Eurozwerg Stefan führt mich in den Zieleinlauf nach Furth im Wald

Tag 21 meiner Wanderung. Schlusstag. Ziel in Sicht. Gerade mal 16 km entfernt: Furth im Wald auf der deutschen Seite. Gemütliches Auslaufen. Start 9 Uhr 30, Ankunft 13 Uhr 30.

GPS-Gesamtstrecke bis 021

Direkt an der Grenze erwartete mich Euro-Zwerg Stefan. Er war aus irgendeinem böhmischen Gartenidyll entlaufen und wollte sich an meiner Foto-Tour beteiligen.
Er stellte mir noch ein paar schöne Aufnahmen in Aussicht, zu guter Letzt.

Euro-Zwerg

Zu viel versprochen. Vielleicht lag es an meinen müden Augen, aber ich entdeckte kaum noch ein Motiv. Wollte ankommen.

Links lag der Bayerische Wald, den ich hinter mir gelassen hatte.

Weit weg die großen dunklen Berge

Rechts begann der Oberpfälzer Wald, ein weiteres Mittelgebirge, das ich aber jetzt nicht mehr in Angriff nehmen werde.

Schon nah, das nächste (aber nicht mehr so hohe) Mittelgebirge

Ich war müde.

Ob so ein Mensch nach 21 Tagen Wandern stinkt ?

Seltsamerweise geschieht mir das immer auf der Wanderung. Ich kann stundenlang gehen, meine Füße schreiten Schritt für Schritt, es tut nicht weh. Auch nicht nach acht Stunden. Doch sobald ich das Ziel sehe, und seien es nur noch zwei Kilometer, verlassen mich die Kräfte und der Weg wird mühsam, manchmal zur Qual. Dabei hätte ich gedacht, dass der Körper zum Schluss noch einmal alles mobilisiert, um endlich an die Tränke zu kommen. Bei mir verhielt es sich umgekehrt.

So war es auch heute. Das Ziel vor Augen fühlte ich mich ausgebrannt, bewegte mich immer langsamer.

Ob ich so jemanden in meinem Auto mitnehmen würde ?

Ankunft dann Gott sei Dank nicht zu spät.

Durst: Helles. Further Hofbräu. Durchschnittsbier (gehört wohl der Dimpfl-Gruppe?).

Hunger: Maronensuppe mit Rothirsch-Pflanzerl (Ein Genuss! Feinste Schaum-Suppe und fantastischer Geschmack der Wild-Frikadellen). 4,90 Euro.

Endlich mal wieder ein kulinarisches Highlight. Schon Beim Lesen der Speisekarte beschloss ich, den Geldbeutel weit aufzumachen.

Hauptgericht: Zweierlei vom Fasan mit Perigord-Trüffel und Kartoffel-Kürbis-Püree. (Klasse, sehr schmackhaftes Püree, Fasan war sehr gut. Trüffel – naja – bin da kein Kenner, überzeugten mich nicht wirklich.) 22 Euro.

Unterkunft mit Frühstück: 34 Euro.

Zum Schluss noch einmal meine versammelte Familie: Die Rasselbande hatte sichtbar Spaß gehabt und freut sich jetzt, mein Zuhause kennen zu lernen.

Dort angekommen, werde ich dann – bei einer guten Fasche Rotwein – Bilanz der ersten Etappe meiner Grenzwanderung ziehen. Ich habe schon Lust auf die zweite!

Wilderei und Walhall beschäftigen mich bis Frauenau

Tag 17 meiner Wanderung. Schneeregen. Wieder einmal. Nach den gestrigen Strapazen hatte ich mir einen einfachen Weg ausgesucht. Größtenteils durch den Wald, aber mehr oder weniger der Landstraße ST2132 folgend, ohne größere Steigungen. Ich wollte nach Frauenau, um dort das Glasmuseum zu besuchen. Etwa 16 km Gehweg.

GPS-Gesamtstrecke bis 017

Die Strecke war nicht sehr abwechslungsreich. Ich lief außerhalb des Nationalparks. Der Unterschied war auffallend: Kein Windbruch, kaum kranke Bäume, gepflegter Wald.

Wie aus dem Ei gepellter Wald

Erst jetzt verstand ich, was ich manchmal als Andeutungen in Gesprächen gehört hatte: Dass es in der örtlichen Bevölkerung immer noch starke Vorbehalte gegen das Nationalpark-Projekt gibt. Nicht nur, dass viele Holzfäller und Sägewerksbetreiber ihre einstige Lebensgrundlage verloren haben. Für Naturliebhaber sieht dort der Wald einfach krank und kaputt aus.

Stimmt ja auch, aber die Philosophie ist, die Natur sich selbst zu überlassen. Sie wird den Borkenkäfer irgendwann zum Normalparasiten machen, der nicht weiter wehtut, vielleicht sogar nützt.

Im übrigen Wald, außerhalb des Nationalparks, werden vom Borkenkäfer befallene Bäume gefällt und samt Rinde „entsorgt“, um die Baumplantagen „sauber“ zu halten.

Apropos Natur sich selbst überlassen. Gestern, beim Abstieg vom Rachelsee, war mir ein Jeep mit Anhänger aufgefallen, auf dem zwei erlegte Rothirsche transportiert wurden. Wenn ich’s recht sah, gehörte das Auto der Nationalparkverwaltung. Im Nationalpark gilt striktes Schießverbot. Wie kann es also sein, dass Hirsche erlegt werden?

