Auf Mozarts Spuren nach Salzburg

Fort, fort von diesem Ort.

Nein, so schlimm war es nicht. Ich hätte mir in der Früh gerne die Altstadt von Berchtesgaden noch einmal angeschaut. Niemand war jetzt unterwegs.
Nur – auf irgendeine Weise war mein innerer Motor auf „Weitergehen“ programmiert. Ich sattelte meinen Rucksack, stieg automatisch hinunter ins Tal und bereute, nicht wenigstens ein Foto von Berchtesgaden gemacht zu haben.

(Ich erinnerte mich, wie ich vor jetzt 4 Jahrzehnten einmal eine Amerikanerin in einem Zug animiert hatte, den Ortsnamen auszusprechen. „Brchtesgaaarten“. Sie hätte mich fast dafür geohrfeigt. Zu schwierig für jeden ausländischen Mund. Selbst für einen schönen.)

Die Berchtesgadener Ache, ein paar markante Landschaftszeichen und ein Radweg lotsten mich Richtung Salzburg. „Mozart-Radweg“ hatten Tourismusplaner die Strecke betitelt.

Übergroßer Hinkelstein

Übergroßer Hinkelstein

Mein heutiges Tagesziel: 26 Kilometer entfernt.

GPS-190-Berchtesgaden

GPS-Gesamtstrecke bis 190

„Wandern an den Grenzen Deutschlands“. Ich dachte darüber nach, warum ich in den letzten Tagen, ja Wochen kaum das Gefühl hatte eine Grenze zu begehen. Mal trennten die Gebirgszüge der Alpen Österreich von Deutschland radikal, mal war in den Tälern die Grenze nicht einmal mehr im Winzigen spürbar, so ähnlich sind sich Tiroler und Oberbayern. Selbst das Essen und die Speisekarten kopieren sie sich gegenseitig.
Wenn ich eine Grenze in den letzten Wochen spürte, dann war es meine eigene. Das Auf- und Abwandern in den Bergen hatte mich müde gemacht. Ich war froh, dass die Tour bald zu Ende war.

Green River

Green River

Kürbisse am Wegrand kündeten Halloween an.

Schwieriges Rätsel: Was passt nicht in die Reihe?

Schwieriges Rätsel: Was passt nicht in die Reihe?

In den Bergen schneite es heute bereits. Ich aber war im noch grünen Salzburger Tal angekommen. Auf 420 Meter hinabgestiegen.

Greenland

Greenland

Obwohl erst früher Nachmittag, graute es bereits um das Schloss Hellbrunn.

Standard

Standard

Um 15 Uhr 30 über den Mozartsteg in die Altstadt rechts der Salzach eingebogen.

Salty River

Salty River

Zum ersten Mal auf der Tour steckte ich mir earphones ins Ohr und hörte mir im beginnenden Regen eine Mozart-Arie an.
Soviel Klischee musste sein.
„Ruhesanft, mein holdes Leben“, aus der Oper „Zaide“. Dirigiert von Nikolaus Harnoncourt.

Durst: Grüner Veltliner.

Hunger: Hochzeitssuppe (Brühe mit Fleisch, Griesnockerl, Gemüseeinlagen). 5,50 Euro. Gut und reichlich.

T190-Essen-01

Wildschweinschnitzel. Zu trocken gebraten. 16,50 Euro.

T190-Essen-02

Unterkunft: teuer.

Zum Himmel über Berchtesgaden

Blau ist er nicht: der Himmel über Ramsau.

Himmelsdach

Himmelsdach

Auch nicht voller Putenengel und Bergfeen.

Kleiner als gesehen

Kleiner als gesehen

Er wirkt eher schmerzerfüllt, leidend, gequält. Nicht wirklich ein Paradies. Würde ich gerne in den Ramsauer Himmel wollen?

Größer als gedacht

Größer als gedacht

Unten auch nicht besser. Da liegt eine Leiche! Einfach so an der Straße.

Täglich laufen an ihr Dutzende Kinder vorbei. Warum werden sie nicht traumatisiert? Ist das christliche Leiden derart als Puppenspiel akzeptiert, dass der tägliche Anblick eines gefolterten Menschen nicht einmal ein kleines Kind aufregt?

Auch Knirpse durchschauen also den Theatereffekt der katholischen Inszenierungen?

Größer als winzig

Größer als winzig

Merkwürdiges Ramsau.

Schon immer hatte mich der Name des Ortes fasziniert. Der Dorfkern winzig. Aber in den Hügeln: Hunderte von Ferienhäusern im Alpenstil.
Äußerst beliebt.

Ich hatte Zeit heute. Wollte „nur“ ins nahe Berchtesgaden gehen, mit dem unbedeutenden Umweg über den Königssee. Kaum mehr als 15 Kilometer insgesamt.

GPS-189-Ramsau

GPS-Gesamtstrecke bis 189

Ein bisschen Berg.

Was rieselt ist ein Riesling?

Was rieselt ist ein Riesling?

Ansonsten langweilige Siedlungsstraßen. Fast jedes Haus bot Ferienzimmer an.

Bald war ich am Königssee. Einer der mythischen Orte in Deutschland.

Der kleine Hafen natürlich überlaufen. Lange zögerte ich, ob ich mich in eines der überfüllten Boote begeben sollte. Kälte, keine Sicht, Hunderte Chinesen und noch mehr fußlahme, aber laute deutsche Senioren sprachen dagegen.

Ich fuhr dennoch nach Sankt Bartholomä.

Der Schicksalsberg Watzmann nicht zu sehen. Nebel hing/floss ins Tal.

Entensee?

Entensee?

Mystical sea

Mystical sea

Take a photograph of me

Take a photograph of me

Purple Rain

Purple Rain

Ich betrat weder XL-Restaurant, noch Fischstube, weder Schänke noch Wallfahrtskapelle.
Ich ließ die Horden in Ruhe.

Und tuckerte mit der Masse zurück.

Crowded

Crowded

Nach Berchtesgaden nicht mehr weit zu gehen.
In der kleinen malerischen Altstadt keine Lust gehabt, Fotos zu machen. Völlig überfüllte Straßen. Trotz Regentag.
Das war nicht Bayern. Das war Disney-County.

