wie schon bei Tagesbeginn.
Fast alle hier im Grenzgebiet sprächen Deutsch. Die Alten sowieso. Die Alten plapperten auch miteinander im lothringischen Platt. Seine Generation beherrsche das Platt ebenfalls, allerdings – und das sei der Unterschied zu früher – spreche man unter Freunden nur noch Französisch.

Aber auch die Jugend, zumindest im Grenzgebiet, lerne Deutsch, da viele in der Bundesrepublik arbeiten würden oder bei eine deutschen Firma in Luxemburg. Überhaupt, wer in Luxemburg arbeite, müsse sich zumindest einigermaßen auf Deutsch veständigen können.
In den Dörfer rings um würde von 3 Jugendlichen mindestens einer einen Job in Luxemburg haben.

(Ich bekam immer mehr Achtung vor dem kleinen Land, das nicht nur die Billigtanke, sondern auch der Arbeitgeber einer ganzen Grenzregion war.)

Euphorisiert von der angenehmen Unterhaltung und dem Mirabellen Kir durchstreifte ich Lothringen und verliebte mich in die Landschaft. Zumindest heute wollte ich nicht mehr nach Deutschland zurück.

love it

love it

Alles andere als eine reiche Gegend.

kein Fassadenbauernhof

kein Fassadenbauernhof

Aber authentisch.

bäuerlich

bäuerlich

Auf den Feld- und Waldwegen immer wieder Wegkreuze. Zum Teil aus den Anfangsjahren des 19. Jahrhunderts. Die meisten – egal ob aus Stein oder Stahl – verwittert.

Vor diesem Gott musste sich niemand fürchten. Es schien, als bräuchte er Schutz und Erlösung. Ergreifend, wie alleingelassen und verloren in der Zeit der sonst so Allmächtige wirkte.

Jesus auf Mooskissen

Jesus auf Mooskissen

Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass diese alten Kreuze dem Spaziergänger, Bauern, Sünder (oder wem auch immer) keine Angst einjagen wollten. Sie übertrugen keine Furcht auf den Betrachter, Furcht vor Strafe, Fluch, Verdammnis.
Sie zeigten einfach Leid und die Sehnsucht nach Erlösung.

Zeit nagt

Zeit nagt

Ich dachte über das Wort Erlösung nach.
Ich weiß nicht, ob andere Religionen, ob Hellenen und Römer in ihrer Götterwelt einen Erlöser hatten.
Aber erlöst zu werden, ist ein genialer Gedanke.
Viel besser als wiedergeboren zu werden und dich von neuem abarbeiten zu müssen an irgendeinem anderen Leben (in christlicher Sprache wäre das wohl die Schuld).

Auf schwere Gedanken folgten beschwingte, fast heiter wirkende Frühlings-Landschaften.

Dreamland

Dreamland

Alle Grünnuancen, die der Mai anrühren konnte!

lothringisches Grün

lothringisches Grün

Über meiner Wanderung war es spät geworden, der Himmel hatte sich wieder bedenklich eingeschwärzt.

Nach 8 1/2 Stunden empfing mich das Kleinstädtchen Bouzonville mit einem ausgedehnten Friedhof.

Fürchte dich nicht

Fürchte dich nicht

Und in Sichtweite: eine für einen kleinen Ort reichlich mächtige Kirche.

Trutzkirche

Trutzkirche

Bouzonville hieß früher „Busendorf“. (Don’t make jokes with names!)

Es gab lediglich (oder immerhin) ein Hotel, das nicht leicht zu finden war. Ich fragte mich problemlos durch (bei älteren Herrschaften und auf Deutsch).

Hunger: Das Abendmenü (29 Euro).
Vorspeise: Weinbergschnecken. (O.K.)
Hauptspeise: Lachsfilet an Currysauce mit Orangen. (Sehr gut kombiniert, feiner Geschmack, gut gewürzt.)

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Der Clou: Dazu gab es hausgemachte Spätzle, die ebenfalls leicht mit Curry und Orangen aromatisiert waren. Schmeckte leicht und sehr gut.

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Nachspeise: Faisselle mit Kiwisauce. (Einfach zuzubereiten: Frischkäse mit Kiwipüree mischen. Köstlich!)