Ich habe ein paar Leute angespochen und es scheint so zu sein, dass Rothirsche sowieso von den Jägern sofort geschossen werden, wenn sie auch nur einen Zentimeter die Nationalparksgrenze übertreten. Angeblich weil sie zu großen Schaden durch Verbiss anrichten. (Oder ist es wegen der Trophäen/Geweihe?) Aber auch im Nationalpark selbst werden, so das Geraune, Rothirsche „angefüttert“ und immer wieder in ein Gatter gelockt, um sie dort zu schießen. Wohl um den Bestand zu dezimieren. Wenn das stimmt, führt sich der Nationalpark selbst ad absurdum.

Und noch ein Gerücht ist Besorgnis erregend. Wie es aussieht, gibt es mehr Luchse im Park als offiziell statistisch ausgewiesen werden. Eigentlich ist der Park mit Luchsen „gesättigt“. Diese Raubtiere brauchen ein großes Revier und verspeisen pro Woche mindestens ein Reh. Ist der Park „voll“, ziehen die „neuen“ Luchse weiter in andere Gebiete. Dort werden sie aber plötzlich nie mehr von irgendeinem Jäger gesehen (und gemeldet). Die Vermutung liegt mehr als nahe, dass diese schönen Wildkatzen, die die Nationalparksgrenzen verlassen, ebenfalls abgeschossen werden. Erstens weil sie für den Jäger eine Konkurrenz sind (sie dezimieren den Reh-Bestand). Zweitens, weil auch sie eine begehrte (illegale) Trophäe sind. Mit anderen Worten, es wird kräftig gewildert in und um den Bayerischen Wald. Ein Skandal.

Beim weiteren VormichHingehenundNachdenken fragte ich mich, warum es keinen Horst Stern mehr im Fernsehen gibt, diesen begnadeten Polemiker und Filmemacher, der sich in „Sterns Stunde“ genau um diese Skandalthemen gekümmert hat. Stattdessen die immer gleichen HochglanzNatur-AlleWeltistHeilundSchön-Filme in ARD und ZDF.

Ordentlicher Wald

Auf meinem Weg kreuzte ich nur zwei Ortschaften. U.a. den Weiler Klingenbrunn. Nicht zum ersten Mal fiel mir mitten in einem Dorfzentrum – an sehr prominenter Stelle – ein Heldendenkmal auf. Für die gefallenen Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkrieges.

Merkwürdige Verehrung

Für was wird hier gedankt? Dass die Soldaten für Hitler gefallen sind? (Für den Ruhme Deutschlands bestimmt nicht.) Wer weiß, ob sich unter den namentlich in Stein Gemeißelten nicht auch Schwer-Verbrecher befinden, SS-Schergen?

Ist im Bayerischen Wald die Diskussion über die Gedenkkultur völlig vorbeigegangen, die in den 60er und 70er Jahren solche „Denk“male in Frage stellten? Haben nicht die Wehrmachtssoldaten erst die Massenverbrechen im Dritten Reich möglich gemacht (um eine alte Blümsche These wieder aufzunehmen).

Stattdessen in so manch einem Dorf ein gespenstisches Walhall.

Walhall in vielen Ortschaften

Nach gut 5 Stunden Wanderung gegen 14 Uhr 30 schließlich in Frauenau angekommen.

Es erübrigt sich von selbst, zu erwähnen, dass das Glasmuseum, das ich besuchen wollte, zu war (keine Saison), so gut wie keim Laden geöffnet hatte und ich nur mit Schwierigkeiten ein offenes Hotel fand. (Ist eben keine Saison.)

Durst: Leider nur schlechtes Innstadt Helles (2,50 Euro).

Hunger: Die Speisekarte gab nicht wesentlich mehr her als ein Wiener Schnitzel mit Pommes (Das Hotel hatte gerade den ersten Tag wieder geöffnet, die Küche war noch nicht richtig angelaufen). Panade labbrig. Hatte aber Hunger und hab alles verputzt: 8,50 Euro.

Unterkunft: 38 Euro (mit Frühstück und grauenhafter Kaffee-Brühe).

Auf hohen Umwegen bis Spiegelau

Ich wollte noch einmal probieren, auf einem Höhenweg des Bayerischen Waldes – und ziemlich nah an der tschechischen Grenze – zu wandern. Bin gegen halb neun aufgebrochen. Ziel war auf jeden Fall, abends in Spiegelau aufzuschlagen.

GPS-Gesamtstrecke bis 015

Durch den Wald bei Neuschönau, über das Hochmoor bei Altschönau hoch zu dem winzigen Bergdorf Waldhäuser. Auf etwa 1.050 m Höhe. Ganz früher war das mal eine Übernachtungsstation für „Säumer“. Säumer waren Transporteure, die mit Tragetieren (Säumtiere) hier im Bayerischen Wald vor allem Salz über Pässe runter zu den wohlhabenden Städtern brachten.

Haus im Dorf Waldhäuser

Waldhäuser wird heute von wichtigen Wanderrouten gekreuzt. U.a. vom berühmten Goldenen Steig.

