Mit William Christ beschwingt nach Ter Apel

„Ruiten A Kanaal Ost II“ sollte mir den Weg weisen.
Das hatte ich am Abend zuvor über Google Maps ausgeschnapst.

Kanal voll

Kanal voll

Ich konnte nicht erkennen, ob irgendetwas den Kanaal Ost II bewegte, außer der Wind, der die Wasseroberfläche aufraute. Das Kanalwasser stand ansonsten still, floss mir weder davon noch entgegen. Brackwasser.

Um halb zehn hatte ich das Hotel verlassen und folgte dem Gewässer. Fast die gesamten 24 km bis zum Dorf Ter Apel.

GPS-116-Bourtange

GPS-Gesamtstrecke bis 115

Am Kanalrand ein kilometerlanger Schattenspender: Ein Trampelpfad gesäumt von Baumpalisaden.

Schattenhüpfen

Schattenhüpfen

Es war wie immer: Am Beginn einer neuen Etappe fehlt mir noch der Rhythmus. Die Gedanken schwirrten, pulsten und surrten in meinem Kopf. Der entleerte sich einfach nicht. Da half auch die Monotonie der niederländischen Landschaft nicht.

Aus dem Bild gerutscht

Aus dem Bild gerutscht

Ausgedehnte Felder mit Kanal. Kanal mit ausgedehnten Feldern. Und stets ein Gehöft in Blickweite.
Ich fragte mich, ob es einen Punkt in den Niederlanden gab, von dem aus man kein Haus sehen und keine Straße hören konnte? Eindeutig übervölkert das Land.

Ich konzentrierte mich auf die Details. Ganz selten eine Blume am Wegrand (alles weggespritzt).
Ganz im Gegensatz zu den Vorgärten. Blütenreiche.

In einem Bündel Osterglocken entdeckte ich einen kleinen Jungen.
Seinen Namen wollte ich wissen?
„William Christ!“

Williams Christ Rosen (auch Osterglocken genannt)

Williams Christ Rosen (auch Osterglocken genannt)

Warum er denn in mittelalterlichen Klamotten herumliefe?
Du hast mich doch gestern in Bourtange gesehen. Ich gehöre zur Historien-Schauspielertruppe.
Was er dann hier wolle?
Ich habe auf dich gewartet. Ich kann für dich übersetzen„.

Ich hatte mir vom Hotel eine Tageszeitung mitgenommen, in der Hoffnung, dass das Niederländisch irgendwie zu entziffern wäre. Ich hatte falsch gelegen. Kaum ein gedrucktes Wort verstand ich.
Ich nahm den Kleinen dankbar mit.

Unterwegs das immer gleiche Bild: Kanal mit Feldern. Felder mit Kanal.
Nur ab und zu ein Blickfang: Angler.

Schirmbewehrt

Schirmbewehrt

Mit Schirm und Schürze

Mit Schirm und Schürze

FrischFischFürDenAbend

FrischFischFürDenAbend

Gegen 15 Uhr 30 erreichte ich Ter Apel. Eigentlich ein Dorf. Aber mit ein paar schönen (und alten) Villen.

Nicht Unnützes drumrum

Nicht Unnützes drumrum

Viel drumrum

Viel drumrum

Einen Dorfkern gibt es nicht. Die Hauptstraße mit gesichtslosen Geschäftsfassaden zieht sich (einem Straßendorf ähnelnd) entlang des Kanalufers.

Liebloses Arrangement

Liebloses Arrangement

Ich setzte mich erst einmal auf eine Uferbank und las mit Hilfe meines kleinen Freundes die Tageszeitung. Der Hauptartikel ging um die Krönungsvorbereitungen Prinz Willem Alexanders und um allerlei Krönungs-Tand für die Souvenirläden. Beliebtestes Motiv: Der trinkfreudige Königsanwärter (von seinen Landsleuten Prinz Pils genannt) zusammen mit seiner glückstrunkenen (aber nie torkelnden) Prinzgemahlin um die Wette strahlend.

William Christ  übersetzt  Prinz Pils

William Christ übersetzt Prinz Pils

Immerhin gab es in Ter Apel ein nettes schön eingerichtetes Hotel.

Durst: Hertog Jan Pils. Süffig, aber ohne Nachhall. (Relativ junge niederländische Brauerei.)

T116-Essen-01

Hunger:
Safransuppe mit geräuchertem Fisch (gut) und Kalbslende mit Pilzsauce und Bratkartoffeln (ohne Pfiff).

T116-Essen-02a

William Christ wollte lediglich ein wenig Olivenöl, um sein Brot zu tunken.

T116-William-Christ-04

Unterkunft: 57 Euro.

Ein Gedanke zu „Mit William Christ beschwingt nach Ter Apel

  1. Lieber Rocki, schoen das Du wieder unterwegs bist. Geschichten und Fotos garantiert. Freu mich schon auf die vom 30 April…))

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