Etappenschluss in Wissembourg

Das ist die Pfalz: Burgenland, Waldland, Weinland, Weites Land, Elwedrischeland.

Pfalzblick

Pfalzblick

Der Reihe nach: beim Frühstück aus dem Hotel-Fenster gesehen. Der Mühlweiher in Ludwigswinkel („Saarbacherhammer“) pelzig, fröstelig. Wieder Regen.

Kein Schatz im Silbersee

Kein Schatz im Silbersee

Um 9 Uhr aufgebrochen. Nach Wissembourg im Elsass. 27 Kilometer zu laufen. Das war zu schaffen. Es wurde aber ein langer und anstrengender Tag.

GPS-153-Ludwigswinkel

Selbst Kälte gewohnte Dörfer wie Schönau fröstelten in der Nässe.

Pfalzidyll

Pfalzidyll

Die meisten Fachwerkhäuser frisch renoviert. Nur wenige Fassaden mit dem Charme der Vergänglichkeit.

abgetakelt

abgetakelt

Von Schönau aus nahm ich Anlauf zur höchstgelegenen Burgruine der Pfalz. Die Wegelnburg; 572 m hoch thront sie.

Der Anstieg zunächst sanft durch ein schönes Tal.

Seitental

Seitental

Dann wurde es steil. In kürzester Zeit waren 350 Höhenmeter zu klettern.

Fotografenhorst

Fotografenhorst

Was für ein Blick!
Aber nur für Sekunden. Ich hatte gerade noch Zeit, meine Kamera aus der Hülle zu ziehen. Ich schoss das Foto mehr oder weniger aus der Hüfte.
Sekunden später (und das ist keine Übertreibung!) tobte bereits ein gnadenloses Unwetter über mir und der Burg.

Schutzlos

Ausgeliefert

Ich suchte Schutz unter Steingewölben. Riss die Wolkendecke einmal kurz auf, war die nächste Burg zu erahnen.

Nebelburg

Eingenebelt

Ich beeilte mich, von der Festung herunterzukommen. Die Waldwege waren matschig, rutschig, durch umgefallene Bäume schwer passierbar geworden.

Ab jetzt lief ich stur einen Radweg im Tal entlang, der kleinen Bächen ins Elsass folgte.

Ich hatte das Gefühl, dem Zorn Gottes entkommen zu sein. Hier unten war es nicht mehr ganz so gewitterdunkel wie in den Bergen.

Und plötzlich fiel mir auch ein, worüber ich unterwegs lange gegrübelt hatte.
Wenn es einen speziellen Pfälzer Charakter gab, worin lag das Besondere? Es war der Zorn!

Natürlich sind die Pfälzer so, wie sie oft beschrieben werden: leutselig, gemütlich, manchmal ein wenig provinziell, neugierig und offen. Das Besondere aber ist ihr Zorn. Sie können sich sehr schnell aufregen. Ich selbst wurde als Kind immer wieder „Zornickel“ gerufen. Das ist kein Schimpfwort. Es ist eher ein Staunen über den Urzorn, der schon früh einen kleinen Bankert erfassen kann.

Zorn ist eine Gottes-Tugend (Heiliger Zorn) und nicht wie der Jähzorn eine der Sieben Todsünden.
Vom Zornickel zum Revoluzzer ist es in der Pfalz nicht weit. (Und nicht nur wegen 1848!)

Aber ich war zunächst einmal im Begriff, meine Heimat zu verlassen. Über eine schmale Fahrradbrücke formlos nach Frankreich.

Über Brücken musst du gehen

Über Brücken musst du gehen

Auch Lothringen lag jetzt hinter mir. Ich hatte gerade das Elsass betreten.

Und wurde in Wissembourg neugierig empfangen.

Neugier

Neugier

Ich war angekommen!

Sogar die Sonne lugte kurz durch die Wolken.

A bientôt

A bientôt

Schluss der Etappe!

923 Kilometer in den letzten 6 Wochen gewandert.
Von Papenburg im Norden bis ins Elsass.

3582 Kilometer insgesamt inzwischen zurückgelegt.

GPS-Gesamtstrecke

Viel fehlt nicht mehr, um meine Deutschlandumrundung im Schneckengang zu beenden.

Mit lothringischem Kir euphorisiert, packe ich es bis Bouzonville

Wauw! Welch ein Empfang durch die Grande Nation.

echtes fake

echtes fake

Noch keinen Schritt nach Frankreich gesetzt und schon stand ich vor dem Eiffelturm. Pfiffige Marketingfachleute hatten eine Kopie des Stahlwerks direkt auf die Grenze zu Lothringen gesetzt. Nur einige Meter hoch. Aber mit pefekter Illusion.

T146-Lothringischer Eiffelturm-02-imp

Um halb 10 das Hotel verlassen, mein Ziel war eigentlich, ein bisschen durch Lothringen zu stolpern und an Frankreich zu schnuppern, aber wieder auf deutsches Gebiet zu wechseln. Es kam anders. Ich lief völlig euphorisiert bis Bouzonville. 30 km weit.