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Unterkunft: 63 Euro (mit Frühstück).

Jo, geh doch fort nach Schengen!

Die paar Tropfen, die morgens vom Himmel fielen, konnte ich fast zählen. Also ließ ich meine Regenkleidung im Rucksack und zog um halb 10 los. Mit schwerem Kopf (zu viel Moselwein) und heute auch zu schwerem Gepäck.

Mein Ziel: Schengen im Dreiländereck. 25 km entfernt.

GPS-145-Nittel

GPS-Gesamtstrecke bis 144

Ein unspektakulärer Tag.
Mosel, Weinberge und grauer Himmel.
Keine Sonne, die der Landschaft Farbe hätte geben können.

Selten nahm ich die Kamera aus der Tasche.

Patchwork Weine

Patchwork Weine

Ich hatte es nicht eilig.

Auf Wasser gebaut

Auf Wasser gebaut

Am gegenüberliegenden Ufer ab und zu ein kleines verschlafenes luxemburgisches Winzerdorf.

Braune Brühe

Braune Brühe

In Remich wechselte ich ins Nachbarland. Trank einen Espresso im alten Ortskern. Die Bedienung portugiesisch wie in so vielen Gaststätten des Landes.
Weit über 100.000 Portugiesen sollen in Luxemburg leben. Ein Fünftel der Gesamtbevölkerung.

Im Alter ist jeder Hügel eine Herkulesarbeit

Im Alter ist jeder Hügel eine Herkulesarbeit

Passierte ich kleine Fabriken, Kiesgruben oder größere Baufirmen, sah ich in den Innenhöfen fast ausschließlich Autos mit deutschen Kennzeichen.
Die Löhne sind in Luxemburg gut ein Drittel höher, die Sozialleistungen und das Arbeitsrecht gut. Das lockt Hunderttausende Deutsche, Franzosen und Belgier als Pendler ins Land.

Der kleine Nachbar gibt Europa Arbeit!

Was für ein selbstbewusstes und erfolgreiches Völkchen, die Luxemburger.
Lëtzebuerger nennen sie sich in ihrem Dialekt.

Gegen 16 Uhr lag Schengen vor mir.
Kaum mehr als dreihundert Seelen bevölkern den Ort.

Europas Kaff

Europas Kaff

Dazu ein Schloss, in dem europäische Geschichte geschrieben wurde. Hier wurde einst der Schengener Vertrag unterzeichnet, der es mir auf meiner Grenzwanderung ermöglicht hatte, ohne Pass Ländergrenzen zu wechseln.

Ich verneigte mich dankbar.

Das Reisebüro Europas

Das Reisebüro Europas

Es gab einen alten Turm und eine Kirche.

Gipfeltreffen

Gipfeltreffen

Und es gab einen zentralen Platz, der sich „Europaplatz“ nannte.
Aber Europas Herz, das hatte ich auf meiner Wanderung gespürt, ist größer als dieser Winzling.

Europas Platz ist klein

Europas Platz ist klein

Und es gab eine Brücke, die von Luxemburg nach Deutschland und Frankreich führte.

(Die Brücke im übrigen mächtig befahren. In Schengen hatten immer noch 8 Tankstellen geöffnet, im deutschen Perl jede Menge Supermärkte. Die Deutschen tankten sich die Autobäuche mit billigem Benelux-Öl voll und die Luxemburger stopften sich die Kofferräume mit billiger Lidl, Aldi, Rewe Ware aus. So verdienten die Steuerbehörden beider Länder an den offenen Grenzen!)

Wie kann 1 Brücke in 3 Länder führen?

Wie kann 1 Brücke in 3 Länder führen?

Ich war im Dreiländereck gelandet.

735 km lang hatte ich auf dieser Etappe die Niederlande, Belgien und Luxemburg abgewandert.
Benelux lag jetzt hinter mir, ein neues Abenteuer vor mir: Frankreich und das Saarland.

Da in Schengen keine Pension und kein Hotel geöffnet hatte und schon überhaupt kein Restaurant (Dienstag = Ruhetag), wechselte ich nach Perl auf der deutschen Seite.

Auf saarländisch die Speisekarte.