Durst: Wieninger Bier. Fast süßlich. Schmeckte mir nicht. (Privatbrauerei. Seit 1813.)

T189-Bier01

Hunger: Im Ganzen gebratener Saibling. Ordentlich. (Zu teuer.)

T189-Essen-01-01

Unterkunft: 55 Euro (mit Frühstück.)

Im Schweinsgalopp und von Fliegenden Mäusen begleitet Ramsau erreicht

Der Tag fing mit einer Verrücktheit an. Kaum losgelaufen, dachte ich für einen Moment, eine fliegende Maus zu sehen.
Dabei war es nur ein kleiner Vogel mit einem verstümmelten Schwanz. Er konnte nicht mehr richtig navigieren und stümperte durch die Luft.

Ich nahm das kurze Gaukelspiel meines Gehirns als vorsichtiges Zeichen, dass ich langsam mit meiner Grenzwanderung zu Ende kommen sollte. Diese Schlussetappe dauerte nun fast schon 5 Wochen. Nicht nur für die Füße anstrengend.

Gottseidank war das nächste Tier, das mein Hirn als Ziege identifizierte, tatsächlich eine Ziege.

Sie meckerte mich an. Eindeutig!

Kein Frechdachs - Frechiege!

Kein Frechdachs – Frechziege!

Extra früh aufgestanden. Schnell gefrühstückt. Und doch wieder lange gebraucht, bis der Rucksack gepackt und ich vollständig angeschirrt war. Halb 9 losgelaufen.

Ich hatte vor, nach Deutschland zurück zu kehren. Nicht klar war mir, dass es die längste Strecke dieser Etappe werden würde. 43 Kilometer bis nach Ramsau im Berchtesgadener Land.

GPS-188-Waidring

GPS-Gesamtstrecke bis 188

Der Herbst war noch nicht alt, aber er fühlte sich wie Ende November an. Grau, kalt, neblig.

Eigentlich will ich grad raus!

Eigentlich will ich grad raus!

Erst kurz eine überhaupt nicht befahrene Landstraße gegangen. Anschließend am Ufer des Loferbaches entlang.
Ziemlich genau auf der Grenzlinie zwischen Tirol und Salzburger Land stand ein Denkmal für die Tiroler Freiheitskämpfer.

1809 dem Kaiser gewidmet.

Tiroler Stolz

Tiroler Stolz

Geehrt wurden die „Hervorragenden Anführer“ und „Hervorragenden Landesvertheidiger“, die im Kampf gegen Napoleons Truppen und bayerische Besatzer ihr Leben gelassen hatten.

Tiroler Stolz 2

Tiroler Stolz 2

Ich ging nur auf einem Wanderweg und wurde doch bombardiert mit tirolerischem Freiheitspathos.
Stellenweise klang es nationalistisch.

Tiroler Stolz 3 (Langsam wird's langweilig. )

Tiroler Stolz 3 (Langsam wird’s langweilig. )

Wurden Tiroler mal ausnahmsweise nicht vom Feind gemeuchelt, dann schlug die Natur unbarmherzig zu.

It never stops

It never stops

„Christliches Andenken an Simon Biechl,
geb. 1808. …
Er wurde (1872) bei Holzarbeiten, von einem Stein erschlagen.
Das ewige Licht leuchte ihm!“

Kann mir jemand erklären, wer diesem unglücklichen Mann so lange öffentlich das Andenken hält? Und was sich dahinter verbirgt?

Nach 2 1/2 Stunden schnell einen Braunen in Lofer getrunken. Netter Ort.

Farbe der Reinheit

Farbe der Reinheit

Ab hier folgte ich der Saalach. Ein ausgesprochen schöner Weg begleitete den grün sprudelnden Bergfluss bis nach Deutschland.

Simply red

Simply red

Simply green

Simply green

Der Grenzübertritt war nicht markiert. Tirol und Bayern verschmolzen ineinander.

Tirol=Bayen

Tirol=Bayen

Wenn es überhaupt eine Abwechslung unterwegs gab, dann mal ein kleiner Wasserfall.

Klein=Fein

Klein=Fein

Oder eine kaputte Wanderbrücke, die mich zwang, durch den Bach zu waten, der aber ziemlich seicht war.

Danger!

Danger!

Unterwegs – ich erinnere nicht mehr genau wo – eine Leberknödel-Suppe bei einem Metzger gegessen.

T188-Essen-01

Ich hatte Energiebedarf. 6 Stunden war ich nun bereits „on the run“. Und noch immer hatte sich nicht mein sonstiges „Wandergefühl“ eingestellt. Eine Art kreative Leere. Ein Nichts Denken, Vieles Sehen, sich von Einfällen anfallen lassen.
Ich war unruhig, fast nervös. Wie in den letzten Tagen häufiger schon, hatte ich keine Lust mich mit Leuten zu unterhalten. Ich war einsiedlerisch geworden.

Ziemlich genau an der Schneizelreuther Kirche beschloss ich, nicht den kurzen Weg nach Bad Reichenhall zu laufen, sondern den langen Aufstieg nach Ramsau.

Kirche als Wegscheide

Kirche als Wegscheide

Top

Top

Ein Pfad führte mich an Heuschobern vorbei, an denen Schilder vor „Bissigen Kreuzottern“ warnten.

Hier otter es!

Hier ottert es!

Ich fragte mich, ob die Bauern nur verhindern wollten, dass irgendwer in ihrem Stroh nächtigen wollte?

Wunderschön der Uferweg entlang der Saalach. Aber leider nur kurz.

Que belleza!

Que belleza!

Danach musste ich auf die Deutsche Alpenstraße wechseln. Und es ging für zwei Stunden steil, steil, steil nach oben.
Ich wollte durch anstrengendes Laufen meine anstrengenden Gedanken befrieden. Es gelang vollständig.
Der Anstieg war so kräftezehrend, dass ich gar nichts mehr dachte. Ich lauschte nur noch meinem eigenen Schnaufen.

Die Täler immer schluchtartiger, der Abend immer dunkler, mein Wunsch nach einem Bier immer überwältigender.

Bick nicht nach unten

Bick nicht nach unten!

Ziemlich genau um 19 Uhr in der Ortsmitte von Ramsau einen Gasthof gefunden. Nach 43 Kilometern und 10 1/2 Stunden Marschieren im Schweinsgalopp total ausgepumpt.

