Spaziergang wie durch einen Jahrmarkt – bis Friedrichshafen

Bodennebel beschwerte den See.
Und wohl auch das Vogelgefieder.
Kaum ein Federvieh in der Luft.

Bodensee-Zaun

Bodensee-Zaun

Gestern war ich mit der Fähre schon auf die andere Bodensee-Seite gefahren. Heute also nur eine Kurzetappe. 19 km von Meersburg nach Friedrichshafen.
(Da ich schon in der Zeppelinstadt gelandet war, lief ich den Weg umgekehrt – und fuhr am Abend mit dem Bus zurück).

GPS-172-Konstanz

GPS-Gesamtstrecke bis 172

Ich war zum ersten Mal ohne meinen schweren Rucksack unterwegs.
Es klingt komisch: Ich spürte im Kreuz einen Phantomschmerz. Mir fehlte Gewicht.

Manche Wege führten ins Nichts.

Tor zu was?

Tor zu was?

Nur langsam verschob sich der Horizont in die Weite, wanderte der Himmel nach oben, wurde die Luft leichter und färbte sich der See marineblau.

Kann Himmel mit Erde (Bodensee) konkurrieren?

Kann Himmel mit Erde (Bodensee) konkurrieren?

In den Stranddörfern See- und Winzerfeste. Trachtengruppen bliesen in die Hörner, Trompeten und Posaunen was das Zeug hielt.

Give me an "A"!

Give me an „A“!

In Saxophone auch.

Shout it out

Shout it out

Beliebtestes Soloinstrument: die Quetschkommode.

(Quetsch) Kommod !

(Quetsch) Kommod !

Ein Spaziergang wie durch einen Jahrmarkt.

Spiel mir das Lied vom ...

Spiel mir das Lied vom …

Wunderschöner Herbstanfang!

Kann so ein Weinbau funktionieren?

Kann so ein Weinbau funktionieren?

Weingrüne Hügel vor Meersburg.

Oder so?

Oder so?

Die Weingüter gut gefüllt. Süßer Wein (Federweißer) floss hektoliterweise. Zwiebelkuchen wurde tonnenweise verputzt.

Große Besenwirtschaft

Große Besenwirtschaft

Meersburg sah nur aus der Ferne still und ruhig aus. Innendrinnen brodelte es. Ein Bus nach dem anderen pumpte die Innenstadt mit Gästen voll.

Kann man im Meer eine Burg bauen?

Kann man im Meer eine Burg bauen?

Ruhe fand an diesem Tag nur der Weingutsbesitzer: Er versteckte sich hinter dicken Gemäuern.

Warum nicht ne Nummer kleiner?

Warum nicht ne Nummer kleiner?

Hunger: Hausgemachte Maultaschen. 9,50 Euro. Köstlich.

T172-Essen-01

Unterkunft: 65 Euro (mit Frühstück).

354 über 352 bis 339 (Plittersdorf)

As ships go by

As ships go by

Abschied von der Pfalz. Habe sie auf der anderen Seite des Rheins gelassen. Bin jetzt im Badischen gestrandet. Der Unterschied kam mir gewaltig vor. Einmal mit der Fähre den Fluss gequert und Deutschland fühlt sich anders an! Diese Sprache! Dazu der badische Akkusativ. Kann man sich daran gewöhnen?

Ja ich weiss, auch die Vorderpfälzer haben einen eigenartigen Singsang. Aus nordpfälzer Sicht (da, wo ich herkomme) hört sich das sehr nach verweichlichten Südländern an.

Das Badische klingt zwar verwandt, aber doch irgendwie einen Zacken eckiger, kantiger, knarziger, effektiver.

Im Biergarten des ehemaligen Zollhauses an der Anlegestelle der Fähre trank ich in einem Zug eine große Apfelschorle, zahlte und machte mich auf den Weg. Rund 19 km bis Plittersdorf lagen vor mir. 30 Grad schon am Morgen.

GPS-155-Neuburg

GPS-Gesamtstrecke bis 155

Der Rhein glich mehr einem überdimensionierten Kanal als einem Fluss. Tulla, der badische Ingenieur, hat in der Oberrheinischen Tiefebene ganze Arbeit geleistet.

Entlang der Altrheinarme große Kieswerke – auf deutscher und französischer Seite.

Der Kieselsteinschatz

Der Kieselsteinschatz

Der Himmel verbarrikadiert.