Hunger: Moschterbrod vum klengen Schwein. (Hausgemachter Rollbraten mit Monschauer Senf, Zwiebeln, Bratkartoffeln und Speckwirsing). 15,90 Euro. Ausgezeichnet zubereitet. Sehr gut gewürzt.

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Nachspeise: Mirabellensorbet mit lothringischem Mirabellenschnaps (2,50 Euro). Gut.

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Durst: 1 Glas Auxerrois (Weingut Bertel). Leicht, süffig. Alltagswein.

Unterkunft: 49 Euro (mit Frühstück).

Über Wein- und Ländergrenzen nach Nittel an der Mosel

Irgendwo muss die Mentalitätsgrenze gewesen sein. Ich hatte sie überschritten, ohne es zu merken.

Wirte, Bedienungen, Hotelangestellte, Brotverkäufer, Menschen, mit denen ich auf der Straße quatschte, waren auf einmal aufgeschlossen, gesellig und feierlaunig. Ich erfuhr kleine Dramen über verlorene Eheringe und späte Autofahrten, die an Laternenpfählen endeten. Nichts Bedeutendes. Aber irgendwo auf meiner Wanderung hatte es plötzlich einen Offenheits-Sprung gegeben.

Erst beim Verlassen Triers dämmerte es mir: Ich hatte die Bitburger Berge verlassen. Ich war vom herben Pilsland ins liebliche Rieslingtal hinabgestiegen.

Die Alkoholart hatte ich gewechselt und damit die Stimmung!

Mosel here I am!

Braun wie der Mississippi

Braun wie der Mississippi

Okay. Es war trüb, die Mosel dreckigbraun aber mit geschwollener und breiter Brust.
Es regnete, als ich um 10 Uhr Trier verließ.
Just zu dieser Stunde öffnete das Marx-Geburtshaus-Museum und draußen standen bereits Gruppen von Chinesen, denen es eine Pflicht schien, in ihren 10-Days-Europe-Urlauben den eigentlichen Gründer ihres kommunistischkapitalistischichweißnichtwas Staates zu ehren.
(Was für ein komplizierter Satz – aber so sind Chinesen!)

Ich hatte beschlossen, das Scheißwetter zu ignorieren und marschierte beschwingt die Mosel entlang. Mein Ziel: das Weindorf Nittel. 26 km entfernt.

GPS-144-Trier

GPS-Gesamtstrecke bis 144

Trier boomt seit ein paar Jahren: Chinesen, Niederländer, Luxemburger sowieso, Belgier und auch noch ich waren übers Pfingstwochenende in die Stadt eingefallen. Aber noch mehr als Touristen gab es Schwäne.

Ab dem Stadtrand nistete alle paar hundert Meter ein Schwanenpaar direkt am Ufer-Fahrradweg der Mosel.

Straßenschwäne

Straßenschwäne

Nicht mal die Tiere sind im Rieslingland scheu!

Mama mit Tochter?/Sohn?

Mama mit Tochter?/Sohn?

In Wasserbillig wechselte ich von Deutschland nach Luxemburg zurück. Die Mosel war von nun an die gemeinsame Grenze.

Flussdorf

Flussdorf

Eigentlich müsste das luxemburgische Dorf nicht Wasserbillig, sondern Benzinbillig heißen. Selten habe ich so viel Tanktourismus gesehen. Diesel und Benzin bis zu 30 Cent billiger als in Deutschland. Auf einigen Hundert Metern zählte ich beinahe ein Dutzend Tankstellen.

Spritdorf

Spritdorf

Irgendwann wieder nach Deutschland gehüpft (gebrückt). Zuvor hatte ich noch schell einen Espresso in einem luxemburgischen Brückencafé getrunken und einige Worte mit dem Wirt gewechselt.
Die Grenze existiert eigentlich nicht. Weder sprachlich noch kulturell.

Grenzen sind etwas für Nostalgiker.

East goes West

East goes West

Ich durchwanderte die ersten Weinberge. Herrliche Landschaft!

WeinWanderWeg

WeinWanderWeg

Die Mosel drehte vergnügt eine Schleife und wies die Sonne an, mein Tagesziel lieblich auszuleuchten: das Weindorf Nittel.
(Links am Bildrand!)

