Zum Himmel über Natzwiller

Auch Heilige sind bisweilen umnebelt. Jedenfalls war von der Heiligen Odilia, der Schutzpatronin des Elsass‘, die auf der Bergkuppe thront, nichts zu sehen.

Die Heilige umnebelt

Die Heilige umnebelt

Frühnebel – als ich gegen 9 Uhr losging.
Von der reinen Kilometerzahl war mein heutiges Ziel eigentlich leicht zu erreichen. Gerade mal 23 km. Trotzdem wurde es ein ellenlanger Tag.

GPS-160-Obernai

GPS-Gesamtstrecke bis 160

Das Winzernest Ottrott ließ sich erst ein wenig mit Regen bestäuben, dann wieder zeigte es sich sonnig einladend.

Geklonte Orte

Geklonte Orte

Im Dorfzentrum traf ich Frédéric. Freundlich, gestriegelt, auf höflichen Umgang mit Touristen geschult. Er bot mir seine Hilfe als Fremdenführer an.

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Da er einen Schirm mit sich trug und ich auch vor den nahen Vogesen einigen Respekt hatte, nahm ich die Offerte an.
Gemeinsam zogen wir los.

Trampelpfade führten uns immer tiefer in den Wald hinein.

Ausgetrampelt

Ausgetrampelt

Eine Karte trug ich nicht mit mir. Ich verließ mich ganz auf mein Handy-Navi und hoffte, dass der Empfang nicht allzu oft gestört werden würde.

Steinwald

Steinwald

Schon zu Beginn ging es steil bergan. Mein Navy machte es sich leicht, zeigte meist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten an.
Mal musste ich weglos durch das Unterholz tappen, mal kletterte ich klitschige Schneisen hoch, die sonst wohl als Rutschen für Baumstämme dienen.

Der Weg ist eine Schneise

Der Weg ist eine Schneise

Gründunkel die vorherrschende Waldfarbe. Wäre da nicht ab und zu ein Farbtupfer namens Fliegenpilz.

Pilzerkrankung

Pilzerkrankung

Immer wieder tröpfelte Regen durchs undichte Walddach.
Mein kleiner Frédéric entpuppte sich als Schönwetter-Fremdenführer.
Drohte Regen, suchte er Schutz unter Pilzen. Ansonsten jammerte er über die schlechten Wege und die körperliche Anstrengung.
Kurzerhand packte ich ihn in meinen Rucksack und ließ ihn dort weiter jammern.

Schutzschirm

Schutzschirm

Ich verfluchte die 16 Kilogramm auf meinem Buckel.

Der Wald öffnete sich nur selten und wenn, lud das, was ich sah, nicht zum Weitergehen ein. Ein Gewitter nahte.

Düstere Aussichten

Düstere Aussichten

Ich verlor das Gefühl für Zeit. War nur noch konzentriert nach oben zu kommen. Hatte mich bereits über 1.000 m hochgearbeitet. Das zeigte zumindest der Höhenmeter meiner Uhr an: 1.007 Meter.

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Irgendwann erreichte ich den Bergkamm. Und wurde belohnt. Herrliche Sicht.

On Top

On Top

Ich legte mich schwer schnaufend kurz ins nasse Gras. Nass geschwitzt war ich eh schon.

Ruhepunkt

Ruhepunkt

Dann rutschte ich auf glitschigen Wegen hinunter ins Tal. Zum Bergdorf Natzwiller, in 550 m Tiefe.
Ich hatte nicht mehr die Kraft zu fotografieren.

Durst: literweise Wasser und dann eine Karaffe elsässischen Weißburgunder. Ausgezeichnet.

Frédérdic war so kaputt, dass er statt zu trinken sich in sein leeres Weinglas bettete und laut ratzte.

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Hunger.
Vorspeise: Pfifferlinge. Fantastisch gebraten. Klasse gewürzt.

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Hauptspeise: Gebratenes Täubchen. Auf Sauerkraut und mit Morcheln. 23 Euro.
Das Fleisch unfassbar zart und schmackhaft. Sauerkraut und Morcheln top. Ich war begeistert.

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Unterkunft: teuer.

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