Riesendurst: Helles. Hofbrauhaus Berchtesgaden. (Seit 1645!!). Ausgesprochen schmackhaftes Bier.

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Hunger: Garniertes Sauerkraut. Mit Wellfleisch, Hausgeräuchertem, Würstl und Knödel. 8,90 Euro. Absolut klasse zubereitet!

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Unterkunft: 55 Euro (mit Frühstück).

An des Kaisers Nacktem Arsch vorbei nach Waidring

Der Wilde Kaiser zeigte sein altes Wolkenkleid. Ich hätte es ihm gerne ausgezogen, um seine nackte Pracht zu sehen.
Er sträubte sich – fast den ganzen Tag.

Dabei sieht der blanke Fels mit den markanten Zacken so großartig aus.
„Bergsteigers Grab“ wird ein Aufstieg genannt. Am Nackten rutschen viele aus.

Go Pink

Go Pink

Zufrieden hatte ich um 10 Uhr meine Unterkunft verlassen. „Glückshotel“ hatte sich der Betrieb genannt. Eine bleistiftschlanke Empfangsdame hatte mir gestern Abend einen Sonderpreis gemacht (Doppelzimmer ohne Einzelzimmerzuschlag) und sofort die Endorphinausschüttung in mir verdreifacht.
Am Frühstückstisch fand ich heute zudem einen Korb mit Wanderproviant vor (Flasche Sprudel, Snacks, vier Minitüten Gummibärchen und etwas Obst).
Ich merkte mit Erschrecken: Ich war emotional bestechlich.

Mein heutiges Ziel: Waidring. Ungefähr 26 Kilometer zu laufen.

GPS-187-Ellmau

GPS-Gesamtstrecke bis 187

Den zweiten Tag durchwanderte ich jetzt schon dieses Tal. Die meisten Häuser: reine Fassaden-Idyllen. Außen Bauernromantik. Innen Tourismusindustrie.

Und dennoch: Es gab die Erinnerung daran, wie es einmal war.
Blütenpracht auf den Balkonen.

Fleurop war hier

Fleurop war hier

Viele stattliche Häuser mit Giebelkreuz, Giebelhahn und Giebelglocke geschmückt.

Besser ein Hahn auf dem Dach

Besser ein Hahn auf dem Dach

Sogar noch bewirtschaftete Heuschober wirkten museal.

Alt geworden

Alt geworden

Was für ein Gefühl wäre es, so ein Haus das ganze Jahr zu bewohnen?

Balkonien

Balkonien

Oder so eines?

Sunny Side

Sunny Side

Oder vielleicht hier?

Traumlage

Traumlage

Wäre das Glück? Ein bisschen? (Oder ist Glück immer nur absolut und nie „ein bisschen“?)

Der Herbst schmierte seine Leuchtfarben verschwenderisch in die Blätterlandschaft.

Fallende Blätter = Fall

Fallende Blätter = Fall

„Blätter weg – Winter kommt“ sagte Wastl lakonisch. Fast hätte ich ihn überhört und ich war auch nicht sicher, ob er zu mir oder zu seiner Braut gesprochen hatte. Wastl war ein Tiroler Wetterfrosch, der aus allerlei kruden Anzeichen eine Klimaprognose erstellen konnte. Für übermorgen sagte er Schnee in den höheren Berglagen voraus und pustete aus vollen Backen schon mal ein paar Flocken hinaus.

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Ich packte Wastl samt Freundin in den Rucksack.Vielleicht konnte er mir noch nützlich sein.

Nach zweieinhalb Stunden stand ich im Zentrum von St. Johann in Tirol. Pittoresk.

Stadt-Bild

Stadt-Bild

Häuser wie Theaterkulissen.

Kunstvoll

Kunstvoll

Ich trank einen Grünen Veltliner und sah bestiefelten Damen zu, wie sie sich für den Winter präparierten (Mützenkauf!).

Danach erneut auf die Walz. Berg rauf, Tal runter. Aber meist einfaches Gehen.

Bequemer Weg

Bequemer Weg

Ab und zu fühlte ich mich beobachtet.

Big Cow is watching you

Big Cow is watching you

Mit der Landschaft war ich nun vertraut. Es gab kaum Abwechslung. Umso mehr weckten kleine „Kulturgüter“ mein Interesse. Wegkreuze. Oder Schilder wie dieses:

Gedenken

Gedenken

„Anno 1809, den 12. Mai, wurden Simon Stöckl, Witwer zu Bergstett,
Wofgang Oberhauser, Wirt zu Brixen, Christian Telfer,
Stefan Koller, Schickenlapp, Getraud Kogler, Dirn
am Weizenbichl, von Feindeshand hingemordet u. hier bestattet.
Vor der Geißel des Krieges bewahre uns o Herr! R.I.P.“

Einen Steinwurf weiter: Eine Kleinstkapelle mitten auf einer Wiese.

Gedenken 2

Gedenken 2

Erst als ich eintrat, entdeckte ich, dass sie den loalen Gefallenen des Ersten Weltkrieges gewidmet war.

Ist diese Art von namentlicher Erinnerung an die Toten aus 2 Jahrhunderten mehr als nur Warnung vor dem Blutzoll eines Krieges?

Gedenken-3

Gedenken-3

Ich wollte Wastl nach dieser Art der Tiroler Vergangenheitskultur befragen, aber Wastl war in neckische Spiele mit seiner Braut vertieft. Er funktionierte mein volles Bierglas zu einem Spiegelkabinett um.

Breites Grinsen

Breites Grinsen

Ärgerlich zog ich den Wetterfrosch hinter dem Glas hervor und sah erst jetzt, dass er ein Paradetiroler war. Hosenlatz, feste Bergschuhe, Tiroler Hut.
Mir wurde klar, dass die Tiroler vielleicht noch bessere Image-Vermarkter sind als die Oberbayern.
Das Besondere an den Tirolern. Sie pflegen ihr Bild eines rebellischen Bergvolkes.

T186-Wastl-04

„Alles Quatsch“ – hörte ich Wastl murmeln.

Kaiserwetter am Nachmittag. Wohl der letzte Sonnentag für längere Zeit.