Flussbogen

Flussbogen

Ich quartierte mich im Weinbetrieb Apel ein. Die meisten Winzer im Ort buhlen mit Direktverkauf, Pension und einer Besenwirtschaft um Kunden.
Welch ein Glück, nun alles an einem Ort zu haben. Alles inklusive!

Die Kommunikations-Stube bereits um 18 Uhr rappelvoll.

Durst:
1 Glas Elbling (Kabinett trocken). Seltene weiße Rebsorte: 3,80 Euro (0,2l). Guter Schoppenwein.
1 Glas Auxerrois (trocken). Auch eher seltene weiße Sorte: 3,80 Euro (0,2l). Spritzig, dezente Säure, angenehm.
1 Glas Blauer Burgunder (Barrique). 5,50 Euro (0,2l). Roch intensiv, der erste Schluck mundete gut, dann aber flachte der Wein ab und wurde breit. Keine Finesse.

T144-Wein-01

Hunger: Frischer Spargel mit Sauce Hollandaise, pikantem Winzersteak auf Rebholz gegrillt und Petersilienkartoffeln. (17,80 Euro.) Sehr würziges Fleisch, wenn auch zu lange gegrillt.

T144-Essen-01

Unterkunft: 49 Euro (mit Frühstück).

Nach Innen Nach Außen Nach Trier

Madelän saß auf dem Wasserspeier eines Springbrunnes. Sie lachte mich an, als ich den Echternacher Marktplatz fotografieren wollte.
Schon lange waren mir keine kleinen Begleiter mehr zugelaufen.

Ich fragte Madelän, warum ich denn in Belgien oder in der Eifel keine einschlägigen Souvenirpüppchen gefunden hätte. Aber jetzt, ausgerechnet im kleinen Luxemburg?
„Wir sind eben stolz, wir sind eigen, wir sind ein echtes Volk und wir wissen was Marketing ist!“ – so ihre Antwort.

Ich wollte darüber nachdenken und packte Madelän in meinen Rucksack.

T142-Madelän-01

Sonne! Gefühlt zum ersten Mal seit einer Woche!

Im Städtchen begannen gerade die Vorbereitungen für die Springprozession am Dienstag nach Pfingsten.

Jedes religiöse Fest braucht nebenan auch seine Kirmes.

T142-Echternach-01

Um 10 Uhr schulterte ich meinen Rucksack und verließ das Kleinstädtchen. Ich wollte heute noch in eine richtige Großstadt. Nach Trier. Zu Fuß 24 km entfernt.

GPS-142-Echternach

GPS-Gesamtstrecke bis 142

Angetrieben von der Wärme lief ich so schnell wie lange nicht mehr. Nirgends wollte ich mich länger aufhalten. Mein Ziel war ein Biergarten in Trier und: den Sonnentag im prallen Licht genießen.

Zunächst folgte ich einem Radweg auf dem deutschen Ufer der Sauer.

Familienfreundlicher Fluss

Familienfreundlicher Fluss

Bei Ralingen, kurz bevor ich die Sauer verließ, musste ich einen 300 m langen Fußgänger und Radler-Tunnel durchlaufen.
Mir war – ich muss es gestehen- unheimlich.

Im Sog des Tiefen

Im Sog des Tiefen

Ich habe keine Erklärung für mein Unbehagen. Tausend Mal bin ich mit dem Auto oder der Bahn durch Tunnels gefahren – nichts!
Aber 300 Meter durch eine schlecht beleuchtete, muffig riechende Betonröhre, in der das Grundwasser durch die Deckenritzen tropfte, zu marschieren und über den Widerhall der eigenen Schritte zu erschrecken. Ganz leicht gruselte es mir.

Ich hatte das Gefühl in meinen eigenen Eingeweiden herumzuwandern.

4 lange Minuten.

Ich hörte, wie Madelän im Rucksack leise vor sich hinpfiff, um sich Mut zu machen.

Einmal draußen, ging es schnell bergan. Oft lief ich querfeldein, folgte Traktorwegen, lief Rapsfelder entlang.

Raps stinkt

Raps stinkt

Nach 6 Stunden erreichte ich die Mosel und den Trierer Hafen.

