Gipfelglück auf dem Weg nach Lingenau

Das ganze Haus schmaler als eine Haustür breit. 57 cm!
Hätte mich ja schon interessiert, einen Blick hinter die Fassade zu werfen.

small is beautiful

small is beautiful

Über 200 Jahre ist das Bregenzer Anwesen alt. Spindeldürr scheint es nur auf der Eingangsseite, nach hinten weitet sich das Gebäude.
Anyway: Das ändert nichts daran, dass es wohl die schmalste Hausfassade in Europa ist.

Aus Bregenz fand ich zügig raus. Mein Ziel: durch den Bregenzer Wald bis nach Lingenau. Ein 26 km langes Hoch Tief-Unternehmen.

GPS-175-Bregenz

GPS-Gesamtstrecke bis 175

Von Bregenz bis in den den Vorort Wolfurt ging es nur mäßig bergauf.

Schon im Wald - und sieht doch nicht so aus

Schon im Wald – und sieht doch nicht so aus

Ab dann eine stete Berg- und Talfahrt. Mal schnell 300 Meter hoch, dann rasant nach unten, um gleich wieder heftig anzusteigen.

Alpen eben! Schon nach 2 Stunden war ich völlig durchgeschwitzt.

Ich versuchte der Beschilderung zu folgen. War trotzdem oft orientierungslos. Ab und zu stieg ich einfach Bergwiesen hinauf, in der Hoffnung, oben wieder Wege zu finden.

Navi-Wege!

Navi-Wege!

Oben dann die überraschende Belohnung: das Gasthaus „Dreiländerblick“. An klaren Tagen ein Wahnsinnspanorama. Heute konnte ich Bodensee, Rheinmündung, Schweiz und Deutschland nur schemenhaft erahnen.

Fängt nicht an, hört nicht auf

Fängt nicht an, hört nicht auf

Gott sei Dank hatte ich mir in Lindau einen Alpen-Wanderführer besorgt. Bei der Vielzahl der sich kreuzenden Wege wäre ich völlig aufgeschmissen gewesen.

Mein Navi hilflos.

Meine Wegekarte

Meine Wegekarte

Ich schaffte es auf den ersten Gipfel. Noch nicht wahnsinnig alpin: Schlappe 1.180 m. Reichte aber für intensive Glücksgefühle.

Angekommen

Angekommen

Man sieht dem Brüggele-Kopf nicht an, welche Anstrengung es kostete, ihn zu erklimmen. Extrem steile, knieschädigende und rutschige Pfade. An zwei Stellen sogar kurze Seilsicherung. 5 1/2 Stunden war ich von Bregenz jetzt ohne nennenswerte Pause unterwegs.

OnTop of the hill

On top of the hill

Runter war einfach. Wirtschaftswege und Schotterpisten!

Who goes up must go down

Who goes up must go down

Schöne Postkarten!

Immer!

Immer!

Schindel-Hannes wohnt hier.

Aber beim Runtergehen, geht's manchmal auch wieder hoch

Aber beim Runtergehen geht’s manchmal auch wieder hoch

Minigipfel mit Gipfelkreuz.

Keine Details!

Keine Details!

Die Bregenzer Alpen sind manchmal sehr lieblich.

Immer nur Totalen!

Immer nur Totalen!

Ich hatte bislang überhaupt keine Zeit gehabt, über irgendetwas nachzudenken. Die ganze Tagestour war ich nur darauf fixiert, meine Beine am Laufen, meinen Atem und Puls gleichmäßig zu halten und nicht aus dem Tritt zu kommen.

Mein Wasser und Essbedarf stieg derweil dramatisch. Wo immer es eine Bergwirtschaft gab, trank ich beinahe literweise Wasser, Apfelschorle und Bier.
Wo immer es etwas zu Essen gab, schlug ich zu.

Hunger:
(In Alberschwende – vor dem Aufstieg zum Brüggele-Kopf.) Frische Pfifferlinge mit Semmelknödel. Äußerst fein. 12,90 Euro.

T175-Essen-01

(Berggasthof Brüggele.) Zwetschgen-Datschi mit Sahne. Leicht warm und köstlich. 3,50 Euro.

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(Gasthof in Lingenau.) Bregenzwälder Käsespätzle. 12 Euro. Exzellent! Nicht penetrant und doch kräftig. Klasse Käsegeschmack.

T175-Essen-03

Die Wirtin erklärte mir, dass ihre Küche einen sehr feinen Bergkäse für die Spätzle benutzen würde. Ich gratulierte ihr für den Geschmack.