GPS-146-Schengen

GPS-Gesamtstrecke bis 146

Schilder wiesen mich darauf hin, dass ich mich erneut auf dem Jakobsweg bewegte. Sierck-les-Bains an der lothringischen Mosel ist ein Pilger-Stopp.

schokoladenbraun aber keine Schokoladenseite

schokoladenbraun aber keine Schokoladenseite

In dem Städtchen traf ich zwei entnervte Deutsche auf Pilgerreise nach Santiago de Compostela, die den tagelangen Dauer-Regen nicht mehr abkonnten und ans Aufgeben dachten.

Dabei hatte es der Wettergott heute gut mit uns gemeint. Kaum ein Tropfen, sogar ab und zu ein Sonnenstrahl.

Sierck war so wie ich mir lothringische Dörfer vorgestellt hatte: graubraun, ein wenig ungepflegt, urwüchsig, massiv, sogar ein bisschen trist.

gedrängt

gedrängt

Ich hatte zudem erwartet, eine eindeutige Sprachgrenze zu übertreten. Dass ich ab jetzt französisch würde sprechen müssen, das ich aber so gut wie nicht beherrsche.

Weit gefehlt. Schon als ich einen Espresso im ersten Café Siercks zu mir nahm, philosophierte eine gut gelaunte Wirtin mit mir in Deutsch übers Sauwetter: „Katastrophe!“ (Wie bezaubernd betont!)
Ich fragte die Dame, ob noch viele Lothringer Deutsch reden würden, ich hätte das Gegenteil gelesen.
Sie meinte, fast alle älteren Leute entlang der Grenze würden Lothringer Platt sprechen, ihre Generation der 50jährigen nur noch zum Teil.

Sierck war einst Sitz der lothringischen Herzöge. Mit Genießerblick überwachten sie von ihrer Burg aus den Moselverkehr.

at it's best

at it’s best

Das lothringische Grenzgebiet ist hügelig. Ständig wechselt Auf mit Ab. Doch immer hatte ich das Gefühl, mich in einer weiten, großzügigen Landschaft zu bewegen.
Auch wenn die Dörfer so angelegt waren, als würden sie an Hängen, in Mulden und Tälern Schutz suchen.

Fremden gegenüber machen sie sich größer und wuchtiger als sie sind.

Breitseite

Breitseite

Schon im ersten Dorf blieb ich hängen. Ich hörte Stimmen aus einer Gastwirtschaft und trat ein.
Ich bestellte mir zunächst ein Elsässer Bier. Dann sah ich, was der Wirt für seine Gäste mixte und bestellte es ebenfalls.

„Lothringischer Kir“ nannte er das Getränk!

Savoir vivre

Savoir vivre

Absolut köstlich. Ein kräftiger Schuss Mirabellenlikör, dazu Elsässer Crémant und eine lothringische eingelegte Mirabelle.

T146-Lothringischer Kir-01

Ich radebrechte erst ein bisschen Französisch, bis der Wirt Mitleid mit mir bekam und mich auf Deutsch ansprach.
Von ihm hörte ich die gleiche Geschichte wie schon bei Tagesbeginn.
Fast alle hier im Grenzgebiet sprächen Deutsch. Die Alten sowieso. Die Alten plapperten auch miteinander im lothringischen Platt. Seine Generation beherrsche das Platt ebenfalls, allerdings – und das sei der Unterschied zu früher – spreche man unter Freunden nur noch Französisch.

Aber auch die Jugend, zumindest im Grenzgebiet, lerne Deutsch, da viele in der Bundesrepublik arbeiten würden oder bei eine deutschen Firma in Luxemburg. Überhaupt, wer in Luxemburg arbeite, müsse sich zumindest einigermaßen auf Deutsch veständigen können.
In den Dörfer rings um würde von 3 Jugendlichen mindestens einer einen Job in Luxemburg haben.

(Ich bekam immer mehr Achtung vor dem kleinen Land, das nicht nur die Billigtanke, sondern auch der Arbeitgeber einer ganzen Grenzregion war.)

Euphorisiert von der angenehmen Unterhaltung und dem Mirabellen Kir durchstreifte ich Lothringen und verliebte mich in die Landschaft. Zumindest heute wollte ich nicht mehr nach Deutschland zurück.

love it

love it

Alles andere als eine reiche Gegend.

kein Fassadenbauernhof

kein Fassadenbauernhof

Aber authentisch.

bäuerlich

bäuerlich

Auf den Feld- und Waldwegen immer wieder Wegkreuze. Zum Teil aus den Anfangsjahren des 19. Jahrhunderts. Die meisten – egal ob aus Stein oder Stahl – verwittert.

Vor diesem Gott musste sich niemand fürchten. Es schien, als bräuchte er Schutz und Erlösung. Ergreifend, wie alleingelassen und verloren in der Zeit der sonst so Allmächtige wirkte.

