Zum Zither Maxl nach Bayrischzell

Schön und traditionell sehen die Bauernhäuser immer noch aus.
Doch wo einst der Kuhstall war, ist eine Küche, die Platz für eine ganze Kochbrigade bereit hält.
Wo einst die ausladenden Familientische aus Eiche standen, sind riesige Gastzimmer entstanden.
Bauern, die in den 80ern oder 90ern schlau waren, konnten sich ein noch größeres Haus erkochen.

Mehrgenerationenhäuser sind das nicht mehr. In den Zimmern der Opa-Omas, der Kinder-Kindeskinder, der Mägde-und-Knechte schlafen heute Touristen aus aller Herren Länder.

Schlaubauernhäuser

Schlaubauernhäuser

Töchter und Sohn helfen nur aus, wenn sie mal selbst ein Wochenende im Elternhaus verbringen.
Die Bedienungen mittlerweile international.

Nur: Deutsch müssen sie sprechen können. Wie Edda es tut! Fast akzentfrei.

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Edda – so erzählte sie mir gestern Abend – stammt aus Siebenbürgen. Sie spricht rumänisch und italienisch. Und natürlich Hochdeutsch. Vor drei Jahren verließ sie Rumänien. Erst jobbte sie in Italien. Die Wirtschaftskrise dort verschlug sie schließlich nach Bayern. Viele Deutsch sprechende Rumänen und Bulgaren arbeiteten heute als Servicekräfte in der bayerischen Gastronomie.

Edda hatte mitbekommen, dass ich nach Österreich gehen wollte. Sie fragte, ob ich sie mitnehmen könnte. In den Tiroler Feriengebieten würde man noch besser als hier verdienen.
Ich packte sie in meinen Rucksack und zog los.

Mein Tagesziel heute: Bayrischzell. Ca. 22 km zu laufen. Nahe an der österreichischen Grenze.

GPS-184-Rottach-Egern

GPS-Gesamtstrecke bis 184

Der schweißtreibende Anstieg gleich zu Beginn: 500 Höhenmeter hochgekämpft und sofort wieder die Höhe verloren. Runter bis zu den Fischerhäuschen am Schliersee.

Privatsteg

Privatsteg

Augenblicklich Hunger und Durst gestillt.
Zu Weißwürsten mit Brez’n ein anständiges Hefeweizen.
Es schmeckte saugut. (Wenn ich es richtig auf dem Bierdeckel gelesen habe, geht die Brautradition von Arco auf das Jahr 1630 zurück!)

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Dann wieder hoch (beliebtes Alpenspiel). Schöne Weiler. Oder Aussiedlerhöfe. Einsam jedenfalls.

Grün-Idyll

Grün-Idyll

Wäre ich Pilzkundler, würde ich unterwegs nicht verhungern.

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Edda hatte beim Anblick eines Fliegenpilzes eine Idee. Sie würde gerne Dirndl im Fliegenpilzmuster entwerfen. Das sei sicher ein gutes Geschäft, da ja heute alle jungen Mädels Dirndl als Partykleidung kauften.
Ich ließ sie träumen.

Drugs, Alcohol and Dirndl

Drugs, Alcohol and Dirndl

Am Wegrand Bildstöcke. Mit Maria in einem rotweißen fliegenpilzähnlichen Tuch.
„Siehst Du!“ rief Edda.

Drugs, Religion and Dirndl

Drugs, Religion and Dirndl

Stele

Stele

Ziemlich genau gegenüber eine Gedenktafel für den 1878 verunglückten Dorfpfarrer. Hatte er zu viel rotweißen Röcken nachgeschaut, statt auf den Weg zu achten?

Gottes Zorn trifft auch die Frommen

Gottes Zorn trifft auch die Frommen

Wer hat heute noch Erinnerung an diesen Gottesdiener? Und warum wird immer noch seiner gedacht? Nach 140 Jahren.
Niemand antwortete mir.

Es regnete. Mal stark, mal schwach. Der Wendelstein befreite sich kurz von den Wolken und simulierte Sonnenherbst.

Zeig Dich!

Zeig Dich!

In den Dörfern trieben Bäuerinnen derweil die Kühe von der Weide in den Stall.

Cows and Cowgirl

Cows and Cowgirl

Der Tag graute mächtig.
Nach 7 Stunden in Bayrischzell eingelaufen. Langweiliges Kaff.

Der verlorene Charme der bayerischen Bourgeoisie

Der verlorene Charme der bayerischen Bourgeoisie

Riesenhunger:
Kraftbrühe mit Brätnockerl. Klasse! 3,50 Euro.

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Schweinsleber in Majoransauce mit Salz-Kartoffeln. Sensationell gut. 9,50 Euro. (Und verdammt viel.)

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Die Bedienung outete sch als nostalgischer Verehrer von Prinzregent Luitpold, der um die Jahrhundertwende (1900) das Schicksal Bayerns bestimmte.

Offenbar gibt es immer noch Monarchisten in diesem bayerischen Winkel.