Schon als ich nach nach 9 1/2 Stunden reichlich erschöpft nach Lingenau hineingewandert war, hatte ich mir draußen rasch die Speisekarten der drei, vier Gasthäuser angeschaut. Alle hatten das gleiche Programm: Wiener Schnitzel, Jägerschnitzel, Grill-Teller, Bregenzer Käsespätzle.

Ich fragte mich, ob die Österreicher hier einfach nichts anderes essen oder ob die Touristen für die krasse Verarmung der Speisekarten sorgten.

Ich hatte nicht ahnen können, dass ein guter Koch auch phantasielosen Gast-Ansprüchen trotzen kann.
Mein zweites Gipfelglück heute.

Unterkunft: 50 Euro (mit Frühstück).

Pausengang nach Bregenz

Lindau unter einer Dunstglocke.

Nicht scharf zu kriegen

Nicht scharf zu kriegen

Meine Rückenmuskeln signalisierten mir, dass ich eine Wanderpause machen sollte. Ich gehorchte.
10 Kilometer trotzte ich dennoch meinem Körper ab. 2 1/2 Stunden von Lindau nach Bregenz.

GPS-174-Lindau

GPS-Gesamtstrecke bis 174

Auf dem gemütlichen Spaziergang nach Österreich ein paar Graffiti.

Heino-Frisur

Heino-Frisur

Anonymos kann sprayen!

Claudia Roth Frisur

Claudia Roth Frisur

Und er hat Sinn für leuchtende Farben.

Lauda Käppi

Lauda Käppi

In Bregenz eine dichte Nebeldecke.
Erst gegen Abend lichtete sich der Nebel etwas.

Mit der Pfänderbahn fuhr ich auf den Bregenzer Hausberg.

Aus dem Nebel in den Dunst

Aus dem Nebel in den Dunst

Morgen werde ich mir einen dieser Berge aussuchen. Dann geht es in die Alpen!

Höhere Sphären

Höhere Sphären

Hunger.
Vorspeise: Rheintaler Mostsuppe mit Gemüsestreifen. Sehr schmackhaft! 4,60 Euro.

T174-Essen-01

Hauptgericht: Wiener Schnitzel (Kalb). Viel und gut. 18,90 Euro.

T174-Essen-02

Unterkunft: 80 Euro (mit Frühstück).

An Rentnernistplätzen vorbei nach Lindau

Bodensee weckt MEERGefühle.

Der See aber still, will nicht plätschern. Kein Wellenanschlag am Ufer. Das Wasser schon kalt.

Im Herbst baden nur noch Schwäne.

Swansee

Swansee

Um halb zehn hab‘ ich mich von der netten Hotelwirtin verabschiedet. 27 km hatte ich heute zu gehen. Bis Lindau.

GPS-173-Friedrichshafen

GPS-Gesamtstrecke bis 173

Die erste Stunde führte der Pfad durch das Eriskircher Ried. Rückzugs-, Brutgebiet und Zwischenlandeplatz von Zugvögeln.

Das Moor tut seine Schuldigkeit

Das Moor tut seine Schuldigkeit

Noch hat der herbstliche Vogelzug nicht begonnen. Auch der Greif wird langsam ungeduldig.

T173-Greif-01-imp

Statt Vögel haben allerdings Fahrradfahrer den Bodensee zu ihrem herbstlichen Nistplatz gemacht. In riesigen Schwärmen fallen sie über Trampelpfade, Seitenstrassen und Wanderwege her.

High High High-Tech Society

High High High-Tech Society

Unendlich viele Rentner unterwegs. Wer von ihnen nicht mehr laufen kann, besitzt zumindest ein E-Bike.
So außerordentlich schön der Bodensee ist, die Radfahrer machen ihn für jeden Wanderer zur Hölle.
Ein ständiges Klingeln, Rufen, aus dem Weg Scheuchen. Vor allem die Alten mit ihrem an Supermarkt-Kassen eingeübten Dauerdrängeln ließen mich ernsthaft über Kung Fu-Techniken, Stock in Speichen Schlagen und heimlich Reiszwecken in die Fahrbahn ausstreuen nachdenken.

Massen-Migration

Massen-Migration

Der Weg nach Lindau ist anscheinend besonders beliebt. Dabei war nicht einmal Wochenende. Senioren-Sommer eben!

Ich setzte mich entnervt kurz ans „Malereck“ und ließ die Horde mit ihren Elektromotoren hinter mir vorbeisummen und -klingeln.

Guter Landschaftsarchitekt

Guter Landschaftsarchitekt

Bei Nonnenborn zum letzten Mal auf meiner Tour das Bundesland gewechselt! Wieder in Bayern!