Jesus auf Mooskissen

Jesus auf Mooskissen

Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass diese alten Kreuze dem Spaziergänger, Bauern, Sünder (oder wem auch immer) keine Angst einjagen wollten. Sie übertrugen keine Furcht auf den Betrachter, Furcht vor Strafe, Fluch, Verdammnis.
Sie zeigten einfach Leid und die Sehnsucht nach Erlösung.

Zeit nagt

Zeit nagt

Ich dachte über das Wort Erlösung nach.
Ich weiß nicht, ob andere Religionen, ob Hellenen und Römer in ihrer Götterwelt einen Erlöser hatten.
Aber erlöst zu werden, ist ein genialer Gedanke.
Viel besser als wiedergeboren zu werden und dich von neuem abarbeiten zu müssen an irgendeinem anderen Leben (in christlicher Sprache wäre das wohl die Schuld).

Auf schwere Gedanken folgten beschwingte, fast heiter wirkende Frühlings-Landschaften.

Dreamland

Dreamland

Alle Grünnuancen, die der Mai anrühren konnte!

lothringisches Grün

lothringisches Grün

Über meiner Wanderung war es spät geworden, der Himmel hatte sich wieder bedenklich eingeschwärzt.

Nach 8 1/2 Stunden empfing mich das Kleinstädtchen Bouzonville mit einem ausgedehnten Friedhof.

Fürchte dich nicht

Fürchte dich nicht

Und in Sichtweite: eine für einen kleinen Ort reichlich mächtige Kirche.

Trutzkirche

Trutzkirche

Bouzonville hieß früher „Busendorf“. (Don’t make jokes with names!)

Es gab lediglich (oder immerhin) ein Hotel, das nicht leicht zu finden war. Ich fragte mich problemlos durch (bei älteren Herrschaften und auf Deutsch).

Hunger: Das Abendmenü (29 Euro).
Vorspeise: Weinbergschnecken. (O.K.)
Hauptspeise: Lachsfilet an Currysauce mit Orangen. (Sehr gut kombiniert, feiner Geschmack, gut gewürzt.)

T146-Essen-03

Der Clou: Dazu gab es hausgemachte Spätzle, die ebenfalls leicht mit Curry und Orangen aromatisiert waren. Schmeckte leicht und sehr gut.

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Nachspeise: Faisselle mit Kiwisauce. (Einfach zuzubereiten: Frischkäse mit Kiwipüree mischen. Köstlich!)

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Unterkunft: 63 Euro (mit Frühstück).

Über den Jakobsweg nach Vianden

Das freakige Pärchen, das das Harley-Davidson-Fanclub-Hotel betrieb, erzählte mir zum Frühstück, dass es hier im deutsch-luxemburgischen Grenzgebiet viele Niederländer gäbe, die Hotels, vor allem aber Campingplätze betrieben.

Dasburg sei ein Zwischenstopp auf dem Jakobsweg, der aus dem Rheinland bis ins galizische Santiago de Compostela führe.
Kundschaft käme automatisch.

Es ist ja auch eine grandiose Landschaft, wenn man sich zu den Regenschleiern noch ein wenig spanische Wärme einbildet!

Nebeltal

Nebeltal

Um halb 10 Dasburg über einen steilen Berg verlassen, der mich schon früh ins Schnaufen brachte.

Mein Ziel: Vianden in Luxemburg. 21 km entfernt.

GPS-140-Dasburg

GPS-Gesamtstrecke bis 140

Der Regen war nicht stark, es nieselte mehr. Nach dem Anstieg jetzt ein langer Bergkamm mit wunderschönen Aussichten. (Wäre da nicht der Grauschleier gewesen!)

Ich wunderte mich über nasse Wollfetzen an Sträuchern. Als ich sie genauer inspizierte. merkte ich, dass es nicht Schafswolle war, wie ich vermutet hatte. Samen der Pusteblumen hatten sich zu nassen Lappen verklumpt und hingen wie Sperma von den Dornenbüschen.

Ob sich diese Fliege von ihm befruchten lassen wollte?

T140-Mücke-01-imp

Ein Esel sah dem sinnlosen Kopulationsversuch zu.

Das Haupt vor Scham geneigt

Das Haupt vor Scham geneigt

Das Tal der Our war schnell erreicht. Und damit die Grenze zu Luxemburg.
Im ersten Gasthaus, direkt hinter der Grenzbrücke, löschte ich meinen Durst und unterhielt mich ein wenig mit der alten (fußlahmen) luxemburgischen Wirtin.
Ich wollte von ihr wissen, ob es irgendwelche Schwierigkeiten mit dem Nachbarn gibt.
Sie verneinte und meinte, dass die Deutschen in den letzten 10 Jahren lockerer geworden seien.
Es gebe aber noch einige wenige Luxemburger, die Deutsche nicht mochten. Wegen des Krieges. Das seien vor allem die Baskenmützenträger.

Nur wenige Dörfer schmiegten sich entlang des Flusses.
Ich sah kaum Menschen und schon gar keine Baskenmützenträger.
Der Tag war zu unwirtlich.