Hinter jedem Hügel ein Kirchturm

Hinter jedem Hügel ein Kirchturm

Von der Ferne konnte ich plötzlich den Wilden Kaiser sehen. Er zeigte mir die Rückseite. Den nackten Arsch sozusagen. (Auf der Vorderseite war er war er wohl immer noch schamhaft verhüllt.)

Backside

Backside

Wiesen wie Meere, aus denen bewaldete Inseln aufstiegen.

Greenland

Greenland

Nach 7 1/2 Stunden erreichte ich Waidring. Das Dorf umgeben von Retortensiedlungen im Tiroler Landhausstil.

Retorten Dorf

Retorten Dorf

Durst: Ich blieb beim Grünen Veltliner.

Hunger: Geschmorter Wildschweinbraten mit Serviettenknödel, Rotkraut und Speckchips. Sehr gut. 12,90 Euro.

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Unterkunft: 55 Euro (mit Frühstück).

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Zum Zither Maxl nach Bayrischzell

Schön und traditionell sehen die Bauernhäuser immer noch aus.
Doch wo einst der Kuhstall war, ist eine Küche, die Platz für eine ganze Kochbrigade bereit hält.
Wo einst die ausladenden Familientische aus Eiche standen, sind riesige Gastzimmer entstanden.
Bauern, die in den 80ern oder 90ern schlau waren, konnten sich ein noch größeres Haus erkochen.

Mehrgenerationenhäuser sind das nicht mehr. In den Zimmern der Opa-Omas, der Kinder-Kindeskinder, der Mägde-und-Knechte schlafen heute Touristen aus aller Herren Länder.

Schlaubauernhäuser

Schlaubauernhäuser

Töchter und Sohn helfen nur aus, wenn sie mal selbst ein Wochenende im Elternhaus verbringen.
Die Bedienungen mittlerweile international.

Nur: Deutsch müssen sie sprechen können. Wie Edda es tut! Fast akzentfrei.

T184-Edda-03-imp

Edda – so erzählte sie mir gestern Abend – stammt aus Siebenbürgen. Sie spricht rumänisch und italienisch. Und natürlich Hochdeutsch. Vor drei Jahren verließ sie Rumänien. Erst jobbte sie in Italien. Die Wirtschaftskrise dort verschlug sie schließlich nach Bayern. Viele Deutsch sprechende Rumänen und Bulgaren arbeiteten heute als Servicekräfte in der bayerischen Gastronomie.

Edda hatte mitbekommen, dass ich nach Österreich gehen wollte. Sie fragte, ob ich sie mitnehmen könnte. In den Tiroler Feriengebieten würde man noch besser als hier verdienen.
Ich packte sie in meinen Rucksack und zog los.

Mein Tagesziel heute: Bayrischzell. Ca. 22 km zu laufen. Nahe an der österreichischen Grenze.

GPS-184-Rottach-Egern

GPS-Gesamtstrecke bis 184

Der schweißtreibende Anstieg gleich zu Beginn: 500 Höhenmeter hochgekämpft und sofort wieder die Höhe verloren. Runter bis zu den Fischerhäuschen am Schliersee.

Privatsteg

Privatsteg

Augenblicklich Hunger und Durst gestillt.
Zu Weißwürsten mit Brez’n ein anständiges Hefeweizen.
Es schmeckte saugut. (Wenn ich es richtig auf dem Bierdeckel gelesen habe, geht die Brautradition von Arco auf das Jahr 1630 zurück!)

T184-Bier-01-imp

Dann wieder hoch (beliebtes Alpenspiel). Schöne Weiler. Oder Aussiedlerhöfe. Einsam jedenfalls.

Grün-Idyll

Grün-Idyll

Wäre ich Pilzkundler, würde ich unterwegs nicht verhungern.

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Edda hatte beim Anblick eines Fliegenpilzes eine Idee. Sie würde gerne Dirndl im Fliegenpilzmuster entwerfen. Das sei sicher ein gutes Geschäft, da ja heute alle jungen Mädels Dirndl als Partykleidung kauften.
Ich ließ sie träumen.

Drugs, Alcohol and Dirndl

Drugs, Alcohol and Dirndl

Am Wegrand Bildstöcke. Mit Maria in einem rotweißen fliegenpilzähnlichen Tuch.
„Siehst Du!“ rief Edda.

Drugs, Religion and Dirndl

Drugs, Religion and Dirndl

Stele

Stele

Ziemlich genau gegenüber eine Gedenktafel für den 1878 verunglückten Dorfpfarrer. Hatte er zu viel rotweißen Röcken nachgeschaut, statt auf den Weg zu achten?

Gottes Zorn trifft auch die Frommen

Gottes Zorn trifft auch die Frommen

Wer hat heute noch Erinnerung an diesen Gottesdiener? Und warum wird immer noch seiner gedacht? Nach 140 Jahren.
Niemand antwortete mir.

Es regnete. Mal stark, mal schwach. Der Wendelstein befreite sich kurz von den Wolken und simulierte Sonnenherbst.

Zeig Dich!

Zeig Dich!

In den Dörfern trieben Bäuerinnen derweil die Kühe von der Weide in den Stall.

Cows and Cowgirl

Cows and Cowgirl

Der Tag graute mächtig.
Nach 7 Stunden in Bayrischzell eingelaufen. Langweiliges Kaff.

Der verlorene Charme der bayerischen Bourgeoisie

Der verlorene Charme der bayerischen Bourgeoisie

Riesenhunger:
Kraftbrühe mit Brätnockerl. Klasse! 3,50 Euro.

T184-Essen-01-imp

Schweinsleber in Majoransauce mit Salz-Kartoffeln. Sensationell gut. 9,50 Euro. (Und verdammt viel.)

T184-Essen-02-imp

Die Bedienung outete sch als nostalgischer Verehrer von Prinzregent Luitpold, der um die Jahrhundertwende (1900) das Schicksal Bayerns bestimmte.

Offenbar gibt es immer noch Monarchisten in diesem bayerischen Winkel.

Zum Essen gab’s Stub’nmusi. Genialer Zitherspieler. Er erfüllte mir den Wunsch: „Hary-Lime-Thema“ von Anton Karas. „Der Dritte Mann“.
Er ließ sich in Euro, aber noch lieber in Naturalien zahlen. Vorzugsweise Averna oder ein lokaler Kräuterschnaps.