Unübersehbar. Sofort Bildstöcke am Wegrand.

Es wird bayerisch

Es wird bayerisch

Nach 8 Stunden die Schein-Insel Lindau über die erste Landbrücke betreten.
Biergartenwetter.

Linda

Linda

Durst: Leibinger Hefeweizen. Ist verdammt gut die Kehle hinunter gelaufen. (Ravensburger Brauerei, seit 1894.)

T173-Bier-01

Hunger:
Zander mit Zitronensauce und Kapern. Gut zubereitet. 17,50 Euro.

T173-Essen-01

Den Tag erst am Hafen, dann in einer Musikkneipe ausklingen lassen. Eine Vietnamesin sang klassischen Pop und Folk.
Sie hatte ein ansteckendes Lachen.

Capri kann nicht schöner sein

Capri kann nicht schöner sein

Unterkunft: 65 Euro (mit Frühstück).

Spaziergang wie durch einen Jahrmarkt – bis Friedrichshafen

Bodennebel beschwerte den See.
Und wohl auch das Vogelgefieder.
Kaum ein Federvieh in der Luft.

Bodensee-Zaun

Bodensee-Zaun

Gestern war ich mit der Fähre schon auf die andere Bodensee-Seite gefahren. Heute also nur eine Kurzetappe. 19 km von Meersburg nach Friedrichshafen.
(Da ich schon in der Zeppelinstadt gelandet war, lief ich den Weg umgekehrt – und fuhr am Abend mit dem Bus zurück).

GPS-172-Konstanz

GPS-Gesamtstrecke bis 172

Ich war zum ersten Mal ohne meinen schweren Rucksack unterwegs.
Es klingt komisch: Ich spürte im Kreuz einen Phantomschmerz. Mir fehlte Gewicht.

Manche Wege führten ins Nichts.

Tor zu was?

Tor zu was?

Nur langsam verschob sich der Horizont in die Weite, wanderte der Himmel nach oben, wurde die Luft leichter und färbte sich der See marineblau.

Kann Himmel mit Erde (Bodensee) konkurrieren?

Kann Himmel mit Erde (Bodensee) konkurrieren?

In den Stranddörfern See- und Winzerfeste. Trachtengruppen bliesen in die Hörner, Trompeten und Posaunen was das Zeug hielt.

Give me an "A"!

Give me an „A“!

In Saxophone auch.

Shout it out

Shout it out

Beliebtestes Soloinstrument: die Quetschkommode.

(Quetsch) Kommod !

(Quetsch) Kommod !

Ein Spaziergang wie durch einen Jahrmarkt.

Spiel mir das Lied vom ...

Spiel mir das Lied vom …

Wunderschöner Herbstanfang!

Kann so ein Weinbau funktionieren?

Kann so ein Weinbau funktionieren?

Weingrüne Hügel vor Meersburg.

Oder so?

Oder so?

Die Weingüter gut gefüllt. Süßer Wein (Federweißer) floss hektoliterweise. Zwiebelkuchen wurde tonnenweise verputzt.

Große Besenwirtschaft

Große Besenwirtschaft

Meersburg sah nur aus der Ferne still und ruhig aus. Innendrinnen brodelte es. Ein Bus nach dem anderen pumpte die Innenstadt mit Gästen voll.

Kann man im Meer eine Burg bauen?

Kann man im Meer eine Burg bauen?

Ruhe fand an diesem Tag nur der Weingutsbesitzer: Er versteckte sich hinter dicken Gemäuern.

Warum nicht ne Nummer kleiner?

Warum nicht ne Nummer kleiner?

Hunger: Hausgemachte Maultaschen. 9,50 Euro. Köstlich.

T172-Essen-01

Unterkunft: 65 Euro (mit Frühstück).

Uneingeschränkt zufrieden erreiche ich Konstanz und noch mehr

Kalt! Aber Frühsonne. Halb neun.

Im Mittel ziemlich alt

Im Mittel ziemlich alt

Ich beschloss von Stein aus auf der nördlichen Rheinseite weiterzulaufen. Also zuerst auf der deutschen Seite.
Ich wollte bis Konstanz kommen. 24 km. Nicht so weit.

GPS-171-Stein

GPS-Gesamtstrecke bis 171

In Null Komma Nix die Schweiz wieder verlassen und Deutschland betreten. (Hätte ich meinen Pass stempeln lassen müssen, wäre er nur auf dieser Tour voll geworden. So viele Grenzübertritte an zwei, drei Tagen. Aber Pässe – was war das nochmal in Europa?)

Der Rhein gab sich unnahbar.

