Larsens Weihwasser-Wallfahrt nach Goch

Hügel fühlen sich schon mit 50 Höhenmeter wie Berge an.
Offenbar bin ich zu lange im Flachland gelaufen. Kam heftig ins Schnaufen, als ich Nijmegen Richtung Süden verließ und die ersten Bodenwellen überwinden musste.

50 Meter Giganten

50 Meter Giganten

„Berg en Dal“ hieß anfänglich die Straße, die mich von Nijmegen Richtung Goch (Deutschland) führte, 35 km entfernt.

GPS-126-Nijmegen

GPS-Gesamtstrecke bis 126

Wie schön, mal nicht zu sehen, was mich auf den nächsten Kilometern landschaftlich erwartete. Es ging hügelig weiter.

In einer Kurve überholte ich Lars.

T126-Wallfahrer-01

Wohin er mit seinen leeren Eimer ginge?, neugierte ich.
Nach Deutschland – nach Goch„. (Ausgesprochen wie „noch“ nur mit „g“.)
Was er da wolle?
Weihwasser holen!

Warum und wieso, das erzählte mir der Junge nicht. Lars redete nicht gerne.
Ich wusste, dass Goch erst vor wenigen Jahren mit päpstlichem Segen zu einem neuen katholischen Wallfahrtsort aufgestiegen war. Viel mehr aber auch nicht.

In den Vororten Nijmegens auffallend häufig Verkaufsschilder vor den Häusern. (Niederländer sagen „zu kaufen“ (anpreisend!), während Deutsche etwas „zu verkaufen“ (wertlos geworden!) haben.)

Ausverkauf

Ausverkauf

Immerhin das erklärte mir Lars. In den Niederlanden sei es sehr leicht, an Bankkredite zu kommen. Häuser werden häufig zu hundert Prozent über Kredite finanziert (Als Sicherheit bürge das Objekt selbst). Nach Scheidung oder Jobverlust könnten viele Niederländer die Raten nicht mehr zahlen. Das sei gerade ziemlich schlimm.

Droht da dem nächsten Land eine Immobilienblase?

Lars war überhaupt ziemlich klug für sein Alter.

Die deutsche Seite war rasch erreicht. Nette kleine Grenzorte.

Dicker Turm

Dicker Turm

Ich war mir nicht sicher, ob ich immer noch durch das Münsterland lief. Auf jeden Fall, die Gegend war ziemlich katholisch. Und sie zeigte es!

Jeder, der Kranenburg betrat oder befuhr, musste erst einmal zu Kreuze kriechen.
(Oder zumindest um das Riesending am Stadteingang herumkommen).

Dem Kreuz entkommt niemand

Dem Kreuz entkommt niemand

Hinter dem Städtchen ging’s ab in den „Reichswald“. Ein Staatsforst. Wohl das größte zusammenhängende Waldgebiet Nordrhein-Westfalens.

Frühlingsbegrünung

Frühlingsbegrünung

Welch ein Genuss, nach Deichlandschaften, Sand, flachen Schafsweiden und Bodenwellen mit ein paar Heidebüschen wieder durch Baumlandschaften zu spazieren!
WALD!!!

Hätte ich die Gabe vorbeiflatternde Schmetterlinge zu fotografieren, diese Seite wäre voll damit!
„Hüpfendes Laub“ nannte Lars die Flugkünstler, die in der Tat kaum von welken und heruntergefallenen Herbstblättern zu unterscheiden waren. Nur, dass sie eben in der Luft tanzten.

Welch ein Genuss, wieder geschnittenes Holz zu riechen!

Wenn man Bilder riechen könnte

Wenn man Bilder riechen könnte

Am frühen Nachmittag sah ich zwei ältere Herren einigermaßen orientierungslos um einen Haufen fauliger Blätter herumlaufen.
Es waren niederländische Pensionäre, die, wie sie mir in schönem Rudi-Carell-Deutsch erklärten, eine GPS-Schnitzeljagd unternahmen.

Fitte Senioren

Fitte Senioren

Mittels eines GPS-Gerätes und vorher im Internet recherchierter Koordinaten suchten sie einen Behälter, den jemand hier irgendwo versteckt hatte und der eine für sie bedeutende Nachricht enthielt.
„Geocoaching“ nannte sich dieser Zeitvertreib wohl. (Ganz begriffen habe ich es noch nicht).
Die beiden Senioren schienen glücklich damit.

Ein GPS-Gerät hätte ich bei meiner Wanderung durch den Klever Staatswald gut gebrauchen können. Es gab nämlich keine ausgeschilderten Wege durch den Forst.

Mehrmals stand ich überraschend vor Hindernissen, die ich nicht einfach niedertrampeln wollte!

No Go

No Go

Also musste ich einige Male Umwege gehen, um offene Gatter zu finden.

Renaturiert

Renaturiert

Der Wald wird vom Flüsslein Niers begrenzt.
Ein ehemals begradigter Bach, jetzt aber wieder mit viel Aufwand renaturiert.
Die Biber freut’s.

Lumber for Biber

Lumber for Biber

Stadt, Feld, Fluss: abwechslungsreich die Landschaft im Westfälischen.

1000 Furchen führen zum Ziel

1000 Furchen führen zum Ziel

Gegen 18 Uhr erreichten Lars und ich endlich Goch. Der Niersbach führte uns direkt zur Wallfahrtskirche.

Beeindruckend schlicht

Beeindruckend schlicht

Lars erklärte mir, dass Goch der jüngste Wallfahrtsort in Deutschland sei. 2003 war der Missionar Arnold Jannsen, der in dieser Kirche getauft worden war, von Papst Johannes Paul II heilig gesprochen worden. Das Städtchen Goch wurde dann 2008 zum Wallfahrtsort erhoben.

Heiliges Eck

Heiliges Eck

Seitdem kamen (an Seele oder Körper) gebrechliche Menschen hierher, um sich durch ein Wunder heilen zu lassen.

Ob das Weihwasser wirklich solche Kraft hat?
Lars bejahte das. Er sollte es schließlich für seine kranke Mutter holen. (Immerhin, dieses Motiv seiner Wallfahrt nannte er mir!)

Holy Water

Holy Water

Ich hatte genug von derlei Geschichten und außerdem Hunger. Lars durfte auswählen.

Er bestellte Wiener Schnitzel mit Pommes. (Wie alle Niederländer die nach Deutschland reisten, sagte er!) (Qualität: Na ja!)

T126-Wallfahrer-02

Unterkunft: 69 Euro (mit Frühstück).

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