Goldener Steig

Wie mir eine Parkwächterin noch unten im Tal sagte, werden aber die meisten Wanderrouten im Winter für Wanderer nicht geräumt. Deshalb auch, um die Reviere der Auerhähne zu schützen. Das Vorankommen auf dem Höhenweg erwies sich als extrem mühsam. Ständiges Einsacken. Ich gab den Plan rasch auf, auf dem Höhenweg weiterzukommen und stieg wieder Richtung Tal ab. Der Schnee wurde weniger. Die Bäume allerdings ebenfalls. Manchmal sieht hier der Wald eher bemitleidenswert aus. Extremer Windbruch und der fresssüchtige Borkenkäfer sorgen für apokalyptische Stimmungen.

Apokalypse Wald

Nach insgesamt rund 17 km Fußmarsch kam ich gegen 15 Uhr in Spiegelau an. Eigentlich ein bekannter Ort im Bayerischen Wald, berühmt für seine einstigen Glashütten. Selten aber so ein totes und abweisendes Dorf erlebt. Ich steuerte zielstrebig auf ein Landgasthaus zu. Es war offen, fand sogar eine „Rezeptionistin“. Sie erklärte mir, dass sie mir kein Zimmer vermieten könne, obwohl alle Räume leer standen. Begründung: Die Zimmer seien schon für die Weihnachtsgäste hergerichtet, die in einer Woche kommen würden. Da könne sie jetzt keine „Unordnung mehr gebrauchen“.

Da war wieder diese niederbayerische Mentalität, die, vorsichtig umschrieben, als mindestens  unflexibel zu charakterisieren wäre.

Es kostete mich eine geschlagene Stunde eine Unterkunft zu finden. Die restlichen 2 oder 3 Pensionen des Ortes waren noch geschlossen (bis Weihnachten). In einem Privathaus fand ich schließlich eine Gästezimmer-Bleibe.

Durst im besagten Landgasthaus gelöscht. Ich war der einzige Gast (wohl auch im ganzen Dorf). Klasse Helles: Langanhaltender Geschmack! Brauerei Aldersbacher. Urkundlich zum ersten Mal 1268 erwähnt! Also mindestens 743 Jahre Brauereiwissen in diesem Bier!!! (Gehörte natürlich lange den Mönchen, heute den Freiherren von Aretin.) 2,50 Euro.

Essen: Zwiebelrostbraten mit Bratkartoffeln. War deftig und gut. 10,80 Euro.

Unterkunft: 22 Euro (mit Frühstück).

Muck will nicht nur bis Neuschönau mit mir wandern

Tag 13 meiner Wanderung.

Habe mich längst daran gewöhnt, unterwegs niemanden zu treffen, mit keiner Seele zu sprechen. Genieße es sogar. Die Zeit ist einfach nicht danach: Zu nasskalt, zu unfreundlich. Deutschland im Winter eben. Abends mit ein paar Stammtischbrüdern das Immergleiche bequatschen ist okay. Wenngleich komischerweise nie über Politik gesprochen wird. Finanzkrise weit weg.  Da, wo ich gerade herumtappe, sind die Menschen mit sich eins. Obwohl gar nicht so weit entfernt von der Tschechischen Grenze, spüre ich überhaupt nichts von einer anderen „Färbung“ in der Mentalität. Alles ist echt niederbayerisch, langsam, verdruckst, ehrlich. Wenn ich mal auf einer Straße laufen muss, sehe ich nie tschechische Kennzeichen. Deutscher/Deutsche Mann/Frau ist hier unter sich – und wartet auf Weihnachten und auf die Touristen. Ich empfinde keine Heile Welt, sehe, dass hart gearbeitet wird (besser: höre, wenn abends in der Wirtschaft über das tägliche Geschäft gesprochen wird: Preise für den Ster Holz, den Quadratmeter Fliesen, den Reifenwechsel, den Hektar Land, sogar für die Weihnachtsgans). Frauen kommen nur in die Wirtschaft mit Familie oder in (Weihnachtsfeier-)Gruppen. Die meisten singen dann (Kirchenchöre scheinen hier das Nonplusultra der Unterhaltung zu sein). Die niederbayerische Kneipe ist männlich und ziemlich dickbäuchig.

Apropos Bauch: Meinen Wampenansatz hab‘ ich längst verloren. Der Körper weiß, woher er die Energie nehmen muss und saugt mir das Fett von den unteren Rippen. Gut so. Noch eine Woche mehr und ich hab mein altes Kampfgewicht wieder!

Das geht umso schneller, je mehr ich Wanderwege laufe, die entgegen den Verheißungen der Prospekte nicht Winter-geräumt sind. Schön, in zugeschneiter Natur zu laufen, aber auch heftig anstrengend.

Blauer Weihnachtsmann stapft durch den Wald

Seit Tagen das gleiche Bild:  Stämme im Schneenebeldunst samt Nieselregenschleier. Laufe durchschnittlich auf einer Höhe zwischen 800 und 900 Metern.