Fern und doch nah

Fern und doch nah

Und der Rheinuferweg entfernte sich immer mehr vom Ufer. „KEIN DUCHGANG!“, „PRIVAT!“.
Deutschland! Zugebaut! 90 Prozent des Ufervermögens befinden sich in der Hand von 5 Prozent der Uferlos-Vermögenden!
Da wird man noch wider Willen zum Marxisten!
Kampf für den Freien Uferblick!

Nah und doch so fern

Nah und doch so fern

Villa nach Villa mit exklusivem Strandzugang.
Die Zweitwagen passen nicht mehr in die Garagen.

Nahverkehr der Anlieger

Nahverkehr der Anlieger

Öffentlichen Zugang zum Rhein gab es auf dieser Strecke nur, wo es auch eine öffentliche Toilette gab.
Anyway – nicht so kleinkariert denken! Dort, wo der Rhein sich für die Sterblichen blicken ließ, zeigte er sich von seiner malerischen Seite.

T171-Rheinblick-01-imp

Dabei zweifelte ich manchmal, ob das noch der Rhein oder schon der Bodensee war.

(H)öffentlich

(H)öffentlich

Sicher war nur: Auf der gegenüberliegenden Seite lag die Schweiz und ich lief in Deutschland umher.

On the other side

On the other side

Aber war dieser Fischer jetzt Schweizer oder Deutscher? War er Bodensee- oder Rheinfischer? Was sagte die Europäische Union dazu?

Fischt nicht im Trüben

Fischt nicht im Trüben

Wie auch immer. Ein Zeppelin zeigte mir an, dass ich mich in Bodenseenähe bewegte.

brennt nicht

brennt nicht

In Hemmenhofen bestieg ich eine Fähre, um mich auf die Schweizer Seite zu beamen. Zum einen, um mich anständig von den Eidgenossen zu verabschieden. Zum anderen war es der einzige Weg, um heute noch Konstanz zu Fuß zu erreichen.

Im Rheindörfchen Steckborn könnte man gut Venedig Filme doubeln.

Canale Grande

Canale Grande

Spätestens bei Berlingen weitete sich der Rhein zum Bodensee. Grandios! Schwäbisches Meer!

Blick weiten

Blick weiten

Ich beobachtete einen älteren Herren mit weißem knautschigen Schlapphut, wie er locker ein Speedboot zu sich heranzog und zum Ausflug sattelte.

„Gute Fahrt“ rief ich ihm hinterher. Er drehte sich um und öffnete sein Herz:

Maurer habe er gelernt. Dann habe er sich spezialisiert und sich selbständig gemacht. 35 Jahre habe er so malocht.
Jetzt, mit 73 sei es Zeit zu genießen.

Satisfy your mind

Satisfy your mind

Mit einer Hand wies er zum Ufer und zeigte mir sein Haus, auf dessen Balkon seine Frau stand und ihm zuwinkte.

Kein schöner Land als hier!

Mit seinem Speedboot fuhr er zu seinem eigentlichen Schiff, das weiter draußen im Wind schaukelte.

Ein herzliches "Auf Wiedersehen!"

Ein herzliches „Auf Wiedersehen!“

Die uneingeschränkte Zufriedenheit dieses Mannes mit sich und seinem Leben beeindruckte mich.

Das Schweizer Ufer – anders als in Deutschland – öffentlich zugänglich. Der Uferweg meist dicht am Wasser, nur ganz am Schluss entfernte er sich und führte durch Bio-Äcker zur deutschen Grenze.

Bio bis zum Horizont

Bio bis zum Horizont

Moderne Kartoffelbauern haben keine Schwielen mehr an den Händen.

Kartoffelgräber

Kartoffelgräber

An der Stadtgrenze zu Konstanz: ein verlassenes Zollhaus.
Wie liebe ich Schengen!

Exit Schweiz

Exit Schweiz

Nach 7 Stunden das Zentrum Konstanz‘ erreicht.

Die Stadt wegen Überfüllung geschlossen.

Have fun

Have fun

Messen, Indian Summer Wochenende, Oktoberfest.

Hicks

Hicks

Kein Zimmer! Zig Hotels besucht. Zigzig Hotels angerufen. Nix!
Ich musste die schöne Konstanzer Kurtisane Imperia verlassen!

Big breasted woman

Big breasted woman

Mit dem superschnellen Katamaran setzte ich ans andere Ufer über.

I'd rathe go wild

She’d rather go wild

Nach Friedrichshafen. Dort fand ich Quartier.

Hunger: Wildgulasch. Richtig klasse!

T171-essen-01

Angenehme Unterkunft. Gasthof von Familie in 4. Generation geführt.

65 Euro (mit (super) Früstück).