Kieselsteinübergang

Kieselsteinübergang

Kilometertafeln takteten meinen Weg. Noch 352 km bis zur Rheinquelle.

Route 352

Route 352

Der Strom floss schnurstracks, aber meine Route verlief alles andere als geradlinig. Ich musste mehr den verschlungenen Altrheinadern folgen und durchwanderte eine unter der Hitze ächzende Auenlandschaft.

Grad und Krumm

Grad und Krumm

Mückenschwärme vernebelten bisweilen die Sicht.
Ich mutierte zum Zappelphilipp und suchte den offenen Boxkampf mit der Plage.

Wenn ich Ruhe fand, teilte ich sie mit blauen Libellen.

Tulla-Libelle

Tulla-Libelle

Warum sinken eigentlich gewässerte Boote nicht?
Werden sie von Blicken gehalten?
Oder nageln sie die Fotografen mit Wasserstiften einfach fest? Fotokulisse für den nächsten Schnappschüssler, der kommt?

Das Grade wird krumm

Das Gerade wird krumm

Romantisch ist der Rhein auf dieser Strecke wirklich nicht.

Tullas Geraden-Tick

Tullas Geraden-Tick

Aber interessant.

Zuschauer über Zuschauer, die es sich auf Kiesinseln, Sandbänken und Uferbefestigungen bequem machten. Und dem Strom der vorbeifahrenden Lastkähne das Geleit gaben.

Fluss fließt, Zeit steht

Fluss fließt, Zeit steht

Immer wieder musste ich die Rheinauen kurz verlassen, um einen Zufluss (diesmal die Murg) zu queren.

Im Dörfchen Steinmauern feierte der Bulldogverein sein Jahresfest. Die Mitglieder nennen sich selbst „Landmaschineninfizierte“ und konservieren altes landwirtschaftliches Gerät.
Und wie beim Keinohrhasenzüchterverein oder sonst einem eingetragenen Club steht vor dem Spaß die Registratur. Wir sind in Deutschland!

Ordnung beim Feiern

Ordnung beim Feiern

Castingshow für alte Trecker, Bulldogs, Zugmaschinen.

Maschinen-Registratur

Maschinen-Registratur

Das Meiste aus den 50er Jahren.

Maschine und Handarbeit

Maschine und Handarbeit

Good Old Germany. Die Nachkriegs- und Aufbaugeneration feiert sich noch einmal selbst.

The last German Cowboy

The last German Cowboy

Kein Miniaturspielzeugtraktor kommt an das Original ran!

Bulldog für Rechtshänder

Bulldog für Rechtshänder

Nach 6 Stunden endlich in Plittersdorf angekommen. Ich kannte den Namen bisher nur aus den Verkehrsnachrichten. Etwa wenn Hoch- oder wahlweise Niedrigwasser den Fährbetrieb behindert.

Come together

Come together

Ich lernte, dass es Gierseilfähren gibt. Dass „Gier“ nicht immer nur ein sehr menschliches Verlangen beschreibt, sondern auch einen technischen Vorgang!

Plittersdorf lud am Abend zum Dorffest ein. Die lokale Feuerwehr feierte.

Meister des schlechten Geschmacks

Meister des schlechten Geschmacks

Das Unterhaltungsprogramm: ein grottenschlechtes Gesangsudo.

Liedzeilen, wie: „Mit meiner Balalaika bin ich der König auf Jamaika„.
Zwischenmoderationen á la: „Gott schütze uns vor Hagel, Sturm und Wind und Lieder, die der Hansi Hinterseer singt„.
Ungenierte Schwulenwitze, die sich immer auf „After nun“ reimten.

Niemand lachte, niemand tanzte, die meisten gähnten, die Festhalle halb leer.

Wohin war ich nur geraten?

Ist das die badische Provinz? Im Jahr 2013?

Fränzchens Sonnengesang dröhnt bis Venray

In Kevelaer gibt es noch mehr Devotionalienläden als Pilger. Vekaufsschlager ist, neben dem Gnadenbild Marias, der Heilige Franziskus.
Das hängt wohl mit der Wahl des neuen Papstes zusammen.

Pope I

Pope I

Auf jeden Fall habe ich mir morgens um 10 Uhr ein kleines Fränzchen in den Rucksack gesteckt.