Der Dritte Mann

Der Dritte Mann

Danach gab er mir einen Volkshochschulkurs: Herzog Maximilian von Bayern war einst ein großer Förderer des Zitherspielens. Zither-Maxl nannte ihn der Volksmund.

Der Mann an der Zither spielte besser als er erzählen konnte.
Was für ein Abend!

Unterkunft: 55 Euro (mit Frühstück).

Edda kümmerte sich in der Nacht rührend um die gebrochene Hand von Paule.

Wahre Liebe ist ....

Wahre Liebe ist ….

Schleichenweg nach Vorderrieß

Ein fantastischer Tag kündete sich an.
Schon von meinem Hotelfenster konnte ich früh die Zugspitze sehen.

Kaum aus Garmisch draußen, türmte sich das Massiv komplett (mit Alpsitze, Zugspitze etc.) vor mir auf.

The heights of Germany

The heights of Germany

Mein heutiges Ziel: Vorderrieß im Isartal. Ca. 31 km zu gehen.

GPS-182-Garmisch

GPS-Gesamtstrecke bis 182

Abseits der viel befahrenen Bundesstraße schöne Dörfer.

Kamera mit automatischer Motiv-Suche

Kamera hatte auf automatische Motiv-Suche gestellt

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, keine Hausfassaden mehr abzufotografieren. Die letzten zwei Tage waren der Overkill gewesen.
Aber Kitsch verführt doch zum Hinschauen.

Reizend oder Aufreizend?

Reizend oder Aufreizend?

Vor dem Haus stand Paule. Gestern war er auf dem Oktoberfest in München gewesen und hatte sich beim Fingerhakeln die Hand gebrochen.
Trotzdem hielt er eine Maß hoch und bot an, mich ins Isartal zu begleiten. Ich willigte ein.

Im Handumdrehen

Im Handumdrehen

Ich fragte Paule, warum hier die jungen Leute so anders seien als im Rest der Republik. Wieso sie sich mit Lederhose und Janker oder Dirndl genauso kleideten wie ihre Eltern? Warum sie klaglos die Familienbetriebe übernähmen, in den Wirtschaften kellnerten und Abends mit am Stammtisch säßen? Spielen sie nur Tradition? Oder hatten sie auch etwas davon? Wirtschaftlich vielleicht?

Paule verstand nicht recht, worauf ich hinauswollte. Ich vertagte das Thema.
Wir stärkten uns mit Weißwurst, süßem Senf, Brezel und einem Weißbier.

T182-Essen-02

Und zogen weiter.

Kein Gemecker

Kein Gemecker

Über einen kleinen Berg und schon war ich in einer anderen Gegend. Karwendel-Gebirge!

Bayerisch Idyll 1

Bayerisch Idyll 1

Diese Felsen musste ich umlaufen. Sie markierten ziemlich genau die Grenze mit Österreich.

Bayerisch Idyll 2

Bayerisch Idyll 2

Nach 4 Stunden schließlich in das Obere Isartal eingebogen.

Yosemite Bavariae

Yosemite Bavariae

Auf Hangwegen begleitete ich den Fluss, der hier – wenn nicht gerade Schneeschmelze ist – eher ein Flüsschen ist.

Auf nach München

Auf nach München

Paule brauchte immer wieder eine Pause. Er kühlte sich seine gebrochene Hand im Isarwasser.

T182-Paule-02-imp

Ich versuchte noch einmal etwas aus ihm heraus zu locken. Wollte wissen, warum Bayern so anders funktioniert? Warum es für viele junge Menschen hier selbstverständlich ist, einmal im Jahr an einer Wallfahrt teilzunehmen? Warum sie dem Hüttenzauber und Jodelquatsch nicht überdrüssig würden? Warum …. ?

Paule antwortete einfach nicht, trat dafür nach einer Schleiche am Wegesrand.

Schleich Di !

Schleich Di !

Der Wanderweg meist eine breite Sandstraße.

Yosemite Bavariae 2

Yosemite Bavariae 2

Selten kamen ein paar Radfahrer vorbei. Die Isar schwoll ein wenig an. Klitzeklar das Wasser.

Herbst blättert ab

Herbst blättert ab

Nach 9 Stunden, die zwar anstrengend waren, aber doch eher einem Spaziergang glichen, erreichte ich Vorderrieß. Kaum mehr als 3, 4 Häuser am Isarufer.

Der Weg ist am Ziel

Der Weg ist am Ziel

Aber einen Gatshof gab es, in den ich mich einquartierte.

Hunger: Krustenbraten mit Kartoffelsalat. Ordentlich. 9, 50 Euro.

T182-Essen-01

Paules Hand hatte sich nun gänzlich selbständig gemacht. Zapfte unablässig ein Bier.
Ich half ihm beim Trinken.

T182-Paule-03-imp

Unterkunft: 45 Euro (mit Frühstück).

Mit blasphemischer Chuzpe nach Garmisch-Partenkirchen

Wespenalarm!
Morgens um 9!
Ein in Schutznetze eingehüllter Beamter kam mir auf dem Ammeruferweg fuchtelnd entgegen und bat mich, einen großen Umweg zu machen.
Sie würden gerade das Nest aggressiver Wespen ausheben. Es sei zu gefährlich weiter zu gehen.
Ein einheimischer Radler und Grantler protestierte. Das sei doch alles Unfug. Die Ammer flösse durch ein Naturschutzgebiet. Wie könne man da Wespen töten. Der Radler radelte weiter und ich machte einen Umweg.
Ich hatte anscheinend zuviel Respekt vor der wilden Natur!

eingefasst

eingefasst

Mein Weg heute: von Unterammergau nach Garmisch-Partenkirchen. Etwa 21 km.

GPS-180-Unterammergau

GPS-Gesamtstrecke bis 180

Trotz Umweg: Oberammergau war schnell erreicht.
Durch die Passionsspiele weltberühmt, ist es in Wahrheit ein eher langweiliger Ort.
Wäre da nicht der bayerische Sinn für Theatralik und barocke Bühnenbilder.

Kaum ein Haus ohne Giebelkreuz.