Eingefasst

Eingefasst

Es war nass und kalt. Und ich war froh, als sich endlich Vianden ankündigte. Spektakulär die mächtige Stauferburg auf dem steilen Waldhang. Wenn auch ziemlich verwaschen das Bild.

Kein Weg nach oben

Kein Weg hinauf

Es goss in Strömen und mein Kameraobjektiv war nicht mehr schlierenfrei zu bekommen.

Alle Wege führen vorbei

Alle Wege führen vorbei

Vianden ist einer der wichtigsten Tourismusorte Luxemburgs.

oben-unten

oben-unten

Aber eigentlich gibt es (außer der Burg) nicht viel zu sehen. Das Mini-Städtchen ist äußerst provinziell, fast langweilig.
Und das lag nicht nur am Wetter.

Strassen ohne Saison

Strassen ohne Saison

Um 3 Uhr ein Hotel direkt an der Our gefunden. (Es gibt viele!)

Durst: Diekirch Pils. (Luxemburgische Brauerei, seit 1871. Vor kurzem von einem belgischen Konzern übernommen.) Schmackhaft!

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Hunger: Judd mat Gaardenbounen an Speckgromperen. (Geräucherter Schweinenacken mit dicken Bohnen. In einer Kräutersoße. Dazu Speckkartoffeln).

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Das Gericht ist eine luxemburgische Spezialität und war außerdordentlich gut zubereitet. Als ich den Teller leergeputzt hatte, brachte mir die Bedienung die gleiche Portion noch einmal. Es hatte ihr gefallen, wie ich mich über das Essen hergemacht hatte.

Am Nebentisch saß eine kleine Runde Einheimischer, die sich im Luxemburger Dialekt unterhielten. Eine beschwingte schöne Sprachmelodie! Ich hörte der Sprechmusik gerne zu und verstand durchaus einiges. Sehr weit weg vom Pfälzischen ist die luxemburgische Sprache nicht.

Kurios: ein Fahrstuhl zum Klo!

T140-Toilette-01-imp

Unterkunft: 80 Euro (mit Frühstück).

Auf Erinnerungswegen nach Winterspelt

Es waren keine konkreten Kindheitserinnerungen, aber beständig pulste ein Gefühl des Bekannten in mir.
Ich war hier schon einmal!

Durchblick

Durchblick

Gestern, als ich abgekämpft durch den Torbogen der Burganlage zum Hotel gegangen war, hatte mich diese Ahnung beschlichen.

Nicht dass ich mich an diese fantastischen Türheiligen erinnerte.

Shivering outside

Shivering outside

Mit 6,7 Jahren sind einem solche Verzierungen ziemlich Wurst.

never shivers

never shivers

Und auch die kunstvolle Art Jesus immer wieder aufs Neue an Stein zu nageln, um die Kreuze dann an den schönsten Plätzen der Anlage aufzurichten, interessiert einen Erstklässler reichlich wenig.

always on the bright side of life

always on the bright side of life

Woran ich mich erinnerte war, dass ich vor über 50 Jahren einige Male mit meinem Patenonkel, meiner Tante und meinem zwei Jahre jüngeren Cousin Ferien in der Eifel verbracht hatte. Seitdem war ich nie wieder in die Eifel zurückgekehrt.
Gestern Abend rief ich meine (inzwischen über 80jährige) Tante an und fragte sie aus, wo wir denn damals gewesen seien.
Es war Kronenburg.

Meine Tante war hier geboren und durch diese Tür sind wir damals in das Haus ihrer Familie gegangen.

1603 !!!

1603 !!!

Der Onkel meiner Tante wohnte hier im Haus mit den rosa Türen.

Shivering inside

Shivering inside

Und gleich nebenan dessen Schwester. In diesem Garten tollte ich als Kind 3 Wochen lang!

Mein Ferienhaus

Mein Ferienhaus

Viele Erinnerungen habe ich nicht mehr an diese Zeit. Eigentlich nur noch eine konkrete: Ich hatte damals meinem jüngeren und staunenden Cousin nachdrücklich versichert, dass es weder einen wirklichen Nikolaus gäbe noch einen realen Osterhasen der Geschenke brächte. Und für diese Desillusionierung seines Sprösslings hat mir mein Onkel eine ziemlich schmerzhafte Ohrfeige verpasst.
Dieser Vorfall hat mir die Eifel für lange unsympathisch gemacht.

Die Tante meiner Tante wurde übrigens gesegnete 105 Jahre alt. Die letzten lange Jahre musste sie in einem Pflegeheim verbringen, was ihr Vermögen auffraß, das im Wesentlichen aus dem Haus bestand.
Auch die restlichen Häuser der Familie meiner Tante (alle in der Burganlage) sind längst verkauft.

Die Neu-Besitzer: vermögende Unternehmer aus Bonn, Köln oder Aachen. Sie haben Kronenburg zu einer Wochenend-Ferien-Residenz gemacht.

Jetzt verstand ich auch, warum in den Straßen dieser wunderschönen Anlage keine Bewohner zu sehen waren.
Kein Wochenende!

Museumsstille!