Es sollte mich die 24 km bis Venray in den Niederlanden begleiten.
(Was vielleicht nicht die beste Idee war: Den ganzen Tag sollte Fränzchen mich mit seinem Sonnengesang nerven.)

GPS-128-Kevelaer

GPS-Gesamtstrecke bis 128

Niederländiche Landschaft ändert sich eigentlich nie: ausgedehnte Felder, Bauernhöfe, kleine Ortschaften.

Geparkt

Geparkt

Ab und zu Pferdeweiden.

Gebändigt

Furyland

Eine nette kleine Fähre brachte mich auf die andere Seite der Maas.

Maasvoll

Maasvoll

Was für die Deutschen der Rhein ist, ist für die Niederländer die Maas.
Sie lieben ihren Fluss.

Frau am Steuer

Frau am Steuer

Ich hätte Lust gehabt, eine kleine Schippertour zu unternehmen und mich irgendwohin treiben zu lassen.

Maas ohne Überlaufventil

Maaslos

Ich hatte einen faulen Tag erwischt und musste mich zur Lauf-Disziplin zwingen. Trotzdem war Venray schnell erreicht.

Ein äußerst sympathisches Kleinstädtchen mit schönem Zentrum.
Ein herrlicher Frühlingsnachmittag!

Viele volle Maas

Keine Maas

Beim Bier war mir aufgefallen, dass sich Honoratioren der Stadt versammelten. Ich fragte die Kellnerin, ob eine besondere Veranstaltung geplant sei?

Sie wies mich daraufhin, dass heute der 4. Mai sei!
Bei Sonnenuntergang würde im ganzen Land der Toten des Zweiten Weltkrieges gedacht. Am Vorabend der Befreiung der Niederlande.

Eine sehr würdige Veranstaltung.

Respect I

Respect I

Veteranen, die einst gegen das Hitler-Deutschland gekämpft haben.

Respect II

Respect II

Für mich überraschend, wie stark die kurze militärische Zeremonie besucht war.
Und wie lebendig die Erinnerung gehalten wird.

Respect III

Respect III

Am Fuß des Mahnmals der Weltkriegstoten brannte eine Kerze für die neuen Toten der neuen Kriege.
(Es hört einfach nicht auf!)

Respect IV

Respect IV

Hunger:
Köstliche Tapas, die – um es mit Loriot zu sagen – auf ziemlich übersichtlichen Tellern serviert wurden.

T128-Essen-01

Unterkunft: 70 Euro.

Am Königstag nach Nijmegen

Kalt sollte es sein, die Sonne ab und zu ein wenig aufwärmen, die Gesamtlage gleichwohl diesig und die Sicht verschleiert bleiben.
So war es aus dem Wetterbericht herauszulesen und so trat es auch ein.
Im Wetterdeutsch: ein durchwachsener Tag.

Am Stadtrand von Emmerich, in einem Altarm des Rheins versteckt und geschützt: der Yachthafen.

Gut versteckt

Gut versteckt

Ich hatte dem Städtchen mit den dunklen Fassaden und den heiteren Menschen um 9 Uhr den Rücken zugewandt.
34 km sollte ich bis Nijmegen bewältigen.

GPS-124-Emmerich

GPS-Gesamtstrecke bis 124

Beinahe hatte ich schon das Gefühl vergessen, auf Deichen zu wandern.
Am Rhein konnte ich es wieder. Sehr lang.

Gut integriert

Gut integriert

Keine grandiose Auenlandschaft, aber dennoch schön.
Der Rhein tat seine Arbeit (transportierte Lasten) und ich tat meine (schleppte einen Rucksack, der langsam meine Schultern wundrieb).

Hochlaststrom

Hochlaststrom

Schon nach wenigen Kilometern lief ich wieder auf niederländischen Gemarkungen.
Gemächlich das Leben. Besonders heute – dem letzten Königinnen-Tag. Ein Feiertag, der ab nächstem Jahr Königstag heißen wird. Seit heute hat das Land einen männlichen Regenten: König Willem-Alexander.
Hier schien es niemand so richtig zu interessieren.

Biotop

Biotop

Schön die Altarme des Rheins.

Hausboot mit Yacht

Hausboot mit Yacht

Love-See

Love-See

Kurz vor Pannerden half eine kleine Fähre Fußgängern und Radfahrern die Rheinseite zu wechseln ohne nass zu werden (oder einen großen Umweg machen zu müssen).