Grüß Gott

Grüß Gott

Kaum eine Fassade ohne ausschweifende Bemalung.

Giebel-Kunst

Giebel-Kunst

Ich fragte mich, in welche Inszenierung ich da geraten und welche Rolle mir zugedacht war?

Triptichon

Triptichon

Die Jesus Passion als Comic-Strip, Golgotha in die Ammergauer Alpen verlegt. Buben, die vor dem Gekreuzigten Schuhplattler tanzen. Die Monte Pythons hatten bei weitem nicht so viel Phantasie und blasphemische Chuzpe wie bayerische Lüftlmaler und Holzschnitzer.

Nirgendwo feiert sich das bajuwarische Klischee dermaßen ungeniert wie auf diesem Streckenabschnitt meiner Tour.

Gar lustig sind die ...Buam

Gar lustig sind die …Buam

Die Ammer jetzt rauer, nur manchmal hob sich der Nebelschleier und ich konnte ahnen, dass ich durch Gebirge wanderte.

Bach oder Fluss?

Bach oder Fluss?

Akt II der Inszenierung begann: Kloster Ettal. Eine mächtige Benediktiner-Abtei. Kein Ort der Stille. Japaner und vor allem Chinesen bevölkerten das Areal. Klar gibt es eine berühmte Basilika. Klar ist es ein Wallfahrtsort. Aber was suchen all die Menschenmassen selbst im Nebel hier?

Es ist das Gesamtkunstwerk bayerischer Mönche! Zum Kloster gehören große Bierschenken, Klosterbrauereien, Destillerien und eine Vielzahl von Souvenirläden. Vorgeführt wird das bajuwarische Lebensgefühl und die bayerische Sicht auf die Welt.

Gran Dios

Gran Dios

Ich sah mir die Basilika an.

Zangengriff

Zangengriff

Erst jetzt, als ich beim Anblick der Kuppelfresken das Wort „grandios“ murmelte, fiel mir etwas auf.
Ich musste verdammt alt werden, um so etwas Simples und Naheliegendes zu bemerken, dass „grandios“ nichts anderes bedeutet als „Großer Gott“ („Gran Dios“). Hijo, warum lauf ich nur so verblödet in der Welt herum.

Hinter dem Kloster folgte der Wanderweg einem alten Saumpfad, dem Kienbergweg. Schon im 14. Jahrhundert eine wichtige, aber auf diesem Abschnitt gefürchtete Handelsverbindung zwischen Venedig und Augsburg. Ein gefährlicher Pfad noch heute. Breit und gut begehbar ist er nur am Anfang. Danach wird er eng, steinig, steil und rutschig.

Go down

Go down

Teil III der Inszenierung: der Kreuzweg.

Obwohl hier sicher keine Rentner, nicht einmal im Senioren-Sommer, auch keine Japaner und Chinesen den Hang hinunter rutschen: Es war eine schlichte, aber beeindruckende Via Dolorosa. Ausdruck von Volksfrömmigkeit, die nicht auf das große Publikum zielt.
Aber eine Landschaft, ein versteckter Winkel ohne eine Inflation religiöser Symbole: in Bayern kaum erlebt.

Wieviele Kreuze verträgt eine Landschaft?

Wieviele Kreuze verträgt eine Landschaft?

Auf halber Strecke ins Tal: ein alter Grabstein.

„Hier starb
mitten in seiner rastlosen Tätigkeit
am 15. August 1875
Herr Franz Xaver Hauser
Steinmetzmeister aus München
geboren am 15. April 1812
Zu Binswang in Tirol.

Er wurde duch das Umstürzen
der zur Oberammergauer Kreuzigungs
Gruppe gehörigen Johanes Figur
deren Transport er leitete
getötet.“

Pech gehabt

Pech gehabt

Am Ende des Kreuzweges das Loisach-Tal.
Ich konnte die Feld-, Weg- und Fluss-Kreuze nicht mehr zählen, an denen ich heute vorbei gewandert war.

Platzhalter

Platzhalter

Nach 6 Stunden Garmisch-Partenkirchen erreicht.

Ludwigstrasse

Ludwigstrasse

Die Geschichte fing wieder von vorne an: Hausmalereien, Kreuze, Passionswege, Bajuwaren-Kitsch.

Augen Blick

Augen Blick

Ich hatte genug.
Ich setzte mich in ein Lokal und schloss die Augen. Ich wollte keine Dirndl, keinen Janker, Gambsbart, keine Lederhose oder Tracht, keine nach Luft schnappende Touristen und eigentlich überhaupt nichts mehr sehen. Ich war erschöpft.

Hunger: Ochsenbäckchen mit Kohlrabi und Semmelknödeln. 14 Euro. Naja.

T180-Essen-01

Unterkunft: 68 Euro (mit Frühstück).

Japanische Stille an bayerischen Seen und auf dem Weg nach Unterammergau

Füssen ist ein babylonischer Ort. Vielfältige Sprachen in den Straßen.
Sicher kommen die Touristen nicht aus der weiten Welt hierher, um sich das eher langweilige Städtchen anzuschauen. Es gibt schönere in Bayern.

Rote Kapelle

Rote Kapelle

Füssen ist Ausgangspunkt für die Tour zu den Königsschlössern des verrückten Ludwig II.

Und genau das hatte ich mir heute auch vorgenommen: eine Wanderung zu zwei der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands.
Die Schlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein. Danach wollte ich noch ein wenig weiterlaufen. Es wurde schließlich ein sehr langer Tag und rund 40 Kilometer, die ich marschieren musste.

GPS-179-Fuessen

GPS-Gesamtstrecke bis 179

Um 9 Uhr hatte ich Füssen verlassen und mich über einen kleinen bewaldeten Hügel zum Schwansee aufgemacht.

Märchenwald

Märchenwald

Der Nebel sollte den ganzen Tag mein Begleiter sein.

Swansee

Swansee

„Japanische“ Stille um den Teich.

Variation von Swansee

Variation von Swansee

Schilf, Gras, Seerosen meditierten und bewegten sich dabei nicht.

Sweet Rose of Bayern

Sweet Rose of Bayern

Windlose Stille.