Welcome

Welcome

Geschafft! Ich hatte die Sonne überholt!

Ich ließ Madelän am ersten Weißbier nippen.

T142-Madelän-02

Und schlenderte danach entspannt durch eine sehenswerte Stadt.

Porta Nigra

Porta Nigra

Die halbe Niederlande hatte sich in der Moselstadt einquartiert, das Zentrum brechend voll.

Gaukler wandelten Phantasie zu Geld. Und verdienten gut.

Ohne Netz und doppelten Boden

Ohne Netz und doppelten Boden

Hunger:
Schweinefilets mit Champignonsoße, Brokkoli und Bratkartoffeln. (Geht besser.)

T142-Essen-01

Unterkunft: 65 Euro (mit Frühstück).

Im Rhythmus der Regentropfen nach Echternach

Victor Hugo lebte einige Zeit als politischer Flüchtling in Vianden.
Nur gezwungenermaßen ist die Langeweile in dem Ort auszuhalten.

Hugo war hier

Hugo war hier

Vorbei an leeren Terrassencafés schleuste ich mich um 9 Uhr in der Früh aus dem Städtchen hinaus. Das Ziel: Echternach. Rund 25 km weiter im Süden.

GPS-141-Viandes

GPS-Gesamtstrecke bis 141

Schon bald weitete sich das Our Tal. Die Hänge längst nicht mehr so steil.

Wasser von oben und unten

Wasser von oben und unten

Es regnete unaufhörlich.

Regen kann etwas Beruhigendes haben. Manchmal laufe ich gerne im Rhythmus der auf meine Regenjacke trommelnden Tropfen.
Aber jetzt nervte es nur noch. 1 Woche schlechtes Wetter.

Was hätte wohl ein zermürbter Kapitän auf einem Expeditionsschiff vor 100 Jahren in sein Logbuch notiert?

„Tag 141. Kein Ende des Sintflut in Sicht. Wir treiben immer weiter und sehen kein Land. Seit Wochen nicht. Die Mannschaft fiebrig, krank, angeschlagen. Die Kleidung feucht, klebrig, schmutzig. Die Matrosen sind in rebellischer Stimmung. Viele wollen umdrehen, sehen keinen Sinn mehr weiter zu machen. Sie vermissen ihre Familien. Es gelingt mir kaum noch, das Schiff auf Kurs zu halten.“

Nach 2 Stunden verließ ich die Our, wechselte auf die deutsche Seite und kletterte einen Waldweg hoch. Ich wollte noch einmal den Eifelsteig laufen – wenn es auch nur für kurze Zeit war.

Grüne Hölle

Grüne Hölle

Immer wieder suchte ich Regenschutz unter Bäumen.

Gemme shelter

Gimme shelter

Regnete es einmal nicht, schüttelte sich der Wald aus. Ich wusste nicht, was schlimmer war.

Dann Hoffnung. Der Himmel hellte sich etwas auf, der Wald wechselte von düster nach halbdüster.

Eine fantastische Felsenlandschaft öffnete sich kurz vor dem Gipfel.

On the rocks

On the rocks

Steinkolosse von Riesen in den Wald geschleudert!

Koloss

Koloss

Andächtig verweilte ich in dieser Zauberwelt.

Monströs

Monströs

Wie gerne hätte ich die Kolosse mit Sonne, Schatten und Grau-Nuancen fotografiert!

Riesentisch

Riesentisch

Predigtstuhl, Teufelsweg oder Tränenley hießen die Formationen, Höhlen und steinernen Irrgärten dieser Gegend.
Das Wort „Ley“ kommt von „Fels“ oder „Schiefer“.
(Dann hat Heine mit der Loreley wohl seine Geliebte „Lore Schiefer“ besungen. Wie profan!)

Der Blick vom Gipfel des Felslabyrinths verhieß nichts Gutes.

Suppe

Suppe

Die Our war, ohne dass ich es bemerkt hatte, in die Sauer mäandert. Diese zog nun die Grenzlinie zu Luxemburg.

Kurz nach 18 Uhr erreichte ich das luxemburgische Grenzstädtchen Echternach.