Instant-Fähre

Instant-Fähre

Erst als ich schon einige Kilometer linksrheinisch weitergegangen war, fiel mir auf, dass ich überhaupt nicht auf die Rheinteilung geachtet hatte. Bei Pannerden verzweigt sich der Rhein, um anschließend in mehreren Armen ins Rheindelta auszuströmen.

Seltsamerweise nutzten das die Niederländer irgendwann einmal, um den Rhein „verschwinden“ zu lassen. Der dickste und wasserreichste Arm, den ich gerade entlang wanderte, heißt nun „Waal“. Das Rinnsal, das über Arnheim der Nordsee entgegen floss, durfte weiter Rhein heißen.
Ertrugen die Niederländer nicht, dass Papa Rhein vielleicht der Vater zweier Völker/Nationen war?

War der Rhein einfach zu sehr (mythisch und geschichtlich) mit Deutschland verbunden, dass man ihn hier nicht haben wollte?

In früheren Zeiten sollen Franzosen, Engländer und US-Amerikaner öffentlich in den Rhein gepinkelt haben, um Deutschland symbolisch zu demütigen. Tssss.

Streng genommen lief ich also nicht mehr an den Rheinufern!

Was nun ? Waal- oder Rheindorf ?

Was nun? Waal- oder Rheindorf?

Adrett die kleinen Weiler.

Ein Dorf kann nicht schöner werden

Ein Dorf kann nicht schöner werden

Störche lassen sich von der Namensgebung der Flüsse nicht beirren.

Brutjung

Brutjung

Ziemlich genau um halb sechs tauchte die Waal-Brücke von Nijmegen auf. Die Tour geschafft.

Stadt, Waal, Brücke

Stadt, Waal, Brücke

Ein Katzensprung ins Zentrum der Großstadt, aber was für ein Sprung!
Alle Strassen wie ein Tollhaus.

Die Niederländer feierten ihren neuen König.

Es lebe der König!

Es lebe der König!

Kein Platz, an dem es nicht laut wurde.

Es lebe der Alkohol!

Es lebe der Alkohol!

Das Fest war um diese frühe Zeit schon so weit fortgeschritten, das Heer der torkelnden Männer unüberschaubar groß, der Alkoholstrom breiter als der Rhein, den ich entlang gewandert war, dass es vor allem in der Nacht schwierig für mich werden würde, den Vorsprung der anderen einzuholen.
Ich sollte es nicht packen.

Es lebe Einfalt und die Dreifaltigkeit

Es lebe Einfalt und die Dreifaltigkeit

Treiben lassen wie im Rheinstrom!

Es leben die Prinzessinnen!

Es leben die Prinzessinnen!

Nur selten war jemand nicht in Oranje unterwegs.

Es lebe die Schönheit!

Es lebe die Schönheit!

Hunger: Türkisches Brot mit zweierlei Saucen. Köstlich!

T124-Essen-01-imp

Gebratene Gambas an einer schafen Tomatensoße. Mit Bandnudeln. Gekonnt!

T124-Essen-02-imp

Unterkunft: 65 Euro (mit Frühstück).

Lichtfänger und Himmelsblaujäger auf dem Weg nach Norden

Es gibt tatsächlich noch Bimmelbahnen. Auf Langeoog transportiert ein kunterbunter Zug der Deutschen Bundesbahn die Fahrgäste zur Fähre. Nur Wenige wollten an diesem verregneten Morgen des 1. Weihnachtstages zusammen mit mir die Insel verlassen.

Bimmel-Bahn

Die Inselfähre genau so bunt wie der Bummelzug.

Bimmel-Fähre

Ankunft in Bensersiel um 11 Uhr 30. Von dort wollte ich in Richtung des Städtchens „Norden“ wandern und mir unterwegs eine Herberge suchen. Ich konnte nicht ahnen, dass alle (noch einmal betont: alle!) Pensionen und Landgsasthäuser, die am Weg lagen, geschlossen hatten. Also musste ich bis zum Ende laufen: 33 km und tief in die Nacht hinein.

GPS-Gesamtstrecke bis 109

Der Tag reichte mir ein kleines verspätetes Weihnachtsgeschenk nach: Gegen 14 Uhr öffnete sich die dicke Wolkendecke und zog den Grauschleier von der Landschaft.
Ich wurde augenblicklich zum Lichtfänger, zum Himmelsblaujäger!
Ich schloss das Blau in den Meeresbecken am Ufer ein, verriegelte die Ausgänge und ließ es dort für eine ganze Weile nicht mehr hinaus.