Ein Wald ist eine Ansammlung von Holz

Ich hatte mir wieder eine etwas kürzere Tour ausgesucht. Von Mauth nach Neuschönau. Eigentlich nur um die 12 km. Ich legte aber noch einen drauf. Das Seltsame ist mittlerweile: Unter 20 km fühle ich mich unterfordert. Eigentlich bescheuert, aber mein Körper will einfach weitergehen. Ich habe nie etwas zum Kauen dabei, manchmal vermisse ich etwas Wasser. Aber in der Regel frühstücke ich sehr gut und nehme erst am Abend wieder Nahrung und Flüssigkeit auf. Hab mich so programmiert.

GPS-Gesamtstrecke bis 013

Unterwegs im Weißflimmern (hab‘ dummerweise keine Sonnenbrille dabei und manchmal das Gefühl, ich würde schneeblind), sah ich erneut etwas Rotes, halb Erfrorenes. Natürlich dachte ich wieder an einen Nikolaus (Nikolaus-Leichen pflastern meinen Weg). War aber nicht. Er war ebenfalls rot und weiß, aber ein Nussknacker. Ein klassischer. Steckte in einem zugeschneiten Ameisenhügel fest. Er schaute dämlich drein (vielleicht schlurften ja gerade Ameisenweibchen an seinen Sohlen und sie brannten ihm ein wenig).

Zur Abwechslung mal kein erfrorener Nikolaus

Gut. Auch ihn befreite ich. Allerdings wollte ich wissen, was er hier treibe. Schließlich käme er doch aus dem Erzgebirge. Er widersprach heftig. ER sei das Original und die Nussknacker aus dem Erzgebirge nur billige Kopien. Die dortigen Schnitzer seien allerdings geschäftstüchtiger gewesen. Sie hätten schon im 19. Jahrhundert erkannt, dass mit geschnitzten Spielzeugen und Nussknackerfiguren gute Taler zu verdienen waren. Aber geboren sei er hier. Im Bayerischen Wald. Er habe gehört, dass ich Richtung Norden wandere und er würde sich mir gerne anschließen. Er möchte endlich diese Plagiatoren kennenlernen. Wie er denn heiße, wollte ich wissen. „Muck“ sagte er sehr bestimmt.

Okay. Meine Familie wuchs mit jedem Tag.

Im Wald: Wenn ich zurück blickte, sah ich meine Fußstapfen. Wenn ich nach vorn schaute, sah ich Wild-Stapfen (Fährten). Hier muss ein reger Nacht-Verkehr herrschen.

Wär ich Lederstrumpf

könnt ich Fährten lesen

O James Fennimore, was hätt‘ ich dich jetzt gerne im Gepäck. Wie bewundere ich dich!

Allmählich näherte ich mich meinem Ziel: dem Dörfchen Neuschönau. Die Wege wurden einfacher, manche waren sogar zertrampelt (trotzdem niemandem begegnet – scheinen Geister gewesen zu sein).

In Dorfnähe wurde der Weg einfacher

Es war so um die Mittagszeit, vielleicht halb eins. Aber dann stiefelte ich zufällig bei dem Freigehege des Nationalparks vorbei. Eine Art Zoo in natürlicher Umgebung. Ich wollte endlich mal ein wildes (gefangenes) Tier fotografieren. Und folgte dem Rund-Spaziergang – 7 km. Hatte jedoch nicht viel Glück. Bekam z.B. den Luchs nur von weitem zu sehen.

Noch zu weit entfernt (selbst für ein 400er Tele)

Ich beschloss, am nächsten Tag eine Wanderpause einzulegen und wieder zu kommen. Gegen vier Uhr suchte ich mir eine Unterkunft. Das Gasthaus war weihnachtlich geschmückt. Komischerweise hatte ich bisher (in diesem so katholischen Landstrich) kaum etwas von der Adventszeit mitbekommen. Hier brannten die Kerzen und Kränze und auch beinahe mein kleiner Muck.

Ich befreite ihn aus dieser misslichen Situation. Kühlte seinen Kopf mit etwas Bierschaum.

Durst: Hacklberg Helles (2,60 Euro).

Hunger: Rehkeule in Wildrahmsauce mit Speck-Rosenkohl und Kroketten. Sehr gut (wenn auch offensichtlich aus der Mikrowelle). Besonders gelungen der Rosenkohl, bissfest, guter Geschmack, Speck richtig dosiert. 12 Euro.

Unterkunft: 35 Euro.

Nachtruhe (ist eigentlich ein Euphemismus: Die Rasselbande hält mich ganz schön lange wach).

Zum „Gans Ausspielen“ nach Mauth

Der Wetterbericht hatte zum wiederholten Mal Schneeregen angekündigt. Wieder kein Fototag. Darauf war ich eingestellt, als ich um 9 Uhr aufbrach. Schneeregen gab es tatsächlich und das im doppelten Sinn, natürlich und künstlich – sozusagen.

Oberhalb von Mitterfirmiansreut (was für ein Name) baut ein privater Förderverein eine Schneekirche.  Zum Gedenken an das legendäre Original, die die frommen Bauern vor genau hundert Jahren aus Eisblöcken konstruiert hatten –  als Protest gegen den verbonzten Pfarrer, der sich im harten Winter selten hatte blicken lassen.

Die immer noch frommen – aber nicht mehr so armen – Mitterfirmiansreuter investieren 160.000 Euro in diese vergängliche Konstruktion.

Rohbau der Schneekirche in Mitterfirmiansreut

Das Holzgerüst steht schon, seit gestern schieben Schneeraupen immer mehr Schnee an die Baustelle.