Höllischer Durst:
Bofferding Pils. Ausgesprochen süffig und angenehm hopfig. (Brauerei seit 1764!)

T141-Bier-01

Hunger:
Luxemburgische Schlachtplatte mit Sauerkraut und Speckkartoffeln. Sehr deftig. Aber gut.

T141-Essen-01

Dann ins Nachtleben der Kleinstadt abgetaucht.

Night falls

Night falls

War Vianden provinziell und zum Gähnen, war hier richtig etwas los. In einigen Kneipen eine städtische Bohème.
Die Luxemburger äußerst nett und selbstbewusst.

Unterkunft: 75 Euro (mit Frühstück).

Über den Jakobsweg nach Vianden

Das freakige Pärchen, das das Harley-Davidson-Fanclub-Hotel betrieb, erzählte mir zum Frühstück, dass es hier im deutsch-luxemburgischen Grenzgebiet viele Niederländer gäbe, die Hotels, vor allem aber Campingplätze betrieben.

Dasburg sei ein Zwischenstopp auf dem Jakobsweg, der aus dem Rheinland bis ins galizische Santiago de Compostela führe.
Kundschaft käme automatisch.

Es ist ja auch eine grandiose Landschaft, wenn man sich zu den Regenschleiern noch ein wenig spanische Wärme einbildet!

Nebeltal

Nebeltal

Um halb 10 Dasburg über einen steilen Berg verlassen, der mich schon früh ins Schnaufen brachte.

Mein Ziel: Vianden in Luxemburg. 21 km entfernt.

GPS-140-Dasburg

GPS-Gesamtstrecke bis 140

Der Regen war nicht stark, es nieselte mehr. Nach dem Anstieg jetzt ein langer Bergkamm mit wunderschönen Aussichten. (Wäre da nicht der Grauschleier gewesen!)

Ich wunderte mich über nasse Wollfetzen an Sträuchern. Als ich sie genauer inspizierte. merkte ich, dass es nicht Schafswolle war, wie ich vermutet hatte. Samen der Pusteblumen hatten sich zu nassen Lappen verklumpt und hingen wie Sperma von den Dornenbüschen.

Ob sich diese Fliege von ihm befruchten lassen wollte?

T140-Mücke-01-imp

Ein Esel sah dem sinnlosen Kopulationsversuch zu.

Das Haupt vor Scham geneigt

Das Haupt vor Scham geneigt

Das Tal der Our war schnell erreicht. Und damit die Grenze zu Luxemburg.
Im ersten Gasthaus, direkt hinter der Grenzbrücke, löschte ich meinen Durst und unterhielt mich ein wenig mit der alten (fußlahmen) luxemburgischen Wirtin.
Ich wollte von ihr wissen, ob es irgendwelche Schwierigkeiten mit dem Nachbarn gibt.
Sie verneinte und meinte, dass die Deutschen in den letzten 10 Jahren lockerer geworden seien.
Es gebe aber noch einige wenige Luxemburger, die Deutsche nicht mochten. Wegen des Krieges. Das seien vor allem die Baskenmützenträger.

Nur wenige Dörfer schmiegten sich entlang des Flusses.
Ich sah kaum Menschen und schon gar keine Baskenmützenträger.
Der Tag war zu unwirtlich.

Eingefasst

Eingefasst

Es war nass und kalt. Und ich war froh, als sich endlich Vianden ankündigte. Spektakulär die mächtige Stauferburg auf dem steilen Waldhang. Wenn auch ziemlich verwaschen das Bild.

Kein Weg nach oben

Kein Weg hinauf

Es goss in Strömen und mein Kameraobjektiv war nicht mehr schlierenfrei zu bekommen.

Alle Wege führen vorbei

Alle Wege führen vorbei

Vianden ist einer der wichtigsten Tourismusorte Luxemburgs.

oben-unten

oben-unten

Aber eigentlich gibt es (außer der Burg) nicht viel zu sehen. Das Mini-Städtchen ist äußerst provinziell, fast langweilig.
Und das lag nicht nur am Wetter.

Strassen ohne Saison

Strassen ohne Saison

Um 3 Uhr ein Hotel direkt an der Our gefunden. (Es gibt viele!)