Zum Essen gab’s Stub’nmusi. Genialer Zitherspieler. Er erfüllte mir den Wunsch: „Hary-Lime-Thema“ von Anton Karas. „Der Dritte Mann“.
Er ließ sich in Euro, aber noch lieber in Naturalien zahlen. Vorzugsweise Averna oder ein lokaler Kräuterschnaps.

Der Dritte Mann

Der Dritte Mann

Danach gab er mir einen Volkshochschulkurs: Herzog Maximilian von Bayern war einst ein großer Förderer des Zitherspielens. Zither-Maxl nannte ihn der Volksmund.

Der Mann an der Zither spielte besser als er erzählen konnte.
Was für ein Abend!

Unterkunft: 55 Euro (mit Frühstück).

Edda kümmerte sich in der Nacht rührend um die gebrochene Hand von Paule.

Wahre Liebe ist ....

Wahre Liebe ist ….

Mit fallendem Herbstlaub nach Rottach-Egern

Manchmal erschreckten mich fallende Herbst-Blätter, wenn sie meinen Kopf streiften.
Manchmal lösten sich kleine Ästchen von den Bäumen und schwebten langsam zu Boden, getragen von drei, vier Fallschirmen, die wie Herbstlaub angemalt waren.

Schneisenwald

Schneisenwald

Zum ersten Mal hörte ich einen Hirsch in freier Wildbahn röhren. Ich war beeindruckt. Sehr weit weg kann er nicht gewesen sein. Oder er hatte ein ungemein kräftiges Organ.

Ich folgte einem schönen Waldpfad. Auf meinem Weg nach Rottach-Egern. 40 km entfernt.

GPS-183-Vorderriess

GPS-Gesamtstrecke bis 183

Eigentlich wollte ich früh aufbrechen. Aber der Gasthof, in dem ich übernachtet hatte, war im Feiertagstrott und entließ mich erst um halb neun.

Aus dem Bergwald wechselte ich bald in das Bachbett der Isar. Schöner Auenwald.

Tal der Weiß-blauen Berge

Tal der Weiß-blauen Berge

Angeblich ist die Obere Isar noch der einzige Wildfluss Deutschlands.

Das Wasser: quellklar.

Bayerischer Urquell

Bayerischer Urquell

Schon bald war es jedoch vorbei mit der Wildheit. Die Isar wurde aufgestaut zu einem künstlichen See, dem man das Menschengemachte nicht ansah.

Smaragküste

Smaragküste

Wieder Glücksgefühl. Ich kann es nicht erklären warum.
Ähnliches Empfinden wie unterm Gipfelkreuz. Irgendetwas Reines, Befreites. Auf irgend eine Weise eingebunden in die Welt.

Studie in Blau

Studie in Blau

Ich streifte das Ufer des Sylvensteinsees entlang. Konnte den Finger nicht vom Foto-Aulöser nehmen. Er war festgeklebt.

Studie in Blau Grün

Studie in Blau Grün

Studie in Blau und Weißblau

Studie in Blau und Weißblau

Studie in Weiß-Blau 2

Studie in Weiß-Blau 2

Studie in Weiß-Blau 3 (mit ein paar Farbeinsprengseln).

Studie in Weiß-Blau 3 (mit ein paar weiteren Farbeinsprengseln).

Ein paar Fischer waren auf dem Stausee, ich konnte nicht erkennen, ob sie einen Fisch an ihren Angelhaken hatte.
Ich fragte mich, wieso ich nie Anglerinnen oder Fischerinnen sah?
Wieso war dies eine reine Männerdomäne?
Hatten Frauen keine Zeit, Zeit zu verschwenden?

Beute(l) ?

Beute(l) ?

Gegen halb eins dem Sog des Sees entkommen und durch einen Fußgängertunnel den Weg Richtung Lenggries eingeschlagen.

Das Ende zu sehen

Das Ende zu sehen

Noch einige Zeit folgte ich der Isar, die aber durch den Stausee gezähmt war.
Anschließend musste ich einen Berg queren. Von 600 auf 1.000 Meter Höhe. Dann wieder rutschige Wege hinunter, manchmal durch kleine steinige Bachläufe stiefelnd.

Rutschpfad

Rutschpfad

Entlang besonders tief eingeschnittener Schluchten arbeitete ich mich schließlich bis 16 Uhr in das Weißach-Tal hinunter.

Vorsicht!

Vorsicht!

Noch lagen 4 1/2 Stunden vor mir. Immer dem Flüsschen folgend. Ich durchrannte das legendäre Wildbad Kreuth und auch Kreuth selbst. Es wurde dunkel und ich hatte Mühe, in den Kuhwiesen den Pfad zu meinem vorreservierten Gasthof zu finden.
Ein funkelnder Sternenhimmel beleuchtete mir ein wenig den Weg.
Der Kleine Bär über mir weinte Sternschnuppen. Er konnte den Großen Bären, der sich hinter eine Wolke aufhielt, nicht sehen.
Halb neun war ich in Rottach-Egern.

Riesenhunger: Hirschsteak mit Champignons und Butterspätzle. Exzellent. 18 Euro.

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Unterkunft: 50 Euro (mit Frühstück)

Uneingeschränkt zufrieden erreiche ich Konstanz und noch mehr

Kalt! Aber Frühsonne. Halb neun.