KeinVorgartenteich

Kein Vorgartenteich

Von der Ruhe zum Tumult war es jedoch nicht weit. Eine halbe Stunde nur bis zu den Burganlagen. Und das babylonische Sprachgewirr schwoll orkanartig an. Tausende Menschen hatten sich an diesem kalten und grauen Sonntagmorgen aufgemacht, Traumfotos in ihre digitalen Tagebücher zu kleben.
Nur: Zu sehen bekamen sie fast nichts.

Hohenschwangau in Nebel gehüllt.

Fog Castle

Fog Castle

Neuschwanstein fast unsichtbar.

Edgar Wallace was here

Edgar Wallace was here

Ich hätte heute in vielen Sprachen das Wort „Scheiße“ lernen können. Hatte aber nicht die Geduld, mir die enttäuschten Schnappschüssler länger anzuschauen und zog weiter.

Ludwig II war Japaner!

Ludwig II war Japaner!

Ausgesprochen schöne Herbst-Wanderwege durch die bayerische Provinz.

All along the ...

All along the …

Die Dörfer kompakt, nicht zersiedelt.

Bavaria

Bavaria

Manche mit wunderschönen alten Bauernhäusern.

Bavaria Ausschnitt 1

Bavaria Ausschnitt 1

Bavaria Ausschnitt 2

Bavaria Ausschnitt 2

Bauern bekam ich nicht zu Gesicht weder in den Straßen noch auf den Feldern.
Nur ein paar verspielte Kinder auf Fassaden.
Bayern weiß sich zu inszenieren!

Bavaria Ausschnitt 3

Bavaria Ausschnitt 3

Erstaunlicherweise fiel mir das Gehen leicht heute. Nicht einmal Pausen brauchte ich. Sehr gleichmäßig mein Schritt.

Alle Wege führen zum Kreuz

Alle Wege führen zum Kreuz

Ich genoss die Ruhe. Der Nebel nahm der Landschaft die Akzente.

Kein weg net ohne Vieh

Kein weg net ohne Viech

Kontrastarm auch meine Gedanken. Sie marschierten so mit meinen Füßen mit. Irgendetwas dachte in mir, aber schon im nächsten Moment konnte ich mich daran nicht mehr erinnern.

Manchmal eine seichte Furt und ein kleiner Zweifel: Which way to go?

Which way?

Which way?

Es wurde spät und dunkel.

Finsternis sah mit Hundert schwarzen Augen aus den Tannenbäumen. (Frei nach Goethe.)

Wegmarke

Wegmarke

Das Hochmoor glühte sich noch einmal warm für die kalte Nacht, die jetzt hereinbrach.

Lieber Herbst

Lieber Herbst

Nach 11 Stunden und in ziemlicher Dunkelheit erreichte ich Unterammergau.

Durst: Paulaner Bier. (Nicht gerade meine Lieblingssorte.)

Hunger:
Brätsuppe: 3,50 Euro. Deftig und schmackhaft.

T179-essen-02

Allgäuer Kässpätzle. 7,50 Euro, Preis gut. Essen leider nicht.

T179-essen-01

Unterkunft: 65 Euro (mit Frühstück).
(Mit dem Zug war ich ins 4 km entfernte Oberammergau gefahren und hatte mir dort ein Quartier gesucht.)

Spät saß ich noch in einer Wirtschaft und sah den heimischen Stammtischbrüdern beim Watten zu.
Ein ziemlich schlitzohriges Kartenspiel.

T179-Stammtisch-01

Durch Nebelwände nach Füssen

Ohne große Erwartungen losgezogen. Zu dicht war der Nebel, der den Morgen einhüllte.

Der Weg ist das Ziel

Der Weg ist das Ziel

Ich wollte mal wieder hoch hinaus. Auch die Hände beim Gehen benutzen. Also wählte ich eine Bergroute und setzte mir als Minimalziel für heute: Füssen. 17 km entfernt. Um 9 Uhr hatte ich mein Unterkunft verlassen.

GPS-178-Pfronten

GPS-Gesamtstrecke bis 178

Breite, aber steile Straße zunächst, die zum feinen Schlosshotel Falkenstein führte.
Von dort kamen mir Gäste entgegen. In alten Luxusschlitten.

Ohne Nebelhorn

Ohne Nebelhorn

Ein Benz nach dem andern.

Old times

Old times

Bald verieß ich die Teerpiste und kämpfte mich einen erst gemütlichen, dann immer wilderen und steilen Serpentinenpfad hinauf.
Ziemlch glitschig. Mehrmals musste ich ziemlich unfreiwillig auf allen Vieren kraxeln.

Mehr Wurzeln als Äste

Mehr Wurzeln als Äste

Und dann war es plötzlich da! Das Glück!

Dach meiner Welt

Dach meiner Welt

Ich war oben. 1.280 Meter hoch. Und empfand – so pathetisch es klingt – reines Glück.

Über den Wolken sind Wolken

Über den Wolken sind Wolken

Schwere unter mir, Leichtigkeit um mich herum.

Aus den blauen Bergen

Aus den blauen Bergen

Es wird mir immer rätselhafter, was Glück überhaupt ist, wenn ein simpler Bergaufstieg plus ein bisschen Sonne genügen, dass der Körper so verschwenderisch mit Endorphinen umgeht.

Kreuzglücklich

Kreuzglücklich

Ich hatte die Burgruine Falkenstein erreicht. Hier plante Ludwig II. einmal eine noch größere Märchen-Burg als Neuschwanstein.

Mal 'ne richtige Bezeichnung: 2Falken-Stein"

Mal ’ne richtige Bezeichnung: „Falken-Stein“

Zum Glück war nichts daraus geworden. Ich hatte den Falkenhorst lange ganz allein für mich und versuchte von oben eine Gesetzmäßigkeit in den Nebelbewegungen unten zu entdecken.
Mit Entropie hatte, was ich sah, nichts zu tun.
(Da konnte ein Demiurg noch so die Welt unter mir hin und her schütteln: Nichts verteilte sich gleichmäßig und nichts löste sich ins Nichts auf. Nix und niemands starb heute den Wärmetod!)

Alternativheimat für Lochness

Alternativheimat für Lochness

Beim Abstieg machte ich noch einen kurzen Abstecher zur Mariengrotte knapp unterhalb des Falkensteins.