Durst: Diekirch Pils. (Luxemburgische Brauerei, seit 1871. Vor kurzem von einem belgischen Konzern übernommen.) Schmackhaft!

T140-Bier-01

Hunger: Judd mat Gaardenbounen an Speckgromperen. (Geräucherter Schweinenacken mit dicken Bohnen. In einer Kräutersoße. Dazu Speckkartoffeln).

T140-Essen-01

Das Gericht ist eine luxemburgische Spezialität und war außerdordentlich gut zubereitet. Als ich den Teller leergeputzt hatte, brachte mir die Bedienung die gleiche Portion noch einmal. Es hatte ihr gefallen, wie ich mich über das Essen hergemacht hatte.

Am Nebentisch saß eine kleine Runde Einheimischer, die sich im Luxemburger Dialekt unterhielten. Eine beschwingte schöne Sprachmelodie! Ich hörte der Sprechmusik gerne zu und verstand durchaus einiges. Sehr weit weg vom Pfälzischen ist die luxemburgische Sprache nicht.

Kurios: ein Fahrstuhl zum Klo!

T140-Toilette-01-imp

Unterkunft: 80 Euro (mit Frühstück).

Road 139 to Dasburg

Es war das Gefühl tiefer Einsamkeit.

Winterspelt lag hinter mir, auf Seitengassen hatte ich das Dörfchen verlassen. Wolken drückten die Täler noch tiefer in den Waldgrund. Häuser auf Bergkuppen drängten sich dicht an die Pfarrkirchen, in der Hoffnung vom Dauerregen nicht weggeschwemmt zu werden.

Nur der Kirchturm, der schaut raus

Nur der Kirchturm, der schaut raus

Hatte ich einmal nicht Wald sondern freies Feld vor mir, walzte am Horizont die nächste Regenwand heran.

Es wird nicht besser

Es wird nicht besser

Ich war in Winterspelt gegen halb 9 aufgebrochen. 31 Kilometer lagen vor mir bis Dasburg an der deutsch-luxemburgischen Grenze.

GPS-139-Winterspelt

GPS-Gesamtstrecke bis 139

Schüttete es besonders heftig, suchte ich Schutz unter Laubbäumen.

Ich erdachte mir Bauernregeln für Regenwetter:

Lauf nicht unmittelbar nach Ende eines heftigen Regengusses los. Der nächste kommt sofort.
Lauf nicht unmittelbar nach Ende eines heftigen Regengusses in den Wald. Der regnet sich gleich wieder ab.

Aber eigentlich war es egal. Nass wurde ich unterm Baum, im Wald, im freien Feld.

Endlich einmal eine Pause: Ein Walddörfchen zog kurz sein Regenkleid aus und zeigte seinen Frühlingskörper.

Heckhalenfeld

Heckhalenfeld

Die Schneeeifel ist so dünn besiedelt, dass es äußerst schwierig ist, sich auf einer Wanderung zu versorgen. Gasthäuser öffnen nur zur Hochsaison, Tante Emma hat längst die Dörfer verlassen, Tankstellen gibt es überhaupt nicht.
Ich war also ohne Trinkwasser und ohne irgendetwas zu knabbern losgezogen und fand unterwegs nirgends Proviant.

Hellte sich der Himmel ein wenig auf, schöpfte ich Hoffnung. Die Südeifel ist landschaftlich grandios.

Highlands

Highlands

Immer wieder werde ich unterwegs gefragt, ob es nicht langweilig sei, so ganz allein zu wandern.
Ist es nicht!
Dann folgt die nächste Frage: Warum ich das mache, ob ich den Sinn des Lebens suche?
Nein, das Gegenteil ist der Fall.
Ich versuche manchmal es zu erklären, gebe aber schnell auf.

Also was machte ich denn den langen Tag?
Nichts! Nicht einmal meditieren. Höchsten ein paar Gedanken spinnen.

Sicher, die Sinne schärfen sich in der Natur.
Sicher, ich sehe, rieche und spüre Kleinigkeiten, die mir im Alltag nicht auffallen würden. Eine Ameise, die sich an ihrer Traglast überhebt und sich überschlägt. Ein Grashalm, der sich unter der Last eines einzigen Wassertropfens verbiegt und fast bricht.