Mehr als ein Hügel

Mehr als ein Hügel

Es hatte mich am Morgen einige Zeit gekostet, eine Einheimische aufzutreiben, die sich an meine Tante und die Geschichte ihrer Familie in Kronenburg erinnerte und die mir auch die Häuser zeigen konnte, dich ich natürlich nicht mehr kannte.
Eine freundliche zufriedene Frau, die so gar nicht zu meinem Vorurteil der knorrigen, ruppigen und in sich gekehrten Eifeler passte.

Um halb 11 verabschiedete ich mich von ihr und nahm mein eigentliches Tagesziel ins Visier: Winterspelt. 32 km entfernt.

GPS-138-Kronenburg

GPS-Gesamtstrecke bis 138

Der kürzeste Weg nach Winterspelt führte über Belgien.

Auf dem Weg dahin kein Horizont ohne Windspargel. Sie machten ziemlich Lärm!

Wind Wind, lautes Kind!

Wind Wind, lautes Kind!

Kurz hinter Kronenburg war es vorbei mit Nordrhein-Westfalen. RHEINLAND PFALZ begann. Meine Heimat! (Wenn ich mich auch mehr als Pfälzer fühle denn als Rheinlandpfälzer (mit den Rheinländern habe ich wenig am Hut).)

Der erste Ort: Hallschlag. Unwirtlich, rau, kalt, abweisend.

Schläge hallen

Schläge hallen

Abgekoppelt von der Welt. Selbst die Eisenbahnschienen wurden entfernt.

Ausrangiert

Ausrangiert

Früher, das heißt vor dem Schengener Abkommen, gab es außerhalb Hallschlags Zollhäuser, direkt an der belgischen Grenze.
In einem arbeitete (und wohnte) mein Patenonkel, dem ich meinen zweiten Vornamen verdanke: „Alois“ (pfälzisch ausgesprochen und auf dem ersten Vokal betont: „Allwis“).

Von seinem Arbeitsplatz konnte er sein Einsatzgebiet ins Visier nehmen. Das deutsch-belgische Grenzgebiet.

Grenzen sind schön

Grenzen sind schön

Mir klingen noch seine Erzählungen im Ohr, wie er hier heldenhaft Schmuggler gejagt und bis 1985 (Schengen!) hinter Schloss und Riegel gebracht hatte. Nur was genau damals geschmuggelt wurde, das wusste ich nicht mehr.

Zum letzten Mal durchquerte ich auf meiner Grenzwanderung kleine belgische Dörfer. Allesamt mehrheitlich bewohnt von der deutschsprachigen Minderheit.

Ganz unten im Tal sprang ich von Belgien nach Deutschland zurück.

Über Brücken musst du geh'n

Über Brücken musst du geh’n

Ob mein Onkel auch auf diesem Brückchen Schmuggel-Halunken gejagt hatte?

Eine halbe Stunde weiter oben – auf einem (ziemlich mühsam zu bewältigenden) Hügel – lag Auw.
Hungrig und durstig betrat ich die Dorfgaststube. Ich bat um Wasser (Sprudel) und Bier (Bitburger) und um eine Suppe.

Die Wirtin fragte, ob ich ihre Brennnesselsuppe probieren möchte. Die habe sie eigentlich nur für die Familie gekocht.
Warum nicht.

T138-Essen-02

„Geschnitten, nicht püriert“!

Das, so erklärte mir die Wirtin, sei extrem wichtig für den guten Geschmack! Sie schneide die jungen Brennnesseln mit der Schere in die Brühe. Püriert schmecke das ganz anders und längst nicht so intensiv.

Ich fragte sie, ob sie die Brennnesseln selbst ernte und wie sie das mache ohne sich ständig zu verätzen.
Sie meinte, sie fasse die Pflanzen mit bloßen Händen an, das mache ihr überhaupt nichts.
Mutig!

Ich fragte sie, ob sie sich an die Schmugglerzeiten hier erinnere?
Und wie!

Geschmuggelt wurde in den 50er und 60er Jahren vor allem Kaffee! Die Männer aus den Dörfern gingen in das nahe Belgien und kauften dort säckeweise Kaffee, der in Deutschland als extremer Luxus galt.
Wie oft waren sie von den unbarmherzigen Zöllnern ertappt worden und hatten ihre vollen Kaffe-Säcke in das Grenzbächlein werfen müssen.
Geschmuggelt wurde damals auch viel Tabak. Überwiegend Pfeifentabak, den man noch selbst zurecht schneiden musste.

Später kamen dann Zigaretten und Alkohol dazu.

Sie hatte feuchte Augen als sie von der Vergangenheit sprach.

Ich bezahlte, bedankte mich für Suppe und Auskunft und ging meinen Weg weiter.

Schneifelhaus

Schneifelhaus

Ich durchlief die Schnee-Eifel. Berühmt dafür, dass man hier auch im Sommer friert. Die Häuser robust. Der Wind schob die Wolken über die Bergdörfer. Dort hatten sie Gelegenheit sich auszuregnen.