Schneeraupen schieben das Baumaterial herbei

Mit einer Schneefräse wird der verklumpte und vereiste Schnee dann pulverisiert und auf die Holzkonstruktion gesprüht.

Schneefräsen schleudern den Schnee auf den Rohbau

Etwa eine Woche lang wird so in Mitterfirmiansreut  ein künstlicher Schneeregen niedergehen. Bis Kirchturm und Halle vollständig umschlossen sind.

Ist alles schließlich vereist, wird der Holzkern entfernt und die Schneekirche wird selbsttragend sein – bis zur ersten Frühlingssonne.

Mein Weg heute: von Mitterfirmiansreut bis Mauth. Dort beginnt der Nationalpark Bayerischer Wald.  Mit Auto wären das etwa 8 – 9 Kilometer. Gewandert bis ich allerdings rund 16 Kilometer.

GPS-Gesamtstrecke bis 012
Die Wanderwege im Wald fast unpassierbar. Bei jedem Schritt sackte man zwanzig, dreißig Zentimeter ein. Anstrengend.

Winter im Bayerischen Wald

So lief ich meist auf noch nicht gespurten Skiloipen, die einen besseren Halt gaben, mich allerdings auch häufig im Kreis führten.

Mühsame Wege

Mit jeder weiteren Stunde versuppte die Sicht.

Milchige Sicht

Zum ersten Mal auf meiner Tour dachte ich an gar nichts. Die Landschaft auf dem ganzen Weg weißgrau tapeziert. Es war still, kein Vogelgezwitscher, kein Warnruf irgendeines Tieres, nur ab und zu das Fallgeräusch eines besonders dicken SchneeRegenTropfens auf meinen Rucksack.

Gegen 14 Uhr 30 kam ich in Mauth an. Immerhin hatte dort ein Gasthaus offen. Auf mein Zimmer musste ich allerdings mehr als eine Stunde warten. Die Wirtin war einerseits mit Kochen für eine Abendveranstaltung (Weihnachtsfeier des Gesangvereins) beschäftigt und andererseits reichlich wortkarg.

Bier: LangBräu. Schon wiederholt getrunken, scheint in dieser Region weitverbreitet.

Essen: 1/4 Gans mit selbstgmachtem Kartoffelknödel und Blaukraut. Sensationell !! (15 Euro.)

(Irgendwie hatte sich meine Dreinamenshex KittiKattiKatharina schnell noch etwas von dem Gänsefett unter der knusprigen Haut gesichert. Zu was auch immer sie das noch brauchen würde.)

Dass ich Gans aß, war purer Zufall. Ich hatte meine Wirtin gefragt, was es denn am Abend zu Essen gäbe. Ihre mundfaule Antwort: Wiener Schnitzel mit Pommes. Ich erwiderte, dass ich aber gesehen hätte wie sie gerade einige Gänse zubereitet habe. Sie meinte, die seien reserviert für die „geschlossene“ Abendgesellschaft im Nebenzimmer. In der Vorweihnachtszeit spiele die das traditionelle „Gans Ausspielen“. (Dahinter verbirgt sich, dass 4 Kartenspieler (Schafkopf oder Watten) um die Gans spielen. Das ganze Feder-Vieh kostet 60 Euro. Der Gewinner (oder das Gewinnerpaar)  darf umsonst schlemmen.)  Die Wirtin fand offenbar Gefallen an meiner Hartnäckigkeit und versprach, mir ausnahmsweise ein Viertel einer Gans zurückzuhalten.

Und sie schmeckte köstlich. Knusprig die Haut, fast leicht das Fleisch, auf den Punkt gewürzt. Klasse die Soße, gut entfettet (ohne Mehlverdicker!!! endlich!!!). Die selbst gemachten Knödel ein Gedicht.

Am Schluss hab ich sogar die Knochen abgeknabbert und abgelutscht und mich gründlich überfressen.

Unterkunft: 34 Euro.

Die DreiNamensHex fliegt mit mir nach Mitterfirmiansreut

War zeitig aufgebrochen. Gegen halb acht. Schlechtes Wetter war angekündigt und ich wollte ein paar Kilometer machen. Besser laufen, als in einer Stube herum hocken. Ich wusste noch nicht, dass es ein verdammt langer Tag, ein Auf und Ab in den Bergen werden sollte. Bis auf 1.050 Meter gings zeitweilig hoch und gleich wieder rasant bergab. Am Schluss verrückte 37 km bis Mitterfirmiansreut. Die Grenze mit Österreich verlief irgendwo in den Wäldern, ich muste mich stellenweise deutlich von ihr entfernen, um auf gangbaren Wegen zu gehen.

GPS-Gesamtstrecke bis 011

Die Sonne hatte früh am Morgen noch Kraft, die dicken dunklen Wolken zu durchbrechen. Ich fotografierte ein Vogelhäuschen, da ich eine Bewegung bemerkt und eine Kohlmeise darin vermutet hatte. Zu meiner Überraschung fand ich aber eine Hexe! Sie hatte sich im Guckloch des Verschlages mit ihrem Besen verheddert und steckte fest.