Im Mittel ziemlich alt

Im Mittel ziemlich alt

Ich beschloss von Stein aus auf der nördlichen Rheinseite weiterzulaufen. Also zuerst auf der deutschen Seite.
Ich wollte bis Konstanz kommen. 24 km. Nicht so weit.

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GPS-Gesamtstrecke bis 171

In Null Komma Nix die Schweiz wieder verlassen und Deutschland betreten. (Hätte ich meinen Pass stempeln lassen müssen, wäre er nur auf dieser Tour voll geworden. So viele Grenzübertritte an zwei, drei Tagen. Aber Pässe – was war das nochmal in Europa?)

Der Rhein gab sich unnahbar.

Fern und doch nah

Fern und doch nah

Und der Rheinuferweg entfernte sich immer mehr vom Ufer. „KEIN DUCHGANG!“, „PRIVAT!“.
Deutschland! Zugebaut! 90 Prozent des Ufervermögens befinden sich in der Hand von 5 Prozent der Uferlos-Vermögenden!
Da wird man noch wider Willen zum Marxisten!
Kampf für den Freien Uferblick!

Nah und doch so fern

Nah und doch so fern

Villa nach Villa mit exklusivem Strandzugang.
Die Zweitwagen passen nicht mehr in die Garagen.

Nahverkehr der Anlieger

Nahverkehr der Anlieger

Öffentlichen Zugang zum Rhein gab es auf dieser Strecke nur, wo es auch eine öffentliche Toilette gab.
Anyway – nicht so kleinkariert denken! Dort, wo der Rhein sich für die Sterblichen blicken ließ, zeigte er sich von seiner malerischen Seite.

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Dabei zweifelte ich manchmal, ob das noch der Rhein oder schon der Bodensee war.

(H)öffentlich

(H)öffentlich

Sicher war nur: Auf der gegenüberliegenden Seite lag die Schweiz und ich lief in Deutschland umher.

On the other side

On the other side

Aber war dieser Fischer jetzt Schweizer oder Deutscher? War er Bodensee- oder Rheinfischer? Was sagte die Europäische Union dazu?

Fischt nicht im Trüben

Fischt nicht im Trüben

Wie auch immer. Ein Zeppelin zeigte mir an, dass ich mich in Bodenseenähe bewegte.

brennt nicht

brennt nicht

In Hemmenhofen bestieg ich eine Fähre, um mich auf die Schweizer Seite zu beamen. Zum einen, um mich anständig von den Eidgenossen zu verabschieden. Zum anderen war es der einzige Weg, um heute noch Konstanz zu Fuß zu erreichen.

Im Rheindörfchen Steckborn könnte man gut Venedig Filme doubeln.

Canale Grande

Canale Grande

Spätestens bei Berlingen weitete sich der Rhein zum Bodensee. Grandios! Schwäbisches Meer!

Blick weiten

Blick weiten

Ich beobachtete einen älteren Herren mit weißem knautschigen Schlapphut, wie er locker ein Speedboot zu sich heranzog und zum Ausflug sattelte.

„Gute Fahrt“ rief ich ihm hinterher. Er drehte sich um und öffnete sein Herz:

Maurer habe er gelernt. Dann habe er sich spezialisiert und sich selbständig gemacht. 35 Jahre habe er so malocht.
Jetzt, mit 73 sei es Zeit zu genießen.

Satisfy your mind

Satisfy your mind

Mit einer Hand wies er zum Ufer und zeigte mir sein Haus, auf dessen Balkon seine Frau stand und ihm zuwinkte.

Kein schöner Land als hier!

Mit seinem Speedboot fuhr er zu seinem eigentlichen Schiff, das weiter draußen im Wind schaukelte.

Ein herzliches "Auf Wiedersehen!"

Ein herzliches „Auf Wiedersehen!“

Die uneingeschränkte Zufriedenheit dieses Mannes mit sich und seinem Leben beeindruckte mich.

Das Schweizer Ufer – anders als in Deutschland – öffentlich zugänglich. Der Uferweg meist dicht am Wasser, nur ganz am Schluss entfernte er sich und führte durch Bio-Äcker zur deutschen Grenze.

Bio bis zum Horizont

Bio bis zum Horizont

Moderne Kartoffelbauern haben keine Schwielen mehr an den Händen.

Kartoffelgräber

Kartoffelgräber

An der Stadtgrenze zu Konstanz: ein verlassenes Zollhaus.
Wie liebe ich Schengen!

Exit Schweiz

Exit Schweiz

Nach 7 Stunden das Zentrum Konstanz‘ erreicht.

Die Stadt wegen Überfüllung geschlossen.

Have fun

Have fun

Messen, Indian Summer Wochenende, Oktoberfest.

Hicks

Hicks

Kein Zimmer! Zig Hotels besucht. Zigzig Hotels angerufen. Nix!
Ich musste die schöne Konstanzer Kurtisane Imperia verlassen!

Big breasted woman

Big breasted woman

Mit dem superschnellen Katamaran setzte ich ans andere Ufer über.