Himmel drückt

Himmel drückt

Selbst steinerne Wegkreuze hingen windschief in den Feldern.

Windschief

Windschief

Die Höhe hatte mich ausgekühlt und die gelegentliche Sonne vermochte mich nicht aufzuwärmen. Nach bald 9 Stunden Wandern sehnte ich mich nach einer Unterkunft!

Welch eine Gemeinheit, dass ich noch einmal – kurz vor Schluss – einen heftigen Anstieg vor mir hatte.

Es gibt kein Ende!

Es gibt kein Ende!

Selbst Straßentunnel mussten in der Schnee-Eifel massiv gebaut werden, um nicht vom Wind weggeweht zu werden.

Door to what ?

Door to what ?

Winterspelt um halb acht erreicht.

Am Schluss gibt's immer 'ne Kirche

Am Schluss gibt’s immer ’ne Kirche

Hunger: Wiener Schnitzel mit Pommes. (Ich war in einem gutbürgerlichen Restaurant gelandet. Ich hätte auch noch Jäger-Schnitzel oder Schnitzel Hawaii wählen können). 9 Euro.

T138-Essen-01

Unterkunft: 40 Euro (mit Frühstück).

Mit Stubbis Hilfe bis Aachen

Das Schönste in Heinsberg ist die Straße, die hinausführt.

Klingt gemein, aber so war mein Eindruck.
Langweilige Innenstadt.
(Allerdings – das entnahm ich einem Faltblatt – sollte bald das „Internationale Gitarrenfestival“ in der Stadt beginnen. Immerhin!)

Und gut: Es gibt auch noch St. Gangolf mit einem Ritterturm, der die Stadt überragt.

Das Schönste von Heinsberg

Das Schönste von Heinsberg

Ich beeilte mich, wegzukommen. Um Viertel nach neun lief ich unterhalb der Burg Richtung Stadtausgang. Ziel: Aachen. 36 km entfernt.

GPS-131-Heinsberg

GPS-Gesamtstrecke bis 131

Wie Heinsberg, so auch die umgebende Landschaft. Nichts, was haften bleibt. Am Interessantesten noch die Kritzeleien an Straßenunterführungen.
(Graffito kann man das aber nicht nennen.)

Das Schönste an der Landschaft um Heinsberg

Das Schönste an der Landschaft um Heinsberg

Die Straßen endlos lang und endlos gerade.
Wie sich hier Unfälle ereignen können, ist mir ein Rätsel.
Aber junge Prolls in ihren getunten Wagen (davon sind eine Menge an mir vorbei gerast) treiben die lokale Polizei offenbar in die Verzweiflung.

Bekennerschreiben

Bekennerschreiben

Der Einfluss der Stadt Aachen war bereits deutlich zu spüren. Die Besiedlung wurde immer dichter.
Die Dorfplätze dafür allerdings immer leerer.

Wie belebt man ein totes Zentrum?

Wie belebt man ein totes Zentrum?

Das Marschieren fiel mir zunehmend schwer. Die vergangenen Tage mit Strecken von meist deutlich über 30 km hatten mich zermürbt.
Alle 2 Stunden hielt ich erschöpft an, um mich mit einen Stubbi aufzufrischen und wieder gehfähig zu machen.
„Stubbi“ nennen die Einheimischen hier ein kleines Bier.

Stubbitester

Stubbitester

Über Jahrzehnte war die Region durch Steinkohlebergbau geprägt. Geblieben sind noch Abraumhalden, inzwischen begrünt.

Hubbel

Hubbel

Das Flachland lag hinter mir. Es wurde wellig. Manchmal geradezu steil. Wie in den langweiligen Straßen von Herzogenrath.

Von nun an geht's bergab

Von nun an geht’s bergab

„Eurode“ – so nennt sich symbolisch die Städtepartnerschaft zwischen der deutschen Stadt Herzogenrath und der niederländischen Stadt Kerkrade.

Partner

Partner

Eigentlich waren beide einmal zusammen eine Gemeinde. Die Geschichte hat sie aber 1815 getrennt.
Zumindest symbolisch sind sie wieder zusammengewachsen.

Zum letzten Mal stand ich genau auf der Grenzlinie zwischen Deutschland und den Niederlanden.
Fast 450 km war ich diese Grenze entlang marschiert.

Jetzt war es genug.

Aachen war nur noch 11 km entfernt. 6 Kilometer schaffte ich noch zu Fuß. Dann nahm ich mir am Stadtrand einen Bus ins Zentrum.

Ich war kaputt. Aber zufrieden.

Ein grenzenlos schöner Tag bis Heinsberg

Glück gehabt gestern! Gelaufen, bis der ganze Körper nicht mehr konnte, und dann diese wunderschöne Unterkunft gefunden. Mit Ausblick zur Maas.

Blick nach vorn

Blick nach vorn

Mit Rücktür zur Burg.
Ein alter Wachturm aus dem 10. Jahrhundert ist der Kern der Anlage.
(Gibt es neben Wachtürmen auch Schlaftürme?)
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage zur Ruine geschossen.