Hexenhaus lässt die Hex nicht raus

Ich befreite sie, dachte sie würde sofort auf ihrem Besen „wegreiten“. Aber sie blieb bei mir. Ich wusste nicht, dass Hexen dankbar sein können.

Ich fragte sie nach ihrer Herkunft. Sie sagte, sie wohne normalerweise am Rachel-See, weiter oben im Grenzgebiet zwischen Bayerischem und Böhmischem Wald. (Dorthin will ich auch noch wandern.) Ich fragte sie nach ihrem Namen, aber sie schwieg. Wir bewegten uns im Dreiländereck von Deutschland-Österreich-Tschechien. So beschloss ich, sie die Dreinamenshex zu nennen.

Hexe KittiKattiKatharina

Zu Beginn schritt ich kilometerlange Loipen ab. Normalerweise wird jeder sofort standrechtlich erschossen (oder wenigstens von Jägern aus Versehen), wer diese Heiligtümer des Wintersports mit simplen Wanderstiefeln entweiht. Alle Hundert Meter Verbotsschilder für Fußgänger. Aber es gab eh niemanden, der jetzt sportelte, die Saison beginnt erst in etwa einer Woche. Trotzdem lief ich mit einem schlechten Gewissen die Loipe entlang. Ich bin zu deutsch – ich beachte normalerweise Gesetze. Ich beeilte mich besonders, schnell weiter zu kommen.

Loipe nach Haidmühle

Loipe als Hohle Gasse

KittiKattiKatharina war unterwegs etwas unruhig geworden, hatte irgendeine Fährte aufgenommen und führte mich schließlich zu einer Froststelle, in der wieder einmal einer dieser tollpatschigen Nikoläuse festgefroren saß.

Hexe entdeckt Bofrost Nikolaus

Ich befreite auch ihn (hatte gerade meinen großzügigen Tag) und beschloß, ihn endlich in meine Familie aufzunehmen. Mein Rucksack wurde schwerer und schwerer.

So wie der Tagesverlauf. Geplant war eine Etappe von etwa 20 km. Bis Haidmühle etwa.

Verregnete Ankunft in Haidmühle

Doch dort: Wind, extremer Regen und jede Pension ZU! Die Saison beginnt erst Weihnachten.

Ich lief also weitere 5, 6 Kilometer bis Bischofsreut. Das gleiche Spiel. ALLES ZU!!
Weiter nach Philippsreut. Erneut ALLES ZU!!! Ich klingelte in einer Pension, ein Großmütterchen mit reichlich gebeugtem Kreuz öffnete die Tür, bedauerte dass sie Betriebsferien machten und sagte mir, dass möglicherweise in Mittefirmiansreut noch ein Familienhotel offen hätte. Weitermarsch (noch einmal 5 km) in der Nacht bei Schneeregen und dichtem Nebel.

Irgendwann (gegen 18 Uhr 30 (stockfinster!!!!)) hielt ein gnädiger Autofahrer, bei dem ich mich erkundigte, wo denn GottVerdammtNochmal eine Unterkunft zu finden sei. Der freundliche ältere Niederbayer lotste mich GottSeiGedankt zum einzig offenen Gasthaus im weitläufigen Dorf-Labyrinth und verabredete sich gleich mit mir um 20 Uhr auf ein Bier.

Das Gasthaus war ein Hundehotel, genauer gesagt: ein Familienhotel, in dem Hunde willkommen waren. Sie waren die ersten die mich rudelweise empfingen. Gewöhnungsbedürftig.

Das Hotel bot lediglich Halbpension an, Überraschungsgäste waren eigentlich nicht vorgesehen. Trotzdem wurde ich freundlich aufgenommen und hatte so immerhin die erste Halbpension meines Lebens gebucht. Schlafen mit Abendessen und Frühstück inklusive.

Schlag acht Uhr stand dann mein freundlicher Helfer in der Wohnstube (die hatte das Hundehotel auch!).

Er war Rechtsanwalt, der sowohl in Tschechien als auch in Bayern zugelassen war. Wir plauderten eine Zeit lang über die Nachbarschaftsverhältisse im Dreiländereck. Nach seiner Erfahrung kommen zur Zeit immer mehr Tschechen nach Niederbayern, um business zu machen. Zeitarbeitsfirmen, Autozulieferer und vor allem auch Fremdenverkehr. Sogar einige Gastronomieunternehmen, Hotels und Restaurants seien mittlerweile von Tschechen aufgekauft. Geld sei offenbar vorhanden. Und viele Tschechen kämen auf die niederbayerische Seite, um Urlaub zu machen. Skifahren, Langlauf oder Wandern im Sommer. Außerdem zahlten Tschechen zuverlässiger als seine niederbayerischen Landsleute. Europa wachse sichtlich zusammen.

Zu den Mentalitätsunterschieden befragt, meinte mein heißerkakautrinkender Gast: Tschechen seien Slawen und nie so direkt wie die Deutschen. Direktheit würde sie verletzten. Ihr Stolz sei sehr schnell zu kränken. Nur wer das verstehe, könne ins Geschäft mit ihnen kommen. So gesehen seien die Österreicher mehr Slawen als Deutsche. Auch bei ihnen gäbe es einen spürbar überhöhten Patriotismus; Österreicher seien schnell verletzbar und nie so brutal direkt wie die Deutschen.