I'd rathe go wild

She’d rather go wild

Nach Friedrichshafen. Dort fand ich Quartier.

Hunger: Wildgulasch. Richtig klasse!

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Angenehme Unterkunft. Gasthof von Familie in 4. Generation geführt.

65 Euro (mit (super) Früstück).

Hut ab bis Strasbourg!

Das Wetter hielt sich nicht an die Vorhersage. Statt Regen morgendliche Sonnengischt über den Feldern.

Morgenhauch

Morgenhauch

Halb neun auf die Straße gegangen. Das Ziel: Strasbourg im Elsass. Ca. 32 km entfernt.

GPS-158-Scherzheim

GPS-Gesamtstrecke bis 158

Die Rheinauen von zahlreichen Kanälen durchschnitten.

Badende Wolken

Badende Wolken

Ein einarmiger Fischer stocherte unsicher durchs Wasser. Später erzählte der Pensionär mir, dass er jeden Tag mit seinem Stocherkahn unterwegs sei, nicht nur um zu fischen, er würde auch Biber kontrollieren.

Biberstocherer

Biberstocherer

Außer mir fast niemand unterwegs. Nur sehr vereinzelt ein paar Radfahrer mit ihren vollgepackten Hightech Maschinen.
Satteltaschen aufgebläht.

Ein junger hübscher Bursche radelte an mir vorbei und grüßte mich höflich. Mit einer eleganten Bewegung zog er seinen modisch kleinen Trilby Hut. Ganz nach alter Sitte.
Ich war überrascht, gar gerührt von der Respektsbezeugung. Und fragte mich gleich, worin der Sinn dieser Kavaliersgeste lag?
Zeigt man sein Haar, dann zeigt man seine Unschuld? Seine reine Absicht?
(Pech, wer eine Glatze hat.)
Warum entblößt man sein Haupt, wenn man eine Kirche betritt oder zum Gebet niederkniet?
Warum machen das Männer, aber nicht Frauen?

Ich konnte die Frage nicht klären, zumal ich auf den Feldwegen keinen Handy-Empfang hatte und nicht googeln konnte.

Maisweg

Maisweg

Die Natur färbte sich langsam herbstlich.

Fall!! Obst!!

Fall!! Obst!!

Endlich am Rhein zurück!

Route Three O Nine

Route Three O Nine

Ab jetzt ging es kilometerlang am Ufer entlang.

Horizontverengung

Horizontverengung

Uferläufer.

Horizonterweiterung

Horizonterweiterung

Wer fischt eigentlich das Treibgut aus dem Fluss?

Ausgetrieben

Ausgetrieben

Nach 26 km lag Kehl vor mir. Ein kleines Städtchen, das nicht viel zu bieten hat. Dachte ich.

Himmelsbohrer

Himmelsbohrer

Aber die Restaurants, Cafés und Kneipen rund um den Marktplatz waren voller Franzosen.

Steinerner Gast

Steinerner Gast

Ganz offensichtlich ist es in Kehl billiger als in der elsässischen Hauptstadt, die nur einen Steinwurf entfernt lag.

Das Verbindende ist der Rhein

Das Verbindende ist der Rhein

Einmal über den Rhein und schon ist man in den Außenbezirken Straßburgs.

Modern Times 1

Modern Times 1

Neue urbane Zentren entstehen in Nähe zur vielbestaunten Altstadt.

Modern Times 2

Modern Times 2

Sie brauchen die Konkurrenz nicht zu scheuen.
Das französische Gefühl für Stadtästhetik ist dem deutschen ziemlich voraus.

Wenn auch das Altstadtzentrum reichlich deutsch wirkte. Puppenstube. Samt Münster.

Alte Zeit 1

Alte Zeit 1

Dafür wurde in einigen engen Gassen das Montmartre Lebensgefühl gepflegt und kein französisches Klischee ausgelassen.

Alte Zeit 2

Alte Zeit 2

Strasbourg ist auch Disneyland.

Bei Überfüllung geöffnet

Bei Überfüllung geöffnet

Solange man in der Altstadt ist.

In der Peripherie sieht es anders aus.

Kulisse 1

Kulisse 1

In der untergehenden Abendsonne lief ich zurück nach Kehl. Die Hotel und Restaurant-Preise hatten mich über den Rhein zurückgetrieben.

Durst: Hefeweizen, 3,50 Euro.

Hunger: Maritimer Spieß mit Tintenfisch, Riesengarnelen, Lachs und ein wenig Languste. Bis auf den Tintenfisch fein gegrillt und schmackhaft.
Teuer. (Aber der Besitzer des Restaurants war ja schließlich Franzose. Trotzdem muss es selbst hier billiger sein als jenseits des Rheins. Die meisten Gäste waren ebenfalls Franzosen.)

T158-Essen-01

Morgen werde ich es testen. Dann wandere ich auf der französischen Seite weiter.

Unterkunft (Kehl): 55 Euro (mit Frühstück).

In die Chlorophyllhölle Baden-Baden

straight, todo derecho, grad aus

straight, todo derecho, grad aus

Viel Abwechslung bietet der Rhein auf dieser Strecke nicht. Ab und zu ein Last- oder Container-Schiff.