Blick nach hinten

Blick nach hinten

Von der Frühstücksterrasse zum Ufer sind es ein paar Stufen.

Frühstücksblick

Frühstücksblick

Kurz nach 9 Uhr aufgebrochen. Mein heutiges Ziel: zurück nach Deutschland, nach Heinsberg.
33 Kilometer Fußweg.

GPS-130-Kessel

GPS-Gesamtstrecke bis 130

Die Maas wieder mit einer Fähre gequert (1 Euro).

Ping Pong Fähre

Ping Pong Fähre

Ich hatte mir nicht vorgestellt, dass dieser niederländische Fluss so pittoresk sein konnte.

Maas Romantik

Maas Romantik

Am anderen Ufer umschloss mich die Farbe Weiß.

Weite Wege Weite Felder

Weite Wege Weite Felder

Kilometerlange Blütenallee.

Die Farbe der Reinheit

Die Farbe der Reinheit

Nichts machen die Niederländer „klein“. Alles ist „big“!

Gigantische Spargelfelder, nicht enden wollende Obstplantagen, Tulpengewächshäuser, die in den Horizont hineinwachsen, Kuhställe so groß wie Flugzeugterminals, Einkaufszentren mit mehr Fläche als Kleinstädte.

Die Niederlande ist ein Masse-Land.
Small is beautiful, but small is not here.
(Habe z.B. nirgendwo einen kleinen Biohof gesehen.)

Den Menschen, denen ich in den Dörfern begegnete, sah man keine bäuerliche Herkunft an, auch wenn sie in der Landwirtschaft arbeiteten. Das war mir eigentlich in der ganzen Region Limburg aufgefallen. Die Bewohner wirkten eher wie Kaufleute, Angestellte von mittelständischen Unternehmen, Dienstleister, nicht aber wie Ackerer, Landwirte, Knechte. Schwielen an den Händen sah ich keine.

Vielleicht hängt dies auch mit der Größe der Höfe zusammen, die eher wie Industriebetriebe geführt werden.

Eine eingezäunt Mühle aus dem 17.Jahrhundert. Erbaut 1604!

Letzte Mühle vor der Ausfahrt

Letzte Mühle vor der Ausfahrt

Die Ortsdurchfahrten in den Niederlanden sind oft durch „Drempels“ geschützt.

Sprachschön

Sprachschön

In deutscher Behördensprache sind das „Bremsschwellen“ oder „Fahrbahnschwellen“.
Die schönste Bezeichnung stammt aus Belize: „sleeping policeman“.
In Frankreich: „dos d’âne“: Eselsrücken.
In Mexiko: „tope“.
In den USA: „Mexican bumps“.
In Peru: „rompe muela“: Backenzahnbrecher.
Im Westfälischen: „Bremshuppel“.
In der Bundeshauptstadt: „Berliner Kissen“.

In manchen Ortschaften fühlte ich mich beobachtet.

Wer hat Angst vor Virginia ?

Wer hat Angst vor Virginia ?

Zwischenstation in der Stadt Roermond.

Hier mündet die Rur (Roer) in die Maas. Roermond ist ein Einkaufszentrum mit einem enorm großen Outlet-Center. 2,8 Millionen Besucher kommen jährlich zum Shoppen. Die meisten aus dem nahen Deutschland.

Die Straßen wirken britisch.

Is it british?

Is it british?

Durst: Heineken. Stolzer Preis am Marktplatz: 4,70 Euro.

T130-Bier-01

Habe mir sämtlich erreichbaren Biere beim Nachbarn durch die Kehle laufen lassen: Heineken, Amstel, Grolsch, Brand.
Fast alle schmecken sehr ähnlich. Süffig, leicht konsumierbar. Wenig Nachhall. Kaum eigener Charakter. Auf Massengeschmack getrimmt.
Einzige Ausnahme: Jan Hertog!

Wegheilige und Wegkreuze hätte ich in den eigentlich calvinistischen Niederlanden nicht erwartet.
Aber sie gab es überall, in den Dörfern und besonders auch in den Städten.

Katholische Niederlande

Katholische Niederlande

(Ich hatte mich mal wieder geirrt. Die Katholiken bilden mittlerweile die größte Religionsgemeinschaft im Land.)

Marienkult

Marienkult

Marienkult

Marienkult

Sint Odilienberg. Eine Abtei (aus dem 11. Jahrhundert !), von der aus die Christianisierung der Niederlande betrieben wurde.

Klosterplätze werden immer von Fotografen ausgesucht

Klosterplätze werden immer von Fotografen ausgesucht

Kurz hinter Posterholt: die Grenze war erreicht.
Antje saß auf einer großen Fritten-Tüte, ziemlich genau auf der Grenzlinie.
Sie sagte, sie käme vom niederländischen Tourismusverband und wolle von mir gerne wissen, wie mir das Land gefallen habe. Jetzt, da ich es verließe.