Höhenschwindel

Höhenschwindel

Beeindruckend die Lage. Kitschig die Ausführung. Lourdes-Nippes in die Berge verlegt.

Grottenkitsch

Grottenkitsch

Dame und Magd

Dame und Magd

Über den Bergkamm (Zirmgrat) wanderte ich weiter Richtung Füssen.

Manche Täler schafften es sich irgendwie nebelfrei zu machen.

Wann fällt er ?

Wann fällt er ?

Will gar nicht mehr runter!

Will gar nicht mehr runter!

Im Zirmwald tobte sich dafür die Nebelfee jetzt so richtig aus.

Erleuchtet

Erleuchtet

Erst alte Grenzsteine machten mir bewusst, dass ich mich ziemlich genau auf der deutsch-österreichischen Grenze bewegte und das in stattlicher Höhe.

Kunstvoll

Kunstvoll

Wer hat eigentlich jemals Zeit gehabt, den zickzackigen Grenzverlauf hier festzulegen und zu markieren? (War es dieselbe nationalistische Energie, die Staaten in der Arktis, auf dem Mond, auf dem Mars und irgendwann in der Milchstraße Grenzen ziehen lässt?)

Guter Steinmetz

Guter Steinmetz

Die bewirtschaftete Hütte auf der Saloperalm liegt auf Tiroler Gebiet, die Zufahrt aber ist nur von der bayerischen Seite möglich. Und von dort strömten Massen der Samstags-Sonne entgegen.

Hüttenzauber?

Hüttenzauber?

Vor der Almhütte die Staatsgrenze.

Urdeutsches Wort: Achtung!

Urdeutsches Wort: „Achtung“!

Das Schild offensichtlich vom Staate Österreich aufgestellt.
Ich hätte ja zu gerne gewusst, vor was ich mich in Acht hätte nehmen sollen. Und wenn nicht, welche Sanktionen mir gedroht hätten. Und von wem.

Grenzen sind heute in Europa ein Scherz. Ich vermute, Witzbolde haben dieses Schild hier aufgestellt. (Oder die Österreichische FPÖ, die meint es ja ernst mit Ab-GRENZungen.)

Nach einigen Stunden war ich wieder im Tal. Immer noch mit Glücksgefühlen. Der Alat-See vor mir.

Ludwig II hätte sich hier auch ersäufen können

Ludwig II hätte sich hier auch ersäufen können

Lange wusste ich nicht, ob ich mich nun auf deutschem oder österreichischem Boden bewegte. Der Wald gab mir die Antwort.
Der Herbst hatte ihn Schwarz-Rot-Gold markiert.

Wald-Fahne

Wald-Fahne

Der Rest war ein Spaziergang. Die Iller entlang.

Fischerparadies

Fischerparadies

Bis Füssen. Gegen 16 Uhr fand ich ein Hotel.

Durst: Bier!

Hunger:
Zanderfilet in Dillsauce. Zander ziemlich trocken gebraten.

T178-Essen-01

Unterkunft: 65 Euro (mit Frühstück).

An Rentnernistplätzen vorbei nach Lindau

Bodensee weckt MEERGefühle.

Der See aber still, will nicht plätschern. Kein Wellenanschlag am Ufer. Das Wasser schon kalt.

Im Herbst baden nur noch Schwäne.

Swansee

Swansee

Um halb zehn hab‘ ich mich von der netten Hotelwirtin verabschiedet. 27 km hatte ich heute zu gehen. Bis Lindau.

GPS-173-Friedrichshafen

GPS-Gesamtstrecke bis 173

Die erste Stunde führte der Pfad durch das Eriskircher Ried. Rückzugs-, Brutgebiet und Zwischenlandeplatz von Zugvögeln.

Das Moor tut seine Schuldigkeit

Das Moor tut seine Schuldigkeit

Noch hat der herbstliche Vogelzug nicht begonnen. Auch der Greif wird langsam ungeduldig.

T173-Greif-01-imp

Statt Vögel haben allerdings Fahrradfahrer den Bodensee zu ihrem herbstlichen Nistplatz gemacht. In riesigen Schwärmen fallen sie über Trampelpfade, Seitenstrassen und Wanderwege her.

High High High-Tech Society

High High High-Tech Society

Unendlich viele Rentner unterwegs. Wer von ihnen nicht mehr laufen kann, besitzt zumindest ein E-Bike.
So außerordentlich schön der Bodensee ist, die Radfahrer machen ihn für jeden Wanderer zur Hölle.
Ein ständiges Klingeln, Rufen, aus dem Weg Scheuchen. Vor allem die Alten mit ihrem an Supermarkt-Kassen eingeübten Dauerdrängeln ließen mich ernsthaft über Kung Fu-Techniken, Stock in Speichen Schlagen und heimlich Reiszwecken in die Fahrbahn ausstreuen nachdenken.

Massen-Migration

Massen-Migration

Der Weg nach Lindau ist anscheinend besonders beliebt. Dabei war nicht einmal Wochenende. Senioren-Sommer eben!

Ich setzte mich entnervt kurz ans „Malereck“ und ließ die Horde mit ihren Elektromotoren hinter mir vorbeisummen und -klingeln.

Guter Landschaftsarchitekt

Guter Landschaftsarchitekt

Bei Nonnenborn zum letzten Mal auf meiner Tour das Bundesland gewechselt! Wieder in Bayern!

Unübersehbar. Sofort Bildstöcke am Wegrand.

Es wird bayerisch

Es wird bayerisch

Nach 8 Stunden die Schein-Insel Lindau über die erste Landbrücke betreten.
Biergartenwetter.

Linda

Linda

Durst: Leibinger Hefeweizen. Ist verdammt gut die Kehle hinunter gelaufen. (Ravensburger Brauerei, seit 1894.)

T173-Bier-01

Hunger:
Zander mit Zitronensauce und Kapern. Gut zubereitet. 17,50 Euro.

T173-Essen-01

Den Tag erst am Hafen, dann in einer Musikkneipe ausklingen lassen. Eine Vietnamesin sang klassischen Pop und Folk.
Sie hatte ein ansteckendes Lachen.

Capri kann nicht schöner sein

Capri kann nicht schöner sein

Unterkunft: 65 Euro (mit Frühstück).