Trotzdem genoss ich den Spaziergang entlang des Ufers. Ich hörte die Kähne hinter mir, wie sie sich gegen die starke Strömung an mich heranarbeiteten. Ich schlenderte mehr, als dass ich lief. Vielleicht 4 Kilometer die Stunde. Die beladenen Schiffe brauchten erstaunlich lang, um mich einzuholen. Ich schätzte, dass sie vielleicht 6 km/h schnell (oder besser langsam) waren.

Es hatte etwas Kontemplatives, Einlullendes sich dem Rhythmus des Rheins anzupassen.

Ich hatte es nicht eilig. Die 20 km bis Baden-Baden waren einfach zu gehen. Um 11 Uhr morgens war ich aufgebrochen.

GPS-156-Plittersdorf

GPS-Gesamtstrecke bis 156

Altrheinarme und Minihäfen durchbrachen bisweilen die Monotonie.

Auf Abruf

Auf Abruf

Waren keine Boote unterwegs, dann immerhin Schwäne. Der Nachwuchs wurde in Formationsschwimmen geschult.

Schwanflotte

Schwanflotte

Früher – so lernte ich von einer Schautafel – früher tummelten sich in den Auen zahlreiche Aalfischer.
Die genaue Bezeichnung: „Aalschokkerfischer“.
Schokker sind Fischereisegelschiffe.
Irgendwann sind die Aale abgewandert. 1989 gab der letzte Fischer auf und ließ sein Boot hier zurück.

Aal und Aalfischer ausgestorben

Aal und Aalfischer ausgestorben

An der Iffezheimer Schleuse bog ich ab.

Schleuse ohne Schleuser

Schleuse ohne Schleuser

Ich verließ den Rhein und die Rheinfräuleins unter den Brücken.

Blonde Frau Schau mich an

Blonde Frau Schau mich an

Noch immer durchschaue ich nicht die Codes der Graffiti.
Auch unter den Rheinbrücken wurde viel gekritzelt.
Vielleicht werden zukünftige Archäologen diese modernen Hieroglyphen entschlüsseln.
Aber wahrscheinlicher ist, dass sie gar keine Codes sind, sondern einfach nur fingerprints der jeweiligen Sprayer. Erkennungsmarken. Oder allenfalls Strichcodes, die mit einem App lesbar sind: Künstlername, Entstehung, Verfallsdatum.

Ich suchte mir in Iffezheim ein Lokal. Der Ort extrem langweilig. (Die berühmte Pferderennbahn etwas außerhalb).

Witzig aber das Pissoir.

Abfalltrennung

Abfalltrennung

Nach einem kurzen Schauer brannte jetzt am frühen Nachmittag die Sonne wieder sommerlich unerbittlich. Nur manchmal von schnell durchziehenden Wolken verdeckt.

Der Schwarzwald am Dunsthorizont.

In the heat of the day

In the heat of the day

Die Rheintalorte, die ich durchlief, funktional, sauber, aufgeräumt, ohne Charme.

Kein Vergleich mit Baden-Baden, das ich gegen 16 Uhr erreichte. Das Kurstädtchen in einem Seitental der Oos liegt atemberaubend schön in einem grünen Meer. Man atmet Chlorophyll und nicht Sauerstoff.

Chlorophyllhölle

Chlorophyllhölle

Über 10 Jahre habe ich einst hier gelebt und gearbeitet.
Ich hielt mich nicht lange in den Straßen auf, ich besuchte Freunde.

Flair

Flair

Feiertagsblues und uninteressante Unterhaltungen in Greetsiel

Heute ist mein Namenstag!

Meine Großmutter hatte mir am 26. Dezember immer etwas geschenkt. Für sie war der Namenstag bedeutender als der Geburtstag. Mit dem Namenspatron wurde der namensgebende christliche Märtyrer geehrt, erinnert, verewigt.

Lang her.
Heute erinnert sich kaum einer dieser Sitte.

Wieso denke ich das? fragte ich mich.
Ich stand im Städtchen Norden vor einer dieser beeindruckenden Zeugnisse christlicher Kultur, der größten friesischen Kirche. Bald 800 Jahre alt. Ich gehöre keiner Religionsgemeinschaft an. Doch irgendetwas bewegte mich.
Werden diese Gotteshäuser bald nur noch Erinnerungsstätten vergangener christlicher Traditionen sein? Steinerne Monumente, Museen und nichts mehr?

Gott baut mächtig (oder war es ein Architekt ?)

In der Nähe der Kirche eine Bismarck-Statue. Was verehren die Deutschen an dem Eisernen Kanzler?
Allein beim Anblick der Pickelhaube befällt mich die Krätze.

Bismarck, ebenfalls mächtig

Der Norder Marktplatz ein Panoptikum der jüngeren Geschichte.
Ein unbekannter Soldat darf sich (als Steinerner Gast) seit Generationen an den Glockenturm der Ludgeri-Kirche anlehnen. Was ist das für ein martialisches Gedenken an die gefallenen Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Keiner dieser zu gedenkwürdigen Helden erklärten Soldaten hat absichtlich, bestialisch und planmäßig gemordet? Sicher?