Aber welchen Sinn machen solche Beobachtungen? Keinen! Es ist völlig unerheblich.

Sinnsucher finden nicht einmal sich selbst.

Und ich stellte mir die wichtigere Frage, ob Kühe nicht doch gänzlich dumm sind!

Dumme Kühe

Dumme Kühe

Immer wenn ich an einer eingezäunten Kuhwiese vorbeilief, rotteten sich die Viecher zur Herde zusammen, trotteten zum Zaun und glotzen mich fragend an.
Offensichtlich können Kühe nicht wie Hunde ihr Herrchen (oder Melker) erkennen. Sie verwechselten mich ganz offensichtlich.

Was bedeutete das? Für die Kuh ist ein Mensch ein Mensch ein Mensch ein Mensch – und keine Person!

Damit hatte ich für heute die Sinnfrage geklärt und marschierte weiter.

Nichts für weiche Knie

Nichts für weiche Knie

Es ging nun ganz schön bergab. Ich spürte meine Knie.

Als der Wald sich kurz auftat, konnte ich auf die andere Seite des Tals blicken, in das ich gerade hinabstieg. Ein luxemburgisches Dorf signalisierte mir, dass ich nicht mehr weit von der Grenze entfernt war.

lieblich

lieblich

Noch eine Viertel Stunde und meinen Zwischenziel war erreicht: das Dreiländereck aus Belgien, Luxemburg und Deutschland.

Wahre Europabrücke!

Wahre Europabrücke!

Auf der Seite, auf der ich fotografierte, war Deutschland. Über der Brücke rechts lag Belgien. Links der Brücke wartete Luxemburg auf meinen Besuch.

Rund 135 Kilometer war ich der belgischen Grenze gefolgt, jetzt lagen wahrscheinlich ebenso viele Kilometer entlang der luxemburgischen Grenze vor mir.

Die Our trennt Luxemburg von Deutschland.

Nicht größer als die Oos

Nicht größer als die Oos

Bewusst lief ich auf der deutschen Seite des Grenzflüsschens. Luxemburg wollte ich mir noch ein wenig aufsparen. So schnell kann ich nicht von belgisch auf luxemburgisch umschalten.

Ein Flüsschen, das an Fahrt aufnahm und mit kleinen Stromschnellen ganz schön Lärm machte.

Grenzen sind manchmal schwer zu überschreiten

Grenzen sind manchmal schwer zu überschreiten

Ich hatte mir vorgestellt, gemütlich entlang des Uferweges der Our nach Dasburg zu wandern. Es kam aber völlig anders.
Zu tief hatte sich der Fluss in den Wald gegraben, zu steil waren die Hänge, zu zahlreich die Zuflüsse und Zwischentäler, dass die Wanderwege immer wieder in Serpentinen den Berg hinaufführten und sich gefährlich an Hänge schmiegten.

Halt!

Halt!

Aber welche Ausblicke! Und die Sonne gratulierte mir für meine Ausdauer!

Hochsitz

Hochsitz

Was für eine Grenze zwischen zwei Ländern!

Grenzen sind schön

Grenzen sind schön

Es wurde der bisher anstrengendste Tag dieser Etappe, die nun schon lange dauerte. Auf und ab ging es. Am 139. Tag meiner Grenzwanderung sammelte ich Höhenmeter wie andere Flugmeilen. Ich war froh (und am Ende meiner Kräfte), als ich endlich das Dörfchen Dasburg erreichte. Auch wenn es im Regen schier ersoff.

Am Ziel

Am Ziel

In dieser Ortschaft mit kaum mehr als ein paar Dutzend Häusern gab es immerhin zwei Pensionen.
Ich würfelte innerlich und betrat einen skurrilen Harley-Davidson-Driver Treffpunkt.

Rocker trifft Rocker

Rocker trifft Rocker

Geführt wurde das Hotelchen von einem holländischen Pärchen. Direkt über der luxemburgisch-deutschen Grenze.

Hunger: Schweinespieß in Erdnusssoße mit Reis. (Harte Jungs Kost!)

T139-Essen-01

Unterkunft: 28 Euro (ohne Frühstück).