Zu guter Letzt kam mein DreiländerExperte noch auf sein Lieblingsthema: Die Logen. Er war davon überzeugt, dass die Welt von geheimen Mächten regiert würde. Von Logen. Schröder (Gazprom), Berlusconi (Medienmogul) – nur zwei Beispiele von Logenmitgliedern, die einen Auftrag zu erfüllen hätten: Die Welt ins Chaos zu stürzen, damit am Ende der Logen-Chef sich als eigentlicher Weltenlenker offenbaren könne. Fast alle wichtigen Orden hätten die Teufelsanbetung als Grundlage. Denn es ginge darum, Gott den Alleinvertretungsanspruch auf Weltherrschaft und damit auf Allmacht zu entreißen. Gott stürze man mit dem Teufel.

Langsam (auch meinem Bierkonsum geschuldet) konnte ich den Argumenten meines DreiländerNiederbayern nicht mehr folgen. Er zählte mir immer mehr verschiedene Logen und Logenmitglieder auf. Auf meinen Einwand, dass, wenn es so viele unterschiedliche Logen gäbe, die allesamt auf die Alleinherrschaft der Welt abzielten, es doch nach Mafia-Manier Revier-Kämpfe untereinander geben müsste – also Morde,Totschlag, Massaker – blieb ihm für Sekunden die Spucke und das Argument weg, dann kam er aber auf den Hexenorden. Und hier war der Punkt, wo ich schließlich aufgab. Ich verabschiedete mich. Und bemerkte, dass KittiKattiKatharina, die ich dazu befragen wollte, längst im Delirium lag.

KittiKattiKatharina übt sich als Schnapsdrossel

Durst: Helles von der Brauerei Lang-Bräu (Freyung im Bayerischen Wald). War nix besonderes. 2,50 Euro.

Hunger:
Champignonschnitzel mit hausgemachten Spätzle. (Preis: Halbpension.)

Essen wie aus der deutschen Pampa/Pampe

(Hier zeigte sich das ganze Desaster deutscher Halbpensionsküche: Ein einziger geschmackloser Mehlbrei. Ich war allerdings zu dankbar, überhaupt eine Unterkunft gefunden zu haben, um mich zu beschweren. Außerdem war der Wirt/Koch überaus nett.)

Meine Rasselbande kurz vor dem Einschlafen

Unterkunft (inklusive Schnitzel und Frühstück (also Halbpension)): 60 Euro.

Glücksgefühl beim Verlassen von Gottsdorf

Glücksgefühl am Morgen. Schnee lag noch. Tolle Wetterstimmung beim Verlassen von Gottsdorf.

Gottsdorf in der Früh

Gottsdorf immer noch früh

Einsame Sträßchen, praktisch kein Verkehr. Immer wieder Grenzschilder: Österreich eine gute Spuckentfernung weg.

Grenze verläuft durch Innenhöfe von Bauernhöfen

Eher einfache Route heute: Von Gottsdorf (mit ein paar Umwegen) nach Wegscheid. Maximal 18 Kilometer. Keine schwierigen Höhenunterschiede.

GPS-Gesamtstrecke bis 009

Niemand zu sehen, nicht auf den Straßen, nicht in den Dörfern. (Was machen eigentlich Bauern im Winter? Euro-Subventions-Richtlinien studieren, am warmen Herd?). Immerhin rauchten fast alle Schornsteine. Es wird viel Holz verfeuert. Angenehmer Geruch nach Lagerfeuer.

Meine einzigen Begleiter: Wegkreuze.

Treue Begleiter: Wegkreuze

Und immer noch ein Glücksgefühl, das ich mir nicht erklären konnte. Es hing wohl mit der Natur zusammen. Sie war nicht grandios. Doch zauberhaft still und anmutig (gar nicht wuchtig, wie ich für den Bayerischen Wald vermutet hätte).

Glück ist ein merkwürdiges Gefühl. Jedenfalls mehr als purer Endorphin-Ausstoß.

Ich weiß, das viele dazu neigen, angesichts eines überwältigenden Naturerlebnisses den Schöpfer zu bemühen und die Nichtigkeit des eigenen kleinen Wesens zu betonen. Und aus einem Glücksgefühl, aus einer Naturüberwältigung, gleich einen Gottesbeweis zu machen. Wieder so ein kultureller Reflex, der sich automatisch zwischen den Synapsen ereignet. 2000 Jahre Christentum haben den meisten von uns den Horror Vacui eingebleut. Die Angst vor dem absoluten Nichts. Nur weil wir den Abgrund des Nichts sehen, sollen wir an Gott glauben. Alles definiert sich demzufolge über sein Gegenteil, nichts existiert ohne sein Antonym. Das hat aber einen Haken. So würde Gott auch nur existieren, wenn es ebenfalls einen Teufel gäbe. Hat also Gott den Teufel geschaffen, um sich selbst zu erzeugen?
Wer den Teufel abschafft, vernichtet Gott?

Komisch, über was ich so nachdenke, wenn ich ständig an irgendwelchen Kruzifixen vorbeimarschiere und an seltsamen Nikolaus-Leichen.
Dieser Himmels-Postbote war offensichtlich erfroren: Wiederbelebung zwecklos. Schokolade auch nicht mehr genießbar.