Mich nerven diese „Helden“-Gedenkstätten.

Heldendenkmal, auch mächtig

Ich machte mich gegen halb zehn auf den Weg. Das Ziel: Greetsiel, 16 km entfernt.

GPS-Gesamtstrecke bis 110

Ich fühlte mich müde. Ich wusste nicht recht, was mir auf der Leber lag. Ich trottete lustlos vor mich hin. Vielleicht hatte mich der gestrige Tag erschöpft, das Ankämpfen gegen Dunkelheit, Nässe und Kälte.
Ich war gedankenmüde.

Nur die Sonne, die zum ersten Mal seit Tagen die Kraft hatte etwas länger die Wolken zur Seite zu schieben, heiterte mich ein wenig auf.

Against the mighty sun

Die Strecke war schnell geschafft. Nach drei Stunden konnte ich am Horizont bereits das Hafendörfchen Greetsiel sehen.

Horizont-Dorf

Ein aufgehübschtes Fischerdorf, nett herausgeputzt für die Feiertagstouristen.

Alt und herausgeputzt

Mein Namenstag hatte Hunderte in die picobello sauberen Gassen gelockt. Manche schlotzten sogar Eis.

Alt und nicht so alt die Feiertagsgäste

Die Krabben-Kutter prächtig aufgereiht im pittoresken Sielhafen.
Um halb zwei erreichte ich mein Ziel.

Grandios

Und trotzdem: Irgendetwas passte mir heute nicht. Ich sehnte mich nach irgendetwas anderem, ich konnte aber nicht entschlüsseln nach was.

Also setze ich mich an eine Bar, ignorierte die Unterhaltung neben mir (erst über Lebensversicherungen, dann über Karibik-Urlaube) und lenkte mich mit Jever-Pils ein wenig ab.
(Vielleicht hatte ich einfach nur den Blues.)

Hunger: Gebratene Skarntjes. Ein von Ostfriesen offenbar geliebter Plattfisch. Dazu Butterkartoffeln. 12,90 Euro.
Schmeckte nach Iglu.

Unterkunft: 60 Euro (mit Frühstück).

Pause auf der Fähre nach Stralsund

Vitte ist überlaufen. Einheimische zu finden, ist eine Stecknadel-im-Heuhafen-Aufgabe.
Zwei, drei Fischer sind schon (noch?) früh an den Kais.

Verknotete Hände

Zu den Händen ein Gesicht

Den Morgen hab‘ ich vertrödelt. War eh zwischen grau und ganz grau. Die Fähre legte erst gegen 11 Uhr ab.

Bodden-Kutter

Ich wollte nach Stralsund. Zwar hätte es auch ein Schiff nach Zingst auf Darß gegeben, mein nächstes Etappenziel. Ich wollte mir aber unbedingt das Hansestädtchen Stralsund anschauen. 2 1/2 Stunden Fahrt. Selbst auf der Ostsee gibt es Distanzen!

Unterwegs nur der übliche Horizont. Und Wasser. Die Eintönigkeit ab und zu mal unterbrochen durch ein paar aufgestellte Fischnetze. (Ist die Ostsee tatsächlich überall so flach?)

Fisches Tod und meine (Essens) Freud

Wann ernten die Ostseefischer eigentlich? Morgens? Nachts?

Stralsund tauchte auf. Grandioses Panorama.

UNESCO grüßt die Welt

Ich saß längst schon bei einem Hefeweizen am Platz.

Kirchen mit gotischen Bullaugen

Hunger: Speicherteller (Dreierlei gebratener Fisch (Lachs, Zander, Kabeljau) mit Bratkartoffeln). 12,50 Euro.
Sehr ehrlich zubereitet. Ohne Schnickschnack. Richtig gut.

War in einem Hafenbistro gelandet. Hatten Bob Dylan im Bücherregal.

Master of universe

When I was so much older then, I’m younger than that now.

Danach (leicht schwankend) Gorch Fock im Hafen gucken gegangen (Klingt klasse: Gucken GeGegangen!)

Gorch not fort

Pause in Sassnitz

Klassisch

Sassnitz ist ein ausgesprochen sympathisches Städtchen. Eigentlich eher ein Dorf. Keine Ahnung wieviele Einwohner nach der Wende hier noch gezählt werden. Sie haben sich richtig entschieden, nicht zu gehen.

Der Kutter-Hafen ist der Mittelpunkt des Lebens.

Könnte in jedem Hafen der Welt liegen

Frischfisch zu jeder Stunde. Manche Fischer feilschen morgens mit den Kunden (überwiegend Restaurant-Wirte), andere am Nachmittag.

Das hat beinahe etwas Mediterranes.

Fischer sehen auch überall gleich verwittert aus

Fischer sehen, egal in welchem Erdteil, alle gleich aus. Die Haut gegerbt, die Augen meertrüb, Bartstoppeln, verwaschenes und von der Sonne gebleichtes Hemd, immer mit ein paar Fischblutflecken.