The Blue Shore

Wie die eigene Seele wetterfühlig ist! Ich lief leichter, unbeschwerter.

Der Kutterhafen von Dornumersiel in dramatische Farben getunkt.

Fischerboote dramatisch!

Und zum ersten Mal konnte ich vom Festland aus die ostfriesischen Inseln sehen.

Zum Greifen Nah

Gegen 16 Uhr verschwanden die Blaufetzen, die Sonne versteckte sich völlig und Regen setzte ein. Manchmal überfallartig als ein plötzlicher Wasserfall.

Mittlerweile lief ich Landstraßen entlang, die kaum befahren wurden.
Die Dunkelheit kroch in die Felder und irgendwann konnte ich mich nur an den weißen Mittelstreifen orientieren, die auch in der Nacht immer noch schimmerten.

Ich weiß, ich hätte die Tour besser planen, vielleicht am Tag vorher schon einmal ein paar Unterkünfte anrufen sollen.
So wurde es jetzt endlos.

Völlig durchweicht (mein Regenzeug ist einfach nicht mehr dicht!) erreichte ich um 19 Uhr das Städtchen „Norden“.
Im Zentrum lag ein Hotel, das – laut handbeschriebenem Papier an der Tür – heute um 20 Uhr seine Pforten öffnen würde.

Bis dahin trocknete ich mich ein wenig in einer nahe gelegenen Pizzeria. Und verschlang eine pappnasse Lasagne. (8,90 Euro.)

Unterkunft: 38 Euro (mit Frühstück).

Durch eine Friesentür Richtung Heilig Abend in Langeoog

Als ich das Hotel in Carolinensiel verlassen wollte, bekam ich die Haus-Tür nicht auf. Der Wirt wuchtete sich mit seinem massigen Körper gegen das sperrige Holz, stemmte die Tür auf und sagte achselzuckend zu mir: „Friesentür!“

Friesen können aber nicht nur „grob“, sie können auch schnell feinfühlig beleidigt sein. Auch das lernte ich hier. Der Carolinensiel-Hafen trennt „Friesen“ (östlich) und „Ostfriesen“ (westlich). Beide reagieren empfindlich, wenn man sie verwechselt.

Gegen 9 Uhr 30 Carolinensiel Richtung Bensersiel verlassen. 17 km entfernt.

GPS-Gesamtstrecke bis 107

Unterwegs nichts Besonderes. Nur Regen, der den Schnee vom Vortag rasend schnell wegspülte. Und ab und zu ein Campingplatz.

Hardcore Dauercamper

Ich hatte meinen 5-er Schritt (5 km die Stunde) drauf und hielt kaum an, um zu fotografieren.
Was gab es auch schon außer Deich, Wiese (links) und Watt (rechts).

Watt ’n datt ?

Auf halbem Weg lag Neuharlingersiel. Viele behaupten, er sei der schönste Sielhafen der Nordseeküste. Er lag im Regen.

In einem Regentropfen ist (an diesem Tag) vermutlich mehr Leben als in diesem Hafen.

Ich liebe Häfen

Ich trank einen Kaffee im einzig offenen Lokal an der Promenade. An den übrigen Gasthäusern, Lokalen und Pensionen hingen Schilder, die die zufällig Vorbeireisenden belehrten, dass hier die Saison erst ab dem 26. Dezember beginnt.

Um 13 Uhr erreichte ich Bensersiel.
Ich hatte beschlossen, von hier aus zur ostfriesischen Insel Langeoog zu fahren und dort Heilig Abend zu verbringen.

Die Fähre ist wegen einer eigenen Fahrrinne Tide-unabhägig.

Goin‘ to Christmas

Noch immer regnete es in Strömen.
Ankunft auf der Insel: 14:30 Uhr.

Heiß Duschen, Trocknen, Trinken, Essen. Same procedure as every day.

Nicht alltäglich war mein heutiges Vespern. Habe das Weihnachtsmenue um einen Tag vorgezogen.

Taschenkrebssuppe. Exzellenter Geschmack.

Hirschrücken mit Blinis an Steinpilzsauce. Sehr fein. Sauce kräftig, hat dennoch den zarten Braten nicht erschlagen.