Irgendetwas stimmt mit der Ausrüstung der Nikoläuse nicht

Danach ein plötzlicher Wetterumschwung. Mehr SchneeRegen als Schnee. Wind. Graupel. Ungemütlich. Wegscheid war allerdings nah. Und ein Landgasthof. Ankunft 15 Uhr 30. Pressspan-Möbel im 60er Jahre Stil. Rustikal-Charme. Knorriger (aber dennoch überaus freundlicher) Wirt. Zwei ältere Bauern am Stammtisch, die auch wieder über die ertrunkenen Angler diskutierten. Konnten aber auch nicht klären, warum sie nicht schwimmen konnten.

Durst: Innsstadt Helles. 2,20 Euro.

Hunger: Wildschweinbraten mit Knödel. Standard (Mehlschwitze ist hier wohl auch Standard). 10,80 Euro.

Mehlschwitze ist Saucen-Standard

Unterkunft: 25 Euro (mit Frühstück). Klasse Preis.

Tut mir leid Nikolaus, ich geh bis Gottsdorf

Völlig verregneter Tag. Fing in Obernzell harmlos mit ein bisschen Nieselregen an. Das Wasserschlösschen (einst fürstbischöflich) fotogen trotz Schmuddelwetter.

Obernzeller Wasserschlösschen

Die Fähre rüber nach Österreich fuhr ohne Passagiere. Wahrscheinlich schmeckte dem Kapitän der kleine Braune dort besser als der Espresso bei uns (warum nur taucht bei den geliebten Nachbarn so oft das Wort „braun“ auf (Braun-au, Braun-er (für Kaffee))). Will jetzt nicht weiter assoziieren).

Verregnetes Spiegelbild

Die Donau lag da, träge und braun.

Donau (auf deutscher Seite braun) (auf österreichischer blau)

Auch heute wieder etwas spät aufgebrochen. Gegen neun Uhr in der Früh. Wollte der Donau folgen bis zum deutsch-österreichischen Schlagbaum und dann Richtung Bayerischer Wald aufsteigen. Hier macht die Grenze ein Eck.

Deutsch-Österreichisches Eck

Zumindest bis Gottsdorf wollte ich heute kommen.

GPS-Gesamtstrecke bis 008

Traf ich auf meinen bisherigen Wanderungen niemanden, so war hier überhaupt niemand unterwegs. Nur ich und meine Familie (im Rucksack).

Regnet halt stark

Kurz vorm Aufstieg passierte ich ein kleines Wasserloch mit einer merkwürdigen Wasserleiche: Ein Nikolaus war abgesoffen, hatte wohl den Temperatur- und Wetterumsturz bei seiner Erdenfahrt nicht mit einkalkuliert.

Ab jetzt „Ade! Servus! Tschüss!“ Flüsse. Erst der Salzach entlang (Grenze mit Österreich), dann dem Inn (Grenze mit Österr.), schließlich der Donau (Grenze mit Öst.) gefolgt und nun hinauf in die Berge (und immer noch Grenze mit Ö). Von oben ein letzter Blick ins total verregnete Donautal mit Engelhartszell auf der österreichischen Seite.

Blick zurück und dann nach vorn

Mit jedem Meter Auftsieg wurde der Regen kälter, plötzlich waren es Flocken.
Schnee wie Puder.

Erster Schnee im Dezember 2011

Dann richtiger Schnee! (Am Nikolaustag!)

Erst der Anfang !

Und wieder geschah etwas Seltsames:

Unter meinem Schritt spürte ich ein seltsames Geräusch, etwas Matschiges, etwas Seufzerähnliches, Röchelndes und schnell Verstummendes.

Ich hatte – ohne Absicht – einen Nikolaus zertreten.
Es tat mir aufrichtig leid. Nikolaus, wie er da lag mit zertretenem Schokoladen-Gesicht. Hätte er sich früher bemerkbar gemacht: Ich hätte ihn in meine Familie aufnehmen und in meinen Rucksack stecken können. Auf einen mehr oder weniger wäre es nicht angekommen. Pech.

Jämmerlicher Anblick

Nach 18 km und 5 Stunden Laufen: Ankunft in Gottsdorf auf rund 660m Höhe.
Toller Landgasthof.

Durst: Unertl Hefeweizen! (Neben der Schneider-Weiße das beste Weißbier Bayerns.) Privatbrauerei. 2,80 Euro.

Zu meiner Überraschung hatte sich doch wieder ein Nikolaus ins Restaurant geschlichen und zu mir gesellt. Scheinen unverwüstlich oder geklont zu sein. An jeder Ecke vorhanden. Und stehen wie die Untoten immer wieder auf.

Most Braten mit Niki

Hunger: A‘ geschmackiger Mostbraten (in Mostsud geschmorter Rinderbraten 
mit gebackenen Sauerrahmknödeln und Wurzelgemüse) € 9,20.
Sehr gute Landgasthaus-Küche. Dazu ein Innstadt Helles.

Gut bedient schlafen gegangen, so gegen 23 Uhr.

Unterkunft: 45 Euro (mit Frühstück). Wirklich billig. Der Gasthof war frisch renoviert und von einem Innenarchitekten sehr ästhetisch und großzügig ausgebaut worden. Internet inklusive (das ermöglichte mir endlich wieder etwas zu posten).