Unmittelbar nach der Wende fuhren noch 1.300 Fischer in Mecklenburg-Vorpommern auf die Ostsee raus. Just heute stand es in der Lokalzeitung. Mittlerweile sind es nur noch 250. Die großen Trawler vertreiben die kleinen Kutter.
Schade.

Kilopreise

Irgendeines dieser ausgenommenen Tiere würde ich heute Abend verspeisen.

Frische Fische

Erneut zog es mich in mein Lieblingsrestaurant. Und wieder war es ein Hochgenuss:
Ganzer Kutterdorsch, gebraten auf Gartengemüse mit Lauch, Senfschaumsoße und Dillkartoffeln. 15,90 Euro.

Am Nebentisch unterhielt sich ein bayerisches Urlauberehepaar. Wie seltsam provinziell das Bayerisch hier im hohen Norden klingt.

Mit GingGanzGut-Gefühl nach Gartz

Oder passes slowly

Nach drei Tagen Unterbrechung hatte sie mich wieder: die Oder.

Eigentlich sah ich aber nur Seitenarme und Kanäle. Der Weg führte am westlichen Rand der Oderauen entlang. Die Oder selbst und ihre Vogelwelt wurde nationlaparkgemäß geschützt.

Gegen 12 Uhr war ich vom Schwedter Bahnhof losgezogen.
Ca. 20 km hatte ich mir vorgenommen Das sollte bis Gartz reichen.

Das Wetter grau, meine Seelenlage auch.
Das linke Knie hörte nicht auf weh zu tun, nicht mal Voltaren konnte es überzeugen, einfach nur zu funktionieren.
Ich zweifelte, ob ich diese Tour zu Ende laufen konnte, freute mich über jede schmerzfreie Minute und autosuggerierte mir, dass es doch ganz gut ginge.

Gestärkt mit diesem GingGanzGut-Gefühl, fing ich wieder an, den Blick von mir (und meinem Knie) zu lenken und die Umgebung zu beobachten.
Es gingganzgut rund auf den Oderkanälen.
Wer immer auch Fahrerlaubnisse hatte, hinterließ im Minutentakt Bugwellen.

St.Tropez an der Oder

Einzig die Kormorane schien der Lärm der Bootsmotoren nicht zu stören, sie ruhten sich am Ufer nach ihren Tauchgängen aus.

Big in Japan

Stören ließen sich auch nicht die Fischer. (Wieso darf man eigentlich in einem Nationalpark angeln?)

Kleiner Stammtisch am Oderufer

Je mehr ich mich Gartz näherte, umso häufiger kauerten sie auf Sandbänken.

Und plötzlich glaubte ich, dass sich mir ein Rätsel gelöst hatte.

Seit ich in den neuen Bundesländern unterwegs war, hatte ich mir die Frage gestellt, warum es in den Dorfkneipen keine Stammtische gab.

Hier lag die Antwort: Der Stammtisch war draußen, an den Ufern der Bäche, Flüsse, Seen und Tümpel. Die Ossis waren Angler. Aber keine einsamen. Sie gingen zusammen, manchmal mit einer Kiste Bier, zu ihren Stammplätzen. Nur dort konnte man die Seele eines Ortes erkunden.

Ich hatte lange gebraucht, das zu begreifen.

Gartz lag vor mir im Nachmittagslicht.

Punktuell schön

Bis vor dem Krieg war Gartz ein wunderschöner Oderhafen.
Dann war auch hier die Front.
Die Stadt wurde zerbombt. 80 % der Substanz verloren. Nie wieder hat sich der Ort von diesem Kahlschlag erholt.

Verbliebene Größe

Gegen 17 Uhr 30 fand ich eine kleine Pension (Unverschämt der Wirt: Er wollte mir nur ein Doppelzimmer vermieten, obwohl nicht ausgebucht!).

Durst: Schneider Weiße (eines meiner Lieblingsbiere!) und danach ein niedersächsisches Pils: Wittinger Bier. Gut. Süffig. (Seit 1429 im Familienbesitz und damit wohl eine der ältesten Privatbrauereien Deutschlands.)

Hunger: Kasseler mit Ei und Bratkartoffeln (9,50 Euro)

So wie es aussah, so schmeckte es: grauenhaft. Die Karte gab aber nicht viel mehr her . Ich hätte dazu noch gewarnt sein müssen. Schon bei der Bestellung roch es penetrant nach zu altem Frittieröl.

Unterkunft: 40 Euro (mit Frühstück).

Götter ist das schön! Der Dammweg nach Hohenwutzen!

30 Grad! In Tropenkleidung unterwegs! 4. Mai!

So far away so close to home

Mein Tagesziel: Hohenwutzen. 29 km entfernt. Immer auf dem Damm entlang. Gegen 9 Uhr aufgebrochen.

(Was für ein Ortsname: Hohenwutzen!
„Wutz“ bedeutet im Pfälzischen „Sau“ – auch im Märkischen? Also ein Dorf, das die „Hohe Sau“ ehrt? Bin ja schließlich gestern auch schon durch „Kuhbrücke“ gelaufen.)

Auf polnischer Seite geschützte Auenlandschaft, auf deutscher ebenfalls.