Antje will's wissen

Antje will’s wissen

Ich erzählte Antje, dass ich mich entschieden hätte ihre Landleute wirklich zu mögen!
Ich hätte ausnahmslos nette, aufmerksame, kommunikative und sehr hilfsbereite Menschen erlebt.
Von Vorurteilen und Vorbehalten hätte ich nichts gespürt.

Ob mich denn wirklich gar nichts gestört hätte?

„Doch“, antwortete ich: „Eine Sache gab es! Die Rudelbildung. Wenn du alleine an einem Tisch im Biergarten oder auf einer Restaurant-Terasse sitzt, kann es sehr schnell passieren, dass du ungefragt von einer Herde gut gelaunter und sich laut unterhaltender Menschen umzingelt wirst. Sie nehmen einfach an deinem Tisch Platz. Etwas, was in Deutschland, Spanien oder Frankreich nie geschehen würde.“
Am Anfang hätte ich das rücksichtslos gefunden, mich dann aber gefragt, ob meine Wahrnehmung falsch sei. Vielleicht ist das einfach nur „unkompliziert“.
Antje lachte.

„Ich finde Euch cool!“ schmeichelte ich ihr und verabschiedete mich.

Zwei Stunden fehlten noch bis Heinsberg.
Meine Fußsohlen brannten und ich hätte Lust gehabt, meine Füße in einem der vielen Baggerseen abzukühlen.

Der Maianfang fühlte sich bereits wie Sommer an.

Sommer im Frühling

Sommer im Frühling

Spring in the city

Spring in the city

Ankunft nach 9 1/2 Stunden. Erschöpft.

Die Auswahl der Restaurants in Heinsberg schwankt zwischen türkisch, griechisch, italienisch und italienisch griechisch, türkisch.

Ich wählte griechisch.

Hunger: Gegrillter Schafskäse (in Flüssigform). Pikant gewürzt. Gut.

T130-Essen-02

Dazu etliche Biere (Veltins), um mich herunter zu kühlen.

Unterkunft: 47 Euro.

Auf zum Aal Essen in Kappeln!

Ich hasse Maiskörner im Gemischten Salat.
Diese Mode kam irgendwann in den 70er Jahren auf. Dosen-Mais-Körner. Wie grauenhaft.
Sollte damals wohl so etwas wie Moderne, Internationalisierung, Globalisierung signalisieren.

Diese (ich dachte längst ausgestorbene) Marotte hat sich hier im hohen Norden erhalten.
Immer wieder wird mir in „gutbürgerlichen“ Lokalen solcher Unsinn serviert.

Mittlerweile wächst auch in Deutschland Mais nicht mehr aus Dosen sondern in Feldern.
Massenhaft.

Maispreis = Spritpreis

Der Mais landet aber nicht auf dem Teller, sondern in Biogas-Anlagen und im Benzintank.
Vielleicht doch pervers: Lebensmittel, mit dem wir Auto fahren.

Endlos die Maisfelder, an denen ich vorbei wanderte.

Um 9 Uhr hatte ich wieder den ersten Schritt getan. Mein Ziel: Kappeln. 34 km weit weg.

GPS-Gesamtstrecke bis 085

Ich liebe alte Häuser. Fassaden, die ihre Geschichte erzählen.
Ob hier schon die Ur-Ur-Ur-Ur-Großeltern der Eigentümer gewohnt haben?
Erbaut 1799! Vor 213 Jahren! Allen Stürmen getrotzt!

1799

Das Gehen fiel mir heute leicht. Eher grauer Tag. Eher kühl.

Stets ein bauliches Kleinod am Wegrand: Gut Ludwigsburg.

Nordischer Schick

Ende des 14. Jahrhunderts eine Ritterburg. Dann Sitz von Baronen, heute ein Landwirtschaftliches Gut mit Hofladen und Café.

Landschaftlich wenig Abwechslung. Maisfelder, Rübenfelder, zackernde Bauern, kleine Dörfer.

Leicht wellig die Gegend. Mir fiel auf, dass – wie bereits lange auf meiner Wanderung -, nicht mehr Kirchturmspitzen Dörfer ankündigten, sondern Windräder. Nicht unbedingt schön. Bedenkt das eigentlich ein Gemeinderat?

Gegen 18 Uhr in Kappeln angekommen. Überaus reizvolle Lage an der Schlei. Schade, dass das Wetter immer mieser wurde.

Das Tor weit offen

Hunger:
Am Hafen war ein originelles Fischrestaurant.
Es gab keine Speisekarte. Der Koch präsentiert in einer Auslage die frischen Fische und erklärt, auf welche Weise er sie zubereiten könnte.

Ich wählte Aal. Hatte ich noch nie gegessen.
Der Koch meinte, die beste Zubereitung sei einfach „braten“.
Er hatte recht.

Die Haut kross gebraten, das Fleisch sehr zart. (Wenn auch – wie befürchtet – aaltypisch ein wenig fett.)
Fein gewürzt. Sehr gut. Ein ganzer Aal fast zuviel für eine Person.

Zusammen mit einem exzellenten Salat 23 Euro.

Unterkunft: 60 Euro (mit Frühstück).