Natur als Gemälde

Zwei Nationen im ökologischen Gleichschritt. Ein gemeinsamer Nationalpark? Grenzüberschreitend? Zweinationenpark? Das wäre europäisch!

Die Tiere sind jedenfalls den Menschen schon voraus. Haben sich hüben und drüben heimisch gemacht.

Je länger der Tag, umso unfassbarer (für einen Städter!) war, was mir im Oderbruch vor die Kameraflinte kam. Auch wenn meine Optik nicht für Tierfotografie ausgelegt ist, habe ich einfach den Auslöser gedrückt. Erst mit Verzögerung begriff ich, dass ich nicht im Zoo war, sondern den Viechern in freier Wildbahn unglaublich nah kam.

Was für ein Lippenstiftrot, selbst die Fußnägel im gleichen Ton! Ist das eine Störchin ?

Störche sind einfach schöne Vögel. Sie staksen auch nicht, sie flanieren stolz. Ihr Flug ist atemberaubend.

Anmutiger als der lauernde, gleichförmige und bedrohliche Schatten werfende Flug der Greifvögel.

Ein Fischadler erschrak sich vor mir und flüchtete aus einem Baum, an dem ich kurz Rast machen wollte.
Die Kamera konnte ich gerade noch hochreißen. Schon war er weg.

Habe einigen Einheimischen später das Foto gezeigt. Sie versicherten mir, dass ich tatsächlich einen Fischadler auf Zelluloid (klingt komisch im digitalen Zeitalter) gebannt hätte. Dann wollten sie wissen, ob ich auch den Seeadler gesehen hätte, den größten Greifvogel Europas. Ich musste passen. Selbst wenn, ich hätte ihn nicht erkannt.

Isses nun ein Fischadler ?

Kiebitze schossen pfeilschnell an mir vorbei.

bulletproof

Und Schwärme von Schwänen. Schwanschwärme. Schwanschwemme. Wie jetzt?

Schwäne ohne Wagnermusik geht überhaupt nicht

Nicht nur in der Luft ging’s zu wie in einem Taubenschlag. Auch am Boden.

Hätt' ich heute Abend gern' auf der Speisekarte!

Götter, hätt‘ ich nur ’ne Flinte statt ’ner Spiegelreflex, ich hätt‘ mir um mein Abendessen keine Sorgen machen müssen.

Mit Thymian und Knoblauch ? Oder doch eher klassisch ?

Dann gab es ja auch noch den Mikrobereich. Den ich nur in einer Laufpause wahrnehme, wenn ich meine müden Füße im Gras ausstrecke.

69er Stellung ?

Ob die beiden Schmetterlinge eine Kamasutra-Stellung ausprobierten?

Welch schöner Politik freier Tag, dachte (und genoss) ich – bis ich ein paar Fischer traf.

Ich such' nach dem Wort: Prollige Lusuxusfischer? (Bin noch nicht zufrieden.)

Eigentlich sah ich die fishermen fast in jeder Flussbiegung. Egal, ob auf polnischer oder brandenburgischer Seite. Wo es ein wenig seicht und sandig wurde, saßen sie, meist in Tarnuniform. (Muss das Belegfoto unbedingt noch nachliefern!) Ich fragte einen, was die militärische Tarnung sollte, die Fische würden ja schließlich nicht zurückschießen? Er verstand den Witz nicht so richtig und meinte nur, dass sie eben nicht von „außen“ erkannt werden könnten (Polizei? FischScheinÜberPrüfer?)
Und dann legte er richtig los.

1) Dass seit der Wende alles bürokratischer geworden sei. Jetzt müssten sie fürs Angeln überall bezahlen – Lizenzen kaufen und so weiter.

2) Dass die Wessis überhaupt keine Ahnung hätten, wie paradiesisch es hier sei. Und auch schon gewesen war. „Alles eine Familie“!

3) Dass es viele gute Dinge gab in der DDR.

4) Dass die Polen – na ja (auf einmal wurde er vorsichtig) – eben so seien wie sie seien. (Welchen Reim soll ich mir darauf machen?)

5) Und überhaupt!

Jetzt hatte ich ihn doch noch einmal getroffen: Den Jammerossi! Ich hatte ihn schon lange vermisst.

Es war nicht mehr weit zu meinem Zielort.
Das Laufen tat mir mittlerweile weh. Bei irgendeinem fotoshooting mit vorbeifliegendem Vogel hatte ich mir das Knie verdreht.

Ich schaffte es aber noch bis Hohenwutzen.
(Muss unbedingt mal googlen, woher dieser Name kommt!)

Gegen 17 Uhr bekam ich mein erstes Berliner Kindl für 3,50 Euro. (Es gibt einfach keine regionalen Brauereien in diesem Landstrich, wie schade.)

Hunger: Heringsplatte mit Bratkartoffeln. (Rollmops, Brathering, Rotweinheringsfilet). 13,90 Euro.
Preis reichlich übertrieben. Aber die Heringe waren gut. Die Bratkartoffeln allerdings zu fettig (fast triefend).

Unterkunft: 50 Euro (mit Frühstück).

(Jungs (und Mädels) – der Osten ist teuer!)